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Who do you think you are?

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / FemSlash
Mercy Moira Pharah Tracer Winston
17.10.2021
22.10.2021
2
3.428
 
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17.10.2021 1.311
 
>> It took so long just to feel alright. Remember how to put the light in my eyes.

„Tag 731. Es ist jetzt genau zwei Jahre her, seit dem Overwatch gefallen ist. 717 Tage, seit dem ich zurück in Zürich bin. 683 Tage ist es her, seitdem ich das letzte Mal von den anderen gehört habe. Seit 216 Tagen geht es mir … gut.“

Angela Ziegler saß an ihrem kleinen Küchentisch des Zwei-Zimmer-Apartments, die Finger um ihre warme Tasse Tee geschlungen. Wie jeden Morgen wiederholte die blonde Sanitäterin ihr Mantra; es half ihr dabei nicht zu vergessen. Dabei sollte sie vergessen, es hinter sich lassen. Zumindest nach den Worten ihrer Therapeutin. Aber Angela wollte nicht. Immerhin war dieser Teil ihres Lebens einer der wichtigsten und auch intensivsten gewesen. Zu vergessen – oder zu verdrängen, wie sie meinte – wäre, als ob sie einen Teil von sich selbst vergessen würde. 731 Tage…

„Zwei Jahre.“, murmelte sie vor sich hin und ihre blauen Augen starrten auf den Kalender welcher an der gegenüberliegenden weißen Wand hing. „So lange schon…“
Irgendwie war das witzig. Nicht das Angela nach Lachen zumute war, doch nach zwei Jahren hatte sie nicht das Gefühl, dass sich jemand an die „Weltpolizei“ Overwatch erinnerte. Niemand, bis auf jene die ein Teil davon gewesen waren. Zu Beginn hatte sich die Ärztin gar nicht mal so schlecht gefühlt. Natürlich hatte sie getrauert, aber die Möglichkeiten und Angebote welche sie nun hatte, waren gar nicht mal gering gewesen. Die erste Zeit hatte sich Angela eine Auszeit genommen, war in den Urlaub gefahren und dann zurück in ihre Heimat. Und dann – dann brach alles zusammen.
Als sie ihre Koffer in das neue Apartment geschoben hatte, dauerte es nur wenige Augenblicke und all die Erinnerungen, Gedanken, Erlebnisse und auch die Traumen holten sie ein wie eine Welle. Alles suchte sich einen Weg nach draußen. Es hatte lange gedauert, bis Angela jemanden gefunden hatte mit dem sie über all das sprechen konnte. Und jetzt... "731 Tage."
Sie schnaubte nasal, nahm einen letzten Schluck ihres Tees und erhob sich dann von ihrem Stuhl. Hier in Zürich hatte sie sich ein neues Leben aufgebaut, falls man das so nennen konnte. Denn alles was sie tat war arbeiten, essen, schlafen. Soziale Kontakte hatte sie kaum.
Seit 216 Tagen geht es mir gut.

Die Schicht im Krankenhaus verlief für diesen Tag recht ruhig. Zur Abwechslung kamen nur wenige Kriegsverletzte in die Notaufnahme, doch Angela wusste, dass das nur für diesen Moment so ruhig bleiben würde. Doch wenig Arbeit bedeutete auch, dass der Kopf nicht abgelenkt war und Zeit hatte, um nachzudenken. Etwas, was Angela gerne vermied. Denn das bedeutete, dass sie sich mit Dingen beschäftigen musste, vor welchen sie am liebsten weggerannt wäre. Oft erwischte sie sich dabei, wie sie aus dem Fenster sah, zurück zur ehemaligen Basis von Overwatch. Es war, als würden diese Jahre sie einfach nicht loslassen. Vielleicht war es heute so schlimm, weil es nun genau zwei Jahre her war.
-„Angela?“ Die Stimme einer Kollegin riss sie aus den Gedanken, als sie wieder einmal am Fenster stand und in die Ferne blickte. Die Sonne war im Begriff unterzugehen und tauchte die Außenwelt in ein sattes Orange.
„Ja?“ Langsam drehte sich die blonde Frau um und sah in das besorgte Gesicht einer 10 Jahre jüngeren, dunkelhaarigen Frau. Sie war in etwa gleich groß wie sie und in einen weißen Kasack gekleidet. Die Haare waren zu einem Zopf gebunden und die meerblauen Augen sorgenvoll auf Angela gerichtet. „Ist alles okay?“, wollte die Frau wissen und Angela nickte.
„Ich bin nur heute etwas in Gedanken, Katja. Nichts, worum du dir Sorgen machen musst.“
Das war so einfach zu sagen, aber die Ärztin wollte nicht, dass sich irgendwer Sorgen um sie machte. Lieber litt sie im stillen für sich, anstatt andere ein Teil davon sein zu lassen. Zumal viele nicht verstehen würden, wieso sie nicht einfach diese Zeit hinter sich ließ.
-„Bist du dir sicher?“, fragte Katja nach und trat einen Schritt näher. Sie blieb neben Angela stehen und sah nun selbst hinaus aus dem Fenster. „Ich möchte nur nicht, dass du wieder in dieses Traurigkeit verfällst, wie als du angekommen bist. Ich mache mir einfach Sorgen um dich. I-ich meine, du bist eine der wenigen Kollegen, die nicht eingebildet und unnahbar sind. Die in mir eine fähige Ärztin sehen.“

Katja hatte zeitgleich mit Angela im Züricher Krankenhaus angefangen und keinen guten Start gehabt. Was genau damals vorgefallen war, war an Angela vorbeigegangen, doch gab es einige Ärzte, die es ihr bis heute nachsahen. „Die anderen haben auch keine Ahnung, wie gut du wirklich bist. Die sehen nur das negative, anstatt die vielen positiven Dinge, die du geleistet hast.“ Angela lächelte der dunkelhaarigen Frau zu und ließ dann die Schultern sinken. „Aber mir geht es wirklich gut.“ Seit 216 Tagen.
Katja neben ihr nickte leicht, als sich die Tür zum Aufenthaltsraum erneut öffnete. Eine männliche Stimme ließ die beiden Kolleginnen undrehen. „Dr. Ziegler? Hier ist jemand, der dringend mit Ihnen sprechen möchte.“

Der Tag nahm eine schlagartige Wendung. In dem Moment, als ihr Kollege meinte, dass es jemanden gab, der dringend mit ihr sprechen wollte, jagte ein Schauer über ihren Rücken. Ein unheilvolles Gefühl machte sich in ihr breit und für einen Moment ballte Angela ihre Hand zur Faust.
Ohne ein Wort zu sagen, nickte sie und der stämmige Kollege trat zur Seite. Zwei Gestalten tauchten in ihrem Sichtfeld auf und es war, als blieb ihr Herz für einen Moment stehen.
Eine Mischung aus Freude und auch Furcht machte sich in ihr breit und ihre linke Hand tastete nach einem Stuhl, um sich an der Rückenlehne festzuhalten.
-„Hey Mercy!“, flötete Tracer und rauschte in den Raum, war in wenigen Sekunden bei Angela und legte ihre dünnen Arme um den Hals ihrer Freundin.
„Lena...“, hauchte Angela und legte vorsichtig nun auch einen Arm um die zierliche Frau. Erinnerungen drohten sie nun wieder einzuholen, zitternd strich sie über den Rücken ihrer Freundin und spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete. „Was machst du denn hier?“
Jemand bewegte sich an der Tür und eine weitere Person betrat den Aufenthaltsraum des Krankenhauses. Eine Person, von der Angela nicht gedacht hätte, diese wieder zu sehen. Fareeha.
-„Hallo Angela.“

Pharah hatte ein grinsen auf den Lippen, als sie Mercy erblickte und hob zur Begrüßung eine Hand. Doch bevor sie weiter sprechen konnte, räusperte sich der Kollege und alle anwesenden wandten sich herum.
-„Ich störe nur ungerne das freudige Wiedersehen, aber Dr. Ziegler befindet sich noch im Dienst. Wenn Sie sich bitte kurzhalten könnten?“
Tracer rollte sichtbar für alle mit den Augen und atmete hörbar aus. „Geben Sie uns 5 Minuten unter sechs Augen und dann sind wir weg.“
Der Mann nickte und deutete Katja an, den Raum zu verlassen.
Diese wandte sich kurz an ihre Kollegin, ehe sie den Raum verließ und hinter sich die Tür schloss.
Fareeha zog einen Stuhl zurück, setzte sich hin und verschränkte die Arme vor der Brust. Tracer blieb bei Angela stehen und sah zu der älteren Frau hinauf. „Es ist sooo schön, dich wieder zu sehen! Wieso has-“
-„Dafür haben wir später noch Zeit, Lena. Lass uns gleich auf den Punkt kommen. Mercy, wir brauchen dich.“
Angela sah zwischen den beiden hin und her, während in ihr ein riesen Sturm an Gefühlen wütete. Eine Mischung aus Sehnsucht, Glück, aber auch Angst brodelte in ihr. Sie wusste nicht, was sie von dem auftauchen beider halten sollte. Tracer rollte abermals mit den Augen und wippte dann auf ihren Fußballen hin und her. „Meinetwegen...“, murmelte sie und widmete dann ihre Aufmerksamkeit auf Angela.
„Inwiefern 'brauchen'? I-ich meine, wozu? Und was macht ihr hier überhaupt?“
Pharah setzte sich gerader auf und legte die Hände auf den weißen Tisch. „Overwatch ist zurück. Winston hat Lena kontaktiert und-“
-„Deswegen sind wir hier. Wir wollen dich wieder rekrutieren.“
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