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Das Gute liebt das Böse...

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
13.10.2021
19.11.2021
5
6.111
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13.10.2021 960
 
Der beliebeste Schüler im Oberstufengymnasium.
Der heißeste Typ in der ganzen Siedlung.
Und eine Sportskanone wie sie im Buche steht.

Das ist Dominik.


Und was bin ich?

Der lästige Nerd, der allen nur im Weg steht.
Der Freak mit den Panikattacken. – (Kein Wunder, wenn jeder so tut als würde er zuschlagen und sich dann doch wieder verpisst. Und meine Angst auch noch lustig findet)
Der arme Loser, mit der Brille, die jedes Mal zu Bruch geht. – (Mittlerweile habe ich eh auf Kontaktlinsen umgestellt)
Und das Muttersöhnchen, dass immer nur zu Hause hockt und noch nie auf einer Party war. – (Wie denn auch, wenn mich keiner einlädt?)


Wenn die ganze Schule auch noch erfährt, dass ich schwul bin, kann ich mich gleich lebendig unter der Erde vergraben. Bestimmt werden die dann auf meinem Grab tanzen, spucken oder es mit faulen Eiern und Tomaten bewerfen. Ok das war ein übertriebener Gedanke.

Einer von Dominiks Freunden kommt in die Dusche dazu und schubst mich gegen die Wand, sodass ich eine volle Ladung Wasser ins Gesicht bekomme. Als er von mir ablässt, grölen sie freudig.

Nur einer lacht nicht mit. Dominik selbst. Aus meinen Augenwinkel kann ich erkennen wie er mir einen gleichgültigen Blick zuwirft und sich dann wieder mit Paul oder Sven (die beiden sind Zwillinge und schwer zu unterscheiden) unterhält.


Ich wasche mich weiter und gebe mir extra lange Zeit. Nach der letzten Stunde Sportunterricht in der Gemeinschaftsdusche ist der beste Moment, um ein paar Blicke auf mein Objekt der Begierde zu erhaschen. Ich weiß es ist riskant, dass ich mich ausgerechnet in den Anführer der Gang verknallt habe, die für mein Image hier an der Schule verantwortlich ist. Aber wer kann ihm schon widerstehen? Allein seine Größe von ein Meter neunzig ist doch schon eindrucksvoll. Er überragt mich um ganze zwanzig Zentimeter, aber das ist mir egal. Noch dazu dieser Körper! Einfach umwerfend…

Er dreht sich zu mir um und ich wende mich wieder der Wand vor mir zu.

Ich bin nicht der Einzige mit dieser Meinung. Die wenigen Mädchen in unserer Klasse betteln und flehen ihn geradezu an mit ihm auf ein Date zu gehen. Nur wann soll er denn neben dem Fußball unter der Woche und dem Karate am Samstag noch Zeit für sowas finden? Selbst sonntags schraubt er zusammen mit seinem Vater an dem alten Aston Martin herum.

Ja, Dominik Auders trifft sich mit Mädels ausschließlich auf Partys. Sofern also keine stattfindet, können die sich das abschminken. Außer dem hatte er schon viele On-Off-Beziehungen. Es gab bis jetzt kein Mädchen, dass ihm ansatzweise genügt hat. Was meine Theorie bekräftigt, dass er ebenfalls schwul sein könnte. Es aber nicht zugeben will.


Meine Gedanken werden abrupt unterbrochen als ich seine tiefe Stimme höre. Ich drehe mich noch gerade rechtzeitig um, um zu sehen wie er mit einer Hand durch seine rabenschwarzen Haare fährt und dabei sein selbstbewusstes Grinsen zeigt. „Ja klar, geht ihr schon mal vor!“, ruft er seinen Freunden zu, die nur kopfschüttelnd lachen „Alter, wie lange brauchst du bitte?“ Schließlich ziehen sie ab und wir bleiben alleine. Soll ich nun gehen oder doch noch bleiben?

Die Entscheidung wird mir abgenommen, als ich plötzlich gegen die Wand gedrückt werde. „Na, du Drecksack, bist du endlich sauber?“, raunt er mir ins Ohr und spüre ihn dicht hinter mir. Jetzt bloß nicht rot werden!

Weil ich seine Frage unbeantwortet lasse, drückt er nochmal fester zu. „Julian, ich hab dich was gefragt!“, knurrt er gefährlich. Aha, im Gegensatz zu den anderen hat er meinen Namen wohl nicht vergessen.
Zu meiner Überraschung dreht er das Wasser über mir ab. „Wie lange willst du noch hier rumstehen und mir auf den Arsch starren? Glaubst du ich krieg das nicht mit?!“
Was kann ich dafür, dass der nun mal unfassbar gut aussieht, lautet die Wahrheit. Stattdessen sage ich. „Ich habe nicht-“
„Versuch bloß nicht dich rauszureden!“, unterbricht er mich barsch und schiebt sein Knie zwischen meine Beine. Was soll das denn werden? Will er mich etwa anturnen? Nein, vermutlich nicht. Kann man einem von hinten in die Eier treten?

„Wenn deine Klappe schon nicht von selbst aufgeht, kannst du mir ja zuhören.“
„Tu ich doch schon die ganze Zeit du Idiot“, wäre es mir beinahe herausgerutscht.
„Hör endlich damit auf mich anzustarren, als wäre ich ein Stück Fleisch auf dem Grill.“ Ich kann förmlich sehen wie er belustigt mit den Zähnen fletscht.
„Sehr witzig, du weißt das ich Vegetarier bin“, kann ich mich nicht mehr bremsen.
„Werde ja nicht frech, Brener.“ Ach, fangen wir jetzt an einen mit Nachnamen anzusprechen? Sind dir die Beleidigungen ausgegangen?
„Wenn du deine dreckigen Fantasien nicht für dich behältst, erzähle ich der ganzen Schule wie sehr du auf Schwänze stehst.“ Unbewusst zucke ich zusammen. Das wäre mein Untergang.

„Jetzt bist du nicht mehr so tough, was?“ Er lässt von mir ab und ich drehe mich zu ihm um. Eine dumme Idee, wie ich gleich darauf zu spüren bekomme. Er verpasst mir eine heftige Schelle. „Hörst du schlecht? Warte gefälligst bis ich mich angezogen habe!“

Also bleibe ich hier stehen, selbst wenn ich friere, sehe ihm zu wie er sich in die Garderobe begibt, sich hastig mit dem Handtuch trocknet und in Windeseile umzieht als wäre der Teufel hinter ihm her. Trotzdem verstehe ich nicht warum er mir vorhin gelinde gesagt nur eine Ohrfeige verpasst hat. So wie ich den Rest der Raufbolde kenne, hätten die mir doch bestimmt das gesamte Gesicht blutig geschlagen. Womöglich will er keine Aufmerksamkeit erregen. Blut an den Fließen ist schwer wegzuputzen für die Reinigungskraft.

"Mach´s gut, du Perverser", verabschiedet er sich zumindest, wenn auch etwas grob und... wirft mir mein Handtuch zu? Wie zweigespaltet ist der denn?

Vielleicht schaffe ich es doch eines Tages ihn um den Finger zu wickeln...
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