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(Not) Alone

OneshotFreundschaft / P12 / Het
Judy Hopps Nick Wilde
14.10.2021
14.10.2021
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3.301
 
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Nick lauschte dem Ticken seiner Uhr und drehte sich von einer Seite zur anderen. Das Display, was ihm entgegen schien, zeigte, dass der Tag immer noch kein Ende gefunden hatte.
Seine Gedanken kreisten unablässig darum, wie sich sein Leben innerhalb der letzten zwei Jahre so massiv verändert hatte. Zwanzig Jahre lang hatte er sich nicht darum geschert, dass er allein war (Finnick war für ihn mehr Arbeitspartner als Freund) und wie er sich auch emotional stets von anderen distanziert hatte. Nicht einmal in seiner Jugend, in der seine Gefühle erwachten, hatte er aus Angst verletzt zu werden, jemanden an sich herangelassen.
Er hatte immer gedacht, er hätte um sein Herz eine unüberwindbare Festung aufgebaut, doch dann war diese naive und weltfremde Häsin und jetzige Partnerin in sein Leben getreten und hatte alles wie eine Abrissbirne eingerissen. Und nun wusste er nicht mehr, was er tun sollte.
Anfangs hatte er es ja als vorübergehendes Gefühl abgetan, als Dankbarkeit, dass sie an ihn glaubte und aus seinem Kampf ums tägliche Überleben herausgeholt hatte. Doch bereits zwei Wochen, nachdem sie anfingen zusammen zu arbeiten, war ihm klar, dass es mehr war.

Sieh es ein. Du bist ihr vollkommen verfallen.
Aber sie ist eine Häsin.
Na und? Es gibt in Zoomania mehr als genug gemischte Paare.
Aber keins zwischen Raub- und Beutetieren. Und wer weiß, ob sie überhaupt etwas für mich empfindet.
Lass es darauf ankommen! Ihr beide seid fast den ganzen Tag zusammen unterwegs, du bringst sie sogar nach Hause. Von den gemeinsamen Abenden ganz zu schweigen.
Das war rein beruflich, wenn wir einen Fall hatten!
Klar, rede dir das ruhig weiter ein. Du weißt es doch wirklich besser. Sag ihr, was du empfindest.
Und wenn es unsere Freundschaft zerstört? Ich könnte das nicht verkraften.


Nick seufzte lautstark. Diese Diskussion in seinem Kopf spielte sich Tag für Tag oder besser gesagt Nacht für Nacht auf‘s Neue ab und trieb ihn zunehmend in den Wahnsinn.
Das Trommeln der Regentropfen trug nicht dazu bei seine Stimmung in irgendeiner Art zu heben, seit fast drei Stunden stürmte es nun. Was wiederum für ihn bedeutete, dass er nicht einmal eine Runde laufen gehen konnte um den Kopf freizubekommen, wie er es sonst für gewöhnlich tat.
Er wusste inzwischen kaum noch, wann er das letzte Mal eine Nacht am Stück durchgeschlafen hatte. Er hatte ja vor gehabt, seiner Partnerin zu reden, hatte ihr sogar eine Einladung zum essen geschickt, doch sie war gar nicht erst rangegangen. Ein paar mal hatte er es noch einmal versucht, doch jedes mal meldete sich nur die Mailbox, was äußerst ungewöhnlich für die Häsin war. Normalerweise antwortete sie noch vor dem zweiten Klingeln. Hatte er es mit einem seiner Späße an diesem Tag etwa übertrieben gehabt und sie war sauer auf ihn? Ein Schauer lief bei dem Gedanken über den Rücken des Fuchses.
Oder hatte sie etwa Besuch? Die Vorstellung, dass jemand anderes als er bei seiner Partnerin sein könnte, bereitete ihm Übelkeit, doch gleichzeitig konnte er es niemanden verübeln.
Judy war nun mal begabt, war freundlich zu jedem, der die Gesetze befolgte, verbreitete einfach gute Laune und sah auch noch umwerfend aus.

Nick seufzte erneut und drehte sich auf die andere Seite. Wem wollte er etwas vormachen? Er liebte Judy und anderen war es auch nicht entgangen. Erst gestern hatte ihn Wolford deswegen doch eine Fangfrage gestellt, auf die er beinahe reingefallen wäre. Fast hätte er sich vor ihm und seiner Partnerin versprochen, konnte sich im letzten Moment noch fangen.
Es wäre auch zu peinlich für den Fuchs geworden.

Sein ursprünglicher Plan war es gewesen, heute seinen gesamten Mut zusammen zu kratzen und mit seiner Partnerin zu reden um ihr wie nebenbei seine Gefühle zu gestehen.
Daraus wurde ja nichts, da Judy nicht reagierte, weil sie womöglich… er wollte nicht daran denken, sonst würden sich seine Gedanken erneut im Kreis drehen.
Schließlich hielt es der Fuchs nicht mehr aus und er stand auf, machte sich Licht und sah in den Spiegel. Wie konnte es auch sein, dass sich die erfolgreichste Polizistin des ZPD für jemanden wie ihn interessieren würde, von verlieben ganz zu schweigen?
Seine Gedanken würden vom Klingeln an seiner Wohnungstür unterbrochen. Verwirrt und überrascht sah er zu ihr. Wer klingelte um diese Uhrzeit noch bei ihm? Etwa Finnick, weil sein Van mal wieder liegengeblieben war? Einer seiner Nachbarn konnte es jedenfalls nicht sein, dafür verhielt er sich zu ruhig. Aber vielleicht war es auch nur ein Versehen gewesen.
Diese Annahme würde widerlegt, als es erneut läutete. Langsam öffnete er seine Tür, während er gleichzeitig mit seiner anderen Pfote nach seiner Waffe griff.
Nick lebte zwar in einer ruhigen Gegend von Zoomania, doch man wusste nie, wer sich so dreist mitten in der Nacht ankündigte.

Doch er entspannte sich sofort wieder, da er seine Partnerin erkannte, die klatschnass und mit gesenkten Kopf vor ihm stand.
„Möhrchen!“, stieß er vollkommen perplex aus. In seinem Kopf raste es. Zum einen kamen seine Gedanken von eben wieder, zum anderen entging ihm ihr Zustand nicht. Er wusste nicht, was er zuerst fragen sollte, deswegen stieß er seine Tür weit auf „Komm erstmal rein!“
Ganz ruhig! Denk nach!
„Judy, bist du hierher gelaufen?“, fragte er bei ihrem Anblick und begann sofort ein paar Handtücher für sie zu holen. Ihre Antwort bekam er nicht mit, weswegen er, kaum hatte er eines über ihren Kopf gelegt, nachfragte. Dabei mühte er sich damit ab, jene Form von Sorge aus seiner Stimme zu verbannen und stattdessen amüsiert zu klingen.
Doch die Häsin schüttelte unter dem Handtuch nur den Kopf, wobei sich einige Wassertropfen lösten und sich verteilten. Eine Kleinigkeit, die er später beseitigen würde.
„Judy, du musst aus deinen Sachen raus, du holst dir sonst noch den Tod.“, okay, soviel dazu nicht sorgenvoll zu klingen.

Erst geschah nichts und Nick fragte , ob sie ihn überhaupt unter dem Handtuch gehört hatte, doch dann fielen ihm die Spitzen ihrer Ohren auf, die regelrecht glühten. Es dauerte einen Moment, bis er realisierte, was er da eben von seiner Partnerin verlangt hatte.
„Ich hol dir ein paar Sachen!“, blitzschnell legte er zwei weitere Handtücher in ihre Nähe und verschwand in sein Zimmer, wo er seinen Kopf gegen die Tür presste.
Richtig klasse, du Idiot… du sagst zu ihr, dass sie sich ausziehen soll. Direkt vor dir.
Als ob dir das nicht gefallen würde.
Was wird sie von mir denken? Sie wird mich als einen Perversen ansehen? Lebe wohl, oh du glückliche Zusammenarbeit.
Jetzt stell dich nicht so an.
Okay, denk nach. Tu so, als wäre nichts passiert.

Genau, er musste ruhig bleiben. Vielleicht bestand ja wirklich die Möglichkeit, dass seine Partnerin seine Wortwahl nicht missverstanden hatte und er wirklich nur um ihr Wohl besorgt war.
Nick ging zu seinem Schrank und begann seine wenigen Sachen nach etwas passendem zu durchsuchen. Finnicks Klamotten, die auf der anderen Seite des Schranks lagen, waren leider zu klein für die Häsin. Nach einer Weile fand er ein halbwegs passendes Shirt und seine alte Pfadfinder-Hose (er würde Finnick dafür ewig hassen, dass dieser sie aufbewahrt hatte)
Vorsichtig steckte er seine Nase aus seinem Zimmer und rief „Judy, ich hab hier ein paar Sachen.“
Nick bekam keine Antwort, weshalb er mit (sicherheitshalber) geschlossenen Augen in das Wohnzimmer zurückkehrte. Erst, als er sicher war, keinen überraschten Aufschrei zu hören, öffnete er vorsichtig ein Auge und sah seine Partnerin, die dick in den Handtüchern eingewickelt auf der Couch saß.
„Hier.“, neben ihr legte er die Klamotten an und stellte fest, dass sie mit den Zähnen klapperte „Ich hol dir was zu trinken!“
Ohne Umschweife wollte der Fuchs in die Küche gehen, entschied sich dann doch dafür, erst die Heizung etwas höher zu stellen.
Okay, das lief besser als gedacht. Sie hat mich zu mindestens nicht angeschrien.

Fünf Minuten später kehrte er mit zwei dampfenden Tassen Karottenkaffee zurück.
„Danke.“, murmelte Judy nur und sog seufzend den Duft des Getränks ein. Genau das war es, was sie gerade brauchte. Sie sah ihrem Partner dabei zu, wie er ihre tropfnassen Sachen aufhob und sie (höchstwahrscheinlich) in den Trockner warf. Im Anschluss beseitigte er ohne ein Wort die Wasserflecken, die sie  seit ihrer Ankunft hinterlassen hatte. Erst danach setzte er sich ihr gegenüber.
„Also…“, begann Nick und lehnte sich entspannt zurück, obwohl es in seinem Inneren ganz anders aussah. Er musste etwas Abstand halten, weil sein Hirn sonst aussetzen würde und er nicht wusste, was dann passieren könnte „Nicht, dass ich mich nicht freue, dass du hier bist, aber das nächste Mal solltest du dich ankündigen.“, er schenkte ihr ein leichtes Grinsen, er musste sein altes Ich aufsetzen, jedenfalls für den Augenblick „Ich könnte Damenbesuch haben.“

Ihm entging ihr umherhuschender Blick nicht, derselbe Blick, den sie immer hatte, wenn sie einen Tatort untersuchten. Jedes Detail, jedes Anzeichen, ob sich noch jemand in der Wohnung befand, wurde aufgenommen. Ihre Nase zuckte, als versuchte sie einen Duft wahrzunehmen, der nicht hierher gehörte.
„Alles gut, Möhrchen.“, schmunzelte er weiter und war endlich wieder in der Lage einen Teil seiner üblichen Gelassenheit wiederherzustellen „Außer dir und Fin war noch niemand in dieser Wohnung.“ Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn es nach mir geht.
Die Erleichterung war seiner Partnerin regelrecht anzusehen, was ihn etwas stutzig werden ließ. Ganz langsam löste sich die Anspannung in ihm.
„Also gut, wenn du nicht hergelaufen bist, wie kommt es, dass du so durchnässt warst?“, fragte er schließlich und nippte an seinem Kaffee. Im Hintergrund konnte er seinen Trockner hören, der anfing auf Hochtouren zu laufen. In etwa 10 Minuten würde Judys Kleidung fertig sein.
„Ich…“, ungewöhnlich lange ließ sich Judy Zeit mit ihrer Antwort und begann unbewusst mit den Spitzen ihrer Ohren zu spielen. Etwas, was sie für gewöhnlich nur tat, wenn ihr ein Gesprächsthema peinlich war. Irgendwann kam es leise von ihr „Ich habe überlegt, ob ich klingeln soll.“
Jetzt war eigentlich ein Moment, in dem er laut lachen sollte, doch stattdessen machte sich Verwirrung in ihm breit.
„Nick, du bist unglaublich.“, fuhr sie fort und ihre Pfoten kamen an ihren Ohren nicht zur Ruhe. Inzwischen hatte sie sie soweit heruntergezogen, dass sie ihr Gesicht verdeckten. „Du bist wortgewandt, charmant und sportlich. Zudem kennst du nahezu jeden in der Stadt.“
„Und dafür gibt es auch reichlich Gründe.“, unterbrach Nick sie kurzerhand und lehnte sich etwas vor „Ich musste früher wortgewandt und charmant sein um für meine Betrügereien Opfer zu finden. Sportlich zu sein und jeden zu kennen hatte hingegen nur den Zweck zu wissen, von wem ich mich fernhalten musste.“
„Und du bist ehrlich.“, setzte sie sofort nach, was ihm ein amüsiertes Schnauben entweichen ließ „Du bist auf deine Art ehrlich zu jedem. Außer zu dir selbst. Du bist immer noch in dem Glauben, dass du derselbe Fuchs von damals bist, dem man nur eine Uniform und eine Marke gegeben hat.“

Da war es wieder. Judy zerstreute seine Zweifel inzwischen fast täglich, insbesondere dann, wenn er wieder einmal eine abfällige Bemerkung gegenüber Füchsen mit anhören musste. Wie sie über ihn sprach, erfüllte ihn mit Wärme.
Das ist einer der Gründe, warum du dich in sie verliebt hast.
„Jedenfalls…“, fuhr die Häsin vor ihm fort und begann wieder mit ihren Ohren zu spielen „Gibt es für dich jemand besonderes in deinem Leben?“
Moment, sie fragt doch jetzt nicht etwa…
Vielleicht. Es gibt nur eine Möglichkeit es herauszufinden.
„Möglicherweise.“, gab Nick betont gedehnt von sich und lehnte sich wieder zurück. Seinen Kaffee hatte er längst vergessen. Jetzt war es Zeit etwas zu spielen. „Es gibt viele besondere Personen. Mr. Big, Finnick, Clawhauser, McHorn…“, er zählte noch einige mehr auf und beobachtete ganz genau ihre Reaktion.
Die Polizistin knurrte kurz und schüttelte den Kopf „Das ist nicht das, was ich meine… Du weißt schon, diese gewisse besondere Person in deinem Leben.“    
Natürlich wusste er genau, wonach sie da fragte. Doch für eine Antwort war es noch zu früh, jetzt war es an der Zeit die Taktik zu wechseln. Mit dem unschuldigsten Ton, den er beherrschte, fragte er „Wieso interessiert dich das?“

Mit einem Schlag wurde Judys Gesicht rot und sie verdeckte es so gut sie konnte hinter ihren Ohren.
„Nur so.“, erwiderte sie „Du bist mein Partner, da mach ich mir halt solche Gedanken.“
So nennt man das also.
Mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht tat Nick so, als würde er überlegen „Es gibt da tatsächlich jemanden. Soll ich sie beschreiben?“
Ihre violetten Augen sahen ihn überrascht an, doch schließlich nickte die Häsin.
„Hm, wo fange ich am besten an.“, fragte sich Nick und tippte sich mit einer Pfote gegen das Kinn „Sie ist einfach… perfekt. Intelligent, freundlich, sportlich, sie bringt mich immer wieder zum lachen. Naja, sie hat auch Schwächen, das will ich nicht unterschlagen. Sie ist ein wenig naiv und ihre Kochkünste könnten besser sein.“
An ihrem Gesicht konnte der Fuchs ablesen, wie sie sich die Person vorstellte und langsam senkte sie den Blick. Wahrscheinlich dachte sie, dass er gerade die ideale Frau beschrieb.
„Manchmal übertreibt sie es allerdings auch und sie kann hartnäckig sein, aber das macht mir nichts aus.“, fuhr er fort und umrundete seinen Tisch bis er sich vor seiner Partnerin hinkniete „Aber weißt du, was das Beste ist?“

Judy sah inzwischen zu Boden und wirkte so, als wollte sie alles Mögliche hören, nur nicht das, was das Beste an der Person sei, die Nick liebte. Langsam schüttelte sie den Kopf, unsicher darüber, ob sie die Antwort nicht kannte oder ob sie sie nicht hören wollte.
Jetzt war er sich sicher, dass seine Einschätzung ihrer Reaktion nicht falsch war und sie etwas für ihn empfand.
Okay, reiß dich zusammen, du schaffst das. Der Moment der Wahrheit ist gekommen. Dafür hast du oft genug vor dem Spiegel geübt.
Nah beugte sich Nick an die Polizistin heran und flüsterte „Das Beste an ihr ist, dass sie gerade direkt vor mir sitzt.“, ein hob ihr Kinn mit einer Pfote an, damit sie ihm in die Augen sehen musste „Judy, es gibt da etwas, das ich dir sagen muss. Ich liebe dich.“

Ihre violetten Augen wurden riesig und Nick konnte mit ansehen, wie seine Worte in ihrem Verstand arbeiten bis sie realisierte, was er da eben gesagt hatte. Mit einem Quietschen warf sie sich an seinen Hals und brachte sie beide zu Fall.
„Nick…“, deutlich vernahm der Polizist ihr Schluchzen zwischen ihren Worte „Ich… Mein Gott, ich bin so…“
„Ich weiß.“, lachte er leise und strich zwischen ihren Ohren entlang „Hasen… so emotional.“
Als Antwort spürte er einen Schlag gegen seine Brust, nicht sehr fest, aber immer noch kräftig genug, damit ihm sein Lachen verging. Ein zweiter und ein dritter Schlag folgten.
„Das war dafür, dass du meine Kochkünste kritisierst und mich naiv nennst.“, gab Judy gespielt böse von sich und drückte sich wieder fester an ihren Partner. Endlich legte er seine Arme um sie und umarmte sie so intensiv wie möglich.
„Du hast keine Ahnung, wie lang ich auf diesen Moment gewartet habe.“, gestand Nick und genoss den Augenblick in vollen Zügen.
Ihr entwich ein Kichern und sie schüttelte nur den Kopf „Ich denke, dass ich doch eine ziemlich genaue Ahnung habe.“ Sie löste sich aus ihrer Umarmung und nahm sein Gesicht in ihre Pfoten, nur damit sich erst ihre Nasen und schließlich ihre Lippen berührten. „Denn danach habe ich mich schon seit Ewigkeiten gesehnt.“

Eine Zeitlang schwiegen sich die beiden nur an, dann schließlich lösten sie sich voneinander.
„Ich habe versucht dich anzurufen, aber du bist nie rangegangen.“, Nicks Ton war weder vorwurfsvoll noch neugierig, er klang neutral, ja fast schon desinteressiert „Ich wollte dich zum Essen einladen, dann hättest du nicht draußen im Sturm stehen müssen.“
„Aww.“, entwich es Judy nur und sie beugte sich zu ihrem Partner hin um ihm wieder in die Augen sehen zu können „Wie niedlich. Hat unser Mr. Cool etwa ein klein wenig Romantik im Blut?“
„Nein, dieser Fuchs hat eine gewaltige romantische Ader.“, konterte dieser sofort mit einem Lächeln und küsste sie kurz „Wie sieht es aus? Hast du Lust auf einen Mitternachtssnack?“
Mit einem Lachen stand der Fuchs auf und streckte sich, nur um zwei Arme wieder um sich zu spüren.
„Und wie, ich könnte einen Fuchs verspeisen.“, scherzte Judy und stieß ihn verspielt mit der Pfote an.
„Damit kann ich nur bedingt dienen, aber wie wäre es stattdessen mit einem Möhrengratin?“
„Akzeptabel.“, sie konnte kaum ein Lachen unterdrücken, als sie ihren Kollegen in einer geblümten Schürze sah. Während sie Nick beim Gemüse schneiden zusah, holte sie ihr Smartphone hervor. „Ich hatte es ausgeschaltet, weil mich meine Eltern nervten.“, begann sie endlich mit ihrer Erklärung „Sie wollten mir wieder einmal irgendjemanden vorstellen und ich… konnte es einfach nicht mehr hören.“
Als ihr Partner schwieg, fuhr sie fort.
„Ich konnte ja schlecht sagen, dass ich mich bereits in jemanden verliebt habe, der meine Gefühle vielleicht gar nicht erwidert.“
„Und was wirst du jetzt machen?“, fragte Nick nach einer Weile des Schweigens, kaum dass er das Gratin in den Ofen geschoben und sich die Pfoten gewaschen hatte. Er hatte ihre Eltern nur einmal gesehen, kurz bevor er auf die Akademie geschickt wurde. „Ich meine, ich bin wohl kaum das, was sich deine Eltern vorgestellt hatten, oder?“
Judy entwich nur ein Knurren. Daran wollte sie im Moment gar nicht denken. Stattdessen umarmte sie den Fuchs ohne ein weiteres Wort. „Früher oder später muss ich mit ihnen reden… aber nicht heute. Was werden die anderen wohl sagen?“

„Wir können sie ja morgen fragen.“, schmunzelte Nick und strich ihre Ohren entlang.
„Du meinst am Montag. Morgen haben wir frei.“, ihr Lachen ging in seinem Shirt unter, in das sie ihr Gesicht drückte.
„Morgen ist Montag.“, gab er sofort zurück und deutete auf die nächstbeste Uhr, die zeigte, dass der neue Tag vor zehn Minuten begonnen hatte „Aber ich kann mir denken, dass Clawhauser nur quietschen wird vor Freude. Wolford wird grinsen wie verrückt, er hat mit Sicherheit längst eine Ahnung, Hm… Chief Bogo ist schwer einzuschätzen.“, Nick löste sich von Judy um das Gratin aus dem Ofen zu holen und für sich beide aufzuteilen „Könnte sein, dass es da Probleme geben könnte, aber damit befassen wir uns, wenn es soweit ist.“
Das Essen und der darauffolgende Abwasch verlief wieder schweigend, erst als Nick anfing einige Decken auf seiner Couch auszubreiten, wurde Judy wieder unruhig.
„Keine Sorge, Möhrchen.“, beruhigte sie Nick, schenkte ihr ein herzerwärmendes Lächeln und legte eine letzte Decke bereit „Du kannst im Bett schlafen, ich nehme die Couch.“ Es war schließlich nicht das erste Mal, dass die Häsin bei ihm übernachtete.
„Um…“, aus ihrer Unruhe wuchs bei seinen Worten Nervosität, als sie zu Boden sah und murmelte „Wir könnten uns das Bett auch teilen.“ Judy konnte förmlich spüren wie Gesicht und Ohren neue Rottöne entdeckten, als sie mit ihrem Vorschlag fertig war.
Ihrem Partner erging es nicht besser.
Stell dich nicht so an! Es ist nicht das erste Mal, dass du mit ihr… an ihrer Seite schläfst.
„Also nur, wenn es dir nichts ausmachst.“, verlegen kratzte sich Nick an seiner Wange, während seine Rute seine Begeisterung für die Idee widerspiegelte.
Mit einem Lachen sammelte Judy die ganzen Decken wieder ein und legte sie beiseite. Das sollte eigentlich Antwort genug für ihn sein, doch sie nahm ihn sicherheitshalber an die Pfote, damit er es endgültig verstand.

Anfangs lagen beide noch Rücken an Rücken, doch kurz bevor Judy am einschlafen war, spürte sie, wie sich ihr Partner drehte und langsam seine Arme um sie schlang. Sein ruhiger Atem verriet ihr, dass er längst schlief. Nur aus diesem Grund rückte sie näher an ihn heran und legte ihre Pfoten um seine Arme. Im gleichen Augenblick spürte sie, wie sich etwas anderes erst ihre Beine entlangschlängelte und schließlich um ihre Hüfte legte… Nicks flauschige Rute.
Mit einem Lächeln auf den Lippen übermannte sie endlich der Schlaf und ihre letzten Gedanken galten daran, wie wunderbar es doch war, dass sie beide mit ihren Gefühlen nicht alleine waren.
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