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(u) make me lose my breath

von echan
GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / Mix
Hakuryuu Kija Riri Ryokuryuu Jea-ha Son Hak Yona Yun
24.10.2021
01.12.2021
11
29.181
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25.11.2021 2.486
 
Yona bereute die Wahl ihrer Kleidung. Das dünne, karierte Hemd wärmte sie so gut wie gar nicht. Auf dem Heimweg war ihr der Wind überhaupt nicht so kühl vorgekommen. Aber es schien aufgefrischt zu haben. Sie schloss die Knöpfe des übergroßen Hemds. Sie hatte es in einem Second Hand Geschäft entdeckt und sich sofort in den grün-grau gemusterten Stoff verliebt.  Er war weich und der lässige Schnitt gefiel ihr. Zugeknöpft sah es vermutlich aus wie ein Nachthemd. Doch die Gänsehaut auf ihrem Körper ließ sich nicht so einfach ignorieren. Hätte sie doch nur einen Pullover mitgenommen.
Ihre Schritte beschleunigten sich, was kurzzeitig für etwas mehr Wärme sorgte. Bald kam der Skate-Parcours in Sicht. Yona lenkte ihre Schritte zu dem üblichen Treffpunkt. Ayura und Kija waren die ersten, die sie bemerkten.
Yona ging gespannt auf die anderen zu. Sie nahm neben Zeno Platz. Es dauerte nicht lange, bis Tetra sie mit leicht zusammengekniffenen Augen musterte. Ganz automatisch beschleunigte sich Yonas Puls. Es war von Anfang an nur eine Frage der Zeit, bis es jemandem auffiel.
>>Hey, sag mal – seh‘ ich richtig? Hast du dir ein Piercing stechen lassen?<<
Riri, Ayura, Kija und Zeno sahen auf Tetras Bemerkung hin zu Yona. Aus allen Gesichtern sprach Überraschung. Yona fühlte sich nie wohl, wenn sie im Zentrum der Aufmerksamkeit war, hatte es aber natürlich kommen sehen. Sie nickte, ein schüchternes Lächeln auf ihren Lippen.
>>Ich glaub’s nicht. Ehrlich?<<, rief Riri. >>Zeig mal her.<<
>>Geht nicht, ich muss es noch abgedeckt lassen<<, gab Yona entschuldigend zu.
Sie deutete auf die beiden dünnen Pflasterstreifen. Wegen ihrer langen Haare musste sie vorsichtig sein. Um die frisch gestochenen Peircings für die ersten Stunden etwas zu schützen, waren die frisch gestochenen Piercings abgedeckt worden. >>Ich soll die Pflaster noch etwas drauf lassen.<<
>>Hey, was ist denn hier los?<< Jea-ha kam mit Hak im Schlepptau auf sie zu.
>>Yona hat sich Piercings stechen lassen<<, posaunte Riri heraus.
>>Wirklich?<< Jea-ha kam neugierig näher.
Yona deutete auf ihr rechtes Ohr. >>Ja, ein weiteres im Ohrläppchen und eins weiter oben.<<
>>Ein Helix, richtig?<< Tetra klang nicht ganz sicher, doch Yona nickte.
>>Ja, das nennt man Helix.<<
>>Sieht bestimmt gut aus. Aber wie willst du das Il erklären? Ich bin mir ziemlich sicher, dass er kein großer Fan von Körperkunst ist<<, sagte Jea-ha.
>>Ich hab es mir zum Geburtstag gewünscht<<, gab Yona zu und lachte. Als ob sie sich heimlich piercen lassen würde.
>>Und damit hat er kein Problem?<<, wollte Hak wissen.  
>>Nein, also ... also gut, das Helix-Piercing hat ihn jetzt nicht begeistert, aber er hat erlaubt. Immerhin bin ich 16 und ich hab auch eine ganze Weile darüber nachgedacht ... na ja, ich glaube, es war ihm auch lieber, als das Piercing, das ich ursprünglich im Sinn hatte.<<
Ayura lehnte sich interessiert nach vorn. Die Haare ihres schwarzen Bobs glitten nach vorn und umgaben ihr Gesicht wie einen Rahmen. >>Was wolltest du denn eigentlich für eins? Ich meine, wenn die beiden im Ohr die zweite Wahl waren.<<
Auch die anderen warteten gespannt auf Yonas Antwort. Mit den neugierigen Blicken, die auf ihr lagen, stieg Yonas Aufregung. Doch nun war die Katze einmal aus dem Sack. Sie konnte ebenso gut zugeben, was ihr vorschwebte.
Yona grinste etwas verlegen. >>Hätte ich es mir ganz frei aussuchen können, dann ... ja, eins in der Lippe. Es heißt Jestrum und ist ein Stab, der hier von oben nach unten durch die Oberlippe gestochen wird<<, erklärte Yona und zeigte auf die Stelle ihrer Oberlippe, die mittig unter ihrer Nase lag. >>Aber ich weiß ja, was mein Vater von Piercings und so hält. Keine Piercings im Gesicht oder Tattoos bis ich 18 bin>>, zitierte sie Il.
>>Und dann?<<, fragte Kija entgeistert.
>>Na, dann kann er es mir streng genommen ja nicht mehr verbieten. Aber bis ich volljährig bin, wird daraus nichts. Aber das ist schon in Ordnung. Ich bin super zufrieden mit den Piercings im Ohr.<<
>>Oh man, ich will sie so gerne mal sehen<<, rief Riri begeistert.
>>Heißt das etwa, du willst dir später mehr Piercings machen lassen ... wenn du 18 bist?<< Kija klang besorgt und schien wie vor den Kopf gestoßen.
>>Ja, ich denke schon.<<
>>Das hätte ich nicht gedacht<<, grinste Tetra. Sie betrachtete Yona mit verschmitzter Miene. >>Unsere süße Yona mit Piercings und Tattoos. Jetzt bin ich echt neugierig. Schade, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird. Aber ich bin gespannt.<< Sie zwinkerte Yona zu.
>>Ich bin auch gespannt, wie die Piercings im Ohr aussehen werden. Wann sind die denn verheilt?<< Zeno lehnte sich etwas näher zu ihr. Doch die Pflaster verdeckten alles.
Yona erzählte, was ihr die Frau im Piercingstudio gesagt hatte. Sie musste die Piercings sauber halten und sollte in den nächsten Wochen auf ein paar Dinge verzichten. Aber das würde kein Problem sein. Yona hatte weder vor, ins Schwimmbad noch in eine Therme zu gehen. Sonnenbaden war ohnehin sinnlos, weil sie sich eher einen Sonnenbrand holte, als braun zu werden.
>>Aber Yona, denkst du echt, dass das eine gute Idee war. Ich meine, es hat doch sicher weh getan. Und was ist, wenn du die Piercings irgendwann nicht mehr willst. Dann bleiben doch trotzdem Löcher, die du nie wieder weg bekommst?<<
Hak, der die ganze Zeit über nicht viel gesagt hatte, meldete sich plötzlich zu Wort. Yona wandte sich zu ihm um, als er das Wort an Kija richtete. Hak war nicht gereizt, aber seine Stimme klang aus irgendeinem Grund gespannt. >>Nicht jeder plant seine Entscheidungen so akribisch wie du. Und wenn schon – wenn Yona keinen Bock mehr auf die Piercings hat, ist es halt so. Kein Weltuntergang.<<
>>Das ist lieb von dir, Kija. Aber du musst dir keine Sorgen machen<<, sagte Yona. >>Die beiden haben nicht weh getan und die Löcher im Ohr sind außerdem so klein, die werden nicht auffallen, wenn ich irgendwann mal keine Lust mehr darauf haben sollte.<<
Yona atmete auf, als sich das Thema allgemein um Tattoos und Piercings drehte und es nicht mehr um ihre persönlichen Pläne ging. Während die anderen darüber diskutierten, was ihnen gefiel und das Für und Wider abwogen, drehte Yona ihren Kopf und sah zu Hak. Sie erschrak etwas, als sich ihre Blicke trafen. Sie strich eine Strähne aus ihrem Gesicht und lächelte zögerlich.
Hak hatte nichts zu ihren Piercings gesagt. Aber dennoch hatte er ihre Entscheidung verteidigt. Oder hatte er Kija nur ägern wollen? Letzteres schien fast wahrscheinlicher. Hak nutzte gern jede Gelegenheit, um Kija aufzuziehen. Aber ein unbestimmtes Gefühl sagte ihr, dass das nicht die ganze Wahrheit war. Dabei konnte sie sich nicht entsinnen, wann er sie schon einmal in Schutz genommen hatte. Mit einem seltsam mulmigen Gefühl wandte sich Yona wieder dem Gespräch zu.
Die Kälte war aus ihrem Körper gewichen. Für eine Weile vergaß sie sogar den kühlen Wind. Als die Sonne jedoch allmählich am Horizont verschwand, kam die Gänsehaut zurück.
Kija, Zeno und Riri hatten sich bereits verabschiedet. Also saß Yona mit Ayura und Tetra am Rand des Parcours, während Hak und Jea-ha skateten.
Ayura und Tetra beschlossen schließlich, aufzubrechen. Tetra rief Jea-ha etwas zu und der reckte seinen Daumen nach oben. Er war mit seinem Auto da und hatte den beiden angeboten, sie später nach Hause zu fahren. Zusammen mit Jea-ha kam auch Hak auf sie zu. Beide stoppten ihre Boards und ließen sie mit einem gezielten Tritt nach oben schnappen.
>>Ihr wollt los?<<, fragte Jea-ha und erntete ein Nicken, sowohl von Tetra als auch Ayura. >>In Ordnung, ist auch doch schon recht spät. Mein Auto steht auf dem Parkplatz am Westeingang.<<
>>Alles klar, bis dahin sind es ja keine 3 Minuten.<<
>>Ihr müsst in die andere Richtung<<, stellte Jea-ha fest. >>Tut mir leid, dass ich euch nicht mitnehmen kann.<<
>>Ach, ist doch nicht nötig. So super weit haben wir es ja nicht<<, antwortete Yona. Es war wirklich unnötig, die Strecke zu fahren. Wenngleich ihr doch inzwischen kalt war. Sie hatte die Arme um sich geschlungen, als könnte sie sich damit gegen den Wind wappnen. >>Macht ihr euch ruhig auf den Weg.<<
>>Alles klar, dann bis morgen<<, verabschiedete sich Tetra.
>>Genau, wie sehen uns.<<
>>Ciao, kommt gut nach Hause.<<
>>Danke, ihr auch.<<
Yona sah den anderen nach, während Hak in seinem Rucksack herumkramte.
Mit einem >>Hier<< lenkte Hak ihre Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Kopf drehte sich zu ihm. Er stand neben ihr und hielt ihr ein Sweatshirt hin. Yona verstand, aber war ein wenig überrumpelt. Es war nett von Hak, aber so schlimm fror sie nicht.
>>Danke, aber ist schon okay.<<
Hak zog seinen Arm nicht zurück. Stattdessen wanderte eine seiner Augenbrauen nach obenm was ihm einen skeptischen Ausdruck verlieh.
>>Wirklich, so kalt ist es nicht<<, sagte Yona und ließ ihre Arme sinken. Sie wollte Hak zeigen, dass sie nicht fror, bereute ihre Entscheidung aber fast augenblicklich. Eine Böe pfiff über den Parcours und ließ Yonas Hände wieder schützend nach oben schnellen.
Mit über der Brust gekreuzten Armen versuchte sie, Haks skeptisch-ironischen Blick standzuhalten.
>>Und was ist mit dir?<<, fragte sie. Hak trug nur ein dünnes Oberteil. Zwar mit langen Ärmeln, aber damit hatte es sich auch schon. Er würde definitiv frieren, wenn sie sein Sweatshirt nahm.
>>Nichts, mir ist nicht kalt<<, erwiderte er gelassen. >>Also hier.<<
>>Gut<<, murmelte Yona und nahm Hak den Pullover ab.
Sie steckte ihre Arme in die fluffigen Ärmel. Ihr Kopf verschwand als Letztes in dem weichen Stoff und als sie Luft holte, war ihre Nase von einem intensiven, bekannten Geruch erfüllt. Da war auch ein schwacher Duft von Waschmittel. Aber allen voran war da Haks Geruch. Selbst als Yona aus den Tiefen seinen Sweatshirts auftauchte, blieb der Geruch.
Die zusätzliche Stoffschicht legte sich wie eine wärmende Decke um ihren Oberkörper. Yona fühlte sich augenblicklich wohler, obwohl sie bei Haks Anblick ein schlechtes Gewissen überkam. So warm konnte ihm vom Skaten nun auch wieder nicht sein.
Sie liefen schweigend nebeneinander her, bis Yona ein Thema anschnitt, dass sie beschäftigte. Jetzt, wo sie mit Hak allein war, schien es die beste Gelegenheit zu sein. Doch Haks Geruch, der sie umgab, brachte sie unerwartet aus dem Konzept. Ihre Finger gruben sich in dem Saum des Sweatshirts, während sie nach den richtigen Worten suchte. Immerhin hatte sie keine Ahnung, wie Hak reagieren würde. Aber wenn sie ihn nicht fragte, würde sie es nie erfahren.
Yona sprach sich im Geiste Mut zu. Sie legte sich die Worte zurecht und zwang sich, sie endlich auszusprechen. Als sie über ihre Lippen kamen, sah sie ihn nicht an.
>>Hak, ich ... also ich wollte dich fragen, ob du, ähm, mir vielleicht nochmal beim Skaten helfen könntest?<< Yona fand, dass ihre Stimme furchtbar hoch klang. Und als Hak nicht gleich reagierte, plapperte sie nervös weiter. >>Also du weißt schon, so wie beim letzten Mal. Ich ... ich würde es wirklich gerne lernen und weiter versuchen. Du hast mir ziemlich gute Tipps gegeben, weißt du, und na ja – ich hab vielleicht kein Board, aber ich könnte mir eins besorgen.<<
>>Du willst also, dass ich dir Skateboardfahren beibringe?<<
Yona hörte keinen Spott in seiner Stimme, aber sie drückte sich dennoch davor, Hak anzusehen. Was, wenn er ihre Bitte lächerlich fand? Das wäre ihr wirklich peinlich.
>>Äh, hmm, ja. Aber ich verstehe, wenn du das nicht willst.<<
Wenn er ihr beim Skaten half, würde Hak im Umkehrschluss seine Freizeit opfern. Zeit, die er vielleicht nicht hatte oder nicht mit ihren stümperhaften Versuchen verschwenden wollte. Yona spürte, wie ihr wärmer wurde. Jetzt war es ihr tatsächlich unangenehm, Hak um Hilfe gebeten zu haben. Warum hatte sie nicht Jea-ha gefragt?
>>Schon okay. Bist du dir sicher?<<
>>J-ja, schon.<<
>>Ich frage nur, weil es ein ziemlich intensiver Sport ist. Also die Chancen, sich zu verletzen, sind nicht ohne. Vor allem am Anfang.<<
>>Hmm, darüber habe ich auch nachgedacht. Aber irgendwie würde ich es trotzdem gern versuchen, keine Ahnung.<<
Hak blieb stehen und Yona sah verwundert auf. Sie waren da – ohne es zu bemerken, hatten sie den Weg vom Park hinter sich gebracht. Yona schien einen Moment verwirrt, fing sich aber schnell wieder.
>>Wann solls den losgehen?<<, fragte Hak und legte eine Hand in seinen Nacken.
>>Äh, also ... keine Ahnung. Wahrscheinlich, wenn ich mir ein Board besorgt habe...<<
>>Wir wäre es mit Morgen?<<
>>I-ich glaube so schnell komme ich nicht an eins ran.<< Yona lachte entschuldigend und blickte verstohlen zu ihrem Haus.
>>Lass mich mal machen<<, entgegnete Hak.
>>Oh, ok. Ähm, ja ... dann morgen, in Ordnung.<<
So schnell hatte Yona nicht damit gerechnet, wieder auf einem Skateboard zu stehen. Sie war verunsichert, aber auch irgendwie froh. Hak schlug den späten Nachmittag vor und Yona stimmte zu. Gerade als sie sich verabschiedet hatte, fiel ihr ein, dass sie noch Haks Sweatshirt trug. Sie wirbelte herum und machte Anstalten, seinen Pullover auszuziehen. Aber Hak schüttelte nur seinen Kopf. Mit einem Lachen bedeutete er ihr, ihn anzulassen.
>>Gib ihn mir einfach ein anderes Mal zurück<<, erklärte er und nickte ihr zum Abschied zu.
Yona stimmte ihm wortlos zu und sah ihm kurz nach, bevor sie sich umwandte.
Erst als sie zu Bett ging, zog sie Haks Pullover aus. Yona kam sich komisch vor, als sie ihn über die Lehne ihres Stuhls legte. Ihre Hand strich vorsichtig über den Stoff, bevor sie unter ihre Decke schlüpfte.

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double-feature: 2 kapitel an einem tag - was soll ich sagen. ich hatte einen guten lauf und konnte mich dann doch nicht zurückhalten. gut für euch ;))) uuuund, was sagt ihr? bin gespannt. liebe grüße
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