Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I Don't Know What's Right Anymore

von Saya
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P16 / Het
Eren Jäger Jean Kirschtein Levi Ackermann / Rivaille OC (Own Character) Reiner Braun
12.10.2021
22.10.2021
8
14.440
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.10.2021 2.032
 
Von diesem Tag an verflog die Zeit quasi wie im Flug. Nicht nur, weil ich an ihr vorbeiraste, denn ich war die Schnellste in unserer Einheit. Sondern auch, weil Reiner ständig bei mir war und mir die Zeit mit seiner Anwesenheit und Nähe versüßte. Ich genoss jeden Moment mit ihm und sog ihn tief in mir auf. Er weckte meinen Überlebensinstinkt und kitzelte meine Willensstärke heraus, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich dachte, ich hatte all das am Tag des Mauerdurchbruchs verloren, aber scheinbar braucht es nur jemanden, der an meiner Seite war. Eine Person, in dessen Augen ich nicht denselben Schmerz sah, wie es bei Eren, Mikasa und Armin der Fall war. Reiner war mein objektiver Blick auf die Dinge, wenn ich vor Intensität verzweifelte. Und das nur, indem er total geduldig mit mir war, mich aber gleichzeitig anspornte, über mich hinauszuwachsen. Ich wollte besser werden. Für uns beide. Ich hatte gelernt, mich blind auf ihn zu verlassen, auch wenn es dafür einige Anläufe gebraucht hatte. Aber danach wurden wir schnell zu einer Einheit, die sich ohne Fragen aufeinander verlassen konnte. Ich begriff schnell seine Ideen und Einwände nicht anzuzweifeln, sondern es einfach zu versuchen. Und selbst wenn ich scheiterte, war er sofort an meiner Seite.
„Ah...“, kam es mir keuchend über die Lippen, da sich einer meiner Hacken der 3-D Ausrüstung gelöst hatte und ich mal wieder zu viel Fahrt drauf hatte. Ich raste zwischen den großen Bäumen unweigerlich gen Boden, doch ehe ich diesem auch nur ansatzweise zu nahe kam, wurde ich abgefangen. „Ich hab dich!“, presste Reiner hervor, während seine Arme sich wie ein Schraubstock um meine Taille wanden. Eine Titanenattrappe ragte in meinem Blickfeld auf, der ich kurzerhand ein Riesenstück aus dem Nacken schnitt. Während mein Freund durch die Luft flog, übernahm ich das „niedermetzeln“.

Meine nackten Füße machten klatschende Geräusche auf dem eiskalten Betonboden. Es war, als würden kleine Nadeln in meine Zehen stechen, weswegen ich unweigerlich zu frieren und zu zittern begann. Also legte ich einen Zahn zu und ehe ich wusste, wohin mich meine Füße trugen, schlüpfte ich unter die Bettdecke, die nicht zu meinem Bett gehörte. Dann sah ihn auch schon in die erstaunten Augen von Reiner.
Er schien wirklich tief und fest geschlafen zu haben, weswegen sein Blick kurz finster wurde, als ich neben ihn glitt, bis er mich auch schon an sich zog. „Wenn man dich hier erwischt... Du musst leise sein, Arisa.“, raunte er mir ins Ohr und ich erschauderte aufgrund seiner unmittelbaren Nähe und seiner tiefen Stimme. „Wir kriegen beide ärger, wenn man dich bei uns Jungs erwischt. Die anderen wären sicherlich nicht sonderlich begeistert...“, murrte er halbherzig und zog die Decke bis über unsere Köpfe, damit mich niemand sah.
„Das hat mich die letzten Male auch nicht abgehalten und dich auch nicht...“, wisperte ich erstickt und spürte, wie er ein Lachen unterdrückte. „Da hast du recht! Und es wird mich auch in Zukunft nicht davon abhalten, dich hier willkommen zu heißen. Trotzdem sollte ich es wenigstens gesagt haben...“, erklärte er und zog mich fester an sich. „Wieder ein Albtraum?“, flüsterte er mir dann ins Ohr und ich erschauderte. Nicht nur wegen seiner männlichen Stimme, sondern auch wegen der Erinnerung an den Traum. Ich nickte und spürte, wie Tränen in meine Augen stiegen, die er dann sanft wegwischte. „Ich bin da!“, versprach er und ich wusste, dass dem so war. Er fragte nie weiter nach, vermutlich weil er sich vorstellen konnte, was mich so oft aus dem Schlaf riss. Stattdessen zog er mich an seine Brust, wo ich seinem Herzschlag lauschte und alsbald einschlief.
Ich schöpfte aus seiner Stärke und seinem Dasein Hoffnung und fand Ruhe.
Aber nicht nur ich hatte fürchterliche Albträume, sondern er auch. Allerdings sagte er nach dem Aufwachen immer, dass er sich nicht wirklich an sie erinnerte. Dennoch sah ich, dass sie ihn verstörten und dann war ich für ihn da. Ich wollte ihm die Last von seinen breiten Schultern nehmen, so wie er es bei mir tat.

„Du bist wendig und klein, nutze das als Vorteil, denn es ist einer!“ „Du schaffst das!“ „Trau dich!“, forderte Reiner mich immer wieder auf und ich befolgte seine Worte ohne darüber nachzudenken, während wir mal wieder im Wald zusammen mit den anderen Anwärtern trainierte. Ich schoss an allen vorbei und kassierte besonders von Jean wütende Blicke. Eren war darüber amüsiert, aber ich stachelte ihn auf die Weise auch an, noch besser zu werden.
Reiner war ein hervorragender Kämpfer und ich wollte seinem Beispiel folgen. Ich wollte zu den Besten gehören und dafür musste ich mich trauen, über mich hinauszuwachsen. Das zu tun, was er in mir sah. Denn er sah viel mehr in mir, als ich ahnte, das hatte er mir vor einer Weile gestanden.
Aber er hatte ja keine Ahnung, dass ich ganz genauso empfand. Ich hätte mich nie getraute, ihm das zu sagen, aus Angst, dass es alles zwischen uns verändern könnte. Dass ich ihn damit verschreckte und so hatte ich mich immer darauf beschränkt, ihm zu signalisieren, dass er mir viel bedeutete. Dass ich ihn mehr mochte, als ich es je für möglich gehalten hatte. Nun waren diese unterschwelligen Signale nicht mehr nötig. Wir genossen die Nähe des anderen sehr offensichtlich.
Unsere Freunde hielten sogar dicht, dass ich mich daraufhin fast jede Nacht zu ihm ins Bett schlich.
In seiner Nähe hatte ich immer Schmetterlinge im Bauch. Sie waren kurz vorm Explodieren, wenn er mich berührte und dann breitete sich Hitze und Glückseligkeit in mir aus, die meinen Körper überschwemmte, wie die Welle eins Tsunamis. Ich empfand alles und gleichzeitig weniger in seiner unmittelbaren Gegenwart. Denn er brachte meine panischen Gedanken zum Verstummen und lockte nur das Positive hervor. Und dafür und für viele andere Dinge liebte ich ihn. Ja, ich war mir mittlerweile sicher, dass ich ihn liebte, auch wenn ich mich nicht traute, dass auszusprechen. Aber er war zu meinem sicheren Hafen geworden, nachdem ich an der Welt verzweifelte. Zu der Person, an die ich mich immer wenden konnte, wenn der Scherbenhaufen meines vermeintlich kindlichen Lebens mal wieder unerträglich wurde. Ich hoffte inständig, dass ich ihm jemals auch nur einen Bruchteil von all dem zeigen konnte. Ihm deutlich machen, wie unsagbar viel er mir bedeutete. Dass er verstand, wie wichtig er mir war und wie sehr ich ihn vergötterte.
Dass ich ohne ihn zerbrechen würde.

Ich stieß nach vorn und spürte dabei ununterbrochen den Blick des Blondschopfes in meinem Rücken, so wie fast immer. Dann schnitt ich der Attrappe so tief in den Nacken wie keiner vor mir.
Einmal. Zweimal. Dreimal. Ich war schneller als sie und zeigte mein Geschick. Ich war nicht unbedingt stark, aber sehr flink und treffsicher, das nutzte ich als Vorteil. Dies war eine der Abschlussprüfungen und ich wollte sie mit Bravour bestehen.
Anders als Eren verfolgte ich kein spezielles Ziel. Ich wollte nicht zwingend in den Aufklärungstrupp, wies es aber auch nicht von mir, immerhin wollte ich nicht von meinem Bruder getrennt werden. Und auch nicht von Reiner. Dennoch wollte ich in erster Linie überleben können, auch unter den schlimmsten Bedingungen. Daher wurde ich zu einer absoluten vorzeige Soldatin und schloss die Ausbildung letztendlich als einer der Top 10 ab.
Ich wuchs die letzten Monate und Jahre über mich hinaus und war so fleißig wie noch nie in meinem Leben. Wofür ich immer wieder einen anerkennenden, liebevollen Blick von meinem Freund bekam. Ja, nach diesem Tag, an dem ich Jean herausgefordert hatte und Reiner mir nachkam, hatte sich mein Leben verändert. Er hatte recht gehabt: Ich wollte Leben und dafür musste ich kämpfen.

„Wenn das hier vorüber ist, nehme ich dich mit in meine Heimat!“, beschloss Reiner, als wir zum Wohnheim zurückgingen, warf mir allerdings einen unsicheren Blick zu, wie ich perplex bemerkte. Er war immer der Starke. Nur selten erwischte ich ihn dabei, dass er tatsächlich auch mal zögerlich oder ängstlich erschien. In diesem Fall wirkte er allerdings sehr befangen. 'Fürchtete er zu viel gesagt zu haben?'
Ich stupste ihn kurzerhand mit der Schulter an, was eine unschuldige Geste war, aber dennoch Hitze durch meine Nerven schickte. Ich genoss jede Berührung und sei sie noch so unschuldig und flüchtig. „Ist das ein Versprechen?“, wollte ich neckend von ihm wissen, spürte aber auch, wie meine Wangen sich bei diesem Gedanken röteten. Das würde bedeuten, dass wir wirklich eine Beziehung hatten und das er mich auch als Teil seines zukünftigen Lebens wollte. Dass unser Zusammensein keine notgedrungene Übereinkunft war, sondern beständig und ehrlich. Es bedeutete, dass ich einen Teil seiner Vergangenheit erfahren sollte, den ich bisher nur aus Erzählungen kannte und auch davon gab es nicht allzu viele.
Der Gedanke, dass er mich wirklich an seiner Seite wollte, jagte kleine Blitze durch meinen Körper. 'Gott, ich wollte das so unbedingt.'
Er blieb stehen und ergriff meine Hand. „Ja, wenn du das auch willst, nehme ich dich mit! Ich möchte unbedingt, dass du mich begleitest! Das wir eine Zukunft zusammen haben!“, meinte er entschieden und ich fiel ihm kurzerhand um den Hals. Vom Alter her waren wir noch halbe Kinder, gerade einmal 15 und 17 Jahre alt. Aber vom Seelischen waren wir viel weiter. Unsere Vergangenheit hatte uns schneller reifen lassen und früher Erwachsen werden lassen.
„Das will ich auch!“, flüsterte ich ihm ins Ohr und bemerkte, wie er unter meiner Berührung und meinen Worten erschauderte und mich dann seinerseits fest in den Arm nahm. So fest, dass nichts mehr zwischen uns passte.
Wir waren immer noch nicht offiziell ein Liebespaar, auch wenn jeder um uns herum sich irgendwie seinen Teil denken konnte. So wie wir uns ansahen und miteinander sprachen, war es offensichtlich, dass wir einander viel mehr als nur als Freunde mochten.
Aber musste man das aussprechen, damit es wahr war? Nein! Dennoch freute ich mich darauf. Auf Geständnisse, unseren ersten Kuss und vieles mehr.
Ja, ich liebte ihn und in diesem Moment wollte ich nichts sehnlicher, als ihm genau das zugestehen. 'Bald!', sagte ich mir und ich freute mich darauf.
Er war meine Zukunft, so wie ich seine. Das bestätigte er mir mit seinen Worten und Taten.
Als wir uns voneinander lösten, kamen schon unsere Freunde auf uns zu.
„Hey ihr Turteltauben, seid ihr so weit?“, frotzelte Jean und grinste mich breit an. Auch wir beide waren mittlerweile zu Freunden geworden, obwohl wir wegen unserem hitzigen Gemüt oft aneinandergerieten. Ich konnte mich auf ihn verlassen und er sich auf mich. Ich mochte ihn, aber ganz anders als Reiner. Er gehörte zu meinen besten Freunden.
„Japp, wir sind fertig.“, meinte ich und sah zu meinem Liebsten, ehe Jean wieder meine Aufmerksamkeit forderte. „Los, lass mich noch mal sehen, ob du wirklich schneller bist als ich. Ich kann immer noch nicht glauben, dass du besser abgeschnitten hast als ich, Jäger!“, meinte der Brünette und schüttelte fassungslos den Kopf. „Tja, du bist auch nicht ganz unschuldig daran. So wie du mich immer gehänselt hast, musste ich es dir doch beweisen.“, erwiderte ich und streckte ihm die Zunge heraus, ehe ich eine kindische Grimasse hinterherschickte und alle zu lachen anfingen. Über Reiners Gesicht huschte allerdings kurz etwas, dass ich im Nachhinein als Eifersucht bezeichnen würde. Damals erschien es mir nicht weiter wichtig, weswegen ich nichts dazu sagte, sondern einfach Jean hinterherjagte und ihn schnell überholte.
„Ich bin Erster!“, foppte ich ihn und rannte in einem Affenzahn bis ans Ende des Weges, wo ich dann provozierend auf ihn wartete. Ich stemmte eine Hand in die Hüfte, die ich zur Seite kippte und den anderen Arm lässig an mir hinunter hing. Ich war nach diesem Spring kaum aus der Puste gekommen, was ihn spielerisch wütend machte und er mich kurzerhand umrannte. Zusammen fielen wir ins weiche Gras und ich musste daraufhin so laut lachen, dass mir der Bauch wehtat. Eren kam und hielt mir seine Hand hin, um mir aufzuhelfen. „Du sollst ihn nicht immer so ärgern, Schwesterherz!“, meinte er, sah allerdings von Jean zu Reiner, der zu mir kam und mich an sich zog. Es wirkte fast ein bisschen besitzergreifend, doch es war mir egal, ich umarmte ihn ebenfalls fest. Und ich wollte ihn nie wieder loslassen.
Dann machten wir uns alle zusammen auf um in die Stadt zu gehen.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast