Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Können Engel vergeben?

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P6 / Gen
21.10.2021
21.10.2021
1
1.194
7
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
21.10.2021 1.194
 
Dies ist meine erste veröffentliche FanFiction. Viel Spass beim Lesen, ich hoffe sie gefällt euch.
__________________________________________________________________________________________________

Sein Blick glitt über die nächtliche Skyline von New York. Das funkelnde Lichtermeer der Gebäude aus Stahl und Glass erinnerte ihn an den leuchtenden Sternenhimmel. Hier oben, über den Dächern der Metropole, konnte ER den Lärm der niemals ruhenden Strassen zum Glück nicht hören. Doch ER war nicht hier, um sich dieses Zeugnis der menschlichen Grossarchitektur anzusehen oder seinen eigenen Träumen nachzuhängen. ER hatte etwas zu erledigen...
Die lautlosen Schritte seiner präsenzlosen Existenz führten hinab zu einer kleinen Gasse hinter einer Galerie.
Was hatte ihn hier her geführt?

Es war nun ein Jahr her. ER hatte seine Warnung an das Menschenkind durch die Seele deren Mutter ausrichten lassen, in der Hoffnung das Kind würde zuhören und ihrer Bitte gehorchen. Und doch hatte sie, die das Blut seines Bruders in sich trug, erneut gewagt eine Rune zu erfinden.
Warum nur? Warum konnten diese Menschen nicht hören? Warum konnten sie nicht tun, was man ihnen auftrug? Warum mussten sie sich von ihren dummen und störenden Gefühlen leiten lassen? Besonders diese eine unter seinen Kindern, unter den Schattenjägern.
Ah, ja, der freie Wille.... manchmal war dieser freie Wille echt ätzend.
Doch trotz seiner Wut hatte ER einen Funken Gnade walten lassen. Die Gnade am schönsten Tag ihrer Freunde teilzuhaben und die Gnade sich verabschieden zu können. Ausserdem... hatte sie mitgeholfen etwas zu schaffen, was seine Kinder seit Generationen beharrlich durch Irrglauben und Ignoranz verhinderten - eine durch selbstlose Liebe getragene Verbindung zwischen einem Schattenjäger und einem Hexenmeister. Denn egal ob Nephelim, Unterweltler oder Mundi, sie alle waren wenigstens zum Teil menschlich und damit waren sie ein Teil der göttlichen Schöpfung und somit Teil des grossen Plans. Und natürlich hatte sie nicht aus böswilliger Absicht gehandelt, sie hatte ihre Freunde beschützen wollen. Dennoch hatte sie mutwillig gegen den Willen der Engel gehandelt, hatte die Warnungen ignoriert. Und.... sie hatte den Tod seines Bruders herbei geführt. Ituriel.... geliebter Bruder und Freund, dessen unsterbliches Herz von der Mutter der Dämonen herausgerissen wurde. Dem hatte ER einfach einen Riegel vorschieben müssen.

Clarissa Fray, unter diesem Namen würde sie nun wieder unter den Mundis leben, ohne die Erinnerungen an das eine Jahr. Noch einmal würde sie über den Verlust ihrer Mutter hinweg kommen müssen, sie würde den Verlust ihres besten Freundes ertragen müssen, doch sie war stark. Ausserdem würde sie die kleine Schwester ihres besten Freundes an ihrer Seite haben.
Und sie würde beschützt sein, dafür würde ER sorgen. Denn so zornig ER auch war, ER liess seine Kinder nicht einfach im Stich.

Doch da wusste ER noch nicht was er sich eingehandelt hatte....

ER kannte den Brief, den das Menschenkind für ihre Liebsten geschrieben hatte, der Abschied und der Aufruf nicht nach ihr zu suchen. Wie immer interpretierten die Sterblichen zu viel in seine Aussagen, doch auch das war ihr freier Wille.
Und dann hatte es begonnen...... jeden Tag..... jeden verdammten Abend....
Normalerweise verteilten sich die Gebete der Menschen in den Heerscharen des Himmels, doch die Nephelim entstammten seinem Blut und so drangen ihre Gebete stets an sein Ohr. Jonathan Christopher Herondale, Jace von seinen Freunden genannt, war ein Nephelim, einer der Besten sogar und er betete jeden Tag, manchmal sogar mehrmals, und immer ging es um SIE.
Oh es nervte, ER hatte sogar versucht diesen Gebeten irgendwie zu entkommen, sie zu ignorieren, ja, sich sogar die Ohren zuzuhalten. Doch es war vergeblich. Die Liebe und Verzweiflung, die der Sterbliche in seine Worte und Gedanken legte, konnte ER nicht ignorieren, so sehr ER es auch versuchte. Anfangs war ER wütend geworden. Wie konnte so ein mickriger kleiner Sterblicher es wagen ihm jeden Tag mit der selben Sache zu behelligen. Wusste dieser Wurm denn nicht dass ER besseres zu tun hatte? Den Plan des Schöpfers zu bewachen, war schliesslich kein Parkspaziergang - quengelndes Kind.

Ein Menschenjahr ist keine Zeit in der unendlichen Existenz eines Engels und die Sterblichen waren anpassungsfähig - normalerweise. Doch das Bitten und Flehen seines jungen Kriegers ebbte nicht ab, wurde gar noch verzweifelter. Dem konnte und durfte ER sich nicht verschliessen und so wandte er sich der flackernden Seele zu. ER konnte den Schmerz fühlen, die Trauer, die Verzweiflung, doch auch ebenso tiefes Vertrauen und Liebe. Mit einem resignierten Seufzen erkannte ER, dass es nicht enden würde und ER verspürte nicht die Lust für den Rest eines kurzen Menschenlebens stetig und ständig mit der gleichen Bitte konfrontiert zu sein.
Um des Himmels Frieden - und seinem eigenen - entschied ER hinab zu steigen und sich das Ganze noch einmal zu betrachten, unerkannt und unbemerkt natürlich.

Und so war ER nun hier. ER musste nicht in die Galerie gehen um zu sehen. Sein Blick durchdrang das Mauerwerk, ebenso wie die Mundis im Inneren bis sein Blick auf das Menschenkind fiel. Sorgfälltig lauschte ER den Worten, die sie zu einem Besucher sprach und die ihre Bilder erklärten. Ja, ER hatte ihr die Erinnerung genommen, doch ER hatte sie nicht gelöscht, nicht alles. Es war nur verschlossen und tief in ihrem Unterbewusstsein vergraben. Doch wie es schien, hatte ihr Herz einen winzigen Zugang zu dem Verborgenen gefunden.
Nur einen Moment verweilte seine Aufmerksamkeit noch auf ihr, ehe wieder bittende Worte seines Kriegers an sein Ohr drangen. ER liess seinen Blick durch den Raum gleiten und fand ihn schliesslich an einer Säule lehnend. Der Zauberglanz konnte ihn nicht vor seiner Wahrnehmung verbergen, hatte er ihnen doch die Rune dafür gegeben. Doch wieder erkannte ER die Liebe und die Trauer im Herzen des jungen Mannes, ER fühlte den Schmerz und den Verlust.
Vielleicht..... vielleicht konnte diese Liebe wirklich überdauern. Es wäre es wert zu versuchen...
So griff Er mit imaterieller Hand aus, nach der Seele der jungen Frau und öffnete jene Tür in ihrem Geist, die er verschlossen hatte. Nur einen winzigen Spalt, gerade breit genug für eine Feder, denn aufstossen und hindurch gehen, dass musste sie ganz allein - auch das gehörte zum freien Willen.
ER sah den Moment, in dem sie hinter den Zauber blickte und den Nephelim entdeckte. ER sah dessen Verwunderung und den Schmerz, als er erkannte, dass sie ihn sehen konnte.
》Ihr Engel, ist das meine Strafe dafür, dass ich sie nicht aufgeben kann?《
Stumm stöhnend rollte ER mit den Augen, als die ebenso stumm gestellte Frage seine Existenz erreichte. Natürlich war es das nicht, dumme Menschen.
Der Krieger wandte sich ab, flüchtete fast schon vor der Frau, die er so sehr liebte. Sie hingegen verharrte einen Moment gefangen in einem wackeligen Gerüst aus Unsicherheit, erbaut aus widersprüchlich Gefühlen und Gedanken. Noch einmal rollte ER mit den Augen und breitete seine Schwingen aus. Eine Feder streifte den Geist der einstigen Schattenjägerin und gab ihr den sanften Stoss, den es brauchte, um den brüchigen Käfig zu verlassen.
Seine Wahrnehmung folgte ihr zurück in die Gasse, über der ER wachte und er konnte sehen, wie sie die Tür der Erinnerung langsam weiter öffnete.
"Du bist Jace... richtig?"
"Ja... ich bin Jace."
ER sah das fast etwas scheu wirkende Lächeln auf den Zügen seines Nephelim und ER war zufrieden. ER würde sehen, was nun daraus werden würde und vielleicht konnte ER nun endlich mal wieder etwas ausruhen.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast