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Infinitum Novum - Lily of the Valley

von Myska
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P16 / Gen
Vampire
16.10.2021
16.05.2022
88
166.414
3
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16.10.2021 2.470
 
Ich habe mich nun doch dazu durchgerungen, diese neue Version von Infinitus Another Story hochzuladen. Ich habe einige Dinge im Vergleich zur ersten Version geändert, damit sie in die Neuauflage der Infinitus Saga (Infinitum Novum) passt und werde ein paar Sachen einbauen, die es im Original noch nicht gab. Außerdem werde mich bemühen hier wöchentlich zu updaten. Doch genug jetzt davon. Zurück zu Marius

Geboren wurde ich im Mai als erstes Kind in eine relativ normale Familie. Zumindest war sie nicht viel anders, als jede Andere. Der, den ich für meinen Vater hielt, war ein guter und hart arbeitender Mann, und so weit ich mich erinnere verdiente er sein Geld mit Schreiben. Leider bekam ich nie die Chance herauszufinden, ob er Schriftsteller war oder was er eigentlich genau machte. Genauso wie ich nie herausgefunden habe, ob er tatsächlich wusste, dass ich gar nicht sein Sohn war. Wenn er es gewusst hatte, so hatte er es sich nicht anmerken lassen und mich stets behandelt als entstamme ich seiner Blutlinie. Als sei ich sein Sohn.
Da er seine Arbeit alleine wohl nicht ausgereicht hätte, um unsere Familie zu ernähren, war auch meine Mutter berufstätig, doch auch von ihr wusste ich nicht, was sie eigentlich machte und ich sollte es auch nie erfahren. Was ich aber über sie erfuhr war, dass sie ihren Mann zu Beginn ihrer Ehe wohl betrogen und mich dabei gezeugt hatte. Wenn gleich auch erst eine ganze Weile vergehen mussten, bis ich davon Erkenntnis erhielt.
Ich kann mich heute nur an ihre Gesichter erinnern, weil ich einst Fotos von ihnen sah. Ich habe die Augen meiner Mutter geerbt, so sagte man mir. Da  aber die zwei noch existierenden Bilder von der Familie, in die ich geboren wurde, leider nur schwarzweiß sind für mich, werde ich das wahrscheinlich nie mehr nachvollziehen können.
Außerdem hatte ich eine drei Jahre jüngere Schwester, nein Halbschwester. Ich erinnere mich bei ihr eigentlich nur noch an ihre hellbraunen Augen und dass sie mich fast jede Nacht mit ihrem Schreien aus dem Schlaf gerissen hatte. Selbst Jahre später noch hörte ich es manchmal nachts, obwohl ich sicher war, dass sie nicht mehr dort war. Obwohl ich sicher wusste, dass es sie nicht mehr gab.

Trigon 12.02.2319

Ich war fünf als es geschah und noch heute erinnere ich mich an viele Details dieser Nacht. Auch wenn ich mich manchmal schon zu fragen begann, wie viel davon mein Gehirn am Ende nur dazu gedichtet hatte um Lücken zu füllen, die in meinen Erinnerungen geblieben waren.
Es war eine Nacht gewesen, wie jede andere. Wir hatten gemeinsam zu Abend gegessen und danach hatte meine Mutter meine Schwester zu Bett gebracht, während mein Vater in sein Arbeitszimmer verschwunden war, um weiter an etwas zu Schreiben, dass ihn schon den ganzen Tag beschäftigt hatte. Ich war in mein Zimmer gegangen und hatte dort noch ein wenig mit den Holzfiguren gespielt, die ich zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen hatte, bevor meine Mutter hereinkam und mich bat, meine Sachen wegzuräumen und ins Bett zu krabbeln. Brav war ich ihrer Aufforderung nachgekommen und sie hatte mir zur Belohnung noch eine Geschichte aus meinem Lieblingsbuch vorgelesen. Heute weiß ich jedoch nicht mehr, welches es gewesen ist.
Danach deckte sie mich zu und gab mir einen Kuss auf die Stirn, ehe sie mein Zimmer leise verließ und ich weiß noch, dass ich nochmal zu ihr gesehen hatte, bevor sie die Tür schloss. Niemals hätte ich da gedacht, dass dies das letzte Mal sein sollte, dass ich sie lebend sah.
Ich wartete einen Moment, bis ich mir sicher war, dass sie in ihr Schlafzimmer verschwunden war, bevor ich heimlich aufstand und zu den gerade weggeräumten Spielsachen schlich, um mir zwei hölzerne Reiterfiguren zu holen und mit diesen zurück ins Bett zu krabbeln. Leise spielte ich mit diesen im Dunkel meines Zimmers, dabei immer darauf vorbereitet sie zu verstecken, sobald ich jemanden im Flur vor meinem Zimmer hörte. Zumindest war ich als kleiner Junge ziemlich davon überzeugt, dass mich keiner dabei erwischen würde.
Die Müdigkeit übermannte mich schließlich doch und immer noch mit den Figuren in der Hand schlief ich ein. Ich träumte etwas, aber es war nichts an das ich mich nach meinem Aufwachen erinnerte. Geweckt hatte mich, wie schon so oft, das Geschreie meiner Schwester. Ihre Stimme klang etwas heiser, wenn ich mich recht entsinne, aber damals war es mir nicht aufgefallen. Mit einem der Holzreiter in der Hand, der andere war zu Boden gefallen, drehte ich mich auf die Seite und schloss wieder die Augen. Dann wartete ich, dass meine Mutter oder mein Vater zu der Kleinen gingen und sie beruhigten, wie sonst auch, damit ich endlich weiter schlafen konnte. Doch nichts geschah.
Ich fragte mich, ob sie sie nicht hörten oder was los war, also stand ich auf, die Figur immer noch in der Hand und schlich zu meiner Zimmertür, um den Geräuschen auf dem Flur genauer zu lauschen.
Es war still, bis auf das Geschreie meiner Schwester. Keine Schritte von Mutter oder Vater. Vorsichtig öffnete ich meine Zimmertür und trat auf den Flur. Es war dunkel, was mir alleine schon Angst machte, und ich wunderte mich, wo unsere Eltern blieben. Warum hatten sie nicht reagiert bisher? Ich konnte trotz der Dunkelheit erkennen, dass sowohl ihre Schlafzimmertür zu meiner Rechten, als auch die Kinderzimmertür meiner Schwester direkt gegenüber von mir nur angelehnt waren. Sie hätten sie also hören müssen.
Ich nahm meinen Mut zusammen und ging in das Zimmer meiner Schwester, wo ich zu nächst das Licht anknipste, bevor ich zu ihr sah. Sie stand in ihrem Kinderbettchen und rüttelte am Gitter. Mit verheulten Augen blickte sie zu mir und ich erkannte ein paar Tränen, die ihr über die schon geröteten Wangen liefen. Trotzdem verstummte ihr Schreien als sie mich erkannte und sie zeigte auf den Schnuller, der ihr aus dem Bett gefallen war und an den sie jetzt nicht mehr herankam. Ich trat ein paar Schritte näher heran und hob ihn auf.
„Nein“, sagte sie dann, „Nein. Nein. Nein.“
Es irritierte mich, dass sie so oft nein sagte. Trotzdem hielt ich ihr den Schnuller hin, den sie mir sofort abnahm und wieder in den Mund steckte.
„Siehst du. Nicht nein. Ja“, erklärte ich ihr und lächelte. Dann drehte ich mich um und ging ein paar Schritte zurück zu Tür. Etwas traf meinen Kopf von hinten und ich merkte, dass es der Schnuller war, den sie mir hinterher geworfen hatte.
„Aua“, schimpfte ich und wandte meinen Kopf zu ihr um, „Was soll das?“
Sie aber starrte an mir vorbei zu der dunklen Gestalt, die gerade ebenfalls den Raum betreten hatte und die eindeutig keines unserer Elternteile war.
„Da“, sagte sie verängstigt, „Nein Nein.“
Ich musterte den Fremden aufmerksam und stellte mich schützend vor meine Schwester. Er war blass und wirkte bedrohlich, außerdem klebte etwas Rotes in seinem Gesicht und auf seiner Kleidung. Das es Blut war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht und vermutlich war das auch gut so. Er war so schon unheimlich genug.
„Ach hier bist du“, meinte er und ich erkannte ein Funkeln in seinen Augen, dass mir noch mehr Angst machte, als die bloße Tatsache, dass ein Fremder im Haus war. Sehr viele Fragen schossen mir durch meinen kleinen Kopf.
„Wer sind Sie“, fragte ich, „Was wollen Sie?“
„Stell nicht so viel Fragen, Junge“, erwiderte er und ehe ich irgendetwas sagen konnte, stieß er mich zur Seite und hob meine Schwester aus dem Bett, die sofort wieder zu schreien begann, „Boah wie ich schreiende Kinder hasse.“
Ich schmiss ihm die Holzfigur an den Kopf, die ich immer noch in der Hand hielt, doch er reagierte nicht. Stattdessen starrte er nur in die weit geöffneten Augen meiner Schwester und ich bemerkte, dass sie aufhörte zu schreien und ihren Kopf zur Seite fallen ließ. Er senkte den Seinen an ihren Hals und ich sah, wie er zu biss. Ich stieß einen Angstschrei aus, rappelte mich auf und rannte aus dem Zimmer. Ich musste zu meiner Mutter. Oder zu meinem Vater. Zu irgendwem. Hauptsache weg von diesem Fremden.
Ich kam nicht weit, denn bevor ich das Schlafzimmer meiner Eltern erreichte, hatte er mich eingeholt, gepackt und mit seinen viel stärkeren Armen an die Wand gedrückt. Panisch trat ich nach ihm und schrie um Hilfe, doch er lachte nur.
„Erspare dir das Knirps. Es wird dir keiner zu Hilfe kommen“, seine Augen funkelten bedrohlich rot und ich konnte meinen Blick nicht von ihnen abwenden. Hypnotisiert hörte ich auf zu treten und ließ meinen Kopf zur Seite sinken, wie es zuvor meine Schwester auch getan hatte und ich spürte einen stechenden Schmerz, als er mir in den Hals biss. Eine Stimme in mir schrie mich an und riss mich damit aus meiner Starre. Erneut trat ich nach ihm und traf ihn diesmal in den Schritt, woraufhin er abrupt von mir abließ und ich zu Boden fiel. Ich zögerte nicht, sondern rappelte mich auf, während er sich fluchend krümmte, und rannte ins Schlafzimmer meiner Eltern.
Der Raum war Dunkel, doch ich konnte dank des wenigen Lichts, welches noch durch die Fenster schien, die beiden Körper sehen die da auf dem Boden regungslos lagen und um die sich dunkle Pfützen gebildet hatten. Deshalb also waren sie nicht gekommen. Meine Eltern waren tot oder zumindest regten sie sich nicht. Schockiert kniete ich neben den reglosen Körper meiner Mutter und weinte. In diesem Moment wusste ich nicht mehr was ich tun sollte. Selbst weglaufen schien mir einfach nur noch unsinnig. Er würde mich doch nur ein holen.
Ich hörte den Fremden hinter mir den Raum betreten, aber ich drehte mich nicht um zu ihm. Ich wusste ganz genau, dass es jetzt vorbei war für mich.
„Es stimmt was man mir über dich gesagt hat. Du bist kein normaler Menschenjunge. Du schmeckst nicht wie einer“, sagte er, doch immer noch wandte ich mich nicht um, „Schade das ich dich jetzt töten werde.“
Er lachte und ich stand auf.
„Aber ich verstehe das nicht. Warum?“, fragte ich und drehte mich nun doch um. Ich wusste, dass ich sicher sterben würde, aber zumindest wollte ich wissen warum.
„Was interessiert es dich?“, erwiderte er und trat höhnisch grinsend näher, „Du wirst jetzt eh sterben.“
Ich wich zurück von ihm und überlegte, was ich noch tun konnte. Seine Augen funkelten wieder rot, doch diesmal vermied ich es sie anzusehen. Noch einmal würde ich mich nicht hypnotisieren lassen, schwor ich mir.
Das schien ihn allerdings ziemlich zu verärgern, denn bevor ich einen weiteren Schritt zurück machen konnte, packte seine große Hand mich am Hals und drückte zu.
„Dann erwürge ich dich halt“, meinte er, während ich verzweifelt in seinem Griff zappelte und mir die Luft knapp wurde. Ich trat ihn ein paar mal gegen den Bauch und versuchte seinen Arm mit dem er mich festhielt zu zerkratzen, doch er ließ nicht los. Mir wurde schwindelig als ich zu ersticken begann.
Erst als ich kurz davor war, mein Bewusstsein zu verlieren, ließ sein Griff mich los und ich fiel zu Boden. Ich atmete ein paar mal schnell ein und aus, bevor ich versuchte zu erkennen, was passiert war. Erst erkannte ich nur Schemen, da ich wohl noch unter Sauerstoffmangel litt, doch dann wurden diese etwas deutlich und ich hörte auch Stimmen.
Jemand Großes hielt den Fremden, der gerade noch versucht hatte mich zu töten, unsanft fest und ich musterte ihn. Er machte mir Angst, obwohl er mich anscheinend gerade gerettet hatte.
„Lass mich los“, schimpfte der Fremde, doch der Andere ignorierte ihn und musterte mich anscheinend auch.
„Alles ok bei dir Kleiner“, fragte er mich, erwartete jedoch keine Antwort, sondern wandte sich seinem Gefangenen zu, „Auch wenn es nur Zufall war, dass ich dich erwischt habe, kenne ich deine Verbrechensliste. Und auch was ich jetzt mit dir anstellen darf, nachdem was du hier angestellt hast. Es wird mir eine Freude bereiten“, der Fremde schluckte. Damals hatte ich zwar gehört, was er gesagt hatte, aber weder verstanden, wer er war, noch was er genau gemeint hatte.
Und ich hatte auch nicht gewusst, was ich tun sollte. Also hatte ich wieder begonnen zu heulen.
Der Große führte den Fremden, der versucht hatte mich zu töten, ab zur Tür und wandte dort noch einmal einen Blick in meine Richtung.
„Ich schicke dir jemanden, der sich um dich kümmert. Bleib eben hier“, sagte er dann und verschwand mit seinem Gefangenen im Flur. Ich sah ihnen hinterher und weinte weiter. Dann legte ich mich zu meiner toten Mutter und wartete. Vielleicht, so dachte ich, würde sie wieder erwachen, wenn sie mich an ihrem Körper spürte. Wenn mein Atem sie anhauchte. Es war ein sehr naiver Glaube von mir, aber ich war ja auch nur ein Kind damals.
Ich schrak hoch, als ich Schritte hörte, die vom Flur in die Richtung des Zimmers kamen, in dem ich lag. Jemand stieß die Tür auf und ich befürchtete schon, es sei wieder der Fremde, der zurück gekommen war, um zu beenden was er versucht hatte. Oder das es der Andere wäre, der mir vielleicht auch etwas antun wollte. Doch es war weder der Eine noch der Andere. Es war eine Frau, die eintrat und sich mir ganz langsam näherte. Ich kroch etwas von ihr weg, da ich auch sie nicht kannte, und meine Erfahrung, die ich diese Nacht gemacht hatte, davon abhielt ihr zu trauen.
„Hab keine Angst“, flüsterte sie sanft, „Ich bin hier um dir zu helfen. Ich heiße Claudia. Und wie heißt du?“
Ich sah sie nicht an, sondern kroch noch ein Stück weiter weg von ihr und schwieg. Sie hockte sich hin und wartete geduldig darauf, dass ich ihr antwortete.
„Mama“, flüsterte ich und zeigte auf den reglosen Körper unweit von mir, „Mach das sie wieder aufsteht und alles wieder so wird wie vorher.“
Claudia schien verwundert und schüttelte traurig den Kopf.
„Das kann ich nicht“, erwiderte sie ruhig, „Aber ich bin trotzdem hier, um dir zu helfen. Du musst mich nur ansehen, mein Kleiner.“
Ich kam ihrer Aufforderung zögernd nach und meinte die Sterne leuchten zu sehen in ihren Augen. Es faszinierte und beruhigte mich zu gleich, auch wenn ein Teil von mir wieder versuchte, mich zum wegsehen zu bewegen. Um genau zu sein war es dieselbe Stimme, die mich schon aus der Hypnose befreit hatte, die protestierte.
„Alles wird gut Kleiner“, sagte sie und lächelte freundlich, „Du musst keine Angst vor mir haben.“
Vielleicht war sie ja doch freundlich. Vorsichtig bewegte ich mich auf sie zu und starrte dabei immer noch in ihre wie Sterne funkelnden Augen.
„Wie heißt du mein Kleiner“, fragte sie erneut und diesmal war ich auch bereit ihr zu antworten.
„Marius“, flüsterte ich mehr als das ich es wirklich sagte, „Ich heiße Marius.“
Sie lächelte wieder freundlich.
„Das ist ein schöner Name“, meinte sie und strich mir sanft über den Kopf, während ich mich gänzlich in ihren Augen verlor.
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