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Shadow Finds You

von Toxa
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Hanzo McCree/Cassidy Reaper Soldier:76
16.10.2021
06.11.2021
21
16.678
1
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04.11.2021 1.275
 
„Gabe?“ Ein Hauch von Belustigung war in seiner Stimme zu hören. Ich spürte, wie er mich durchdringend musterte. Selbst ohne sein Gesicht zu sehen, war die Abscheu in seinem Blick spürbar.
Ich war immer noch wie festgefroren. Lange hatte ich darauf gehofft, ihn endlich wieder vor mir zu sehen. Doch jener Augenblick war so plötzlich gekommen, dass ich nicht wusste, wie ich nun darauf reagieren sollte.
Nur zu gerne würde ich sein Gesicht sehen. Erneut in die Augen blicken, in welche ich mich einst verliebt hatte.
Doch dass Reaper nicht hier war, um sich zu unterhalten, machte seine Haltung nur zu deutlich. Die beiden Schrotflinten waren immer noch auf mich gerichtet. Ein Zucken seiner Finger und ich würde meinen letzten Atemzug machen.
Alles in mir schrie nach seiner Nähe. Wollte ihm um den Hals fallen. Wollte ihn so spüren wie früher. Erneut das Gefühl, erleben geliebt zu werden.
Ich hob meine Hand. Nicht um nach meiner Waffe zu greifen. Oder Reaper zu attackieren.
Stattdessen war das Klicken meiner Maske zu hören. Ohne zu zögern, nahm ich den Mundschutz sowie mein Visier ab. Ich wollte damit aufhören, mich zu verstecken. Damit aufhören Krieg zu spielen. Nicht länger gegen den Mann kämpfen, den ich liebte.
Gabriel schien nicht so ganz zu verstehen, was ich damit bezwecken wollte. Seine Waffen senkten sich wenige Millimeter. Machten seine Verwirrung sichtbar.
„Ist das alles, was du von unserem Streit davon getragen hast?“ Seine Stimme klang leer. Unmenschlich und eiskalt.
„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf. Strich mit einer Hand über die lange Narbe, welche sich quer durch mein Gesicht zog. „Leider nicht.“
Die Anspannung in mir war deutlich spürbar. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. So oft hatte ich diesen Moment ausgemalt. Hatte mir zurechtgelegt, was ich Gabriel sagen wollte. Doch all dies schien plötzlich wie ausgelöscht zu sein.
„Zumindest hast du überlebt.“ Ich hörte einen Hauch von Hass. Neid sowie Eifersucht. Jene Gefühle schienen ihn nach wie vor zu verfolgen.
„Ich wollte nicht, dass du stirbst. Ich wollte diesen ganzen Streit nicht. Das weißt du.“ Erneut schoss die Erinnerung durch meinen Kopf. Meine verzweifelten Versuche, Gabriel aus seinem Leid zu befreien.
Doch vor mir hatte er den Tod gefunden. Ich hatte darum gebettelt und gefleht, dass er überlebt. Dass er durchhalten müsste. Doch das Schicksal war nicht gnädig mit ihm gewesen.
„Dafür, dass du es nicht wolltest, hast du nie verstanden, was ich mir erhofft hatte.“ Ich hörte Reaper seufzen. Eine der beiden Waffen verstaute er zurück in seinen Mantel. Die andere war weiterhin auf mich gerichtet.
Seine freie Hand wanderte nun ebenso auf Gesichtshöhe. Nicht lange und er befreite sich von seiner schauderhaften Maske. Zeigte mir sein nun neues Gesicht.
Jenes jagte mir einen Schrecken ein. Für eine Sekunde erkannte ich ihn kaum wieder.
Seine früher dunklen Augen glänzten nun weiß. Lediglich ein brauner Rahmen zog sich um jene. Sie wirkten leer. Tot.
Unzählige Narben durchzogen sein Gesicht. Wenige graue Strähnen durchzogen die dunklen Haare. Färbten seinen Bart an manchen Stellen beinahe weiß. Zweifellos viel mehr ein Gendefekt als sein hohes Alter.
Immer wieder zerfiel ein Teil zu Rauch. Nur um sich wenig später erneut zusammenzusetzen. Erinnert mich an Angelas Worte.
„Hast du Schmerzen?“, fragte ich vorsichtig. Setzte nun alles auf Risiko, in dem ich wenige Schritte auf ihn zu ging. Mit etwas Abstand vor Gabe stehen blieb.
„Jeden Tag.“ Die Ärztin hatte also recht gehabt. Zellverfall und sofortiger Wiederaufbau. Innerlich fragte ich mich, ob Gabriel dadurch überhaupt sterben konnte.
„Wolltest du so sein?“ Er schüttelte den Kopf. Seine Mimik blieb weiterhin ernst. Er wollte mir keine seiner Emotionen zeigen.
„Moira nutzte meine Leiche als Experiment. Ich weiß nicht ob es ihre Absicht war mich zurück ins Leben zu holen.“
Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als Gabriel aus seinem Leid zu befreien. Gemeinsam zu verschwinden und endlich genau diese Zukunft aufzubauen, von der wir geträumt hatten.
Erneut trat ich einen Schritt auf meinen einstigen Geliebten zu. So nahe, dass ich den Lauf seiner Schrotflinte an meiner Brust spürte. Absichtlich lieferte ich mich Gabriel aus. Er würde schon wissen, was er wollte.
„Versuchst du erneut den Helden zu spielen?“, fragte Gabriel. Offensichtlich hatte er mein Vorhaben durchschaut. Ich war mir nicht sicher, doch ich vermutete den Hauch von trockenem Humor zu hören.
„Ich bin schon lange kein Held mehr, Gabe. Nicht seitdem ich für deinen Tod verantwortlich bin.“ Ich atmete tief ein, während ich mir meine Worte zurechtlegte. Mein Brustkorb fühlte sich an wie zugeschnürt. Die nächsten Momente würden zweifellos entscheidend sein.
„Du machst dich lächerlich.“ Erneut schien Reaper bereits zu verstehen, was ich wollte. Überraschen tat mich das nur wenig. Wir hatten Jahren zusammen verbracht. Wenn mich jemand kannte, dann war es zweifellos er.
Doch dieses Mal würde ich ihm nicht die Möglichkeit geben zu verschwinden. Dieses Mal würde er bleiben müssen. Noch einmal würde er mir nicht entgleiten.
Ohne länger darüber nachzudenken legte ich meine Arme um den einstigen Soldaten. Zog ihn so abrupt an mich heran, dass er seine Waffe senkte. Steif blieb er stehen. Wehrte sich nicht.
„Es tut mir leid, Gabe. Es war dein Ruhm, den ich einstrich. Ich dachte Blackwatch sei für dich in Ordnung. Ich dachte, du wärst glücklich.“ Erneut spürte ich die Tränen in meinen Augen. Die plötzliche Nähe erinnerte mich daran, wie sehr ich ihn vermisste.
„Ich dachte, dass wir uns irgendwann wieder zusammenraufen würden. Ich hatte aufgegeben, als ich dachte, dich bereits verloren zu haben. Im Nachhinein denke ich sogar nie gekämpft zu haben. Nur dabei zugesehen habe, wie du dich entfernst.“
Langsam brachen meine angestauten Emotionen nur so aus mir heraus. Gabriels Körper war kalt. Ein deutliches Zeugnis, dass er bereits vor langer Zeit gestorben war. Seine einstige Wärme war verschwunden. Sein liebevolles Herz war eingefroren. Und es war allein meine Schuld.
„Bitte, lass diesen Weg hinter dir.“ Wenige Schluchzer unterbrachen meinen Redeschwall. „Komm mit mir. Löse mit mir jene Versprechen ein, welche wir uns damals gegeben hatten.“
Stille kehrte für wenige Sekunde zwischen uns. Reaper schien nicht zu wissen, wie er handeln sollte. Mehrmals hob er seinen Arm. Nur um ihn dann wieder zu senken.
„Overwatch sollte uns niemals verändern“, war seine raue Antwort. Ich nickte schnell. Erinnerte mich augenblicklich an jenen Schwur. „Und doch ruinierte es uns“, vollendete ich seinen Satz.
Zögerlich spürte ich seine Berührung auf meinem Rücken. Seine Hand, welche sich zaghaft dort ablegte.
„Vielleicht haben wir kein Happy End verdient.“ Mit jedem Wort klang seine Stimme weniger rau. Gewann langsam ihre alte Wärme zurück.
„Dann erschaffen wir unser eigenes.“ Ich hob den Kopf von seiner Schulter. Versuchte, seinen Blick aufzufangen. Überrascht darüber, was ich dort sah.
Schleichend kehrten Gefühle zurück in das Gesicht des einstigen Soldaten. Noch lange nicht so intensiv wie früher. Doch sie waren sichtbar.
Ein liebevolles Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Mit einer Hand zog ich die Kapuze von seinem Kopf. Fuhr mit meinen Fingern durch seine kurzen Haare.
„Ich hoffe du weißt, dass ich nie aufgehört habe dich zu lieben“, sprach ich flüsternd. Wie automatisch kamen sich unsere Lippen immer näher.
Gabriel antwortete nicht. Er besiegte den Abstand zwischen uns. Besiegelt unseren stummen Entschluss mit einem liebevollen Kuss.
Jener war kaum mit früher zu vergleichen. Die Kälte des Attentäters war in jener Berührung spürbar. Doch es war mehr, als ich in den letzten Jahren zu wünschen gewagt hatte.
Beinahe war jeder Augenblick perfekt. Unsere einstige Liebe schien diesen Krieg gewinnen zu können.
Doch das Schicksal hatte die Karten für uns bereits gelegt. Schon früher hatte ich gewusst, dass jede Sünde abbezahlt werden musste.
Nur am Rande nahm ich den Schuss einer Pistole wahr. Bevor ich jenes Geräusch restlos realisieren konnte, wurde alles um mich herum schwarz.
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