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Battleaxe & Claymore

von Arachnida
GeschichteFantasy / P16 / Het
14.10.2021
20.10.2021
3
3.199
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14.10.2021 1.220
 
Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie spürte ihr Herz fest gegen ihre Rippen schlagen. Ihre rechte Hand schloss sich fester um den Griff ihres Claymores. Sie würde sie köpfen. Allesamt. An ihrer Tafel der Entscheidungen. Unter Schmerzen erhob sie sich, spürte, dass ihr Kleid sich in den Überresten eines zerstörten Hauses, die sie beinahe erschlagen hätten, verfangen hatte und riss es ohne zu zögern heraus. Mit dem Handrücken wischte sie sich über die Augen, blinzelte ein paar Mal bis sie wieder in der Lage war klar zu sehen. Ihr Blick glitt die breiten Steinstufen hinauf. Einzelne Soldaten standen noch, sahen in den Himmel, beide Hände fest an ihren Waffen.
Innerlich schüttelte sie den Kopf und richtete sich nun vollständig auf. Es war sinnlos sich zu wehren.

Sie spürte ein Prickeln in ihrem Nacken. Gänsehaut.
Im nächsten Moment ertönte ein ohrenbetäubender Schrei und ein langer, feuerroten Drache schwang sich über ihren Kopf hinweg auf die Treppe zu.
Sie sah die Soldaten schreien, bereit sich zu wehren, auch wenn sie wussten, dass der Tod nahte.

Kurze Stille, dann wurde die Treppe in blaue Flammen getaucht. Schreiend vor Schmerzen rannten sie umher, in dem Versuch die Flammen zu löschen, die von ihnen Besitz ergriffen hatten, bis sie schließlich zu Boden fielen und liegen blieben.
Sie legte den Kopf in den Nacken und betrachtete den langen, roten Drachen, der ein paar Kreise zog, seinen hässlichen Kopf in ihre Richtung wandte, kurz aufschrie und dann von dannen zog.

Ohne darauf zu reagieren ging sie auf die Stufen zu und erklomm sie mit festen Schritten. Wenige der Soldaten waren noch am Leben. Ein paar kamen, vor Verzweiflung die Waffen schwingend, auf sie zu. Ein kontrollierter Schnitt mit ihrem Claymore genügte.
Niemand würde sich ihr mehr in den Weg stellen. Selbst wenn sie sterben sollte, sie würde sie alle mitnehmen... in das Feuer der ewigen Hölle. Dort sollten sie brennen.

Am großen Tor angekommen hob sie das Claymore über ihren Kopf, den Blick fest auf ihr Ziel gerichtet ließ sie es niedersausen.

"Ihr müsst bedenken, meine Herren, wir haben zu wenig Männer, um die Versorgung der Außenmauern gewährleisten zu kö-"
Mit einem gewaltigen Schlag wurde das Tor zur Halle aus seinen Angeln gerissen und zersplitterte in mehrere Einzelteile. Grelles Sonnenlicht flutete den langen Raum, mittendrin, der Schatten einer Gestalt. Der Geruch von Feuer, Rauch und verbranntem Fleisch wurde vom Wind herein getragen. Vor Schreck rührte sich keiner.
Als der Rauch schwand erkannte man die junge Frau, die vor dem Tor stand.

Einige Soldaten in der Nähe machten ein paar Schritte zurück. Den Frauen, die bei ihren Männern an der Tafel standen, entwichen entsetzte Laute, während die Männer selbst langsam die Hände an die Griffe ihrer Waffen legten. Wer auch immer die Fremde war, sie bedeutete Gefahr.

Das rote Kleid, das die Frau trug, war an der linken Seite, von der Schulter, über den Ärmel, bis hin zum Rock, in Stücke gerissen worden. Fetzen des Stoffes lagen in offenen Wunden. Ein hoher Riss, bis zur Mitte ihres linken Oberschenkels, zerteilte den vollen Rock des Kleides. Ihre helle Haut wies starke Verbrennungen auf. Das schwarze Haar war zerzaust, ihr Gesicht mit Ruß bedeckt.

Die Hacken ihrer Schuhe hallten in der Halle wieder, als sie mit festen und schnellen Schritten auf die Männer zuging, die auf einer steinernen Erhöhung, am Ende des rechteckigen Raumes, um eine große Tafel herum standen.

Sie schien etwas in ihrer Rechten zu halten, jedoch wurde es teilweise von ihrem Rock verdeckt.
Geduldig stieg sie die wenigen Stufen zu ihnen hinauf, dann blitzte silberner Stahl im Sonnenlicht.

Ein weißer Blitz durchschnitt die Luft, dann brach die Tafel mit einem lauten Krachen entzwei. Sauber in der Mitte zerteilt.

Durch die, in vielen Schlachten geschulten, Instinkte war es den anwesenden Männern gelungen, sich selbst und ihre Frauen, zu schützen. Nun zogen sie ihre Waffen und umringten die Frau, die nur da stand und sie nacheinander ansah. Blaue Augen. Kalt wie der Winter und gnadenlos wie der Tod. Keine Emotion zeigte sich auf dem jungen, und doch schönen, Gesicht. Einige der Männer erkannten sie wohl und murmelte den Titel, den sie ihr vor Jahrhunderten schon gegeben hatten.
'Die Lady in Rot!'

Ein Schlachtruf zerriss die Luft und ein Knappe, klein und schmächtig, hatte sich aus dem Kreis um die Frau gelöst und griff sie nun, mit über dem Kopf erhobenen Schwert, direkt an.
Wie dumm er doch war, dachte sie sich, zielte mit der Schwertspitze auf ihn und ging dann leicht in die Knie.

Einer der Männer schritt nach vorn, holte mit seiner Waffe zum Schlag aus.
Kontrolliert parierte sie seinen Schlag, ihre Augen noch immer auf den Jungen, der nun von seinem Herrn am Kragen aus dem Kreis gezogen wurde, gerichtet.

"Würdest du wirklich ein Kind verletzen?" Seine Stimme war nur ein leises Raunen und langsam wandte sie den Kopf. Seine stahlgrauen Augen schienen sie zu durchbohren, das blonde Haar trug er länger, an den Seiten kurz und oben geflochten. Ihr Blick glitt zu der Waffe, deren Schlag sie geblockt hatte. Eine große Kampfaxt...
Ein Wikinger.
Mit einer schnellen Bewegung veränderte sie ihre Form, drückte ihr Claymore mit einer Kraft an seine Axt, dass Funken sprühten. Ein hoher Ton erklang dabei aus dem Stahl ihres Schwertes und Verwunderung spiegelte sich in seinem Gesicht wieder.

Ein ohrenbrechender Schrei erfüllte die Halle und instinktiv schützten die Anwesenden ihr Gehör.
Sie nutzte den Moment, drückte den Wikinger nach hinten und drehte ihm die Axt aus der Hand. Der Laut des Stahls auf dem steinernen Boden ging in dem Gebrüll unter.

Ein riesiger Drache, schimmernd in violetten und grünen Schuppen, war vor dem Tor auf den Stufen gelandet und steckte nun den Kopf durch die Öffnung. Seine langen Hörner brachen Gesteinsbrocken aus den Wänden. Seine gelben Augen glühten vor Wut und schwungvoll drehte sie sich zu ihm um. Ihr rotes Kleid bauschte sich in der Bewegung.
"Burn!" Ihre Stimme war nur ein Hauchen, doch es genügte.

Das Maul des Drachen öffnete sich. Man sah die scharfen Zähne, die gespaltene Zunge und wie sich sein Rachen golden färbte und die Flammen hinauf krochen.
Dann wurde die Halle erfüllt von hellen, heißen Flammen. Sie durchbrachen das Gestein der Wände und der Säulen, die die Decke hielten. Schreie erfüllten die Luft.

Die Lady in Rot stand mitten in den Flammen. Unversehrt und mit einem Lächeln sah sie noch immer auf den riesigen Drachen, der nun, mit einem gewissen Stolz, sein Werk aus Zerstörung betrachtete. Dann trat er zurück, öffnete die breiten Schwingen und erhob sich in die Luft. Durch sein Verschwinden gab er den Blick auf einen zweiten Schatten frei.

Eine hoch aufgerichtete Gestalt in einer nordischen Rüstung stand im Rahmen des zerstörten Tores. Wildes goldenes Haar floss um die Schultern der Fremden, in ihrer linken Hand hielt sie einen langen Stab, dessen oberes Ende in einer großen Doppelaxt endete. Man sah die Schärfe des Stahls im Sonnenlicht glitzern. Blut floss an der Klinge hinab und tropfte auf den Boden.

Die Lady in Rot nickte der Kriegerin zu, diese erwiderte das Nicken, hob dann die Axt und während die Lady die Halle an ihr vorbei verließ und die Treppen hinunter stieg, reichte ein kontrollierter Streich der Axt, um den Rest, der vom Feuer verschont wurde, in einen Trümmerhaufen zu verwandeln.

Die Walküre hatte gesprochen!
 
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