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Sleep little Baby

KurzgeschichteHorror, Tragödie / P16 / Gen
14.10.2021
14.10.2021
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711
 
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Du liegst still da, ohne dich zu bewegen. Deine Augen sind fest verschlossen. Kannst du sie öffnen? Nach wenigen Versuchen musst du feststellen das deine Augenlider so schwer wie Blei sind und du gibst den Versuch auf. Nach kurzer Zeit fällt dir auf, dass deine Arme und Beine komplett taub sind. Du versuchst krampfhaft sie zu bewegen, strengst dich an so gut es geht. Doch es ist vergebens, du schaffst es kein Körperteil auch nur einen Millimeter zu bewegen.
Die Stille um dich herum hat zugleich etwas beruhigendes und beängstigendes an sich. So leise wie es ist kannst du nichts hören als deinen eigenen Herzschlag. Gleichmäßig und ruhig schlägt dein Herz immer weiter. Du konzentrierst dich auf dieses Geräusch um die Angst aus deinen Gedanken zu verbannen.
Seit wann macht ein Herz denn so seltsame Geräusche? Es ist ein gleichmäßiges Piepen.

Piep....piep....piep....piep....

Kurz denkst du es wäre nur deine Einbildung, doch umso länger du es hörst umso unwahrscheinlicher findest du das. Langsam beginnst du dich zu fragen wo dieses Geräusch wirklich herkommt, doch da du deine Augen nicht öffnen kannst bist du nicht in der Lage nachzusehen.
Plötzlich hörst du Schritte und eine Tür wird geöffnet.
»Ich brauche jetzt die endgültige Entscheidung. Es tut mir leid. «, ertönt eine männliche Stimme. Du bist dir sicher sie noch nie in deinem Leben gehört zu haben.
»Stehen die Chancen wirklich so schlecht Herr Doktor? «, fragt eine weibliche Stimme, die du sofort erkennst. Es ist deine Mutter! In dir kommt ein Gefühl der Freude auf. Eine vertraute Stimme zu hören beruhigt dich. Da du weder deine Augen öffnen kannst, noch in der Lage bist eine Bewegung von dir zu geben, lauschst du weiterhin dem Gespräch.
»Es tut mir leid Miss. Wir können nichts mehr tun. Wenn sie nicht unterschreiben dann zögern sie das Leid ihres Kindes nur noch hinaus. «, sagt der Mann, der wie deine Mutter zuvor schon gesagt hat ein Doktor sein muss. Aber was meint er damit? Dein Leid hinaus zögern? Dir geht es doch gut, wenn man von den Umständen ausgeht. Du bist im Moment nur viel zu müde um dich zu bewegen. Aber das würde sicher wieder vergehen.
Du hörst ein herzzerreißendes Schluchzen deiner Mutter und sofort fragst du dich was denn los sei? Sieht es wirklich so schlecht bei dir aus?
Du versuchst mit aller Kraft deine Augen zu öffnen oder ein Lebenszeichen von dir zu geben, aber du schaffst es nicht.
»O-Okay, ich unterschreibe. Wenn es zum Wohl meines Babys ist... «
In der Stimme deiner Mutter hört man deutlich dass sie weint. Du würdest sie so gerne trösten, aber wie solltest du das anstellen?
»Hier bitte, das Formular. Unterschreiben sie bitte ganz unten, dann können wir es hinter uns bringen. Dann findet ihr Kind seinen Frieden. «
Du fängst an alles zu kombinieren. Die piependen Geräusche, deine Bewegungsunfähigkeit, die Trauer deiner Mutter und das Gesagte des Arztes. Dir wird unwohl und langsam erahnst du was hier vor sich geht. Liegst du etwa im Koma? Aber wie lange schon? Warum gibt deine Mutter auf, du bist doch am leben!
Du hörst wie Schritte näher auf dich zu kommen, dann spürst du eine sanfte Hand auf deiner Stirn.
»Machs gut mein Baby, Mummy liebt dich. «
Etwas nasses tropft auf dich herab. Du weißt sofort dass es die Tränen deiner Mutter sind. Sie nimmt deine kalte Hand und drückt sie sanft.
»Sind sie bereit? «, fragt der Arzt.
»J-Ja... «, kommt es weinend von deiner Mutter.
Alles in dir sträubt sich, du bekommst Panik und schreist innerlich so laut du kannst.
Ich lebe! Bitte tut mir das nicht an! Mum ich bin doch hier! Ich will nicht sterben!
Doch aus deinem Mund kommt kein Ton heraus und du liegst weiterhin wie eine leblose Puppe da.

Piep...piep....piep......piep........piep..............piep...............piep............................

Dein Herz wird immer langsamer, was du an den Geräten hörst, an denen du angeschlossen bist. Du hast unfassbare Angst, am liebsten würdest du schreien, weinen und um dich treten, doch du kannst nicht.
Bald fühlst du wie dein Körper schwächer wird und du immer weiter in eine große Leere gezogen wirst. Das Weinen deiner Mutter wird leiser und entfernt sich immer weiter, bis du vollends in der leeren Dunkelheit versunken bist.

Todeszeitpunkt: 12 Juni, 14:53 Uhr
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