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Das Fräulein von Scuderi - ein psychologisches Gutachten über Rene Cardillac

OneshotDrama, Krimi / P16 / Gen
14.10.2021
14.10.2021
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746
 
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14.10.2021 746
 
An das
Strafgericht in Paris
Zu Hdn. Herr Richter H.
Postfach 800
75020 Paris

Betreff: Strafrechtssache 01. November 1680
René Cardillac

Gutachten
Das Gutachten soll erklären ob die psychische Verfassung von René Cardillac der Grund für die, von ihm ausgeführten, Raubmorde war oder ob er aus reiner Habgier gehandelt hat.

Untersuchungsbericht
René Cardillac ist ein Meister seiner Goldschmiedekunst. Seit seiner frühsten Kindheit fasziniert er sich für Juwelen. Wenn er an seinen Meisterwerken arbeitet ist er sehr ausgeglichen und ruhig. Er arbeitet sehr konzentriert und gewissenhaft. Man merkt ihm auf den ersten Blick an, dass er seine Arbeit liebt und lebt. Herr Cardillac hütet seine Werke wie nichts anderes. Er ist sehr perfektionistisch und hört nicht eher auf zu arbeiten bis er es für perfekt hält.
Allerdings kann er sich sehr schlecht von seinen Stücken trennen. Es bedeutet für René Cardillac einen sehr großen Verlust wenn die Käufer ihre Bestellungen abholen wollen. Er hat das Gefühl als würde er jedes Mal einen Teil seiner selbst mit verkaufen, womit er überhaupt nicht zurechtkommt.
Er ist auch sehr wählerisch, das heißt er übernimmt für viele potenzielle Käufer gar keine Aufträge. Dies zeigt, dass Herr Cardillac nicht an dem großen Geld interessiert ist.
Viele Male versucht er den Verkauf hinaus zu schieben, indem er meint, dass der Schmuck noch nicht fertig sei und er noch Zeit bräuchte um ihn zu perfektionieren. Ihm ist bewusst, dass er seine Werke verkaufen muss um mit dem Erlös überleben zu können. Dennoch setzt er alles dran den Schmuck so lange es geht bei ich zu behalten, vor allem mit seiner Sturheit.
Wenn Herr Cardillac seine geschmiedeten Juwelen dann verkauft, ist er sehr unruhig und nervös. Seine Hände beginnen zu schwitzen und er wirkt sehr fahrig. Noch Auffälliger ist allerding die Aggressivität gegenüber seiner Kunden. Er versucht seinen inneren Trieb, die Schmuckstücke zu behalten, zu unterdrücken. Dies kostet ihn eine enorme Willensstärke.
Auch nach dem Verkauf ist René Cardillac immer noch sehr unruhig und fahrig. Er kann an nichts anderes mehr denken als an seinen Schmuck, den er gerade verloren hat. In diesen Momenten läuft er ruhelos in seinem Zimmer hin und her. Auch kann er nicht einfach ein neues Schmuckstück beginnen zu schmieden, um sich von dem Verkauf abzulenken. Er ist sehr unkonzentriert und würde die Leichtesten Tätigkeiten nicht ausführen können. Nicht seinem Drang nachzugeben und sich seinen Schmuck zurück zu holen ist für Herr Cardillac sehr kraftraubend.
Allerdings ist dieser Trieb nach seinen Juwelen manchmal so übermäßig groß, dass er diesem Drang einfach nachgeben muss. So kommt es dann dazu, dass er nachts wie fremdgesteuert aus dem Haus schleicht um alles dafür zu tun, seinen Schmuck wieder zu bekommen. Er tötet die Käufer schnell und präzise mit einem einfachen Dolchstoß, nimmt den Schmuck wieder an sich und verschwindet vom Tatort.
Wenn er das tut, denkt er nicht selber nach, sondern tut das was sein Drang ihm sagt.
Erst wenn Herr Cardillac seine Juwelen wieder in seinen eigenen Händen hält, ist er wieder frei und unbeschwert wie vor dem Verkauf.
Er trauert nicht und hat kein schlechtes Gewissen, weil er einen Menschen getötet hat. Es geht ihm nur um seinen Schmuck, den er nun endlich wieder hat.
Ihm selbst ist bewusst was er tun wird wenn er seine Juwelen verkauft hat. Aber er entscheidet sich nicht dafür diese Menschen zu töten sondern sieht darin eine Art Zwang um seinen Schmuck, ohne den er nicht leben kann, wieder zu bekommen.
Er selbst sieht den Grund für diesen Drang noch vor seiner Geburt. Seine Mutter hatte, als sie mit ihrem Sohn schwanger war, ihren Liebhaber umarmt und wollte nach seinen Juwelen greifen. Dieser ist in der Umarmung plötzlich verstorben. So sieht René Cardillac seinen inneren Drang als angeborenen Trieb. Dies sei sein Schicksal, mit dem er leben müsse. Er ist auch der Meinung, dass er erst aufhören könnte zu töten, wenn ihm selbst das Leben verlassen hat.
In der Gesellschaft ist er ein Außenseiter. Er pflegt nicht viele Kontakte. Herr Cardillac gilt als Sonderling, da er lieber an seinen Schmuckstücken arbeitet als unter die Leute zu gehen.
In seinem Verhalten sieht man ganz deutlich, dass René Cardillac einer Art Wahnsinn verfällt, dem er sich immer weniger entzieht kann.

Befund
Herr René Cardillac leidet ganz deutlich unter dem Cardillac – Syndrom.
Er handelt zwar bewusst, aber nicht aus freien Willen. Herr Cardillac kann sich seinem inneren Drang nach seinen Schmuckstücken nicht entziehen, wodurch er zu Raub- und Mordtaten fähig wird.
Er ist aus diesem Grund nicht schuldfähig.
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