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Die Hochzeitsvermittlerin

von Hinata120
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / Mix
14.10.2021
27.05.2022
7
18.021
5
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Dieses Kapitel
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14.01.2022 3.427
 
Noch bevor die Sonne ganz den Himmel in seinem rosaroten Licht tauchen konnte und sich der Himmel in sein alt bekanntes strahlendes Blau tauchen konnte, war in einigen der Häuser bereits viel los.
Das Wasser des Teekessels kochte auf dem Herd. Behutsam wurde er mit einem Lappen herunter genommen und das dampfende Nass in die Teekanne umgefüllt. Schon jetzt mit dem Dampf des ersten Aufgusses, verströmte sich ein angenehmer Geruch eines Kräutertees. Kenner würden sofort erkennen, dass es sich um milde Kräuter handeln würde.

Prüfend wurde in Töpfe und Pfannen geblickt nur um sich zu vergewissern, dass das Frühstück nun aufsichtslos vor sich hin köcheln konnte. Die Kochschürze die die Kleidung vor Spritzern und Flecken schützen sollte, wurde wie immer an den vorgesehenen Haken gehängt, bevor die einfach Kochkleidung gegen rauere und schwerere Materialien getauscht wurde. Klappernd wurden zwei Eimer den höchsten Turm des Dorfes hinauf geschleppt. Natürlich wäre es einfach die dafür konstruierten Seilzüge zu nehmen, doch der Träger bevorzugte den fordernderen Weg. Doch schon seit einigen Jahren war das nicht mehr wirklich eine Herausforderung.

Die Türe schwang mit einem kaum wahrnehmbaren Geräusch auf und präsentierte das Ziel der Reise. Der Weg des Turmes war neutral gewesen, hier und da ein Fenster zum Öffnen und Lüften, doch keine Bilder, keine anderen Gegenstände kreuzten den Weg empor.
“Guten Morgen!”, grüßte eine liebliche Stimme und weckte die Bewohner des Turmes. Müde hörte man Rascheln, hier und da ein Ausruf der nur einen Kenner zum Schmunzeln bringen konnte.
Klappernd wurden die Eimer zu Boden gestellt, was auch die restlichen weckte und ungeduldig an ihren Plätzen hin und her wandern und schlagen ließen.
Mit einem betätigen des Schalters neben der Türe, öffneten sich wie von alleine die Schalosien des Turms. Von Außen wirkte er alt, primitiv und einfach, doch innerlich war viel mehr zu sehen!
Mehr und Mehr licht strömte hinein und brachte das Innere zum Vorschein. Die Wände waren in einem Sandfarbenen Creme gestrichen. Uni ohne Ablenkung oder Verwirrung. Der Boden dahingehend war in einem leichten grau getüncht worden und die Fliesen hatten ein Wabenmuster. In der Mitter gab es eine Art runden Tresen unter dessen Oberfläche kleine Regale mit Büchern und Schriftrollen zu erkennen waren. Der Tisch selbst war in einem hellen Blau gehalten, kein Babyblau aber auch kein dunkler Ton.
In den Schubladen befanden sich Siegel, Wax, Tinte und allerlei kram um Briefe zu schreiben und die Kuriere schlummerten in den Plätzen den Wänden entlang.

Zwei Käfigreihen gefüllt mit Ästen, Holz, Stroh und Laub erstreckten sich links und rechts an den Wänden, waren aber nicht verbunden. Eine große Lücke klaffte zwischen den Gittern. Locker hatten in dieser Lücke vier Menschen nebeneinander platz.
In der Lücke gab es große Fenster in dessen Sims sich Sitzstangen befanden. An dieser Stelle muss nicht mehr geraten werden, dass hier in dem Turm ein Vogelschlag errichtet worden war.
Sie umrundete den Tisch und warf einen prüfenden Blick in die Käfige. Ihr geschulter schlauer Blick erkannte sofort, dass alle Tiere, bis auf die beiden die noch unterwegs waren, hier waren und scheinbar wohlauf.
“Ihr habt sicher Hunger!”. Es war Zeit die Raubvögel mit den scharfen klauen zu Füttern. Ein Eimer pro Käfig. Bewaffnet mit dicken Handschuhen die ihre feine Haut vor den Krallen und Schnäbeln schützen würde, trat sie in die Verschläge und reichte jedem der Tiere seinen guten Morgen Snack in Form eines toten Hühner Kückens. Babarisch für jene die viele oder alle Arten von Tieren mögen, doch jedes Tier braucht Futter, artgerechtes Futter.

“Guten Morgen Hadachi”, lächelten die roten Augen einen schwarzbeigen Falken an der ihren Gruß mit einem Falkenschrei erwiederte.
“Gut geschlafen?”, sprach sie weiter mit ihm, während er auf ihrer Schulter Platz nahm. Seine Krallen klackerten an ihrer hellen Haut, massierten sie erst kurz ein wenig als würden sie testen müssen, wie stark der Griff heute sein durfte um sich vor ungewolltem Rutschens zu schützen. Erst als die Testphase zu Ende war, spürte sie wie der Griff stärker wurde und der Falke auf ihrer Schulter Halt fand. Erst dann bewegte sie sich und führte ihre restliche Arbeit leise summend weiter aus.
Die Eimer landeten an dem Seilzug der sie gemählich gen Erdgeschoss beförderten. Ein leises “T-A-C-K” bewies ihr die unversehrte Landung.
“Ein wunderschöner morgen wie jeder andere….”, seufzte sie zufrieden und warf einen liebevollen Blick hinter eine Glasscheibe. Von einem warmen roten Licht beschienen kreisten drei Eier langsam um ihre eigene Achse. Ihr Herz erfüllte sich mit Aufregung und Freude bei dem Anblick. Es würde noch einige Zeit dauern, doch sie konnte es kaum erwarten die Jungfalken schlüpfen zu sehen!

Eine Weile sah sie ihnen noch zu, bis die aufgehende Sonne sich in den Scheiben reflektierte. Sofort drehten sich die Grünhaarige herum und strahlte mit der Sonne um die Wette. Sie verließ die Position an der Brutstation und lehnte sich an eines der Fenstersimse. Einen Moment beobachtete sie die Sonne wie sie hinter den Bergen und Wipfeln aufging, bevor der Blick über das ruhig unter ihr liegende Dorf lag.
Erneut seufzte sie zufrieden und stützte ihren Kopf auf beiden Händen ab.
“Das Dorf ist so friedlich morgens….schade, dass die Ruhe nicht ewig währt”. Missmutig verzog sie ihr Gesicht und drehte den Kopf leicht weg, als ihr Vogelfreund auf der Schulter leicht mit den Flügeln schlug.
“Du hast es gut, wenn sie dir auf die nerven gehen, fliegst du einfach weg…”, sie rolle mit den Augen und stupste dem Vogel auf den Schnabel bevor ein weiterer Schrei von ihm ihren Blick zurück auf das Dorf richtete.
Durch die Straßen und über die Dächer huschten die Boten der Lady Chotei. Sie beugte sich etwas mehr über den Rand des Fensterausschnittes um genauer sehen zu können, wohin die Boten liefen. Einige verließen das Dorf, doch manche von ihnen schienen in bekannte, nahegelegene Straßen ein zu biegen.
“Natürlich müssen es auch Leute auf dem Dorf Hokori sein”, sie rollte mit den Augen. Lady Chotei, die Hochzeits Vermittlerin war ihr ein Begriff. Wer in Hokori lebte kannte sie oder sollte sie zumindest kennen. Sie war bekannt wie ein bunter Hund, fast überall auf der Welt kannte man sie. Man kannte sie und fürchtete ihr Urteil.
“So eine dämliche Tradition. Von einer Frau vermittelt zu werden, den Mann nicht zu kennen und gezwungen zu sein, ihn zu heiraten…puh!”, sie pustete sich eine der langen Strähnen ihres Mintgrünen Haares aus dem Gesicht und schüttelte den Kopf.
Es war nicht zu überhören, dass sie nicht viel von der Berufung Hokoris Wahrzeichen hielt, doch mehr bösen Zungen sprach sie nicht. Bevor sie noch mehr Zeit, Atem und Gedanken an diese Frau verschwenden konnte, die ruhig für die Überbringung ihrer Anklagen…Verzeihung….Einladungen die Falken der Torinoda hätte nutzen können, widmete sie sich den gefiederten Tieren.

Erst als alle versorgt waren, gefüttert, die Federn eingesammelt und der Dreck beseitigt war und sichergestellt wurde, dass keine Briefe oder Botschaften übersehen wurde, widmete sie sich wieder dem Leben unterhalb des Dorfes. Da ihr das Treppab zu lange dauerte, und ihr in ihrem gewohnten Tempo einen gehörigen Drehwurm beschaffen würde, klingte sie ihren rechten Fuß in eine Schlaufe eines Seiles ein und stieß sich von der Kante des Bodens ab.
Der Wind sauste an ihr vorbei, zog ihre beiden vorderen Haarsträhnen mit sich nach oben und trieb ihr auch leicht Tränen in die Augen. Erst wurde sie kurz etwas schneller, bevor sie das Gegengewicht spürte, den Griff um das Seil kräftigte und merkte, wie der Fall deutlich langsamer und bequemer zu Boden ging. Leichtfüßig sprang sie den letzten Meter hinunter und beobachtete wie das Gewicht mit einem lauten Knall neben ihr in dem Sandboden herunter fiel. Sie vermisste das klingeln des Glöckchens welches ihr sagte, dass die Schlaufe am Ausgangspunkt ankam, also justierte sie mit händischem ziehen nach.

Bevor sie jedoch zurück in die Küche kehrte, nahm sie den Seiteneingang, zog sich die Vogelkleidung aus, wickelte sich in ein Handtuch und stolzierte zum Badezimmer. Schon auf dem Weg dorthin löste sie die Knoten auf ihrem Kopf und ließ die eigentlich langen Haare fallen die sanft ihr Gesicht umspielten. Schneller als man ahnen konnte, duschte sie sich, zog sich frische neue Kleidung an und drehte die nassen Haare zurück in die Knoten, fixierte sie mit Spangen und korrigierte ein paar Strähnen im Spiegel.
“Sobo! Frühstück!”, rief sie in den leeren Flur und wartete auf ein freundliches guten Morgen aus dem Zimmer ihrer Großmutter. Doch von diesem Zimmer erhielt sie keine Antwort.
Skeptisch die Stirn runzelnd brach sie ihre eigentliche Wegstrecke ab und schob vorsichtig die Türe des Zimmers zur Seite.
Ein schmaler Lichtschein fiel hinein, doch das Bett ihrer Großmutter war leer.
“Großmutter?”, rief sie noch etwas lauter, drehte sich herum und suchte nach Anzeichen des Verbleibes.
Sie rollte mit den Augen und ging genervt zurück in die Küche. Der Reis brannte sonst an! Vielleicht hatte sie zu viel Zeit beim Duschen vertrödelt und sie war bereits am Frühstücken?

Ihren Entschluss gefasst ging sie die Treppe herunter, steuerte auf die Küche und sah auch schon die vermisste Person. Ihre Großmutter saß wie immer an ihrem gewohnten Sitz. Eine Tasse dampfenden Tees stand vor ihr, mit beiden Händen umklammert. Der Blick war auf die grünliche Oberfläche des Tees gerichtet.
Doch die Großmutter war nicht alleine in dem Raum. Mit Abstand hinter ihr stand ein Mann. Schick gekleidet, wirkte sehr wichtig und ruhig. Er trug eine Uniform die Nadeshiko nur zu sehr kannte.
“Großmutter……was hast du getan?”.
Die Alte Dame hob nun die Tasse an, blies den Dampf zur Seite und nahm ein paar Schlücke von dem Tee.
“Guten Morgen”, grüßte sie, als hätte sie Nadeshikos Frage überhört. Shiko wusste, das hatte die Großmutter nicht.
Es brauchte nicht viele Worte, Nadeshiko kannte die Uniform und solche Leute waren nicht einfach hier um sich zu Besuchen und auf einen Tee vorbei zu kommen. Nicht zu der Jahreszeit, nicht zu der Uhrzeit und sicherlich nicht in der Uniform!
Sie runzelte die Stirn und man konnte die Zahnräder in ihrem Kopf rattern hören als sie nach und nach jeden einzelnen Gedankengang nach ging und analysierte der durch ihre Synapsen schoss.
War der Bote hier, weil der Kandidat zu weit weg lebte und ein schneller Falke gebraucht wurde? Nein…dann wäre die Großmutter direkt zu ihr in die Falknerei in den Turm gekommen.
“Sie sind wegen mir hier…stimmts?”, sprach sie nun direkt den Boten an. Er schenkte ihr kein Lächeln. Neutral war sein Ausdruck als er ein Nicken andeutete und Shiko nur noch zum Aufstöhnen brachte.
“Großmutter! Wieso?!”, quengelte das Mädchen nur und blickte auf die Schriftrolle auf dem Tisch. Sie war ihr vorher nicht aufgefallen, doch jetzt stach sie wie Blutstropfen auf Neuschnee heraus.
“Du bist nun 16 Jahre alt, das ist hier im Dorf Hokori eine Tradition”, begann sie die ewige Laier die sich Nadeshiko seit ihrem 16. Geburtstag anhören durfte. Wie oft hatte ihre Großmutter das Thema Lady Chotei schon angesprochen? Und wie oft hatte Shiko sich deswegen in den Turm gerettet um darüber nicht zu sprechen?
“Eine dämliche Tradition wenn du mich fragst. Ehe auf Zwang und nicht aus…Liebe? Das finde ich unsinnig!”, schnaubte sie nur und strich sich erneut eine nervige Strähne beiseite.
“Ich weiß mein Kind, ich weiß…..”,
“und außerdem…”, Shiko suchte nach den richtigen Worten. Sie wollte ja nicht die falschen Worte gegenüber der Person wählen, die sie aufgezogen und erzogen hatte,
“die Flaknerei! Du kommst den Turm doch nicht mehr hoch. Ich muss mich um die Vögel kümmern und ich bin erst 16! Lass uns darüber sprechen wenn ich 32 bin und bereit für eine Ehe und so! Ja…das ist ein gutes Alter!”, verschmitzt lächelte sie und griff nach der Rolle um sie dem Boten mit ihrer Ablehnung zurück zu geben, doch die Schriftrolle zog sich ein Stück zurück, sodass ihr Griff auf dem Tisch ins Leere ging und sie nun das Holz berührte.
“Sobo…”, jammerte Shiko doch die Großmutter wank nur mahnend mit der Rolle.
“Du bist 16. Ich weiß, dass du noch viel vor dir hast, aber jeder in unserer Familie wurde von Lady Chotei schon einmal vermitteln.”
“Fast Jeder…”, erinnerte Shiko sie nur setzte sich an ihren Platz und schielte zu em Boten.
“....daher ist es umso wichtiger, dass du dorthin gehst. Nicht nur wegen der Tradition. Die Falknerei Torinoda ist auch sehr berühmt. Konohagakure und Sunagakure beziehen ihre besten und schnellsten Vögel aus unserer Zucht”.
Die roten Augen von Shiko glimmten bei diesen Worten und sie reckte etwas stolz die Brust. An einigen dieser Vogelbrüten hatte sie mitgewirkt und sie trainiert. Noch heute konnte sie die Vögel hin und wieder über die Bäume jagen sehen und das bereitete ihr immer wieder einen persönlichen Sonnenaufgang im Herzen.
“das Familien Unternehmen kann ohne Nachkommen nicht wachsen….ein leeres Vogelnest sorgt dafür, dass die Art nach und nach ausstirbt”.
Nadeshiko verzog das Gesicht bei der Metapher. Verglich ihre Großmutter sie ernsthaft gerade mit einem Falkenweibchen aus der Zucht?
Sie rollte mit den Augen. War es wirklich so wichtig? Diese Vermittlung?
“Ist sie für den Fortbestand der Familie wirklich so unglaublich wichtig?”, schnaubte sie und lehnte sich auf dem Tisch, während sie die Rolle anstarrte die das Siegel der Lady Chotei beherbergte.
“Keine Nachkommen, keine Familie Torinoda, keine Falknerei unter unserem Namen. Sie würde an irgendwelche anderen Leute gehen und…..”,
“ich habe schon verstanden…wenn ich nicht will, dass meine Vögel an irgendwen gehen, sollte ich mich der Tradition fügen…richtig?”.
Bedacht nickte die Großmutter und laut stöhnte Shiko ergebens auf.
“Aber..ich will da nicht hin! Die Mädels der letzten Jahre hast du doch gesehen oder? Es waren allesamt richtige Zicken! Außerdem…was ist mit der Zucht?!”.
Immer noch versuchte Nadeshiko ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sie brauchte einfach nur Zeit um selbst jemanden zu finden und dann würde man sie damit in Ruhe lassen!
Ich habe mit Lady Chotei bereits gesprochen und das in deiner Empfehlung als Bedingung….sagen wir eher Bitte geäußert. Sie erkennt den Dienst der Familie Torinoda an und weiß wie wichtig die Arbeit mit den Falken ist. Sie erlaubt dir in der Zeit dieser Pflicht weiter nach zu gehen.”
Schach Matt! Mit diesem Trumpf und der weisen Voraussicht ihrer Großmutter hatte sie nicht gerechnet. Lady Chotei erlaubte die weiterArbeit mit dem Vögeln in der Zeit der Vermittlung? Na… immerhin etwas, doch dies nahm ihrer Argumentation den Wind aus den Segeln.
“Außerdem habe ich meine Tochter gebeten Reno dort ebenfalls hin zu schicken. Er hat seinen Brief ebenfalls heute morgen erhalten.”
Kerzengerade saß Shiko nun aufrecht auf ihrem Kissen. Hatte sie einen Schlaganfall? Hatte sie richtig gehört?
“Reno…mein Cousin….mein Cousin Reno, der Sohn deiner Tochter, meiner Tante…Reno? Reno geht da auch hin? Der wird auch vermitteln? Reno? 21…dunkelblonde, hellbraune Haare, Türkise Augen? Etwas seltsam vom Charakter aber der beweis dass er zur Familie gehört? Mein Cousin Reno?”
Ihre Großmutter schmunzelte bei der Reaktion ihrer Enkelin.
“Ich hatte befürchtet dass du so reagierst und dachte mir, wenn du wüsstest das Reno ebenfalls dabei ist, würde es dich etwas milder stimmen”.
Der Kopf von Shiko knallte mit der Stirn voraus auf den Tisch und ließ die alte Dame kurz vor Schreck zusammen zucken.
Woran dachte die Frau eigentlich noch?!

“Ich….ich brauche Zeit zum nachdenken…”, mit diesen Worten erhob sie sich und verließ den Raum. Sie steuerte die Haustüre an und ergriff beinahe Fluchtartig die Klinke.
Sie schlüpfte durch den schmalen Streifen und verschwand dann in die Straßen die sich langsam wieder belebten.
Je näher sie den schmalen, bewachsenen Wegen kam, um so schneller lief sie und umso stärker war der Brand unter ihrer Haut. Erst, als sie den Bauchlauf neben sich vernahm, verlangsamte sie ihr Tempo. Sie folgte dem Bach flussaufwärts wo er breiter wurde, sich gabelte bis sie zur Quelle kam. Ein großer Teich mit klarem, frischem Wasser entsprang aus einer sprudelnden Quelle einer riesigen Anhöhe. Sie war jedoch nicht alleine. Jemand anderes hatte bereits die gleiche Idee gehabt, diesen Ort als Rückzugsort zu wählen.
“Haben sie es dir auch erzählt?” eine familiäre Stimme drang an ihre Ohren und nahm ihr die Kraft aus den Schultern. Sie schlurfte zu dem kleinen Vorsprung im Wasser und lehnte ihren Kopf auf den älteren jungen Mann neben sich.
“Ja, gerade stand der Bote in unserer Küche”, seufzte sie tief. Sie hatte noch nichts gegessen und doch war ihr der Appetit vergangen.
“Was für ein Mist”, schnaubte er und rieb sich durch das dunkelblonde Haar.
“Kannst du laut sagen…”, stimmte Nadeshiko ihm zu.
“Die sollen mir mit dem Mist endlich fern bleiben! Ich finde schon ne Frau wenn ich das will”, brummte er weiter.
Shiko hörte ihm schweigend zu. Anders als sie, die erst vor einigen Monaten damit behelligt wird, wurde ihr Cousin Reno schon einige Jahre damit zugetextet. Seine gesamte Familie drängte, triezte und zog ihn damit auf. Bei jeder Familienzusammenkunft war dies ein Thema, kein Wunder also, dass Reno oft genervt ist und sich lieber zum Angeln zurück zog.
“Ich verstehe wirklich nicht, was es bringen soll! Es ist eine Schnapsidee und von Vermittlung halte ich lieber viel Abstand! Jemanden heiraten aufgrund was? Wer entscheidet nach welchen Kriterien eine Frau für mich gesucht wird? Oder ein passender Mann für dich? Muss man dort einen dämlichen Prüfungsbogen ausfüllen oder was?”.
Shiko kicherte leicht bei der Vorstellung eine Klausur schreiben zu müssen um ihren “Partner” zu finden. Die Idee war schon ulkig.
“Wie siehst du das? Du bist ja schließlich auch geflohen…”. Reno blickte sie mit den türkisen Augen abwartend und lieblich an.
“Na ja…ich weiß es nicht genau. Du weißt, dass ich Traditionen sehr gern habe und mich auch gewissenhaft daran halte. Sie gehören zur Kultur und diese zu erhalten ist sehr wichtig meiner Meinung nach…aber…..ich bin mir unsicher. Ich bin erst 16! Und die Falknerei und unsere Großmutter braucht doch meine Unterstützung!”.

Reno stimmte ihr stumm nickend zu.
“Dann lass es doch bleiben. Sag Nein, kümmer dich um die Falknerei so wie du es liebst…irgendwann begegnest du mal jemanden in den du dich verliebst und es ist dann gut so wie es ist…vor allem es ist dann Zeit so wie du es magst…”.
Shiko nickte. Das klang wie ein wundervoller Traum! Und doch zog sich ihr Herz zusammen bei der Vorstellung diese Einladung ab zu lehnen. Was für Folgen hätte dies? Ihr Vater wurde als unvermittelbar eingestuft. Er fand zwar die Liebe, doch das Ansehen der Familie hatte lange Zeit sehr stark darunter gelitten, erzählte ihr ihre Sobo einmal. Sie musste für ihre Großmutter sorgen, sich um die Falken kümmern, sich auch um das Image kümmern und über den Fortbestand der Torinoda Familie! Es gab auf dieser Seite der Familie niemanden außer sie! Si schluckte den dicken Kloß im Hals herunter. Ein Druck baute sich auf, der auf ihre Schultern kroch und ihr mit einem tipp, tipp, tipp, unaufhörlich diese Gedanken in den Kopf pflanzte und sich dort tief verwurzelte.

Reno spürte, wie Shiko sich neben ihm an spannte, wie die roten Augen glühten, die Lippe leicht zitterte und bebte und ihr Blick ins Leere ging. Er legte einen Arm um sie und legte seinen Kinn auf ihrem ab.
“Du wirst dort hin gehen…habe ich recht?”, seufzte er wissend.
“Ich….ja…..”, ihre Stimme war heiser, zerbrechlich, als sie beim Aussprechen bereits erkannte, das ihre Entscheidung bereits gefallen war.
Kurz herrscht Stille bevor Reno brummend seufzte.
“Ach Shit…..was solls…..ich kann dich das nicht alleine machen…..”.
Shikos Augen weiteten sich, sie zappelte in seiner Umarmung ein wenig hin und her bis sie sich so an ihn kuscheln konnte, dass sie mit dem Heben ihres Kopfes in ansehen konnte.
“Wirklich…?”, hauchte ihre Stimme zart.
“Wirklich….”, bestätigte Reno und fand sich bald in einer Luftabschneidenen Umarmung wieder.

Es war also beschlossene Sache. Sie erhoben sich nach einigen Momenten die sie ihre alte Freiheit genossen und teilten dem Boten die Entscheidung mit.
Anders als die anderen Kandidaten, bekamen Sie eine Stunde Zeit Dinge zu klären, ein paar wenige Habseligkeiten zu packen denen es erlaubt war sie mit zu nehmen. Doch anders als erwartet, führte Renos Bote ihn nicht zum Tempel der Lady Chotei wie Nadeshiko dem Boten folgte, sondern in die andere Richtung raus aus dem Dorf!
Das war nicht so geplant gewesen! Sie wollten das zusammen durchstehen und nicht getrennt!!
Nun Wuchs Nadeshikos Sorge und Angst nur noch mehr und sie hatte das Gefühl, als würde ein ganzer Berg auf ihren Schultern lasten der tickend hin und her schwankte wie das Pendel einer Uhr und nur darauf wartete herauszufinden wer zuerst brechen würde:
Nadeshiko, oder die schwere Last?

~*~ Chapter three - Duplica Shirokaze coming soon ….~*~
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