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Ein Bündel vor der Tür

von Tosho
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Harry Potter Petunia Dursley Vernon Dursley
14.10.2021
14.10.2021
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Hallo,m schön dass dich hierher verirrt hast!
Die kurze Geschichte schlummert schon eine Weile auf meinem Computer und ich dachte, jetzt wo der Herbst, und damit die "Harry Potter Zeit" wieder los geht, wäre es ein guter Zeitpunkt, sie auch hier hochzuladen. Vielleicht gefällt sie dir ja auch ein bisschen :D
Liebe Grüße,
Tosho




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Petunia starrte auf das Bündel zu ihren Füßen. Eigentlich hatte sie nur zum Bäcker gehen wollen, bevor ihr Mann und Dudley wach wurden, doch der Plan wurde vereitelt, als sie Haustür öffnete und über etwas stolperte. Genauer hinsehend, erkannte sie das Bündel als ein Körbchen, in dem ein kleiner Junge lag. Einige schwarze Härchen kräuselten sich auf dem Kopf des Babys und auf der Stirn hatte es blutige Flecken, die aus einem seltsamen, blitzförmigen Kratzer stammten. Der Junge schlief noch, als Petunia das Körbchen anhob, um das Kind nach drinnen zu nehmen, dass ihr mitten in der Nacht jemand vor die Tür gelegt haben musste. Innerlich über die Unfähigkeit anderer Menschen fluchend, die wohl ihr Baby nicht mehr wollten und dachten, sie könnten es einfach vor einer fremden Tür ablegen, um es loszuwerden, trug sie das Körbchen ins Badezimmer. Sie wollte den Kleinen erstmal auspacken, seinen Kratzer versorgen, vielleicht windeln und schauen, ob er noch andere Verletzungen hatte. Außerdem war es doch nachts viel zu kalt, um ein Baby draußen liegen zu lassen. So ging das nicht!
Als sie jedoch die Decke um den Jungen abwickelte, der sich im Schlaf fast schon darin verheddert hatte, entdeckte sie die Stickerei des Namens „Harry“. Und schlagartig wurde ihr bewusst, dass ihre Schwester einen kleinen Jungen hatte, der genauso hieß. Und da fand sie auch schon den Brief, der an der Seite im Körbchen stecke. Mit zitternden Händen und einer bösen Vorahnung, ließ sie den Jungen Junge sein und griff nach dem Brief. Sie wollte ihn gleich öffnen, wissen, warum der Junge ihrer Schwester vor ihrer Tür lag. Der Gedanke, dass sie sich um das Baby kümmern wollte, war vergessen, als sie die ersten Zeilen las. Eine Leere machte sich in ihr breit, von der sie nicht erwartet hatte, sie jemals zu spüren. Und als der Junge aufwachte, und zu schreien begann, weil er in einer fremden Umgebung lag, da begann sie eher mechanisch sich um ihn zu kümmern. Sie wusch ihn, wickelt ihn, steckte ihn in einen Strampler, den sie am Vortag eigentlich schon für Dudley bereitgelegt hatte, und trug ihn anschließend in die Küche, um dort das Frühstück vorzubereiten.
Als sie allerdings fertig mit ihren Aufgaben war, und von oben her immer noch keine Geräusche zu hören waren, die sie irgendwie ablenkten, führten ihre Schritte sie ins Wohnzimmer.

Vernon Dursley war gerade von seinem Wecker aus dem Schlaf gerissen wurden, und dementsprechend launisch. Als er seine Frau nicht neben sich vorfand, erwartete er, wie jeden Morgen, dass sie bereits Frühstück gemacht hatte, und quälte sich aus dem Bett, in der Aussicht auf eine schöne Tasse Kaffee, bevor er auf die Arbeit fahren würde.
Seine Morgenroutine fand ein jäes Ende, als er Petunia nicht in der Küche am Tisch mit frischen Brötchen und Kaffee sah, sondern lediglich eine Kanne und etwas Toast dastanden. Sein Blick fiel durch die Tür ins Wohnzimmer, wo er ein leises Schluchzen vernahm und als er dem Geräusch folgte, seine Frau mit einem Baby im Arm weinend vorfand. Zunächst nahm er an, dass Dudley etwas passiert war und lief aufgeregt zu ihr, doch näherkommend, passte der Gedanke nicht ins Bild. Das vor ihm – das war nicht SEIN Baby. Das war ein kleiner, dünner schwarzhaariger Junge, der in dem Strampler viel zu groß aussah. Und abgesehen von einem Kratzer auf der Stirn sah der auch nicht sonderlich besorgniserregend krank aus. Warum also weinte seine Frau, und wer war das Kind?!

Angst, Schmerz und Verlust standen in ihren Augen, als sie ihn endlich ansah. Sie öffnete den Mund, doch kein Wort kam heraus, nur ein komisches Hicksen, für das sie sich selbst in diesem Moment schämte, und das ihr Bewusstsein wieder ins Hier und Jetzt zurückrief. „Meine Schwester … ist tot. Ermordet. … Ihr Mann … auch. Nur das Baby ... lebt noch.“
Geschockt ließ diese Nachricht auch Vernon innehalten. ERMORDET. Natürlich, dieser Kerl, den seine Schwägerin da geheiratet hatte, der musste doch Probleme mitbringen. Vernon mochte keine Probleme. Und dass seine Schwägerin und deren Mann tot waren, deren Baby aber nicht, das war ein Problem. Seines nun offensichtlich. Denn Petunia sah nicht aus, als wöllte sie das Baby demnächst loslassen.
Es war ihm immer natürlich vorgekommen, nach seiner Schule ein Mädel zu finden, zu heiraten, in ein Haus zu ziehen, ein-zwei Kinder zu bekommen und sonst zu arbeiten, Geschäftsessen zu halten, zu feiern. Hin und wieder Familientreffen. Genau das hatten seine Eltern ihm vorgelebt. Genauso fand er es gut und normal und so hatte er es auch geplant. Ein Mord in der Familie seiner Frau kam in der Planung nicht vor. Genauso wenig die Sorge um ein Kind, dass nicht seines war, und Vernon war nicht sicher, ob er dieses Kind da mögen konnte. Wenn Petunia den Jungen hierbehalten wollte, nun, sie könnten sich sicher darum kümmern, doch eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, wenn sie ihn zu Petunias Eltern hätten geben können. Schon Dudleys Schreie raubten ihm in er Nacht den Schlaf und noch ein Zweiter Schreihals – Himmel hilf. Diese Gedanken kamen ihm im nächsten Moment schon absurd vor. Die Schwester seiner Frau war gestorben, und er dachte darüber nach, deren Kind gleich wieder loszuwerden. Das konnte er Tunia doch nicht antun. Das wäre falsch. Sie würden das schon irgendwie schaffen. Und so tat er das einzig richtige in diesem Moment. Er nahm seine Frau in den Arm.
Eine Weile lehnte sich Petunia an ihren Mann an, doch dann hörte sie Dudley aus seinem Kinderzimmer weinen und sprang auf. Sie schüttelte die Trauer ab, sie musste sich jetzt um diese Familie kümmern. Trauern konnte sie auch später. Also sah sie Vernon kurz dankbar an, legte Harry auf dem Sofa ab, dann huschte sie nach oben und kümmerte sich um Dudley. Dabei vergaß sie fast, einen neuen Strampelanzug mit ins Badezimmer zu nehmen, doch noch rechtzeitig fiel es ihr ein.
Während sie also ihren Jungen wusch und wickelte, betrachtete Vernon den Jungen seiner Schwägerin. Muntere grüne Augen sahen ihm neugierig und aufmerksam an. Der Kratzer auf der Stirn, der fast wie ein Blitz aussah, kam ihm seltsam vor und seltsam gefiel ihm nicht. Doch auch den Gedanken schüttelte er ab, bevor er das dünne Ding aufhob und mit in die Küche nahm, um nun endlich seinen, mittlerweile eher lauwarmen, Kaffee zu trinken.

Die ersten Tage mit Harry im Hause Dursley liefen schleppend. Harry wachte oft aus dem Schlaf auf, schrie und schien panische Angst zu haben. Sein Geschrei steckte auch Dudley an, der nun wieder häufiger mit Weinen begann. Petunia wusste sich keine Hilfe, wie sie den kleinen Sohn ihrer Schwester beruhigen sollte. Und auch bei Dudley wirkte derzeit nichts mehr. Zusätzlich zerfraßen Schuldgefühle die junge Frau. Sie hatte ihrer Schwester nicht mal „Lebewohl“ gesagt, nein, sie hatten sich streiten müssen. Streiten, warum Lily ihren doofen James nicht zu Petunias Hochzeit mitbringe dürfe. Streiten, dass sie selbst lieber nicht zu deren Hochzeit wollte, und Vernon schon gar nicht mit Zauberei in Verbindung bringen wollte. Sie wollte doch nur ein normales Leben. Diese Schmach vergessen, dass ihre Schwester etwas konnte, was sie selbst nie würde können. Auch mit Lernen und üben nicht. Doch nun? Nun hatte sie keine Schwester mehr. Zauberei hatte sie entzweit … und nun auf ewig. Wenn dieser bescheuerte Krieg unter den Magiern nicht gewesen wäre – sie hätten sich vielleicht irgendwann versöhnen können. Doch es gab diesen Krieg. Diesen Krieg, in dem ihre Schwester sinnlos ihr Blut geopfert hatte. In dem sie ihr Leben für ihr Baby gab, dass nun hier aufwachsen musste, um in Sicherheit sein. Weil sie, Petunia, das gleiche Blut wie Lily in sich trug, wäre Harry hier sicher. Aber sie hatte Angst. Nur weil Harry hier sicher war, hieß es nicht, dass sie selbst sicher wären. Was würde mit Dudley passieren? Innerlich schwor sie sich, die beiden Jungen so weit es nur irgendwie möglich war von Magie fernzuhalten. Sie musste sie beschützen. Sie konnte nicht noch jemanden verlieren. Nein, sie würde alles was Magie zeigte aus dem Haus verbannen und Harry ganz normal großziehen. Sie würde nicht zulassen, dass er nach Hogwarts käme, wenn er alt genug wäre.  Sie würde verhindern, dass ihm etwas passierte, dem einzigen, was ihr von ihrer Schwester übrig blieb.
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