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Reylo-Oneshots

von Green Cat
OneshotRomance, Schmerz/Trost / P12 / Het
Kylo Ren/ Ben Solo Rey
14.10.2021
14.10.2021
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14.10.2021 3.416
 
Ich bin eine Palpatine; ich bin eine Palpatine; ich bin eine Palpatine.
Nur dieser eine Gedanke war in Reys Kopf präsent, alles andere um sich herum hatte sie ausgeblendet. Allein saß sie in einer Ecke des Millennium Falken und grübelte über die letzte Begegnung mit dem Obersten Anführer nach. Kylo Ren hatte gesagt, dass ihre Machtverbindung eine Dyade wäre. Sie wusste, was das bedeutete. Sie wusste, dass sich eine solche Dyade extrem selten bildete. In den Jedi-Schriften stand zwar nicht viel darüber, aber diese Information war zweifelsfrei herauszufiltern gewesen. Kylo hatte sie mit ihrer Identität konfrontiert, ihr ins Gesicht geschleudert, dass sie die Erbin, die Enkeltochter des Imperators war. Er hatte ihr ein zweites Mal seine Hand angeboten. Er wollte sie an seiner Seite haben, und doch ... und doch ließ er sie im entscheidenden Moment immer wieder ziehen. Sie wurde nicht schlau aus diesem Mann. Seine Taten und Worte standen im krassen Widerspruch zu sich selbst und sie wusste einfach nicht, woran sie bei ihm war. Er jagte sie durch die halbe Galaxis, sagte, dass er sie nicht töten will, bekämpfte sie, nur um sie dann mit ihren Freunden fliehen zu lassen. Er hatte sie nicht aufgehalten, auch wenn es ihm zweifelsfrei möglich gewesen wäre.
Sie wusste nicht, ob sie ihren Freunden erzählen sollte, was Kylo ihr vor wenigen Stunden offenbart hatte.
Rey hatte Angst vor ihrer Reaktion.
Dass sie Machtverbindungen mit Kylo Ren gehabt hatte und immer noch hatte, war bis her ihr gut gehütetes Geheimnis. Niemand wusste davon, außer Kylo und sie.
Aber jetzt war sie sich hundertprozentig sicher, dass Snoke die Machtverbindung nicht erschaffen hatte, zumal sie schon vorher Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Worte gehabt hatte, immerhin blieb der Machtbund auch nach dem Ableben des ehemaligen Obersten Anführers bestehen. Aber nun ... nun hatten sich die Dinge geändert. Eine Dyade ...
Rey konnte es immer noch kaum fassen. Der Machtbund war von der Macht selbst zwischen ihnen erschaffen worden.
Doch zu welchem Zweck?
Damit sie Kylo bekehrte? Das wagte sie mittlerweile zu bezweifeln. Vor einem Jahr hatte es nicht funktioniert und sie hatte auch eingesehen, dass sie ihn wohl kaum dazu zwingen konnte. Er musste sich aus freien Stücken von der Dunkelheit lossagen, sie konnte ihm nur eine Perspektive bieten, ihm helfen. Aber er war es letztendlich, der die Entscheidung treffen musste.
»Ich kann dich genauso wenig zwingen, die Seiten zu wechseln, Rey.«
Überrascht sah sie auf. Kylo saß ihr gegenüber, die Maske bedeckte sein Gesicht, was es ihr unmöglich machte, seine Gesichtszüge zu studieren. Kein Hass schwang in seiner Stimme mit, er war nicht auf Streit aus. Vielleicht würden sie jetzt einmal ein normales Gespräch mit einander führen können, ohne Vorwürfe und Provokationen.
»Warum die Maske?«, fragte sie leise.
Er hatte so ewig lange nicht mehr diese Maske getragen, warum also ausgerechnet jetzt wieder?
»Glaubst du wirklich, dass du sie brauchst?«, fügte sie nach einigen Augenblicken hinzu.
»Wäre es dir lieber, ich nähme sie ab?«, entgegnete er, seine Stimme klang durch den Helm verzerrt. Das war zwar nicht das gewesen, was sie wissen wollte, dennoch nickte sie kaum merklich. Ja, Rey war es lieber, wenn der schwarzgekleidete Mann vor ihr keine Maske trug. Zu einer maskierten Gestalt zu sprechen löste meist Unbehagen bei ihr aus, vor allem, wenn sie wusste, wer der Mann hinter der Maske war. Die Erinnerungen an das, was sie im letzten Jahr gemeinsam geteilt hatten, waren noch immer präsent, waren es doch unter anderem schöne Momente gewesen. In seiner Gegenwart am Lagerfeuer in der Hütte auf Ahch-To hatte sie sich das erste Mal nicht alleine gefühlt. Sie hatten einander verstanden. Geteiltes Leid, geteilte Einsamkeit. Als sie dort gemeinsam gesessen hatten, hatte sie sich das erste Mal in ihrem Leben verstanden gefühlt.
Kylo zog sich die Maske vom Kopf. Das Gesicht darunter war von Sorge gezeichnet, die rabenschwarzen Haare fielen ihm in wirren Strähnen in die Stirn, umrahmten sein Gesicht. Er sah müde aus, als wäre er des Krieges längst überdrüssig geworden. Das erste Mal seit einer langen Zeit sah Rey ihn von Nahem, musterte einige Augenblicke sein blasses, schmales Gesicht mit den hohen Wangenknochen. Die Narbe, die sein Gesicht in zwei Hälften teilte, war verblasst und doch würde sie nie ganz verschwinden. Sie würde auf ewig an das erinnern, was geschehen war, daran, dass sie ihn hatte töten können. Aber sie hatte ihn damals in dem verschneiten Wald auf der implodierenden Starkiller-Basis nicht umgebracht und der Augenblick war verstrichen wie ein flüchtiger Schatten, ein grauer Nebelfetzen, der sich geschwind im Nichts verlor.
Seine dunklen Augen musterten sie ebenfalls von oben bis unten.
Kylo war sich bewusst, dass er Angst um Rey hatte. Selbst nach all den Kämpfen, die sie gegeneinander ausgefochten hatten, war er sich stets bewusst gewesen, dass er das Mädchen vor sich nicht verlieren wollte. Ob es nun der Machtbund oder doch diese tiefe Zuneigung war, die er eigentlich gar nicht zu dem Mädchen verspüren durfte, der Gedanke, sie würde irgendwann nicht mehr da sein, war unerträglich für ihn. Die Verbundenheit, die er zu dem Schrottsammlermädchen spürte, war mit der Zeit zu etwas geworden, das er keinesfalls mehr missen wollte.
Sie sah ebenfalls müde aus, mitgenommen, abgekämpft. Als hätte sie zu lange zu viel gekämpft, zu viel ertragen müssen. Ihr Gesicht war blass, die langen braunen Haare, lösten sich hie und da aus ihrem in drei Knoten gebundenen Zopf. Die grünen Augen hatten teilweise ihren Glanz verloren, ihre Lebendigkeit. Angst und Sorge hatten sich in Reys Gesichtszüge gegraben. Sie so zu sehen verpasste ihm einen Stich. Der Krieg hinterließ immer Spuren, körperlich aber vor allem seelisch. Er spürte, dass sie langsam keine Kraft mehr fand, weiterzukämpfen, in diesem Krieg, der scheinbar kein Ende zu nehmen schien. Sie war erst zwanzig und doch sah sie älter aus. Zehn Jahre Altersunterschied lagen zwischen ihm und Rey, und doch wirkte Rey sonst viel stärker, selbstbewusster, weniger zerbrechlich. Ihm gegenüber ließ sie ihre Fassade, ihre Mauern fallen und es war Kylo, als würde sie ihm ihr Innerstes preisgeben. Rey war viel zu jung für diesen Krieg, hatte schon davor zu viel verloren, zu viel gekämpft. So eine Belastung hielt kein Mensch aus, ohne irgendwann daran zu zerbrechen.
Und Kylo konnte sehen, wie sie daran zerbrach, wie sie mehr und mehr von diesem Krieg zerstört wurde.
Er wollte sie nicht zerbrechen sehen.
Er wollte sie nicht seelisch sterben sehen. Kylo Ren konnte es nicht mit Gewissheit sagen, aber wahrscheinlich zeigte Rey diese verletzliche Seite nicht jedem. Vielleicht war er sogar der Einzige. Ob bewusst oder unbewusst, Rey zeigte dem Feind ihre Verwundbarkeit. In gewisser Weise vertraute sie darauf, dass er dieses Wissen nicht gegen sie einsetzte. Ihn rührte dieses Vertrauen, auch wenn es ihm auch irgendwie Angst machte. Wie schlecht musste es ihr gehen, wenn sie sich dem Feind anvertraute, aber nicht ihren Freunden beim Widerstand?
Aber ihm ging es genauso. Er zerbrach ebenfalls daran. Zu lange war er manipuliert worden, zu oft verlassen. Er konnte einfach nicht mehr. Auch ihn nahm es mit, trotz dem er es nicht zeigte, immer darauf bedacht war, seine Fassade aufrecht zu erhalten. Aber in den Nächten holte ihn alles wieder ein. Seine Ängste, sein Selbsthass, die Schuldgefühle.
Kylo war sich bewusst, dass er Rey ebenfalls schon seine Verletzlichkeit gezeigt hatte. Sie wussten außerdem um die größte Angst des jeweils anderen und dennoch setzten sie diese emotionale Waffe nicht gegen einander ein.
Seit sie dieses Wissen erlangt hatten, damals in der Kammer, als er sie verhört hatte, sich mittels der Macht gewaltsam Zugang zu ihren Gedanken verschafft, einen Blick in ihr Innerstes geworfen hatte und nichts als Schmerz, Einsamkeit und Leid vorfand und sie dadurch aber auch in seinen Geist blicken konnte, seine Ängste sah, hatten sie sich still auf Waffenruhe bezüglich dieser Emotionalität geeinigt.
Weil sie beide wussten, wie schmerzhaft diese Einsamkeit und das Elend waren, das sie beide schon durchleben mussten.
Eine Waffenruhe, die er schon kurze Zeit später gebrochen hatte, indem er ihr gezielt verbal weh tat. Kylo wusste, dass Worte eine genauso mächtige Wirkung hatten, wie eine gezückte Klinge. Er bereute es mittlerweile, sie derart verletzt zu haben, obwohl er es doch eigentlich besser wissen müsste, hatte er doch ähnliche Schmerzen bereits am eigenen Leib erfahren. Die Demütigungen Snokes und die Folter hatten seinen Geisr brechen lassen, damit sein Meister ihn nach seinen Vorstellungen neu formen konnte, wodurch er ihn in ein Monstrum verwandelt hatte.

Er konnte Rey nicht Palpatine ausliefern, das wurde ihm nun mit aller Macht bewusst. Er konnte es einfach nicht. Der Imperator würde sie wahrscheinlich umbringen und er wäre der Letzte, der sie ans Messer liefern würde. Aber vielleicht ...
Kylo hielt inne. War es wirklich so einfach?
Erst als er eine Berührung an seiner Schulter spürte, wurde er aus seinen Gedanken gerissen.
Verwundert blickte er zu Rey, sah die Tränen in ihren Augen. Sie hatte eine Hand auf seine Schulter gelegt, ein klein wenig Abstand zwischen ihren Körpern verringert.
»Was ist los?« Seine Stimme klang rau, als er die Worte über seine Lippen brachte.
Vorsichtig hob er seine Hand, legte sie an ihre Wange. Diesmal trug er keine Handschuhe, worüber er sehr froh war. Er wollte sie trösten, Rey wissen lassen, dass sie mit ihrem Schmerz nicht allein war, dass er ähnlich fühlte, wie sie.
»Ich habe Angst, Ben. Ich will nicht mehr kämpfen.« Ihre Stimme war so leise, dass er sie fast nicht verstanden hätte, wenn sie nicht so nah beieinander gesessen hätten.
Verstehend nickte er. Er wollte auch nicht mehr kämpfen. Die Zeit war gekommen, dass er für Kompromisse bereit war, um diesen endlosen, elenden Krieg zu beenden, der ihm so viel genommen hatte. Und so wagte er es, Rey seine Gedanken zu erläutern, ihr einen Vorschlag zu unterbreiten: »Wenn wir uns Palpatine gemeinsam stellen, können wir ihn bezwingen. Nicht als Machtnutzer der selben Seite, sondern so, wie wir sind. Als Kylo Ren und Rey Niemandstochter. Was hältst du davon? Vielleicht können wir den Krieg nur gemeinsam beenden. Wir sind eine Dyade, zusammen könnten wir es schaffen.«
Rey sah ihn verwundert an. Meinte er dieses Angebot ernst? Sie war des Kämpfens müde, wollte nicht mehr an vorderster Front stehen, wollte nicht mehr diese Angst verspüren. Sie wollte Kylo nicht hassen, wobei sie bei genauerem Nachdenken bemerkte, dass sie ihn gar nicht hasste. Sie konnte es auch gar nicht, nicht wenn sie so viel gemeinsam hatten, wenn sie mit ihm mitfühlte, sogar Zuneigung für ihn empfand. Der Krieg konnte nicht in schwarz und weiß unterteilt werden, das hatte sie verstanden. Beide Seiten hatten ihre Beweggründe, ihre Motivation, das zu tun, was sie taten. Und ohne die eine Seite würde es keinen Krieg geben. Sie waren alle Teil eines Krieges, der schon viel zu lange andauerte, zu vielen Lebewesen zu viel genommen hatte. Wenn das die Möglichkeit war, den Krieg zu beenden, würde sie das Risiko eingehen.
Rey sah in Kylos Augen, dass er die Wahrheit sprach. Er meinte es ernst. Er wollte nicht mehr kämpfen, er würde sie nicht hintergehen. Er wollte nur noch diese eine Schlacht bestreiten, um den Imperator und seine Flotte zu stürzen. Aber dazu brauchte er ihre Hilfe. Die Hilfe des Widerstands. Anscheinend mussten sich die beiden gegnerischen Fraktionen zusammen schließen, um einen gemeinsamen Feind besiegen zu können.
Rey nickte, hielt ihm ihre Hand hin. Kylo ergriff sie, umschloss ihre Hand mit seiner Großen, hielt sie einige Augenblicke lang fest.
Ihr Pakt war damit besiegelt.
»Ich werde euch die Koordinaten zu Exegol zukommen lassen und du wirst General Organa über unser Bündnis in Kenntnis setzen, okay?«
»Okay«, wisperte Rey. Sie konnte nicht fassen, was sie gerade gemeinsam erreicht hatten. Sie wusste, Kylo würde sein Wort nicht brechen. Er war des Krieges ebenso müde wie sie und nun hatten sie eine Lösung gefunden, das alles schnell zu beenden. Nach der Schlacht könnten sie Friedensverhandlungen führen.
Es musste nicht immer in Blut enden.
Anscheinend musste erst ein von den Toten auferstandener Imperator kommen, mit dem Ziel, die Galaxis zu versklaven, bis aus Feinden Verbündete wurden. Es würde wahrscheinlich nicht leicht werden, den Widerstand dazu zu bewegen, Kylo Ren zu vertrauen, sich auf diesen Deal einzulassen. Aber sie hatten beide gerade den Weg dafür geebnet, dass sie diesen Krieg endlich beenden konnten. Die Erste Ordnung und der Widerstand konnten es nur gemeinsam schaffen, die Letzte Ordnung zu besiegen.
Dies war der richtige Weg, das wusste sie.
»Alle sagen mir immer, dass sie mich kennen, doch ich glaube, das tut niemand«, flüsterte Rey, ihre Lippen bebten. »Ich kenne dich«, antwortete ihr der Schwarzhaarige nach einigen Momenten des Schweigens. Rey nickte. Es stimmte. Er kannte sie. Wenn es jemanden gab, der verstand, was in ihr vorging, wie sie sich fühlte, dann war es Kylo Ren.
Kylo zog sie in seine Arme, langsam genug, dass sie sich ihm entziehen konnte, wenn sie wollte. Doch sie wollte nicht. Rey kam ihm entgegen, schlang ebenfalls ihre Arme um seinen Oberkörper. So hielten sie sich eine ganze Weile, trösteten sich. Gaben sich die Sicherheit, die sie beide so dringend brauchten. Und sie spürten beide nicht mehr diese Einsamkeit, dieses Gefühl, allein zu sein, auch wenn sie unter Menschen waren.
Sie hatten gemeinsam einen Weg gefunden. Nun waren sie nicht mehr allein. Ab jetzt hatten sie einander. Und dieses Versprechen war das Einzige, was sie beide brauchten, um die Kraft zu finden, weiter zu machen.
Nur noch eine Schlacht, dann würde es endlich vorbei sein.

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Sie hatten gesiegt, über die Letzte Ordnung triumphiert. Der Widerstand hätte es nicht ohne die Hilfe der Ersten Ordnung geschafft und die Erste Ordnung nicht ohne die Hilfe des Widerstands.
Rey hätte es nicht ohne Kylo geschafft und Kylo nicht ohne Rey.

Die Nacht nach der Schlacht war von Schweigen erfüllt, sie hatten trotz allem hohe Verluste zu beklagen. Poe hatte die Schlacht nicht überlebt, genauso wenig wie Ehrengeneral Pryde und General Hux. Zwei Tage nach der Schlacht würden die Friedensverhandlungen unter der Führung von Kylo Ren, General Organa, Lando Calrissian und sie selbst beginnen. Sie hätte sich da gerne raus gehalten, da sie von Politik keine Ahnung hatte, aber Kylo hatte darauf bestanden, dass sie dabei war. Bis dahin wurden die Verletzten versorgt und die Toten bestattet.

Die Dunkelheit war schon vor einigen Stunden hereingebrochen und seit genauso vielen Stunden lag Rey auf ihrem Feldbett, und doch schaffte sie es nicht, Ruhe zu finden. Sie erhob sich von ihrem Lager und zog sich einen ihrer Umhänge über, da es trotz der normalerweise schwülen Temperaturen auf Ajan Kloss des Nachts kühl war. Leise verließ sie die Höhle und streifte ziellos über die dunklen Lichtungen. Auch wenn ihr Körper erschöpft war, war ihr Geist noch immer hellwach. Sie strich sich eine ihrer braunen Strähnen aus dem Gesicht und ging auf den Waldrand zu. Irgendetwas kam ihr komisch vor. Sie hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl bei der Sache. Sie trat zwischen die hohen Bäume, suchte sich ihren Pfad durch Unterholz, Farne und Gestrüpp. Plötzlich blieb Rey mit einem Ruck stehen. Unruhig huschten ihre Augen umher, sie hatte das untrügliche Gefühl, verfolgt zu werden.
»Was machst du hier?«
Rey fuhr herum, ihre Fäuste erhoben. Vor ihr ragte Kylo auf, der sie belustigt ansah. Als sie sich seiner Anwesenheit gewahr wurde, gab Rey ihre Verteidigungshaltung sofort auf.
»Das nächste Mal solltest du besser dein Lichtschwert mitnehmen, Rey. Ich glaube, das ist als Verteidigungswaffe wesentlich wirksamer, als deine Fäuste.«
»Was zur Hölle machst du hier, Ben? Solltest du nicht auf deinem Schiff sein?«
»Darf ich nicht die Nacht genießen? So wie es aussieht, machst du es ja nicht anders«, antwortete er.
»Ich konnte nicht schlafen«, gab Rey nach einigen Augenblicken des Schweigens zu, während sie sich kurz umsah. »Komm mit. Ich kenne einen Ort, wo wir ungestört reden können.« Mit diesen Worten wandte sich Rey um und verschwand tiefer im Dschungel. Kylo folgte ihr.

Rey führte ihn in eines der höher gelegen Gebiete. Ihr Ziel war eine kleine Höhle, die sie während ihres Trainings entdeckt und seitdem immer wieder aufgesucht hatte, wenn sie allein sein wollte.
Als sie bei der Höhle angekommen waren, setzten sie sich nebeneinander auf den mit Laub bedeckten Boden und starrten eine ganze Weile in den mit Sternen übersäten Himmel.
Ben spürte, dass es ein Thema gab, das Rey immer noch zu beschäftigen schien, sie aufwühlte, sodass ihre Gedanken keine Ruhe fanden. »Was ist los, Rey?«, fragte er leise, ohne den Blick von den Sternen über ihnen zu nehmen.
»Ich bin eine Palpatine«, flüsterte sie, sodass er es fast nicht verstand. »Ich stamme von dem Mann ab, der uns alle töten wollte. Was, wenn ich selbst irgendwann böse werde? Was werden Finn und die anderen darüber denken?«
Als er ihre Worte vernahm, sah er auf Rey hinab, die zusammengekauert neben ihm saß.

»Rey, sieh mich an«, forderte Kylo sie auf. Das Mädchen neben ihm hob den Blick, in ihren Augen schimmerten Tränen, die nun über ihre Wangen liefen. »Du bist nicht böse, nur weil du von jemandem abstammst, der Böses getan hat.«
Kylo hob die Hände, legte sie an ihre Wangen und wischte sanft die Tränen bei Seite. »Für mich bist du immer noch Rey von Jakku, Rey von Nirgendwo, Rey Niemandstochter, verstanden? Kein Name entscheidet darüber, was ich über dich denke. Es ist leider häufig so, dass dich andere aufgrund deines Namens anders wahrnehmen oder Vorurteile haben, das stimmt, aber wenn Finn wirklich dein bester Freund ist, wird er nichts gegen deinen Namen haben. Es kann ein Fluch sein, einen berühmten Namen zu tragen. Die Vorurteile und Erwartungen, die andere nur aufgrund deines Namens an dich haben. Und es kann zugleich ein Segen sein, ohne Namen aufzuwachsen, denn damit hattest du die Chance, die zu werden, die du bist, ohne dass ein Name dich definiert. Außerdem musst du es den anderen auch nicht sagen. Wir beide sind die Einzigen, die es wissen und ich werde es ihnen nicht sagen, wenn du das nicht willst«
»Danke, Ben. Für alles.«
Ein zaghaftes Lächeln huschte für den Sekundenbruchteil über ihre Züge. Kylo erwiderte es. Plötzlich wurde er sich bewusst, dass er Reys Gesellschaft nicht mehr missen wollte. Bei ihr fühlte er sich Zuhause. Es wartete noch viel Arbeit auf sie. Aber gemeinsam konnten sie es schaffen. Der Krieg war für's Erste beendet und Kylo würde viel dafür tun, dass das auch so blieb. Er hatte seine Mutter um Verzeihung bitten können. Kylo war auch auf dem besten Weg, sich selbst vergeben zu können. Es würde Zeit brauchen, aber er hatte seine Fehler anerkannt und akzeptiert. Er konnte sie nicht rückgängig machen, aber er konnte in Zukunft andere Entscheidungen treffen, bessere Entscheidungen. Er war mit sich selbst wieder im Reinen, vielleicht würde er auch den Namen Ben Solo wieder annehmen. Bis jetzt durften ihn nur Rey und seine Mutter so nennen. Mit Reys Hilfe hatte Kylo es geschafft, einen besseren Weg zum Frieden zu finden, sie hatten gemeinsam Palpatine besiegt.

Rey hatte ihn mit Ben Solo konfrontiert gehabt, ihn dazu animiert, ein besserer Mensch zu werden.
Kylo hatte ihre Vergangenheit, ihren Schmerz des Verlassenwerdens ausgegraben, sie mit dem Trauma eines zurückgelassenen Waisenkindes konfrontiert und sie dazu gezwungen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was sie solange verborgen gehalten gehabt hatte.
Aber es war nötig gewesen, weil sie nur so die hatten werden können, die sie jetzt waren. Nur so hatten sie über sich hinaus wachsen können.
Sie waren verbunden über die Macht, fühlten sich nur in der Gegenwart des jeweils anderen Zuhause. Vielleicht war es Schicksal, vielleicht auch nicht. Wer wusste das schon? Rey und Kylo waren weder Jedi noch Machtnutzer der Dunklen Seite. Ab jetzt würden sie beide Seiten der Macht nutzen, sich aber keiner von beiden verschreiben. Es wurde Zeit, dass sie neue Wege ebneten, vorausschauend handelten, um zukünftige intergalaktische Kriege so gut es ging zu verhindern.
In der schützenden Dunkelheit der Nacht fielen sie einander in die Arme. Rey vergrub ihren Kopf an seiner Brust, schmiegte sich an ihn, während Kylo ihr beruhigend über die offenen Haare strich.
Als sich Rey ein wenig von ihm löste, nahm Kylo ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie sanft auf die Lippen.
Und in genau diesem Augenblick schworen sie sich mit diesem Kuss einander nie mehr zu verlassen. Um ihrer beider Willen. Nur zusammen ergaben sie ein Ganzes, nur in der Gegenwart des jeweils anderen waren sie Zuhause. Das war alles, was zählte.
Sie waren eine Dyade der Macht, zwei, die eins sind.

Und so würde es auf ewig bleiben, bis zu ihrer beider Tod.

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(A/N): Wenn euch dieser Oneshot gefallen hat, könnt ihr ja gerne ein Review da lassen. Ich würde mich sehr freuen!
 
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