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Verflucht

GeschichteThriller, Horror / P18 / Gen
14.10.2021
14.10.2021
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1.090
 
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Mein Name ist Thomas und ich möchte dir meine Geschichte erzählen. Ich hoffe wenn ich dies hier niederschreibe, schaffe ich es endlich meine Vergangenheit zu verarbeiten. Was ich dir gleich erzählen werde klingt verrückt, doch ich schwöre auf die Echtheit dieser Niederschrift.
Alles begann vor sechs Jahren, als ich zwölf Jahre alt wurde. Zu dieser Zeit war die Welt noch wunderschön und einfach. Es ging mir gut, ich hatte viele Freunde und sogar die Schule machte mir mehr oder weniger Spaß. Meine Freunde und ich unternahmen jeder Tag etwas zusammen. Nur selten sah man einen von uns alleine. Wir machten sogar unsere Hausaufgaben zusammen und lernten miteinander, um durch die Prüfungen in der Schule zu kommen. Die Eltern des jeweils anderen hatten jeden von uns schon beinahe in die Familie aufgenommen. Doch darum soll es jetzt nicht gehen.
Unsere Gruppe bestand aus 3 Personen. Marcel, Billy und meine Wenigkeit. Natürlich gab es noch andere, doch die beiden erst genannten waren meine besten Freunde.
Die Ereignisse meiner Geschichte begannen auf den Tag an meinem zwölften Geburtstag. Ich hasste es zu viele Menschen um mich zu haben, weshalb ich nur meine zwei besten Freunde einlud. Wir wollten diesen Tag unvergesslich machen, was er rückblickend auch wurde. Nur nicht so wie wir es anfangs geplant hatten.
Um die Mittagszeit trafen wir uns bei mir zu Hause. Wir aßen zusammen und legten uns einen Film ein. Der Tag war sehr entspannt und ich genoss die Aufmerksamkeit, die mir wegen meines großen Tages zu Teil wurde.
Gegen Abend dann, nach dem Abendessen, gab es ein Stück Kuchen und ich bekam endlich die Geschenke von meinen Eltern. Leider ging es nicht anders, da meine Mutter und mein Vater an diesem Tag beide arbeiten mussten. Dann kam der Teil, auf den wir uns am meisten freuten. Wir schlugen mit Hilfe unserer Eltern im Garten ein Zelt auf und machten, kurz vor Eintritt der Dunkelheit, ein Lagerfeuer an. Dann saßen wir da, die Sonne verschwand vom Horizont. Wir rösteten Marschmallows und redeten über die verschiedensten Dinge. Alles in allem war der Tag perfekt. Bis Marcel auf eine glorreiche Idee kam.
„Lasst uns ein paar Gruselgeschichten erzählen.", sagte er mit einem Grinsen. Ich zögerte. Man konnte einiges über mich sagen, aber mutig war ich auf keinen Fall. Ich war die Sorte von Kind, die schon vor seinem eigenen Schatten erschrak und nachts weinend zu den Eltern lief, weil es meinte im Schrank säße ein Monster. Meine Freunde wussten das nicht, weil ich es geheim hielt und mich immer mutiger stellte als ich war. Um den Schein zu wahren stimmte ich zu.
„Es passierte vor ungefähr 50 Jahren, genau hier in dem Dorf in dem wir leben.“, begann Marcel mit einem vielsagenden Tonfall. Billy und ich sahen ihn mit großen Augen an und lauschten gespannt seiner Geschichte.
„In einem Haus am Waldrand lebte ein Mann, der vom Dorf verachtet und gefürchtet wurde. Er hatte übergroße Gliedmaßen und sein Kopf war leicht deformiert. Das war schon bei seiner Geburt so und von Anfang an wurde er von seinen Mitmenschen für sein Aussehen verachtet. Sogar sein Vater hasste ihn. Er schlug ihn täglich und nannte ihn hässlich und eine Missgeburt. Die einzige die ihn liebte und behütete war seine Mutter.“
Billy und ich sahen uns gegenseitig mit einem Hauch von Mitleid an.
„Der arme Mann.“
Marcel zuckte mit den Schultern.
„Ja, vielleicht. Nur so unschuldig war er dann doch nicht.“
Kurz hielt er inne. Er wirkte nachdenklich.
„Also…wo war ich? Ach ja! Eines Tages schlug sein Vater ihn und seine Mutter fast zu Tode, dann verließ er die beiden.  Von da an waren die beiden auf sich gestellt. Der deformierte Mann traute niemanden mehr, nur seiner Mutter. Bis er diese eine Frau traf und sich verliebte.“
Wieder war es kurz still. Ich hoffte innerlich dass die Geschichte doch noch gut ausgehen würde.
„Gab es dann ein Happy End?“, fragte ich zweifelhaft, doch Marcel schüttelte den Kopf.
„Nein. Es stellte sich heraus dass der Bruder der Frau etwas dagegen hatte. Er und einige andere Dorfbewohner zündeten sein Haus an und die Mutter starb in den Flammen. Damit begann ein Blutbad. Viele Menschen wurden in dieser Nacht brutal abgeschlachtet und zur schau gestellt. Danach verschwand der deformierte Mann. Niemand hatte ihn mehr gesehen. Manche behaupteten, er wäre gestorben, andere meinen er ist noch immer da draußen. Aber keiner weiß was wirklich mit ihm geschah. Es gibt Zeugen, die schwören ihn nachts vor den Ruinen seines ehemaligen Hauses gesehen zu haben. Er schaut in Richtung des Dorfes, noch immer voller Hass. Und gierig nach Rache. Er scheint mit den Menschen die hier leben noch nicht fertig zu sein.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken.
„D-Das hast du dir nur a-ausgedacht.“, sagte ich und versuchte das Stottern zu unterdrücken. Billy saß nur stumm neben mir und starrte Marcel an. Er war ganz blass im Gesicht.
„Hab ich mir gar nicht! Mein Opa hat mir die Geschichte erzählt. Er hat gesagt, er hat diesen Mann wirklich gesehen.“, erklärte Marcel. Ich weiß nicht mehr genau warum ich so wütend wurde, wahrscheinlich um meine Panik zu verstecken.
„Du lügst!“
Marcel zuckte bei meinem lauten Tonfall zusammen..
„Nein tu ich nicht, mein Opa hat mir das wirklich erzählt!“, verteidigte er sich.
„Dann ist dein Opa ein Lügner!“
Als ich diese Worte aussprach, bereute ich sie sofort. Marcels Opa war ein lieber und netter Mensch. Er war warmherzig und gut. Marcel sah stets zu ihm auf.
Kurz sagte niemand etwas. Ich schämte mich für meine bösen Worte.
„Ich will nach Hause…“, murmelte Billy neben mir. Er war den Tränen nah. Schon immer war er der sensibelste unserer kleinen Gruppe und mit Streit kam er ganz und gar nicht klar.
„Nein bitte geh nicht…es tut mir leid.“, sagte ich schuldbewusst. Dann sah ich Marcel an. Dieser seufzte.
„Na gut, ist verziehen. Aber wage es nicht nochmal meinen Opa schlecht zu machen.“
Ich nickte. Kurz hörte man nur noch das prasseln des Feuers.
„Glaubt ihr es ist wahr?“, fragte ich mit leiser Stimme. Marcel wirkte nachdenklich.
„Naja, mein Opa schwört den Mann gesehen zu haben.“, antwortete er dann.
„Vielleicht hat er sich einen Spaß erlaubt. Kann ja sein dass er nur einen bösen Witz gemacht hat.“
„Nein, das denke ich nicht. Er hatte einen seltsamen Ausdruck in den Augen. Er wirkte beinahe so als hätte er Angst…als würde er sich Sorgen machen.“
Wir beschlossen uns am nächsten Tag darüber den Kopf zu zerbrechen. Für dieses Thema war es in diesem Moment eindeutig zu dunkel.
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