Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Wegkreuzungen

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Erotik / P18 / Het
Gestaltwandler
19.10.2021
01.04.2022
20
79.745
9
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
19.10.2021 3.966
 
Hello :)

Das ist meine aktuell zweite Geschichte, die mir gerade wahnsinnig viel Spaß macht und sich wie von selbst schreibt. Ich hoffe, ihr habt auch so viel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben.

Liebe Grüße Secret :)

———————————————

Raena

Die Aussicht war einfach atemberaubend. Die Bäume waren voll mit frischem Laub, das Gras stand kniehoch am Straßenrand und in der Ferne lag vereinzelt sogar noch Schnee auf den Bergen. Wäre Raena nicht so müde von der langen Fahrt hätte sie dem allen gern mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Laut Navi waren es nur noch 30 Minuten bis Nordegg und sie konnte es kaum erwarten, anzukommen und sich ins Bett zu legen. Müde rieb sie sich mit einer Hand über die Augen und als plötzlich ein lautes Geräusch erklang und der Wagen ins Schlingern geriet. Raena versuchte den Wagen abzubremsen und lenkte panisch gegen. Am Wegrand waren zwar auf allen Seiten Bäume, aber in einen einzukrachen, würde weder sie noch das Auto unbeschadet überstehen. Endlich kam der Wagen zum stehen und Raena schickte ein kurzes Stoßgebet zur weißen Mutter. Die junge Frau stieg aus, lief um das Auto herum und konnte den Verursacher direkt ausmachen. Der rechte Reifen ihres Wagens war geplatzt.

„Na spitze, geiler Start in das neue Zuhause.“

seufzte sie und sank neben dem Reifen auf die Knie um ihn zu betrachten.

„Tu nicht so als ob du wüsstest was zu tun ist.“

Murmelte sie zu sich selbst und lief wieder um den Wagen herum. Sie prüfte ihr Handy, hatte jedoch keinen Empfang. Einen Abschleppdienst rufen war also keine Option. Frustriert ließ sie sich auf den Rücksitz gleiten und legte sich längs über die Rückbank, die Füße streckte sie durchs offene Fenster. Wenn sie schon warten musste, dann wollte sie die Zeit wenigstens für ein Schläfchen nutzen. Falls bis zum Einbruch der Dunkelheit niemand kommen würde, könnte sie sich immer noch in ihre Wolfsgestalt verwandeln und vom nächsten Telefon aus den Abschleppdienst rufen. Es dauerte keine fünf Minuten, bis sie eingeschlafen war.

„Hey Miss, alles in Ordnung bei Ihnen?!“

Fragte plötzlich eine tiefe Stimme und jemand rüttelte an ihren Beinen. Raena öffnete die Augen und sah das Gesicht eines jungen Mannes, welcher sich durchs Fenster lehnte. Er hatte dunkelblonde lange Haare, welche er zu einem Messy Bun gebunden hatte, warme braune Augen und hatte einen kurzen Vollbart. Es war bereits dunkel und die einzige Lichtquelle war das Licht seines Motorrads.

„Wow, eigentlich ist alles in Ordnung, aber von einem Mann wie dir lasse ich mich gern auch ohne Not retten.“

Zwinkerte ihm die junge Frau entgegen. Ein warmes Lachen ertönte und die Wärme sammelte sich direkt zwischen Raena´s Beinen. Die Frau stutzte über diese seltsame Reaktion ihres Körpers. Sie hatte zwar schon lange keinen Sex mehr gehabt, aber das war trotzdem übertrieben.

„Freut mich dass es dir gut geht. Klappt die Taktik oft um Männer klar zu machen?“

„Nein dafür ist die heutige Auswahl an brauchbaren Junggesellen zu schlecht, da rette ich mich lieber selber aus der Not und bleib allein. Außer du kannst zufällig Reifen wechseln, dann überlege ich mir das Ganze nochmal."

Anstatt ihr zu antworten richtete sich der Mann wieder auf, hob ihre Füße hoch und öffnete die Autotür.

Er streckte ihr seine Hand entgegen und half ihr mit einem kräftigen Ruck aus dem Auto. Raena hatte jedoch mit nicht mit dem kräftigen Ruck gerechnet und landete wie in einer klassischen Schnulze in seinen Armen. Die Wärme seines Körpers umhüllte sie und sie konnte seinen warmen, würzig-herben Duft riechen. Für einen Moment sahen sie sich einfach nur in die Augen, ehe sich ein sanftes Lächeln auf Kierans Lippen legte.

„Kieran, freut mich“

„Raena, die Freude ist ganz meinerseits.“

„Sind wir jetzt doch noch in einem klassischen Prinz-rettet-Prinzessin-LIebesdrama angekommen in dem die Jungfrau in Nöten ganz zufällig in seinen starken Armen landet?"

Ertappt fühlend wich Raena zurück und die Hitze zwischen ihren Beinen breitete sich nun auch auf ihren Wangen aus. Schnell mchte sie einen Schritt zur Seite und stammelte eine Entschuldigung vor sich hin.

„Nein, ich hab nur nicht  mit so einem kräftigen Zug deinerseits gerechnet, sorry."

Raena beeilte sich um den Wagen herum zu laufen und sah Kieran verwundert an, als dieser sich nicht von der Stelle rührte, sondern lediglich sie anstarrte. Diesmal war er es, der  ertappt zusammen zuckte und dann zu ihr auf die andere Seite des Wagen kam. Als Raena mit dem Fuß auf den Reifen deutete, ließ er sich nieder und betrachtete das Ganze.

„Keine Ahnung wie du das geschafft hast, aber der ist komplett fertig. Ich kann zwar Reifen flicken, aber hier muss ich einen neuen Mantel überziehen und dazu muss ich den ganzen Reifen demontieren. Sprich er muss in die Werkstatt und das wird heute nichts mehr, tut mir leid. Ein Abschleppdienst kommt vor morgen Früh auch nicht mehr und mit meinem Motorrad könnte ich dich, aber nicht dein Auto abschleppen.“

„Shit! Das gibt’s doch nicht! Ich will doch einfach nur ins Bett und jetzt diese Scheiße hier!“

Fluchend drehte sich Raena von ihm weg und kickte mit dem Fuß einen Stein von der Straße. Kieran erhob sich wieder, zog sie mit einer Hand zu sich und schmunzelte sie verwegen an.

„Hey, ganz ruhig, ist alles nicht so schlimm. Ich kann dich gern mit in die nächste Stadt nehmen und du nimmst dir da ein Zimmer. Ich meine, bei mir im Bett wäre ja auch noch genug Platz und es wäre mir eine Freude dich von  dem ganzen Ärger hier abzulenken.“

Er legte ihr einen Arm um die Hüfte und grinste sie mit einem unwiderstehlichen Grinsen an. Raena versank kurzzeitig in seinen braunen Augen und musste stark mit sich kämpfen, um nicht auf das verlockende Angebot einzugehen. Andererseits  konnte sie es nicht ausstehen, dass er scheinbar dachte, sie wäre eins dieser verblödeten Kleinstadtflittchen. Mit einem Schnauben legte sie ihm die Arme über die Schultern, drückte sich etwas an seine Brust, beugte ihr Gesicht immer näher an seins und flüsterte ihm  verführerisch ins Ohr:

„Hast du es denn so nötig, dass du eine Frau nur durch solche Gelegenheiten ins Bett bekommst?“

Raena atmete seinen herben, warmen Duft nochmal tief ein und schloss für einige Sekunden genießerisch die Augen. Der Kerl roch verdammt gut, das musste sie ihm lassen und am liebsten wäre sie wirklich auf sein Angebot eingegangen. Ihre innere Wölfin war auch ganz aufgeregt und genoss den Kontakt zu ihm, aber sie konnte es schon als kleines Kind nicht leiden, wenn jemand sie für leichte Beute hielt. Genervt davon ging sie wieder auf Abstand zu ihm und wartete auf seine Reaktion.



Kieran

„Heilige weiße Wölfin, riecht die Kleine lecker.“

Schoss es Kieran durch den Kopf und in seiner Hose wurde es enger. Das sie gut roch, war ihm vorhin schon aufgefallen, aber als sie sich eben an ihn gedrückt hatte, bekam er nochmal eine volle Ladung ihres Dufts ab. Wenn es nach seinem Wolf ging, würde er sich augenblicklich auf sie stürzen und sie hier und jetzt nehmen. Aber irgendwas störte ihn, nur sein Hirn war momentan noch komplett vernebelt und verweigerte die Arbeit. Als sie ihm ins Ohr geflüstert hatte, hatten ihre weichen Lippen kurz sein Ohr gestreift und ein Kribbeln breitete sich von dort über seinen kompletten Körper aus. Das Blut sammelte sich bereits in seinem besten Stück und alles in ihm machte sich bereit, sie sich zu nehmen. Doch aus irgendeinem Grund, blockierte sein Kopf jegliche Bewegungen.

„Hast du es denn so nötig, dass du eine Frau nur durch solche Gelegenheiten ins Bett bekommst?“

Auf einmal hallten ihre Worte in seinem Kopf nach und alles in ihm stoppte jegliche Prozesse. Das hatte sie nicht gerade ernsthaft zu ihm gesagt?!

„Sorry mein Hübscher, so verführerisch du auch bist, aber ich bin keine deiner hirnlosen Kleinstadttussen die sich einfach so flachlegen lässt. Ich bin keine Frau für eine Nacht, aber ich gebe dir gern ein Essen aus oder zahle dir die Fahrt, falls du mich trotzdem mitnehmen würdest.“

Während Kieran noch mit ihren Worten rang, merkte er bereits, wie ihm ihr Körper und ihre Nähe fehlten. Eigentlich müsste er sie für diese Worte einfach stehen lassen, aber er würde sie am liebsten wieder an sich ziehen und ihre Lippen mit seinen versiegeln. Trotzdem...  sie kannte ihn nicht und wagte es ihn wie einen dieser typischen Playboys hinzustellen?! Nach einem kurzen inneren Kampf zwischen seinem verletzten Stolz und seinem Wolf, der sie immer noch begehrte, drehte er sich von ihr weg, lief zu seinem Bike und warf ihr den Ersatzhelm zu.

„Solange du die Klappe hältst nehme ich dich mit, aber ich will von dir kein Wort mehr hören. Und damit tust du mir schon genug Gefallen um deine „Schuld“ wieder gut zu machen.“

Überrumpelt von dem plötzlichen Stimmungswechsel, starrte Raena ihn erst mal nur an. Erst als er sie fragend ansah und sich mit einem "Soll mir recht sein" von ihr abwandte, kam wieder Bewegung in sie. Sie schnappte sich ihren Rucksack vom Beifahrersitz, schloss das Auto ab und schwang sich wortlos hinter ihm auf seine Maschine. Als sie ihre Arme um seine Taille schlang und ihren Körper an seinen Rücken drückte, zog Kieran scharf die Luft ein und war froh das der Helm das Meiste ihres vorzüglichen Dufts draußen hielt. Seine innere Wolfsseite war nun auch wieder zufrieden, da die Frau nun wieder da war, wo sie seiner Meinung nach hingehörte. Möglichst nah bei ihm. Ihm waren ihre Worte  und dass sie seinen Stolz verletzt hatte egal. Kieran brummte genervt über die Situation, beließ es aber auch dabei. Es war viel zu spät und den Aufwand nicht wert mit einer Fremden zu diskutieren. Er würde sie eh nie wieder sehen. Genervt gab er Gas und durch den plötzlichen Ruck, presste Raena sich noch fester an ihn.

Nach knappen 30 Minuten erreichten sie Nordegg und Kieran hielt vor dem kleinen Diner mit Pension daneben. Raena zog seinen Helm vom Kopf und schüttelte ihre langen Haare aus. Für einen kurzen Moment war er von ihrer roten wallenden Mähne im Mondlicht verzaubert, aber als sie ihm seinen Helm wieder hinstreckte, riss er sich wieder zusammen.

„Danke für die Fahrt. Könntest du mir bitte noch sagen wo ich die Woodstreet finde?“

„Ja weiß ich, aber ist nicht mein Problem.“

Ohne ein weiteres Wort gab er wieder Gas und schoss davon.
Wie konnte dieses Weib es nur wagen ihn als typischen Flachleger hinzustellen? Solche Weiber waren ihm viel zu hirnlos und wenn er an das Geklammere danach dachte erst recht. Als frisch ausgewachsener Wolf hatte er natürlich sein Aussehen und seinen Charme genutzt um Frauen ins Bett zu bekommen, aber er war nie ein klassisches Arschloch gewesen. Er hatte von Anfang an immer klar gestellt, dass es nur um eine Nacht ging. Nicht mehr und nicht weniger, doch auch das ging bei den Wenigsten bis ins Hirn. Selbst wenn er dachte, eine hätte es kapiert, zeigte sich nach kurzer Zeit das übliche Endergebnis wieder.
Durch all diese Erfahrungen, hatte er inzwischen an keiner Frau oder Beziehung mehr Interesse, sie waren eh alle gleich. Genervt ließ er seine Harley auf röhren und bretterte durch die Stadt zum einzigen Ort an dem ihm niemand auf den Sack gehen würde. Die „Base“ war zwar nicht die schönste Location, aber sie war eine gemütliche Bar und für alle Gestaltwanderer eine neutrale Zone. Hier war jeder willkommen, man musste sich nur an die absolute Neutralität und das Streitverbot halten. Banden- oder Rassendiskriminierung gab es hier nicht. Falls doch mal ein Streit ausbrach, so wurde er mit Worten oder außerhalb des Grund und Bodens des Barbesitzers geklärt. So war es seit Marvick die Bar eröffnet hatte und für viele war sie deswegen zu einem Zufluchtsort geworden.



Raena

„What the …? Was für ein Arschloch! Erst einen auf Prinzcharming machen und dann empfindlicher als eine Frau mit Periode sein. Soll noch einmal einer sagen, Frauen wären empfindlich.“

Ihre Wölfin wollte am liebsten aufheulen, weil der Mann plötzlich fehlte und einfach ohne sie weiter gefahren war. Raena drehte sich fluchend um und lief ins Diner. Sie setzte sich auf einen Barhocker am Tresen und blickte düster mit dem Kinn auf die Hand aufgestützt durch die Gegend. Eigentlich ganz schnuckelig hier, dachte sie sich. Alles passte farblich zusammen ohne kitschig zu wirken. Sie hatte sich zwar ein Diner immer mit Bedienungen in kurzen Uniformen und Rollerskates vorgestellt, aber so gefiel es ihr sogar besser.  Eine rundliche Frau Mitte 50 mit grauen, lockigen Haaren in einem roten Poloshirt und langer beiger Hose kam durch eine Tür und blieb kurz stehen, um den einzigen Gast im Diner verwundert anzustarren. Nach kurzer, abschätzender Betrachtung schnappte sie sich die Kaffeekanne und kam auf Raena zu.

„Wo kommst du denn auf einmal her?“

„Wow. Sind in diesem Dorf alle so nett?“

„Hier kommt selten jemand neues her und von daher sind wir recht misstrauisch. Wer war denn noch so freundlich?“

„Nicht so wichtig. Wenn ich gleich bezahle, bekomm ich eine Tasse Kaffee und was zu essen?“

„Wenn du meinst… Was willst du denn?“

„Am liebsten Eier mit Speck und Toast. Ich nehme aber was ich kriegen kann.“

„War wohl eine lange Nacht?“

„Zu lange um genauer drauf einzugehen.“

„Hab schon verstanden Kleines, du bist keine Plaudertasche und bindest niemand deine Story auf. Dann bist du hier genau richtig. Willkommen in Nordegg. Ich bin Lilly“

Lächelte ihr die Frau plötzlich entgegen und schob Raena eine Tasse mit dampfendem Kaffee zu. Ohne weitere Worte drehte sie sich wieder um und verschwand in der Küche. Somit war Raena wieder alleine und es wurde still im Diner. Nur das Summen der Leuchtreklame draußen und das Tropfen der Kaffeemaschine war zu hören. Ihren Gedanken nachhängend nibbte sie an ihrem Kaffee und genoss wie dieser ihren Körper erwärmte. Kaffee konnten die Kanadier auf jeden Fall schon mal kochen. Nach einer Weile kam Lilly wieder aus der Schwingtüre und hatte eine große Ladung vom gewünschten Essen mit zwei zusätzlichen Tellern mit French Toast dabei.

„Sie können Gedanken lesen oder?“

Lächelte Raena nun warm zurück und schob das versprochene Geld über den Tresen. Lilly schmunzelte jedoch nur liebevoll, steckte das Geld ein und schenkte Kaffee nach. Danach ließ sie die Jüngere wieder allein und kümmerte sich um das Diner. Raena stürzte sich auf das Essen, ein richtig gutes Frühstück war schon viel zu lange her. Der Speck war sogar genau so wie sie es liebte, kross aber saftig. Nachdem das deftige Mahl vertilgt war widmete sie sich den French Toasts. Normal aß sie ihn immer mit Honig, aber die Kanadier schwören bekanntlich auf ihren Ahornsirup. Probieren konnte also nicht schaden und Raena bereute es auch nicht, es schmeckte vorzüglich. Kaum dass Raena mit essen fertig war, kam Lilly wieder auf sie zu.

„Ich hab gleich Feierabend, hast du schon eine Unterkunft für die Nacht meine Kleine?“

„Klingt vielleicht komisch, aber ich habe vor einer Weile ein Haus hier gekauft. Es ist in der Woodstreet. Könntest du mir eventuell sagen wo ich die Straße finde?“

„Klar kein Problem, ist am Rand der Stadt und nicht weit von hier. Ich kann dich mitnehmen wenn du magst?“

„Das wäre großartig! Nach so einem leckeren Essen werde ich direkt ins Koma fallen und würde zu Fuß nicht mehr weit kommen.“

„Na dann räume ich kurz noch alles auf, schließe ab und dann fahre ich uns beide nach Hause.“

„Warte ich helfe dir, das ist das Mindeste nachdem du so lieb zu mir warst.“

Raena war auf gesprungen und gemeinsam räumten sie alles auf. Während Lilly absperrte, atmete Raena die kühle Nachtluft ein. Hier roch es ganz anders als an all den Orten an denen sie in den letzten Jahren gewesen war. Vorhin war sie so auf Kieran´s Duft fixiert gewesen, dass ihr der holzig-herbe Geruch nicht aufgefallen war. Lilly beobachtete die Jüngere vergnügt lächeln bis diese sie bemerkte. Ertappt fühlend lief Raena zu ihr und sie setzten sich ins Auto.  Wissend tätschelte Lilly Raena´s Bein und lächelte wieder ihr herzerwärmendes Lächeln.

„Du hättest gern weiter schnüffeln können, unsere Stadt hat einen einmaligen Geruch. Du wärst nicht die Erste die ihm verfällt.“

„Ich möchte dich nicht länger aufhalten als nötig und ich werde noch genug Gelegenheit haben um ihn zu genießen. Jetzt brauchen wir beide erstmal ein Bett.“

„Da hast du Recht. Ich bin nicht mehr die Jüngste und meine alten Knochen rufen schon danach.“

Die ältere Frau startete ihren Kleinwagen und lenkte ihn durch die Straßen. Nach einem kurzen Stück kamen sie vor einem Haus am Ende einer Straße zum Stehen.

„So meine Kleine, das ist das einzige leere Haus in dieser Straße, ich nehme an das ist dann deins. Die Nummer 10 der Woodstreet ist schon seit einer Weile unbewohnt und Misses Kanavaugh, deine Nachbarin von Gegenüber, wird sich freuen wenn wieder etwas Leben in das Haus kommt. Es gehörte ihrer besten Freundin, welche leider letztes Jahr verstarb.“

„Vielen lieben Dank für deine Hilfe. Ich würde alleine wahrscheinlich immer noch hungrig durch die Stadt streunen um mein Haus zu finden. Ich komme bald im Diner vorbei und werde mich nochmal richtig bedanken.“

„Das ist lieb von dir, aber das brauchst du nicht. Ich freue mich, eine so freundliche junge Dame in unserer Gemeinde zu haben. Wir werden uns bestimmt noch öfter sehen und vielleicht ergibt sich mal eine passende Gelegenheit sich zu revanchieren. Wenn ich dir noch einen letzten Tipp geben darf, geh Morgen frühestmöglich ins Rathaus zu Miss Baron und melde dich als neuer Einwohner. Sie ist dafür zuständig und weiß mit heimatlosen Welpen umzugehen.“

„Wir werden uns auf jeden Fall wieder sehen Lilly und danke für den Tipp. Das wird das Erste sein, was ich morgen erledigen werde. Gute Nacht und bis bald. Ich freu mich schon auf unser Wiedersehen.“

Raena gab Lilly einen Kuss auf die Wange, drückte sie kurz an sich und stieg aus dem Auto. Normal schloss Raena niemanden so schnell ins Herz, aber die alte Dame hatte einen Zugang zu ihrer weichen Seite gefunden. Sie winkte der älteren Dame noch zum Abschied und machte sich dann auf den Weg ins Haus. Das Haus war leer und eingestaubt, nur im Wohnzimmer stand noch ein altes Sofa. Da es heute Nacht sicher abkühlen würde, entschied Raena sich, sich in ihre Wolfsgestalt zu verwandeln. Sie klopfte das Sofa notdürftig ab, zog sich aus und öffnete sich ihrer inneren Wölfin. Als die Verwandlung einsetzte, knackten ihre Knochen und ihr rotes Fell sprieß aus der Haut. Sie liebte ihre Wolfsgestalt, aber das Verwandeln war stets eine Qual. Raena hatte sich schon immer gefragt, warum die große Mutter wollte, dass ihre Kinder bei der Verwandlung so litten. Sie schüttelte sich kurz und machte es sich dann auf dem Sofa bequem. Es dauerte keine fünf Minuten und die Wölfin war eingeschlafen.


Kieran

Er hatte es sich gerade mit einem Bier am Tresen bequem gemacht als sich dünne Arme mit langen pinken Fingernägeln von hinten um seinen Bauch schlangen. Genervt schloss er die Augen, dass ihm heute absolut keine Ruhe vergönnt war.

„Risa, lass mich in Ruhe. Ich bin heut echt nicht in Stimmung.“

„Ohhhh aber Kieran! Du schickst mich schon seit Wochen weg, weil du angeblich nicht in Stimmung bist. Ich will dir doch etwas Gutes tun. Wir müssen ja keinen Sex haben, ich kann dir auch nur einen blasen. Oder wir kuscheln? Wäre das nicht was?“

„Risa verdammt, Nein! Zwischen uns war nie etwas und da wird auch nie was sein. Du bist einfach nicht mein Typ Frau und das musst du akzeptieren. Ich will dich einfach nicht.“

„Was dir unser werter Wolfsbruder damit sagen will ist: Verzieh dich endlich, er hat keinen Bock zu deiner Schwanzsammlung zu gehören. Als verpiss dich endlich Risa!“

„Du bist ein absolutes Arschloch Max! Und genau deswegen wirst du nie eine Frau finden!“

Seine Worte hatten jedoch erreicht was der schmale Mann wollte, sie zog wutschnauben davon. Maximilian ließ sich neben seinem Freund nieder und deutete dem Barkeeper, dass er auch ein Bier wollte.

„Du hättest nicht so mies zu ihr sein brauchen. Ich bin sie die letzten Wochen losgeworden und irgendwann wird sie schon aufgeben.“

„Danke Max für deine Hilfe. Ich wüsste nicht was ich ohne dich täte. Gern geschehen mein Freund, ich bin dir doch gerne immer wieder eine Hilfe.“

Der braunhaarige stieß Kieran mit dem Ellbogen in die Seite und schubste ihn leicht mit der Schulter an. Dieser lachte leicht und schüttelte seinen Kopf. Max bewies ihm immer wieder warum sie beide befreundet waren, sie kannten sich seit Jahren und Max wusste immer, wie er Kieran aufheitern konnte. Dass Maximilian ein Hirschwandler war und Kieran zu den Wölfen gehörte, machte die Freundschaft zwar ungewöhnlich aber nicht weniger wertvoll für sie beide.

„Du hast ja Recht, aber sie hatte auch Recht damit, dass du ein Arschloch bist.“

„Pff, nur weil du dich rar machst, heißt das nicht das ich enthaltsam leben muss. Ja ich weiß, du bist ein Romantiker und wartest auf die Eine. Sie wird zwar höchstwahrscheinlich niemals auftauchen, aber falls doch musst du ihr nicht Kieran Junior eins bis fünfzehn vorstellen.“

„Ich warte nicht auf die Eine, ich hab nur keinen Bock auf dieses Gefängnis von Beziehung. Und auf happy Family so wie Josie und Lucas will ich auch nicht machen. Ich bin einfach nicht der Typ dafür.“

„Glaub mir Kieran, irgendwann kommt sie und dann willst du das Gefängnis und die happy Family. Ich rede da aus Erfahrung glaub mir.“

Lachte Lucas als er sich zu den beiden Männern dazu gesellte und sich ebenfalls auf einem Barhocker setzte.

„Alter, du hast mir gerade noch gefehlt. Ich will nichts über euer Geschwafel über Frauen hören. In diesem Kaff gibt es nur Weiber ohne Hirn und nach der Begegnung von heute glaube ich, ist das auch auf der restlichen Welt nicht anders.“

„Ohhhhhhhh hooooo schau an, Kieran redet von einer Frau. Was für ein Prachtexemplar ist dir denn über den Weg gestolpert?“

Prachtexemplar trifft es gut, musste Kieran sich eingestehen. Sie war wirklich wunderschön gewesen und ihr Duft… allein bei dem lief im schon das Wasser im Mund zusammen. Ihre dunkelroten Haare hatten sogar im Dunkeln wie Samt geglänzt und ihre gelb-braunen Augen hatten das Farbzusammenspiel perfektioniert. Allein beim Gedanken an diese langen Beine mit dem schönen knackigen, runden Hinter dazu machte sich das Blut wieder auf den Weg in tiefere Regionen. Er fragt sich ob sie auch eine Gesaltwandlerin oder sogar eine Wölfin war. Ihre Nähe fehlte ihm immer noch, auch wenn er es absolut nicht wahr haben wollte. Aber die Kleine hatte ihn zu tiefst beleidigt, so sollte er absolut nicht über sie denken. Er schimpfte mit sich selber und schüttelte seinen Kopf. Als er wieder aufblickte, sah er in die grinsenden Gesichter seiner beiden Freunde.

„So ein Prachtweib also gleich?!“

„Aber irgendwas muss sie falsch gemacht oder falsches gesagt haben. Hast du sein Mienenspiel gesehen?! Erst glotz er wie ein verliebter Esel, dann fängt er fast zu sabbern an und auf einmal verfinstert sich alles, was dann wiederum ein Kopfschütteln auslöst. Woooooohhh das Weib muss ihm richtig zu schaffen machen!“

Platze es aus den beiden Männern raus. Sie sahen ihn mit aufgerissenen Augen an und warteten neugierig auf Kierans Antwort. Doch Kierans Miene verfinsterte sich noch mehr und er kippte sein Bier auf Ex runter.

„Ihr spinnt doch. So ein Weibstück verdreht mir sicher nicht den Kopf, ich hatte nur schon ewig einfach keinen Sex mehr.“

Er stand auf und verließ unter Buh-Rufen seiner Freunde die Bar. Er liebte seine Jungs zwar, aber er hasste es, dass sie ihm eine Frau andrehen wollten. Max war der strikten Meinung, Sex wäre lebensnotwendig und Lucas war ein totaler Familienmensch geworden, seit er mit Josie zusammen war. Kieran wusste, dass beide es nur gut meinten, aber so fühlte er sich nur unter Druck gesetzt und damit nervte ihn das Thema noch mehr als eh schon.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast