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Origo

von Snowworld
KurzgeschichteSci-Fi / P16 / Gen
14.10.2021
21.10.2021
3
5.203
 
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14.10.2021 1.785
 
Kurzgeschichte in 3 Kapitel, die als Testprojekt entstand, als ich verschiedene Schreibprogramme ausprobiert habe.
Viel Spaß!

XXXXXX

>...Fehler...<
Origo konnte die endlosen Weiten vor seinen Augen sehen. Felder reihten sich an Wälder und Wiesen, durchzogen von Flüssen und Straßen.
Es war, als wäre er dort, als könnte er durch die Wälder streifen, seine Finger auf die Rinde der Bäume legen und mit jedem seiner Sinne seine Umgebung in sich aufnehmen.
Doch es war nicht real.
>...zeitliches Erwachen...<
>...erwartet...<
Die blecherne Stimme durchbrach den Frieden, drang in Origos Geist. Sie war gefühllos und schallte aus allen Richtungen wieder. Mit jeder Sekunde wurde er mehr aus seinen Erinnerungen gedrängt.
Es war kalt.
>...Origo...<
Als die Stimme seinen Namen sagte, zehrte sie ihn endgültig fort. Es gab keine Barriere mehr zwischen ihm und der Realität.
>Sequenz abgeschlossen. Objekt Origo befindet sich im Aufweckprozess. 10 Sekunden bis zum Öffnen der Kapsel.<
>10...<
>9...<
>8...<
Schwerfällig blinzelte Origo mit seinen Augen. Grelles Licht blendete ihn und verwandelte die fremdartige Umgebung in schemenhafte Gebilde.
>7...<
>6...<
Origo fröstelte es bis tief in sein Innerstes. Er hob seine Hände und tastete um sich herum. Seine Finger berührten kühles Glas, dass ihn komplett zu umgeben schien.
>5...<
>4...<
>3...<
Origo schnappte nach Luft. Seine gesamte Brust war wie zugeschnürt. Reflexartig trommelte er verzweifelt an das Glas.
Ein schemenhaftes Wesen bewegte sich außerhalb, schien auf ihn zu reagieren.
>2...<
>1...<
>Kapsel wird geöffnet<
Das Glas glitt zur Seite und lies die Außenwelt direkt auf Origos Körper treffen.
Japsend schnappte Origo nach Luft. Diesmal füllten sich seine Lungen mit dem benötigten Sauerstoff.
Keuchend klappte er nach vorne und glitt auf einen metallischen Untergrund. Seine Atmung stockte, aber mit jedem weiteren erfolgreichen Atemzug beruhigte sich sein Organismus.
Origos Blick war auf den Boden fixiert. Mit jeder Sekunde konnte er dessen Struktur besser wahrnehmen.
>Aufweckprozess erfolgreich. Objekt vollständig ausgebildet und Vitalfunktionen in Ordnung<
Die blecherne Stimme ratterte ihren Text gefühllos hinunter. Der Tonlaut so maschinell, dass er niemals von einem lebendigen Wesen stammen konnte.
Schwerfällig hob Origo seinen Kopf, nur um gleich darauf in das Antlitz einer jungen Frau zu starren. Origo reagierte im ersten Moment gar nicht. Sie war ihm vertraut. Die schlanke Gestalt weckte ein warmes Gefühl in seiner Brust. Aber Origo konnte sich nicht erinnern, wo er sie schon einmal gesehen hatte. Sein Denken war so langsam, dass er einen Moment brauchte, bis er ihre gesamte Mimik erfasste. Erst dann realisierte er, dass ihre Augen vor Entsetzen geweitet waren.
»Nein, das ist falsch. Wieso? Hätte nicht.....?«, stammelte die Frau hervor. Sie strich sich mit den Fingern über ihre Gesicht. Dabei fiel Origos Blick auf das feine Sonnensymbol auf ihrer Stirn. Er kannte sie. Da war er sicher. Doch er konnte sie einfach nicht zuordnen.
Panisch ging sie einen Schritt auf ihn zu.
»Wer bist du?«, flüsterte Origo. Bis gerade eben, hatte er nicht einmal gewusst, dass er in der Lage sein würde zu sprechen.
Die Frau zögerte. Ihr Lippen pressten sich angestrengt aufeinander und ihr gesamter Körper zitterte.
»Ich...«, fing sie an und streckte eine Hand nach ihm aus. In ihren Augen strahlte eine Sehnsucht, ein Wunsch, den Origo nicht zuordnen konnte.
Doch kurz bevor sie ihn erreichen konnte, stockte sie. Ihre Finger begannen sich in unzählige kleine Plättchen aufzulösen.
>Rückholprozess gestartet<
Wieder drang die blecherne Stimme durch den Raum.
»Origo. Ich…«
Verzweifelt schimmerten Tränen in ihren Augen. Sie versuchte hastig zu sprechen, aber bevor sie nur ein weiteres Wort sagen konnte, verwandelte sich ihr gesamter Körper und löste sich in abertausende Plättchen auf. Diese verpufften nach wenigen Sekunden in der Luft. Nur ein feiner Schimmer rieselte auf den Boden, welcher sich ebenfalls rasch verflüchtigte. Dort wo vor kurzem noch ihr Körper gewesen war, schwebte nun eine leuchtende gelbe Kugel in der Luft.
Origo hob langsam seine Hand und wollte danach greifen. In seiner Brust explodierte Schmerz und lies ihn kaum atmen.
Er verstand nicht. Er konnte sich nicht einmal an sie erinnern, aber sein Unterbewusstsein schrie vor unsagbaren Leid. Der Verlust, der Tod der Frau war mehr als er ertragen konnte.
Ein Surren ertönte hinter Origos Rücken und lies ihn in seiner Bewegung stoppen. Wenige Zentimeter vor ihm schwebte immer noch die leuchtenden Kugel. Bevor er sie berühren konnte, flog sie blitzschnell an Origo vorbei. Rasch drehte Origo den Kopf, nur um gerade noch so aus dem Augenwinkel zu sehen, wie die Kugel in einer Öffnung in der Wand verschwand. Danach verschloss sich die Öffnung, fügte sich nahtlos in die Wand ein und war nicht mehr zu erkennen. Hätte Origo nicht gesehen, wo sie war, hätte er niemals von ihrer Existenz erfahren.
>Rückhohlprozess abgeschlossen<
Origo war alleine. Die Frau mit den Sonnensymbol war restlos fort. Es war, als hätte sie niemals existiert.
Alles was Origo blieb war eine weitere Erinnerung, die er in seinem verwirrten Geist kaum greifen konnte.
Er schloss die Augen und konzentrierte sich. Vor seinem inneren Auge konnte er wieder die endlosen Weiten sehen. Doch diesmal war er nicht alleine. Sie war neben ihm. Er sah ihre blonden Haare, welche vom Wind um ihr Gesicht geweht wurden. Das Sonnensymbol auf ihrer Stirn leuchtete hell. Er musste nur die Hand ausstrecken und zu ihr gehen. Dann würde er frei sein.
Doch die leblose Kälte um ihn herum lies ihn nicht lange in diesem Tagtraum verweilen.
Schluckend öffnete Origo die Augen und sah nach unten. Er spürte kein Leben um sich herum. Als würde dieser Ort kein Teil der Welt sein, aus der Origo ursprünglich gekommen war.
Es brauchte etwas Zeit, bis sich Origo zwang den Kopf zu heben und seinen Blick auf seine Umgebung zu werfen.
Der Kontrast zu seinem Traum konnte nicht größer sein.
Er befand sich in einer riesigen metallischen Kuppel. Ein einzelner runder Raum, in deren Mitte sich die Decke gut 20 Meter über dem Boden befand. Drei riesige Säulen waren genau in der Mitte angebracht. In ihnen bewegte sich eine seltsame Flüssigkeit, die durch die Säulen durch die Decke glitt.
Origo griff auf seine Oberarme und strich darüber. Es war so kalt in diesem Raum. Mit jeder Sekunde fühlte sich Origo, als würde das Leben aus seinen Zellen gezogen werden, bis er genauso leblos, wie seine Umgebung werden würde.
Zögerlich wagte er es den Kopf zu drehen.
Hinter ihm war eine gläserne Kapsel, welche direkt in die Mauer verankert war. Groß genug um einem Körper Platz zu bieten. Instinktiv wusste Origo, was das war. Das sein Körper sich daran befunden hatte. Doch etwas an diesem Gedanken war so erschreckend, das er nicht wagte ihn weiter zu führen.
Übelkeit kam in Origo hoch. Langsam hievte er sich auf seine Füße und stand auf.
Die Luft, welche er mit jedem Atemzug in seine Lungen pumpte brannte in seiner Kehle.
Sie war, wie alles hier, künstlich, ein Mittel zum Zweck ohne einen Funken Leben in sich.
>Objekt begeben sie sich zur Kontrollkonsole<
Die aus dem Nichts kommende Stimme schreckte Origo aus seinen Gedanken hoch.
Welche Kontrollkonsole?
Origos Blick glitt hin und her. Dabei war es eigentlich offensichtlich. Zwischen ihm und den drei Säulen in der Mitte befand sich eine größere Konsole. Diese behinderte seinen Blick und lies ihn auch nicht direkt auf die andere Seite der Kuppel sehen.
Wackelig zwang er sich aufzustehen. Seine Muskeln schmerzten, als hätte er sie noch niemals benutzt. Allerdings steckte in seinen Gliedern mehr Kraft, als er es selbst vermutet hatte.
Kaum stand er auf seinen wackeligen Füßen, fühlte er sich aber nur noch verlorener. Er sah sich um, versuchte ein Fenster oder zumindest einen Spalt zu finden, der ihm einen Blick auf die Außenwelt gewähren würde. Doch hier war nichts außer Metall, erleuchtet von unnatürlichen weißen Licht, das sich über riesige von der Decke hängenden Lampen in der Kuppel verteilte. Diese flackerten teilweise, während ein anderer Teil längst nicht mehr funktionstüchtig waren.
Doch gerade dadurch wurde Origos Sehnsucht nach draußen zu gehen, einen Funken der Welt aus seinen Erinnerungen zu sehen nur noch überwältigender.
Wo war er hier nur?
Zaghaft setzte Origo einen Schritt nach dem Anderen. Seine nackten Füße berührten kühles Metall, welches seine Zehen kalt werden lies. Am anderen Ende des Raums sah er ein Tor, dass vorhin außerhalb seines Blickwinkels gewesen war. Jeder von Origos Schritten wurde hastiger. Irgendwo hinter diesem Tor lagen die Weiten die Origo in seinen Erinnerungen gesehen hatte. Aber gab es diese überhaupt noch? Origo war sich nicht sicher. Irgendwie ahnte er, dass es nicht so einfach sein würde.
Je näher Origo dem Tor kam, desto mehr stutzte er. Das Tor strahlte Verwahrlosung aus. Als hätte es sich seit sehr langer Zeit nicht mehr bewegt. Es würde sich nicht rühren. Origo wusste es einfach. Aber er wollte seine Hoffnung nicht einfach so aufgeben.
Vorsichtig legte er seine Finger auf das kühle Metall. Er glaubte nicht, dass sich irgendetwas tun würde, aber er zog trotzdem daran, drückte gleich darauf dagegen, aber das Metall gab keinen Zentimeter nach.
Obwohl Origo unterbewusst dieses Ergebnis erwartet hatte, fühlte er sich trotzdem enttäuscht. Die Stimme in seinem Kopf, die hier einfach nur raus wollte, tobte vor Panik.
Widerwillig blieb Origo vor dem Tor stehen. Als könnte sein Blick alleine das Metall dazu bewegen aufzuschwingen und seinen Weg frei geben. Ein paar Minuten verstrichen, während sich Origo weigerte weg zu gehen. Seine Gefühle waren genauso verwirrend, wie seine Erinnerungen. Resignierend lies er die Hände sinken. Er konnte nicht ewig hier stehen bleiben.
Also drehte er um, ging zurück zu der Konsole. Ihm war leicht übel, trotzdem lenkte er seine Aufmerksamkeit auf die Bildschirme, die sich im Halbkreis vor ihm ausbreiteten. Es war alles alt. Die Tastaturen so abgenutzt, das die Symbole darauf anfingen langsam zu verblassen.
Origo drehte seinen Blick. Sein Puls pochte unangenehm an seinem Hals, bevor er stockte. In einem der leeren Bildschirme konnte er sein Spiegelbild erkennen. Seine rabenschwarzen Haare thronten über einem makellosen Gesicht. Sein eigener Blick war so durcheinander, so einsam, wie er sich fühlte. Und auf…
Verwirrt ging Origo näher heran. Sein Spiegelbild folgte den Bewegungen seiner Finger, als er das spiralförmige Symbol auf seiner Stirn berührte. Origo schloss seine Augen.
Wieder sah er die endlosen Weiten. Er fühlte die Kraft der Erde unter seinen Füßen. Er schmeckte den Duft der Bäume. Er hörte den Gesang des Windes. Die Frau war wieder da. Sie lächelte. Sie griff nach seiner Hand und hielt sie fest. Er war nicht alleine.
>Scan des Objekts abgeschlossen. Energiemuster nicht mit geladenen Programm kompatibel. Öffnung des Tors nicht möglich. Bitte neues Energiemuster laden und Zyklus in 24 Stunden neu beginnen.<
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