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I Don't Know What's Right Anymore

von Saya
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Jean Kirschtein Levi Ackermann / Rivaille OC (Own Character) Reiner Braun
12.10.2021
06.12.2021
29
53.283
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
25.11.2021 1.567
 
(Wie bereits angedeutet, habe ich auch noch einen alternativen Erzählstrang, also kurzfristig zurück zu Staffel 2 Folge 11 // sie sind dabei Eren von Reiner und Berthold zu befreien) und dann auf einem neuen Weg zu einem anderen Ziel :) <3 )

Was wäre passiert, wenn Arisa auf diesem Schlachtfeld anders reagiert und sich nicht vor ihren Gefühlen für Reiner verschlossen hätte? Wenn sie an der Liebe per se festgehalten hätte? Wenn sie sich nicht für Jean interessiert hätte, sondern eine andere Person wahrhaft liebte?
Tja, dann wären andere Probleme in Gang gekommen. Vielleicht sagt dir der Schmetterlingseffekt ja was.
Denn das Schicksal ist für alles gewappnet.
Und oft ist es auch noch ein mieser Verräter obendrein.
Aber lies selbst...

Als alles so weit war, ritten wir los. Wir mussten nicht annähernd so lange reiten, wie befürchtet, bis wir den gepanzerten Titan fanden. Auch Ymir hatte sich verwandelt. Eren war bewusstlos und an Bertholdt gefesselt. Das Bild vor mir verschluckte mich im ersten Moment, was ich mir aber nicht anmerken ließ.
Alle schlugen auf Reiner ein, während ich immer wieder zögerte und ihn einfach nur umkreiste und auf eine Chance wartete. 'Aber was für eine...?'
Wir kämpften unerbittlich, doch es war zwecklos. Wir konnten Eren nicht befreien, der in dem Augenblick wach wurde. Er sah uns und versuchte ebenfalls aus dieser Misere herauszukommen. Aber es gelang ihm genauso wenig wie uns. Reiners Panzer war einfach zu hart. Währenddessen fand Bertholdt unter Reiners Armen Schutz und wir mussten begreifen, dass wir nun gar nicht mehr an sie herankommen würden. Wir mussten es anders versuchen.
Mikasa wollte Ymir töten, doch Historia ging dazwischen, was meine Gedanken weiter zum Kreisen brachte. Sie hatten nie bösartig gehandelt. Sie wollte sich nur verteidigen.
'Es musste eine Begründung geben für das alles. Wir verstanden es nur noch nicht. Reiner war nicht böse!' Meine Gedanken endeten abrupt, als ich Jean hörte. „Das ist zwecklos, Bertholdt. Eren kann man nicht besänftigen. Da sind er und seine Schwester sich ziemlich ähnlich...“ Seine Worte richteten sich an uns alle und bewogen mich dazu, ebenfalls dorthin zu kommen. „Na los, komm raus!“, meinte der Brünette dann und ich machte einen besänftigenden Laut, als ich neben ihm Stellung bezog. Ich wollte das hier im Friedlichen lösen.
„Los Bertholdt, gib ihn zurück!“ Es war Mikasas panische Stimme, die ebenfalls zu uns kam.
„Hey Bertholdt, habt ihr uns wirklich die ganze Zeit angelogen?“ Connies Stimme brach und der Kloß in meinem Hals wuchs ins Unermessliche. Ich war schon wieder ganz kurz davor mich zu übergeben und darum bemüht, meine Tränen mit aller Macht niederzuringen. Ich spürte den wachsamen Blick von meinem Kameraden an meiner Seite auf mir.
„Bitte sagt uns, dass das alles nicht wahr ist!“, flehte Sascha. Auch sie kämpfte mit den Tränen.
Die beiden Männer waren unsere Freunde gewesen. Reiner war mein Freund. Ich liebte ihn.
Aber ich liebte auch Eren. Ich brauchte ihn, wie die Luft zum atmen. Wir mussten ihn daraus holen.
„Bertholdt! Reiner! Bitte! Sagt uns die Wahrheit!“, bat ich heiser. „Wir können doch über alles reden. Genau das tun Freunde nämlich.“ Ich klammerte mich an Reiners riesigen Hand fest und fragte mich unweigerlich, ob er das trotz des Panzer spürte. Ob er spürte, wie sehr ich zitterte und bebte. Ob er bemerkte, wie sehr das alles hier mich zerriss. Ich wollte nicht auf der anderen Seite stehen, sondern ihn bei mir wissen.
Wir redeten alle immer weiter auf die Männer ein. Gleichzeitig spürte ich, wie mir der Moment entglitt. Die Erinnerungen verschluckten mich und Tränen rannen nun unaufhörlich meine Wangen hinunter. „Ich will doch nur meinen Bruder zurück! Ihr könnt ihn nicht mitnehmen! Das geht nicht!“, flehte ich und spürte Jeans Hand auf meinem Rücken, sowie den Blick der anderen. Das war ein Albtraum und ich musste ihn irgendwie überwinden. Der Gedanke kam mir besonders als ich Mikasas nächsten Worte hörte. „Das bringt nichts. Schlagt ihnen die Köpfe ab. Sie sind unsere Feinde. Wenn wir noch weiter zögern, kriegen wir Eren nie wieder zurück!“, fauchte sie.
Dann endlich brach Bertholdt sein Schweigen und seine Stimme sprach Bände. Er war genauso aufgewühlt wie wir alle. Diese ganze Situation zerrte an jedem von uns.
„Glaubst du echt, irgendwer würde freiwillig Menschen töten?!“, schrie er und wir alle verstummten für den Moment. „Glaubst du echt, irgendwer würde das aus freiwilligen Stücken tun?“, fuhr er fort und das war genau das, an das ich mich zuvor geklammert hatte. Es gab also wirklich einen Grund für all das Grauen. Sie waren Mörder, das wussten wir alle, aber nicht aus Lust und Laune, sondern weil sie keine Wahl hatten.
„Die Menschen hassten uns. Sie töteten uns. Wir haben nur getan, was natürlich war. Unsere Taten sind nicht wiedergutzumachen. Und es war die Hölle mit dieser Schuld leben zu müssen. Nur während wir die Soldaten spielten, war es ein klein wenig erträglicher für uns. Nichts von alledem war eine Lüge, Arisa! Connie, ja wir haben euch getäuscht, aber es war nicht alles gelogen! Für uns seid ihr wirklich Freunde gewesen. Aber irgendjemand ... bitte ... Irgendjemand soll uns so sehen wie wir sind!“, schloss Bertholdt eine Erklärung ab, was mir gänzlich den Boden unter den Füßen wegriss. 'Was hatte er damit gemeint?' Mir drohten die Beine wegzusacken, als ich schon wieder Mikasas Stimme hörte. Ich sah ihre Wut, als sie Bertholdt abermals anflehte uns Eren zugeben, während gleichzeitig Hannes zu uns kam und uns weg scheuchte. „Hey, Vorsicht ihr da oben!“, rief er. Titanen kamen auf uns zu und wir mussten uns zurückziehen. Was ich nicht wollte und viel länger zögerte, als es sein durfte. Nur mit Mühe gelang es mir ein Pferd zu erreichen.
Dann mussten wir kämpfen. Ich hörte Erwins Worte und wir preschte nach vorn.
Ich sah, wie Reiner vergeblich gegen die Massen an Titanen kämpft, die Erwin zuvor hergelockt hatte und dann sogar Bertholdt freilassen musste. 'Er war mein Freund...' Doch ich hatte keine Wahl. Nicht, solange wir auch Eren retten mussten, was ich immer noch in erster Linie wollte. Er musste in Sicherheit sein, denn Erwin hatte recht: Er war unsere Hoffnung.
Im Vorbeifliegen sahen wir, wie der Kommandant von einem Titan vom Pferd gerissen wurde, uns aber zuschrie, dass wir weiterkämpfen sollten.
Mikasa ergriff ihre Chance, als Bertholdt frei war, doch Jean und ich mussten ihr zur Hilfe kommen. Armin landete kurzerhand neben Bertholdt. Er zögerte kurz, hatte dann aber eine Idee. Er sprach von Annie, wodurch Bertholdt wütend wurde und Eren sich endlich befreien konnte. Als wir das sahen, flohen wir wieder von dem Gepanzerten, auch wenn ich am liebsten dort geblieben wäre. Um ein Haar wäre ich diesem Drang erliegen, doch als ich die Masse an Titanen sah, die auf ihn zusteuerten besann ich mich eines Besseren. Ich konnte den Mann den ich liebte nicht retten. Nicht in diesem Moment. Er war stark, er würde nicht sterben! Das redete ich mir immer und immer wieder ein. Solange, bis ich es selbst glaubte.
Wir legten ein wenig Strecke hinter uns, als immer wieder Titanen von hinten zu uns geschleudert wurden. „Reiner, du Arschloch! Der schmeißt mit Titanen nach uns. Siehst du nun, dass du ihm egal bist?!“, knurrte Jean mich an, als ihm auffiel, dass ich immer noch zögerte und immer wieder zu dem Titanen hinter uns sah.
Es war ein Massaker. Überall war Blut. An jeder Ecke wartete der Tod.
Ich sah, dass Eren sich verwandeln wollte, aber es nicht klappte.
Heiße Tränen brannten mir schon wieder in den Augen, als ich bemerkte, was der Grund dafür war: Hannes und wie er versucht, die Oberhand über einen Titanen zu gewinnen. Aber es war nicht irgendein Titan. Sondern der, der bereits unsere Mutter gefressen hatte.
Und auch Hannes verlor ihn. Damit musste ich einen weiteren Teil meiner Familie aufgeben, wozu ich nicht gewillt war. Ich fiel in ein Loch und drohte mich darin zu verlieren.
„NEIN!“, kreischte ich hysterisch in dem Moment, als auch Eren schrie. Ich sah, wie er auf die Knie fiel, aber ich mich zu weit weg befand, als dass ich ihn hätte trösten können. Eren. Ich müsste zu ihm. Es war als würde mein Herz zersplittern. Man mir meine Seele herausziehen. Ich hatte das Gefühl, der Erdboden unter mir bebte aufgrund meiner Gefühle.
Also tat ich das Einzige, was ich in diesem Moment tun konnte: Ich tötete alle Titanen in einem Anfall von wilder Raserei um mich herum, nur um zu ihm zu kommen.
Ich musste verdammt noch mal zu meinem Bruder!
„Arisa, hör auf mit dem Scheiß!“, schrie Jean mich an, doch ich flog weiter hitzig durch die Luft, tötete jeden Titanen, den ich in die Finger bekam, bis ich von etwas getroffen und aus der Bahn geworfen wurde. Einer von den Titanen, die Reiner schmiss, traf mich, woraufhin ich quasi durch die Gegend geschleudert wurde. Merkwürdigerweise sahen wir uns in genau diesem Moment an.
Reiner erwiderte meinen Blick, was ich trotz der Distanz wusste, genauso wie, dass ich nicht sein Ziel gewesen war. Ich nahm ihn wahr, nur ihn, während ich kurz darauf mit voller Wucht gegen einen Baum prallte und  K. O. ging. Was aber nicht schlimm war, denn mein Rücken fühlte sich an, als wäre darin etwas zerbrochen. Oder zerrissen. Oder abgetrennt. Keine Ahnung was genau, aber es war furchtbar schmerzhaft. Ich erinnerte mich nur noch daran, wie heiße Qualen von meinem Kopf meine Wirbelsäule hinunterrasten und dort gebündelt explodiert.
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