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Reylo-Oneshots

von Green Cat
OneshotRomance, Schmerz/Trost / P12 / Het
Kylo Ren/ Ben Solo Rey
14.10.2021
20.11.2021
6
15.067
 
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14.10.2021 3.360
 
Langsam, Stück für Stück, erklomm Rey immer weiter die riesigen Ruinen des zweiten Todessterns.
Ein Fossil aus längst vergangenen Zeiten, ein Stück Geschichte, das von einem alten Krieg berichtete, Zeugnis einer brutalen, erbarmungslosen Welt, die längst nicht mehr die war, in der sie lebten.
Ihre Finger waren taub und klamm, feucht von dem salzigen Meerwasser. Unzählige blutige Schnitte hatten sich in ihre Haut gegraben, da die Metallkanten, an denen sie sich festhalten musste, meist scharfkantig waren. Sie war froh, sich diesmal wärmere Kleidung übergezogen zu haben, denn sie hätte in ihrer Tunika, die sie sonst immer trug, definitiv gefroren.
Die robuste, dunkle Kleidung, die sie während ihrer Suche nach dem Sith-Wegfinder trug, vermochte es wenigstens, sie vor dem Wind und der kalten Nässe des Ozeans zu schützen.
Immer weiter kletterte sie die alten, rostigen Metallwände empor, die sich vor ihr in die Höhe schraubten. Sie konnte schon den Gang sehen, der von ihrem jetzigen Standpunkt weiter ins Innere der Kampfstation führte. Nur noch wenige Meter, dann hatte sie es geschafft.
Rey streckte ihre Hand nach einer Metallstrebe aus, schloss ihre Finger darum, um sich daran hochzuziehen, als das scharfkantige Metall unter ihren Fingern wegbrach.
Sie verlor das Gleichgewicht und fiel.
Der Aufprall würde schmerzhaft werden. Wenn sie diesen überhaupt überleben würde.
Plötzlich wurde ihr Fall mit einem Mal gebremst, als sich eine Hand um ihr Handgelenk schloss, sie in die Höhe zog.
Rey hob den Blick und sah in Kylos Gesicht, das diesmal nicht von der schwarzen Maske bedeckt wurde.
Kylo zog Rey neben sich auf das Plateau, erst dann ließ er ihr Handgelenk los.
»Danke«, flüsterte sie, lehnte sich an ihn. Kylo schlang einen Arm um sie, hielt sie fest.
»Ich lass dich nicht einfach sterben, Rey«  

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Rey konnte gar nicht sagen, ab wann ihre Beziehung zu Kylo Ren sich in diese Richtung entwickelt hatte.
Nach Crait waren ihre Machtverbindungen immer zahlreicher geworden, Rey und Kylo lernten sich immer mehr kennen.
Und sie erkannten, dass sie nicht mehr ohne den anderen leben wollten, zu unvollständig fühlten sie sich in der Abwesenheit des Menschen, den sie einst ihren Feind nannten.
Ab diesem Zeitpunkt hatten sie angefangen, von einander zu lernen.
Rey und Kylo hatten gemeinsam die Sith- und Jedi-Schriften studiert, herausgefunden, dass ihr Machtbund eine Dyade war, ein Zweiklang der Macht.
Kylo hatte ihr auch geholfen, ihren Kyber-Kristall zu finden und ihr Doppelklingenlichtschwert zu konstruieren, dessen Griff sie aus den Teilen ihres Kampfstabes zusammengesetzt hatte. Die Klingen ihrer Waffe waren goldgelb, wie der Sand des Planeten, von dem sie stammte, auf dem sie so viele Jahre ihres Lebens verbracht hatte.
Sie hatten zu begreifen begonnen, dass sie nur gemeinsam das Gleichgewicht der Macht wieder herstellen konnten, dass die alten Regeln und Kodexe der Jedi und Sith schon längst ausgedient hatten.
Sie waren Freunde geworden.
Und so hatten Kylo und Rey begonnen, sich auf die Macht zu besinnen, das große Ganze zu betrachten, nicht nur die Dunkle und die Helle Seite der Macht.  
Dank Lukes Notizen hatten sie von dem Planeten Exegol erfahren, der inmitten der Unbekannten Regionen lag. Sie fanden Dank Snokes Aufzeichnungen heraus, dass der Imperator dort eine riesige Flotte baute, um ein neues Imperium ausrufen zu können. Palpatine würde erst in Erscheinung treten, wenn seine Arbeit dort beendet war und niemand konnte sagen, wie groß seine Flotte bereits war. Immerhin hatte er dreißig Jahre Zeit gehabt. Dank Lukes Aufzeichnungen und Lando Calrissians und Leias Hilfe hatten Rey und Kylo es geschafft, einen Standort der beiden Sith-Wegfinder zu lokalisieren. Und genau deshalb kletterten sie nun im Wrack des alten Todessterns herum. Keiner wusste, wo der zweite Wegfinder war, weshalb sie sich nur auf die beschwerliche Suche nach diesem Einen machen konnten.

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»Wir müssen weiter«  Mit diesen Worten löste sich Rey wieder von Kylo und erhob sich. Ihr Blick schweifte den Gang entlang, der von alten Sturmtrupplerhelmen gesäumt wurde, bevor sie ihre Füße den Korridor hinunter trugen, immer weiter ins Innere vordringend. Kylo folgte ihr.
Einige Stunden führten sie ihren Weg schweigend fort, sich ab und an gegenseitigen Schutz bietend, wobei es meist Kylo war, der auf Rey aufpasste, wenn sie auf dem nassen Boden auszurutschen drohte und Kylo sie Arm packend vor einem Absturz bewahrte.

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Ihre gemeinsame Suche nach Exegol hatte schon einige Wochen in Anspruch genommen. Mit der Erlaubnis von General Organa hatten sich Rey und Kylo auf den Weg gemacht, um Exegol zu finden. Leia hatte ihnen den Millennium Falken überlassen und Chewie hatte sich bereit erklärt, mit ihnen zu kommen.
Während ihrer Reise herrschte Waffenruhe zwischen der Ersten Ordnung und dem Widerstand, da sich die beiden Fraktionen darauf geeinigt hatten, den Imperator mit vereinten Kräften zu stürzen.
Aber dafür mussten sie ihn erst mal finden.
Zuerst waren Rey und Kylo mit Chewbacca nach Pasaana aufgebrochen, in die Verbotene Wüste, wo sie Hans altem Schmugglerfreund begegnet waren. Es hatte einige Zeit in Anspruch genommen, den Dolch von Ochi von Bestoon zu finden, da Rey erst nach einer ganzen Weile auf die Idee kam, unter dem Treibsand zu suchen. Kylo war die ganze Sache überhaupt nicht geheuer gewesen, aber letztendlich hatte er sich von Rey überzeugen lassen, da sie immerhin diejenige von ihnen war, die sich mit Treibsand auskannte, da sie auf einem Wüstenplaneten aufgewachsen ist, auf dem es ebenfalls Regionen mit solchem Sand gab, von denen man sich fern halten sollte, wenn einem sein Leben lieb war. Glücklicherweise hatte genau diese Entscheidung dazu geführt, dass sie den Hinweis fanden, den schon Lando und Luke vor so vielen Jahren gesucht hatten. Kylo übersetzte die auf Sith verfasste Inschrift auf dem Dolch, der sie ins Endor-System auf den Meeresmond Kef Bir führte. Direkt zu den Überresten des Todessterns.  

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»Wir sind da, Ben. Wir haben es geschafft!«
Kylo blieb neben Rey stehen, sein Blick war ebenfalls auf den Thron des Imperators gerichtet.
Die Energie der Dunklen Seite war hier an diesem Ort beinahe greifbar, omnipräsent. Andächtig ging Kylo auf den Stuhl zu, der erstaunlicherweise noch intakt gelieben war. Durch das Fenster dahinter, das man nur noch mit einiger Mühe als solches identifizieren konnte, pfiff der Wind und die Wellen des Ozeans donnerten in einem immer gleichen Rhythmus mit ohrenbetäubender Lautstärke an die metallenen Trümmerteile.
Jede Oberfläche der Ruine war von Rost, Schimmel und feuchter Nässe überzogen, Rey und Kylo mussten wahrscheinlich die Ersten sein, die seit mehr als drei Jahrzehnten wieder einen Fuß hinein gesetzt hatten.    
Rey folgte Kylo in den Thronsaal hinein. Dieser Ort, diese Atmosphäre lösten eine beunruhigende Angst in ihr aus, die sie nicht beschreiben konnte. Sie ging näher an den Thron heran, blieb neben Kylo vor ihm stehen. Plötzlich öffnete sich neben ihnen eine Tür, die Öffnung musste durch einen unsichtbaren Automatismus aktiviert haben, die in einen dunklen Raum führte. Kylo und Rey hatten aus Reflex ihre Lichtschwerter gezogen, richteten sie auf den Raum. Die Umgebung wurde durch das Licht ihrer Waffen in ein rot-goldenes Licht getaucht. Das Knistern von Kylos Schwert und die Wellen des Meeres waren die einzigen Geräusche, die zu hören waren. Ansonsten war dieser finstere Ort von einer Totenstille erfüllt, dass es Rey eine Gänsehaut bescherte. Das Lichtschwert in ihrer Hand gab ihr Sicherheit, genauso wie Kylos Präsenz neben ihr.
Da es schien, als würde ihnen keine Gefahr drohen, senkten sie ihre Waffen wieder, ließen sie aber trotzdem aktiviert, als sie sich dem näherten, was auch immer in der geheimen Kammer lauern würde. Kylos Gesichtszüge zeigten Anspannung und Konzentration, als er vorsichtig, Schritt für Schritt, auf den Raum zu ging.  
Rey folgte ihm und gemeinsam betraten sie ihn. Rey sah den Wegfinder in der Mitte des Raumes schweben, gehalten von einer Art Magnetfeld, das von zwei Säulen ausging. In dessen Mitte befand sich das Gesuchte, wie von Geisterhand gehalten. Rey wollte gerade danach greifen, als Kylo sie aufhielt.
»Nicht. Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass Palpatine das Instrument, dass zu seinem Aufenthaltsort führt, einfach unbewacht hier lässt. Da muss mehr dahinter stecken.«
Rey nickte zustimmend. Dass ergab Sinn. Sie zog ihre Hand wieder zurück, trat einen Schritt nach hinten, weg von dem Wegfinder. »Was machen wir jetzt, Ben?«, fragte sie ihren Weggefährten, der immer noch neben ihr stand und keinen Muskel rührte, einfach nur wie hypnotisiert auf das pyramidenförmige Objekt vor ihnen starrte, scheinbar tief in Gedanken versunken.
»Kylo Ren hat Recht. Darth Sidious ist nicht so dumm, den Wegfinder unbewacht zu lassen.«
Rey und Kylo wirbelten herum. Im Eingang zu dem Raum standen die Ritter von Ren mit gezückten Waffen. »Und euch hat er hier als Wachhunde gelassen? Dass ist doch unter deiner Würde, oder Vicrul?«, fragte Kylo provozierend, ging auf seine ehemaligen Kampfgefährten zu. Rey folgte ihm und als sie aus dem kleinen Raum traten, wurden sie von den sechs schwarzgekleideten Gestalten umzingelt. »Seit wann macht ihr das, was euch ein zwielichtig aussehender, alter Idiot sagt? Ich bin immer noch euer Meister.«
»Dass warst du einmal, Kylo Ren. Du bist schon seit dem Zeitpunkt nicht mehr unser Anführer, seit du dich gegen den Obersten Anführer gestellt hast«, sprach Kuruk, der Rey am Nächsten stand.
»Ich BIN der Oberste Anführer!«, rief Kylo mit einer gefährlichen Ruhe. Auch wenn er gerade mehr als nur zornig über das plötzliche Auftauchen der Ritter und deren Illoyalität ihm gegenüber war, blieb er äußerlich vollkommen ruhig.
»Wenn du das wirklich bist, und wenn du die Wahrheit gesprochen hast, als du sagtest, dass das Mädchen Snoke ermordet hat, dann töte sie jetzt«, forderte Vicrul ihn auf. »Wir sind in der Überzahl. Es wird ein Leichtes sein, dieses elende Stück Dreck aus der Galaxis zu fegen«  
Mit Abscheu und Trotz in den Augen blickte Rey den Rittern in ihre maskierten Gesichter, trotzdem schlich sich das beklemmende Gefühl der Angst in ihren Verstand.
Was, wenn Kylo Ren sich nun doch gegen sie wenden würde? Sie konnte es nicht mit sieben Männern auf einmal aufnehmen. Wenn Kylo sie jetzt im Stich ließ, würde das ihr Todesurteil bedeuten.
Dann hätte die Dunkelheit über das Licht triumphiert.
Die Galaxis würde in eine erneute Finsternis gestürzt werden, wenn es niemanden gab, der den Imperator aufhielt.

Die Ritter traten näher, schlossen ihren Kreis enger, sodass es für das Mädchen kein Entkommen mehr gab. Sie begab sich in Verteidigungshaltung, ihr Lichtschwert vor ihren Körper haltend.  
Kylo trat mit erhobener Waffe vor Rey, stellte sich zwischen sie und seine Ritter, die sich gegen ihn gestellt hatten. Damit hatte Kylo Ren seine Position deutlich gemacht; er würde Rey nicht töten.

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Kylo begegnete den Rittern zum ersten Mal, als er gerade mal zehn oder elf Jahre alt war, sein Name noch Ben Solo lautete und er gemeinsam mit seinem Onkel Luke und Lor San Tekka, den er Jahrzehnte später in dem Dorf auf Jakku enthaupten würde, auf Elphrona einen alten Jedi-Stützpunkt aufsuchte, da Luke dort einige Reliquien und Überbleibsel der längst untergegangenen Jedi-Kultur zu finden erhoffte. Doch als sie bei dem Stützpunkt ankamen, wurden sie bereits von den Rittern von Ren erwartet, damals war deren Anführer ein Mann mit einem roten Lichtschwert, der sich Ren nannte. Die Ritter von Ren waren eine Gruppe von Leuten, eine Sekte, die sich der Dunklen Seite der Macht verschworen hatte, aber nur ihren eigenen Zielen folgte und keine Sith waren, auch wenn jedes Mitglied von ihnen auf die Macht Zugriff hatte, wenn auch meist nur beschränkt. Das war auch eine der Aufnahmeanforderungen, um zu ihnen zu gehören. Das, und das Erbringen eines Opfers, eines guten Todes. Luke schaffte es damals, die Ritter in die Flucht zu schlagen und er hätte sie auch besiegen können, doch Ren hatte den Selbstzerstörungsmodus seines Lichtschwertes aktiviert, weswegen die beiden gegnerischen Parteien auseinander gingen, ohne dass es Tote gab.
Ren spürte damals die Dunkelheit in dem jungen Ben Solo und warnte den Jedi-Meister vor seinem Schüler. Und nachdem Kylo sich nach der Zerstörung des Jedi-Tempels auf die Suche nach Snoke gemacht hatte, und Snoke ihn als seinen neuen Schüler akzeptiert hatte, machte sich Kylo auf die Suche nach den Rittern von Ren, um ihnen beizutreten.
Ein Unterfangen, das schwieriger war, als gedacht, da es dem jungen Solo anfangs schwer viel, jemanden zu töten.
Doch dann tötete er den Anführer der Ritter von Ren und besiegelte damit seinen Wandel zur Dunkelheit. In diesem Moment wurde er wahrlich zu Kylo Ren.
Selbst Rey spürte Kylos Fall, nahm ihn als eine furchtbare Kälte inmitten der heißen Wüsten von Jakku wahr.
Und so wurde aus Ben Solo Kylo Ren, der Meister der Ritter von Ren, ihr Anführer.

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Die Ritter erhoben ihre Waffen, griffen Rey und Kylo an. Drei Ritter stürzten sich auf das Mädchen, drei auf Kylo. Da sie das schwächere Glied in der Kette war, versuchten die Ritter erst sie auszuschalten.
Rey nutzte die Macht und stieß Ushar nach hinten, der gerade mit seiner Waffe nach ihr ausholen wollte. Zeitgleich schwang sie ihr Lichtschwert in eine andere Richtung und parierte Trudgens Schlag, dessen Attacke auf ihren Kopf zielte. Kylo neben ihr bohrte seine rot flackernde Klinge in Vicruls Brust, bevor er Cardo mit einem sauberen Schlag enthauptete.  

Rey tötete Ushar mit einem Hieb ihres Schwertes, der gegen seinen Schädel gerichtet war.
Ap´lek zog einen seiner Rauchbehälter aus seiner Tasche und warf ihn in Reys Richtung, die sich in einigen Metern Entfernung von Kylo gegen Kuruk zu behaupten versuchte.
Der Behälter zerbrach am Boden und der Rauch breitete sich in sekundenschnelle aus, sodass es Rey unmöglich war, etwas zu sehen. Dadurch konnte sie die Attacke nicht verhindern, die folgen sollte. Plötzlich verspürte sie einen stechenden Schmerz, als ihr der rechte Unterarm mit einem langen, scharfen Vibro-Messer vom Körper getrennt wurde. Die heftig blutende Wunde hielt Rey dennoch nicht davon ab, ihr Lichtschwert mit der linken Hand zu greifen und den Ritter, der sie verletzt hatte, ihr Schwert in die Brust zu rammen.
Kylo war es währenddessen möglich geworden, die anderen Ritter ebenfalls zu töten.

Als der Rauch sich lichtete und Kylo sah, dass Rey verletzt war, kam er mit schnellen Schritten auf sie zu und begutachtete ihre Wunde.
»Hol den Wegfinder. Dann können wir endlich von hier verschwinden«, meinte Rey nur, versuchte Kylo zu beruhigen, obwohl es keinen Zweifel daran gab, dass die Wunde schwerwiegend war. Sie riss einen Teil ihrer Tunika ab und band ihn um ihren Armstumpf, um so zu versuchen, die Blutung wenigstens teilweise zu stoppen. Kylo ging kurz in den angrenzenden kleinen Raum hinein und kam ein paar Sekunden später mit dem Wegfinder in der Hand wieder heraus. Rey griff sich das Objekt aus seiner Hand und verstaute den Wegfinder in ihrer Umhängetasche.

Als sie auf den aus dem Meer ragenden Trümmerteilen standen, funkte Kylo mit seinem Komlink Chewie an, der auf der Ebene vor dem Meer beim Falken gewartet hatte. Der Wookiee sammelte die beiden Machtnutzer auf und zu dritt flogen sie wieder zum Stützpunkt des Widerstands auf Ajan Kloss zurück.

Ajan Kloss war ein grüner Waldmond, der den Gasriesen Ajara umkreist. Der Mond lag im Cademimu-Sektor im Äußeren Rand.
Als Kylo den Millennium Falken mit Chewies Hilfe auf einer der großen Lichtungen landete, wurde die dreiköpfige Crew bereits von Leia Organa und Rose Tico erwartet. Kaum dass sich die Rampe des corellianischen Frachters geöffnet hatte, traten Rey und Kylo Ren gefolgt von Chewbacca auf die Lichtung. Rey begab sich schnell in Richtung des provisorisch eingerichteten Lazarettzelts, um ihren Arm richtig verbinden lassen zu können. Auch wenn Kylo ihr angeboten hatte, sie auf die Steadfast zu bringen, da die medizinische Ausrüstung der Ersten Ordnung besser war, als die des Widerstands, hatte sie dankend abgelehnt.

Langsam trat Kylo auf seine Mutter zu, den Wegfinder in der Hand haltend.
»Was ist passiert?«, fragte sie. Ihre grau melierten Haare waren in alderaanischer Tradition zu einem Zopf gebunden, der nah an ihrem Kopf anlag. Die Falten in ihrem Gesicht und ihre alternde Gestalt büßten nichts von der Erhabenheit ein, mit der sie dem Obersten Anführer der Ersten Ordnung, ihren Sohn, ansah. Sie musste beinahe den Kopf in den Nacken legen, um dem hochgewachsenen Mann in die Augen sehen zu können, der nun vor ihr stand.
»Wir sind beinahe ohne Probleme in das Wrack des zweiten Todessterns gekommen, wurden aber von den Rittern von Ren aufgehalten. Kuruk hat Rey verstümmelt, bevor es ihr gelingen konnte, ihn zu töten. Davor gelang es ihr noch, Ushar zu töten, den Rest habe ich erledigt. Wir fanden den Wegfinder und sind dann wieder hier her geflogen«, berichtete Kylo und hielt seiner Mutter anschließend den Gegenstand hin.
»Jetzt können wir es beenden«

Die Metallprothese, die sie nun statt ihrer organischen Hand trug, fühlte sich merkwürdig an, aber Rey würde sich daran gewöhnen müssen.
Der Angriff gegen Palpatines Flotte würde morgen beginnen, solange ruhten sich die meisten aus oder trainierten, um für die morgige Schlacht gewappnet zu sein.
Rey selbst kämpfte schon seit geraumer Zeit gegen einen der Trainingsdroiden, der immer wieder um sie herum schwirrte, wobei sie ihn mit einem ihrer Lichtschwertklingen zu treffen versuchte, was ihr irgendwie nicht wirklich gelang. Was auch daran lag, dass für sie ungewohnt war, ein metallenes Ersatzteil an ihrem Körper zu haben.
Erschöpft und ausgelaugt vom Training setzte sie sich gut zwei Stunden später auf einen umgefallenen Baum, um sich auszuruhen.
Ihre Gedanken schweiften wieder zurück zum Todesstern, zu diesem Kampf, aus dem sie trotz allem siegreich hervorgegangen waren.
An diesem Ort hatte Rey erstmals wieder wirkliche Angst verspürt, sich davor gefürchtet, dass Kylo sich doch gegen sie wenden könnte und sie alleine dagestanden hätte, mit sieben schwarzgekleideten Männern gegen sich.
Dass er sie im Stich hätte lassen können, sie hätte töten können.
»Glaubst du wirklich, dass ich dich hintergangen hätte, nach allem, was wir gemeinsam erreicht haben, Rey?«
Sie wandte sich um und erblickte Kylo, der sich neben ihr auf den mit Moos bewachsenen Baumstumpf niederließ.
Rey senkte den Blick, beschämt über ihre Angst, die anscheinend unbegründet gewesen war.
Aber genau das war ihre größte Furcht: verlassen zu werden. So wenig wert zu sein, dass man sie im Stich ließ, so wie ihre Eltern es vor so vielen Jahren getan hatten. Kylo nahm ihre Gedanken wahr, ihre Selbstzweifel und Ängste, die sie ständig zu begleiten schienen. Er hob eine Hand, umfasste sanft ihr Kinn und zog ihr Gesicht in seine Richtung, damit sie ihn ansah. Reys Augen fanden die seinen, blickten ihn an. Erst als er sich ihrer Aufmerksamkeit sicher war, fing er an zu sprechen: »Rey, du bist mir wichtig. Und ich würde einen Teufel tun und dich im Stich lassen, das kannst du mir glauben. Dafür bedeutest du mir zu viel.«
Sprachlos aufgrund seines Geständnisses sah Rey Kylo an. Sie brauchte einige Momente, bis sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. »Meinst du das ernst?«, hauchte sie. Kylo nickte nur.
»Ich will dich nicht verlieren, Ben« Ihre Stimme brach beinahe, so schlimm war für sie die Vorstellung, in einer Welt ohne ihren einstigen Erzfeind leben zu müssen.
Einst war sie ihm mit Hass begegnet, später mit Mitgefühl, danach Zuneigung. Und diese Zuneigung hatte sich in Liebe gewandelt, fühlte sie sich mit diesem Mann vor ihr doch auf so viele Weisen verbunden. Bei ihm fühlte sie sich Zuhause, konnte den Krieg um sich herum für einige Augenblicke vergessen, so paradox es auch klang.
Als Kylo sie in eine Umarmung zog, war sie dankbar für seine Nähe, seine tröstenden Worte.
Dass er einfach da war, ihr zuhörte und sie verstand, das reichte ihr schon.
Mehr brauchte und wollte sie nicht.
Sie hatte Angst vor der kommenden Schlacht, die über ihr aller Schicksal entscheiden würde, und doch war sie zuversichtlich und voller Hoffnung, solange sie Kylo Ren an ihrer Seite wusste.
Sie würden einander den Rücken freihalten, sich nicht aufgeben, für einander kämpfen.
So lange der eine mit erhobener Waffe auf dem Schlachtfeld stand, fand der andere die Kraft, es ihm gleich zu tun.  
Dieses lautlose Versprechen gab ihnen beiden Kraft.
Sie konnten es schaffen.
Und selbst wenn sie die morgige Schlacht nicht überleben würden, so würden sie am Ende beide wissen, für was, für wen es wert war, in die Schlacht zu ziehen.
Sie würden nicht alleine sein.
Nie mehr.

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(A/N): Ich bin mit diesem Oneshot nicht so zufrieden, aber vielleicht gefällt er euch ja.
Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
LG, Green Cat.
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