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Love in disguise

von lost noda
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Brad Delson Chester Bennington David "Phoenix" Farrell Joseph "Joe" Hahn Mike Shinoda Rob Bourdon
27.10.2021
07.01.2022
17
72.706
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Dieses Kapitel
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27.10.2021 3.874
 
Kapitel 1 - The beginning



"Du weißt ja, dass ich zu einer gut gemachten romantischen Komödie nicht nein sagen würde.", meldete sich Chester zu Wort. "Aber Gott, das war wirklich kitschig.", lachte er und richtete dabei seine Aufmerksamkeit auf seinen Freund, als der Abspann des Films über den Bildschirm lief. Beide lagen aneinander gekuschelt auf Mikes Couch.  "Warte. Weinst du etwa?"  

"Was? Nein, das sind nur meine Allergien.", antwortete der Dunkelhaarige und wischte sich eilig die Reste von ein paar Tränen weg.  

Der Andere kicherte. "Schon klar."  

Der Halbjapaner streckte ihm seine Zunge entgegen. "Aber du hast recht, der war wirklich kitschig. Nächstes Mal kannst du dir den Film wieder aussuchen.", lächelte er, den linken Arm um seinen Freund gelegt.

Es war immer so. Jeden Sonntag trafen sie sich für einen oder manchmal auch zwei Filme und aßen dabei vorher zusammen. Manchmal gab es etwas Simples wie Nudeln mit Soße, aber meistens bestellten sie einfach eine Pizza oder aßen Chinesisch. Und ja, bei jedem dieser Abende kuschelten sie so miteiandern, auch, wenn sie nur Freunde waren. Die Zierliche hatte seit fast sechs Monaten einen festen Freund, und der Halbjapaner, der nicht nur Beziehungen mit dem gleichen Geschlecht, sondern auch mit Frauen hatte, hatte sich vor zwei Wochen von seiner Freundin getrennt, nachdem sie vier Monate lang zusammen gewesen waren. Aber obwohl sie sich so nahestanden, war es nie etwas Sexuelles.  

"Du weißt schon, dass das dann ein Horrorfilm wird, oder?", fragte Chester mit einem Grinsen.  

"Das stört mich nicht.", erwiderte der Dunkelhaarige. "Ich meine, ich weiß, dass du nur nach einem Vorwand suchst, um dich in meine starken Arme zu flüchten.", fuhr er mit einem Grinsen fort.  

"Ach, komm schon. Als ob ich einen Film bräuchte, damit du mir an die Wäsche willst." Der zierliche Mann rollte spielerisch mit den Augen. Als sich ihre Blicke wieder trafen, verfielen beide in einen Lachanfall.

Das plötzliche Geräusch eines vibrierenden Telefons ließ sie zusammenzucken.  

Chester stand zügig auf und griff in seinen Rucksack, der neben der Couch stand. Während seine Aufmerksamkeit nun auf das Handy gerichtet war, welches er von dort hervorgeholt hatte, stand Mike auf, schnappte sich die leeren Pizzakartons und Getränkedosen vom Couchtisch und brachte sie in die kleine offene Küche neben dem Wohnzimmer.  

Einige Sekunden später gesellte sich sein Freud zu ihm, setzte sich auf einen der beiden Stühle an dem kleinen Tisch und beobachtete den Halbjapaner beim Aufräumen.  

Nachdem dieser die Spülmaschine eingeschaltet hatte, lehnte er sich an den Tresen und sah Chester an. "Also, was ist passiert?", fragte er.  

Der Andere zog eine Augenbraue hoch. "Was meinst du?"  

"Ich meine, dass ich glaube, dass zwischen dir und deinem aktuellen Lebensgefährten etwas vorgefallen ist. Du hast Steve den ganzen Abend über nicht ein einziges Mal erwähnt.", antwortete Mike mit einem sanften Lächeln. "Habt ihr euch gestritten?"  

Chester errötete. "Naja, nein, nicht wirklich."  

"Und das bedeutet?", fragte der Halbjapaner.  

Sein Freund seufzte. "Ach, es ist dumm. Ich war ohne guten Grund eifersüchtig.", erwiderte er mit einem schwachen Lächeln.  

Mike setzte sich nun auch an den Tisch. "Warum?"  

"Ich weiß es nicht. Seit Wochen erwähnt er diese neue Kollegin Samantha, und ich habe wirklich versucht, es nicht an mich heranzulassen, aber irgendwie konnte ich es nicht mehr ertragen, bevor ich herkam. Ich meine, wir hatten jetzt seit fast drei Wochen keinen Sex mehr. Jedes Mal, wenn ich versucht habe ihn anzumachen, sagte er, er sei nicht in der Stimmung oder so.", erwiderte Chester und seine Stimme klang dabei traurig mit einem Hauch von Wut. "Und als ich mich gerade auf den Weg hierher machen wollte, bekam er eine SMS, und ich sah, wie ein Grinsen über sein Gesicht huschte, und als ich ihn fragte, sagte er, es sei Samantha, und sie hätten nur über die Arbeit geredet, und sie hätte gerade etwas Lustiges gesagt. Und dann, na ja, bin ich einfach ausgerastet."  

Der Dunkelhaarige dachte eine Sekunde lang nach. Er konnte diesem Steve nach wie vor nichts abgewinnen. Irgendetwas an ihm war merkwürdig. Aber er wusste, dass es keine gute Idee wäre, jetzt schlecht über ihn zu reden. Immerhin schien es, als hätte er hier wirklich nichts falsch gemacht.  

"Siehst du, du schweigst, weil du auch denkst, dass ich überreagiert habe.", ergriff der Blonde erneut das Wort.  

"Ich habe nichts gesagt, weil ich dachte, dass dein Mangel an sexuellen Interaktionen erklärt, warum du den ganzen Abend lang meinen Hintern angefasst hast.", erwiderte Mike und begann zu grinsen.  

"Du bist ein Idiot.", lachte Chester auf.  

"Aber im Ernst, ich meine, ja, vielleicht hast du ein bisschen überreagiert. Das nächste Mal solltest du versuchen früher mit ihm zu reden und nicht drei Wochen lang sexuell frustriert zu sein." Der Halbjapaner lächelte sanft.  

"Ja, du hast recht. Ich meine, er hat mir vor einer Minute eine SMS geschrieben und naja, er führt mich morgen zum Essen aus und wenn ich später nach Hause komme, werde ich mich entschuldigen und naja, vielleicht werde ich heute Abend ja endlich flachgelegt.", sagte sein Gegenüber mit einem Grinsen.  

"Gott sei Dank. Ich meine, du weißt, dass ich mich geschmeichelt fühle, aber ich bin mir nicht sicher, ob mein Arsch das noch einen Abend aushält." Mike tat erleichtert, was den anderen zum Lachen brachte.  

"Das hättest du wohl gerne!", grinste er und stand auf. "Mach’s gut Michael.", flüsterte Chester seinem Freund ins Ohr, bevor er ihm einen Kuss auf die rechte Wange drückte.  

Jetzt war es Mike, der laut lachte. "Raus hier!", forderte er mit einem Grinsen. Der andere wusste ganz genau, dass er es nicht mochte, mit seinem vollen Vornamen angesprochen zu werden.  

Der Blonde kicherte. "Lieb dich.", sagte er und schnappte sich seine Jacke von der Rückenlehne der Couch und seinen Rucksack, während er sich auf den Weg zur Tür machte.  

“Lieb dich auch.", erwiderte der Halbjapaner und sah zu, wie sein Freund die Wohnung verließ.  

Als die Tür ins Schloss fiel, lächelte er. Er liebte ihre Filmabende wirklich.  

 

 

 

Drei Tage später gähnte Mike, als er am Morgen das Büro betrat. Die Frühschicht war definitiv nicht seine Lieblingsschicht. Aber er mochte seinen Job in der Kundenbetreuung. Auch, wenn es sich um ein Callcenter handelte und sein Herz der Kunst gehörte, vor allem dem Zeichnen und der Musik, half er den Menschen einfach gern. Natürlich hatte er nicht vor, hier für immer zu arbeiten, aber für den Moment war es perfekt. Er teilte sich seinen Arbeitsplatz mit zwei seiner Freunde aus der Schule, Rob und Brad, und hatte hier Chester und Dave kennen gelernt, die ebenfalls Teil ihres Freundeskreises wurden. Außerdem war da noch Joe, Daves Mitbewohner, der ebenfalls in diesem Gebäude arbeitete, allerdings auf einer anderen Etage und für eine andere Firma.  

"Morgen Mike.”, begrüßte ihn einer seiner Kollegen, auf dem Weg zu seinem Schreibtisch.

"Hi John.", antwortete der Halbjapaner mit einem Lächeln. An seinem Arbeitsplatz angekommen zog er dann seine Jacke aus und stellte seinen Rucksack ab. Nachdem er den Computer eingeschaltet hatte, machte er sich auf den Weg in den Pausenraum. Es war wirklich noch früh und er brauchte dringend einen weiteren Kaffee.  

Mit der Tasse voller dampfend heißer Flüssigkeit in der Hand setzte er sich ein paar Minuten später an seinen Schreibtisch. Nachdem er einen Schluck genommen hatte, schloss er die Augen und atmete tief ein. Obwohl er es nicht mochte, so früh aufzustehen und zu arbeiten, genoss er die morgendliche Stille.  

Das plötzliche Klingeln seines Telefons ließ ihn aufschrecken. 'Wer ruft mich um 7 Uhr morgens an?', überlegte er und schnappte sich schnell seinen Rucksack vom Boden, bevor er begann, ihn zu durchwühlen. Fünf Sekunden später hatte er endlich sein Handy gefunden. Als er auf das Display blickte, verdrehte er sofort die Augen. Es war Anna, seine Ex-Freundin. Er war gerade wirklich nicht in der Stimmung, sich mit ihr zu unterhalten. Er schaltete den Ton aus und wartete noch ein paar Sekunden, bis das Vibrieren aufhörte. Er seufzte und steckte das Handy weg. Wie er Anna kannte, würde es nicht lange dauern, bis sie es wieder versuchen würde. Da jetzt jedoch Stille herrschte, begann er zu arbeiten.  

 



"Und, hattest du neulich Abend Glück und ihr habt es getrieben?", fragte Mike und sah Chester grinsend an, bevor er sich etwas Salat in den Mund steckte. Er und einige seiner Kollegen machten gerade Mittagspause.  

Der andere lachte laut auf. "Ja, Gott sei Dank.", erwiderte er.  

"Leute, könntet ihr bitte nicht darüber reden, dass einer von euch Sex hat? Ich esse hier gerade.", mischte sich Dave ein und verzog dabei angewidert das Gesicht.

"Sag mal, wann hattest du eigentlich das letzte Mal Sex?" Chester sah den Rothaarigen mit einem süffisanten Gesichtsausdruck an.  

"Ich will auch nicht über mein Sexleben reden.", erwiderte sein Freund und verdrehte dabei Augen.  

"Ach, so lange ist das schon her?", mischte sich der Halbjapaner mit einem Grinsen im Gesicht ein.  

Plötzlich öffnete sich die Tür zum Pausenraum.  

"Brad! Gott sei Dank!", kam es Dave, als er den Lockenkopf erblickte.  

"Haben die zwei etwa schon wieder unangebrachten Themen?", lachte er und lief zum Kühlschrank.

"Die haben sie immer.", antwortete der andere und verdrehte erneut die Augen, während er einen weiteren Bissen von seinem Sandwich nahm.  

"Wir haben nur ein bisschen geplaudert.", kam es von dem Zierlichen grinsend.  

"Darüber zu reden, dass du Sex hast, ist kein Plaudern.", antwortete Dave.  

"Tut mir leid, aber ich dachte, als mein Freund würdest du dich auch für mein Privatleben interessieren." Chester zuckte mit den Schultern und sah sein Gegenüber unschuldig an.

Mike und Brad kicherten.  

"Also gut, ich, als dein Freund, würde es sehr begrüßen, wenn du zumindest für eine Weile aufhören könntest, über dein Privatleben zu reden. Bitte.", entgegnete der Rothaarige mit ernstem Gesicht, begann aber kurz darauf zu lächeln. Er konnte seinem Freund nicht wirklich böse sein.  

"Sehr gern.", grinste der Zierliche. "Also, lass uns über deinen Junggesellenabschied reden. Bist du sicher, dass du nicht Unmengen an Alkohol und ein paar nackte Frauen willst?", fragte Chester den Mann mit den lockigen Haaren, der nun ebenfalls an ihrem Tisch Platz genommen hatte.  

"Ich brauche keine weiteren nackten Frauen. Ich habe Elisa, und sie ist verdammt umwerfend, mit und ohne Kleidung.", lächelte Brad und rührte seinen übrig gebliebenen Nudelsalat vom Vortag um.  

"Gott, das ist so kitschig und so liebenswert zugleich.", lachte Mike auf und hielt sich die Hand vor den Mund, damit er sein Essen nicht ausspuckte.  

"Zu kitschig? Brauchst du ein Taschentuch?" Chester sah den Halbjapaner an und ein Grinsen formte sich auf seinen Lippen.  

"Ach, halt die Klappe!", antwortete dieser mit einem Lächeln, wohl wissend, dass die Aussage seines Freundes sich darauf bezog, dass er beim letzten Filmabend eine Träne vergossen hatte.  

"Aber wir können uns doch zumindest betrinken, oder?", ergriff der Zierliche erneut das Wort.

"Natürlich.", grinste Brad. "Das ist der Grund, warum wir nicht direkt am Tag nach meinem Junggesellenabschied und Elisas Junggesellinnenparty heiraten."  

"Und weil ihr beide in Las Vegas heiratet und jeder zusätzliche Tag einfach zu viel Geld kosten würde.", mischte sich Dave lachend ein.  

"Ja, das auch." Brad schloss sich ihm an. "Außerdem hat Elisa eine Geschäftsreise, die sie vorher noch antreten muss. Aber wie wir auf unseren Hochzeitseinladungen gesagt haben, werden eure Zimmer einen Tag vor der Hochzeit fertig sein, damit wir vor dem großen Tag noch etwas trinken oder spielen können."  

"Man, ich kann es kaum erwarten ein bisschen zu zocken. Ich war noch nie in Las Vegas.", kam es von Mike begeistert und er nahm einen Schluck von seinem Wasser.  

"Ich auch.", stimmte Dave lächelnd zu.  

"Ich ebenfalls. Ich habe sogar etwas Geld von meinem letzten Gehalt beiseitegelegt, nur um es dafür auszugeben.", sagte Chester lachend.  

Eine plötzliche Bewegung des Halbjapaners lenkte die Aufmerksamkeit aller auf ihn.  

Mike schaute auf sein Handy, bevor er es nach ein paar Sekunden wieder seufzend in seine Tasche steckte.  

"Was ist los?", meldete sich Brad zu Wort.  

"Anna versucht nun schon zum dritten Mal mich heute anzurufen.", antwortete der Halbjapaner genervt.  

"Was will sie denn?", fragte der Lockenkopf, bevor er mit seiner Gabel noch ein paar Nudeln aufpickte und sich diese dann in den Mund steckte.  

Der Halbjapaner zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal."  

"Vielleicht hat sie nur etwas bei dir vergessen. Ignorier sie doch nicht.", mischte sich Chester mit einem sanften Lächeln ein und trank einen Schluck von seinem Wasser.  

Ein paar Sekunden vergingen.  

Mike seufzte erneut. "Vielleicht hast du recht.", erwiderte er. "Aber ich habe keine Lust mehr mir ihren Unsinn anzuhören."  

"Ich habe immer recht.", grinste der Blonde. "Und umso schneller du es hinter dich bringst, desto schneller hört sie auf, dich zu belästigen."  

"Das ist wahr.", stimmte Dave zu.  

"Na gut, ich rufe sie später mal zurück.", sagte der Halbjapaner und verdrehte scherzhaft die Augen. Er wusste, dass sein Freund Recht hatte.  

"Guter Junge.", grinste Chester erneut, woraufhin Mike ihm die Zunge herauszustrecken.  

Plötzlich öffnete sich die Tür zum Pausenraum, was die Aufmerksamkeit aller auf sich zog. Es war Charlie, ihre Chefin.  

"Hallo Jungs, es tut mir leid, dass ich euch beim Mittagessen störe, aber ich brauche wirklich mindestens zwei von euch an ihrem Schreibtisch zurück. Es warten eine Menge Kunden am Telefon.", sagte sie, als sie in der Tür stand und ihre Angestellten ansah.  

"Kein Problem, ich bin sowieso fertig mit dem Essen.", meldete sich Dave zu Wort und stand auf.  

"Ich auch.", kam es vom Zierlichen, welcher sich nun ebenfalls erhob.  

Nachdem sie ihr Geschirr und die Essensreste weggeräumt hatten, folgten die beiden Charlie aus dem Raum.  

Als die Tür sich schloss, drehte sich Mike zu Brad. "Bist du sehr nervös wegen deines großen Tages?", lächelte er. Er wusste, dass sein Freund glücklich war. Elisa war die erste Frau, die er nach nur einem Monat, in welchem sie miteinander ausgegangen waren, als seine Freundin bezeichnet hatte. Davor war er wirklich nicht der Typ für langfristige Beziehungen.  

Der Lockenkopf begann zu lächeln. "Nein. Ich kann es kaum erwarten. Sie ist perfekt."  

Der Halbjapaner lächelte ebenfalls, bevor sie schweigend weiter aßen.  





 

Später an diesem Tag saß Mike auf seinem Sofa und sah fern, als es an der Tür klingelte. Er stellte behutsam sein Getränk weg und machte sich auf den Weg in den Flur. Er wusste, dass es Anna war. Nach der Arbeit hatte er sie angerufen, und anstatt ihm am Telefon zu sagen, was sie wollte, hatte sie ihn gebeten, vorbeikommen zu dürfen.  

"Hallo.", begrüßte sie ihn winkend, als er die Tür geöffnet hatte.  

"Hi.", erwiderte Mike und machte einen Schritt zur Seite. "Kommen rein."  

Ein paar Sekunden später betraten beide das Wohnzimmer. "Möchtest du etwas zu trinken?", fragte der Halbjapaner, während er in die Küche lief.  

"Wasser bitte.", antwortete Anna.  

"Also, was ist es, dass du mir am Telefon nicht sagen konntest?" Er sah sie fragend an, während er zum Sofa hinüberkam, wo sie bereits Platz genommen hatte, und reichte ihr eine Flasche Wasser.  

Anna nahm einen Schluck, bevor sie zu lächeln begann. "Ich bin schwanger."  

"Was?", schoss es aus Mike als erstes heraus.

"Ich bin schwanger und du bist der Vater.", wiederholte sie.  

"Nein, das kann nicht dein Ernst sein." Der Halbjapaner war fassungslos. Mit einer solchen Nachricht hätte er nie gerechnet.  

"Ich weiß, es ist ein Schock. Das war es für mich auch, aber ich meine es ernst."  

"Aber, aber wie? Ich dachte, du nimmst die Pille?"  

"Ja, aber erinnerst du dich an unseren Streit ein paar Tage bevor wir uns getrennt haben?", fragte sie, ohne auf eine Antwort des anderen zu warten. "Wir hatten an dem Abend auch viel getrunken und haben schließlich miteinander geschlafen. Und na ja, an diesem Tag hatte ich sie vergessen.”

Kurz herrschte Stille, als Mike sich an diesen Tag zurückerinnerte. "Scheiße.", flüsterte er.  

"Ich hätte es nicht besser sagen können." Anna lächelte sanft. "Die ganze letzte Woche musste ich mich jeden Morgen übergeben, aber ich dachte, ich hätte vielleicht eine Grippe oder so etwas. Aber als das Ausbleiben meiner Periode dazukam, habe ich mir gestern ein paar Tests gekauft."  

"Es gibt also keinen Zweifel?"  

"Es besteht immer die Möglichkeit, dass es etwas anderes ist. Um wirklich sicher zu sein, musss ich zum Arzt. Aber ich denke, wir sollten darauf vorbereitet sein, dass die drei Tests, die ich gemacht habe, die Wahrheit sagen."  

Eine Minute lang schwiegen beide.

“Du willst es also behalten?"  

“Natürlich. Willst du das nicht?”  

“Was? Nein, es tut mir leid, ich bin einfach überfordert.", kam es von Mike und er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Er konnte es einfach nicht fassen.  

"Ja, so habe ich mich in den letzten 12 Stunden auch gefühlt.”, erwiderte seine Ex-Freundin und lächelte noch immer sanft.  

“Ich meine, ich kann im Moment nicht wirklich klar denken, aber es ist sowieso deine Entscheidung, weißt du.”  Er hielt inne. “Ich schätze, ich bin mir einfach nicht sicher, was ich tun würde.”

Anna nickte. “Ich habe über eine Abtreibung nachgedacht, mich aber dagegen entschieden. Ich meine, ich wollte sowieso eines Tages Kinder haben.”, zuckte sie mit den Schultern. “Und dass du der Vater bist, ist wohl nicht das Schlimmste, das passieren kann.” Die Frau ergriff Mikes Hand und drückte sie. "Ich meine, wir sind beide gutaussehend, klug und haben generell gute Gene. Dieses Kind wird also das Beste von allem haben.”

Als Anna dann anfing, darüber zu reden, wie sie das Kinderzimmer einrichten sollten und dass Mike mit seiner Chefin über eine Gehaltserhöhung und einen Umzug sprechen müsse, damit sie eine gute Schule in der Nähe hätten, verstummte er.

Ab und an täuschte er ein Lächeln vor und nickte nur, wobei er ihren Worten keine Aufmerksamkeit mehr schenkte. Warum musste sich sein Leben von einer Minute auf die andere einfach so ändern?  

 

 

 



"Wie sicher ist sie denn?", fragte Dave.  

"Sie hat gesagt, dass ihr Arzttermin in etwa drei Wochen ist, weil es bis dahin irgendwie nicht offiziell ist.", erwiderte Mike. "Aber, ähm, sie hat eine Handvoll Schwangerschaftstests gemacht, die alle positiv waren."  

Es war der nächste Tag und er, Dave, Brad, Chester und Rob waren auf der Arbeit. Aber obwohl sie eigentlich arbeiten mussten und auch über den Junggesellenabschied ihres Freundes sprechen wollten, der am nächsten Abend stattfand, waren der Halbjapaner und seine schwangere Ex-Freundin ihr Thema Nummer eins.  

"Na gut, nehmen wir mal an, sie ist schwanger. Wer sagt denn, dass du der Vater bist?”, fragte Brad.  

"Ja, kannst du nicht einen Test oder so etwas machen?", mischte sich Chester ein.  

"Das habe ich mir auch überlegt und direkt mal im Internet geschaut." Mike seufzte. "Aber das ist wirklich teuer, solange das Baby noch nicht auf der Welt ist.", lächelte er schwach. Er wusste immer noch nicht, was er von all dem halten sollte.  

ring ring

Das Klingeln von Daves Headset ließ sie alle ein wenig zusammenzucken.  

Schnell nahm der Rothaarige den Anruf entgegen. Währenddessen konzentrierten sich die anderen wieder auf Mike.  

"Wow, ich hätte nie gedacht, dass du der Erste von uns bist, der ein Kind bekommt.", sagte der Blonde, nachdem er ein paar Dinge im Programm auf seinem Computer angeklickt hatte, um die E-Mail zu verschicken, die er gerade nebenbei geschrieben hatte.

Brad nickte. "Ich auch nicht."  

"Aber ich bin trotzdem aufgeregt.", meldete sich Chester wieder zu Wort. "Ich meine, wenn das Baby Glück hat, wird es mehr von deinen Genen erben als von Annas. Es wird also klug und ziemlich niedlich.", grinste er und brachte die anderen drei zum Kichern. "Außerdem kann ich es kaum erwarten, Onkel zu werden. Ich kann ihm oder ihr alle wichtigen Dinge des Lebens beibringen.", schmunzelte er.  

"Was denn zum Beispiel? Nicht in der Lage zu sein, die Herrentoilette zu finden, wenn man betrunken ist?", kam es vom Lockenkopf lachend.

"Das ist nur ein einziges Mal passiert!”, verteidigte sich der Blonde.  

"Du meinst diesen Monat.", erwiderte Brad grinsend. "Gott sei Dank wird das Baby nicht deinen Orientierungssinn bekommen.", lachte er, woraufhin Chester ihm die Zunge herausstreckte.  

"Können wir bitte nicht mehr über Anna reden?", lächelte Mike schwach. "Morgen ist dein Junggesellenabschied, also musst du hier jetzt im Mittelpunkt stehen, nicht ich."  

"Er hat recht.", mischte sich Rob ein und lächelte seinen Nebenmann aufmunternd an. "Also, ich nehme an, die Location dafür hat sich seit gestern nicht geändert?" Er blickte nun Brad fragend an.  

"Nö." Antwortete dieser. Als Dave währenddessen sein Telefonat beendet hatte, richtete er seinen Blick nun auch auf Brad. "Und ich habe für 19 Uhr einen Tisch für uns reserviert, der etwas mehr Abseits ist, damit wir für uns sind.", lächelte er.  

"Und ich nehme an, es wird keine Stripperin geben, richtig?", fragte Rob weiter mit einem Grinsen.  

"Nö.", wiederholte Brad seine Aussage und lachte.  

"Joe ist deswegen bestimmt sehr traurig.", mischte sich Chester kichernd ein.  

"Ich auch.", kam es von Mike und brachte damit alle zum Lachen.  

"Leute, ich bin froh, dass ihr heute alle zur gleichen Zeit arbeitet und Spaß habt.", ertönte plötzlich Charlies Stimme, als sie neben ihnen auftauchte. "Aber ich habe eine Bitte." Sie hielt inne. "Weniger reden, mehr arbeiten.", zwinkerte ihre Chefin ihnen zu.  

"Entschuldigung.", antworteten die fünf Männer gleichzeitig und lächelten verlegen, bevor sie sich wieder auf ihre Arbeit konzentrierten.
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