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Und dann ist nichts mehr, wie es war

von Mujuchu
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert
12.10.2021
17.10.2021
4
6.490
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14.10.2021 1.695
 
“Du, Sonja”, bat Hubsi seine Kollegin am Montagmorgen, “kannst du mal herausfinden, ob an dem Datum ein Alexander im Hotel am Stachus abgestiegen ist?” Er reichte ihr einen Zettel, auf dem ein Datum stand. “Ok, ist das ein neuer Fall?”, erkundigte sie sich. Doch Hubsi schüttelte den Kopf. Sonja hatte verstanden und versprach ihm: “Ich werde mich darum kümmern.” Im Gemeinschaftsbüro saß schon Hansi und wartete ungeduldig auf seinen Partner. “Hubsi, wo ist jetzt die Eisenstange?”, wollte er wissen. “Welche Eisenstange?”, wunderte sich Hubsi, aber dann fiel ihm ein, dass er am Freitagabend ja genau deswegen noch einmal in die Pathologie gefahren war. Das kam ihm vor, als wäre es schon Wochen her, denn seitdem hatte sich so viel für ihn verändert. “Die hab’ i vergessn”, gab er schließlich zu. Die beiden Polizisten erhoben sich und wollten zum Streifenwagen, als sie auf dem Flur dem Girwidz begegneten. “Wo wollen Sie denn hin? Was machen die Ermittlungen zum Raubüberfall auf den Blumenladen?”, fragte er seine Beamten, “Hat Frau Doktor Licht Fingerabdrücke auf der Eisenstange gefunden?” “Ja”, antwortete Hubsi, “deshalb müssen wir ja los.” Hubert und Staller verließen das Revier und hörten gerade noch, wie ihnen der Polizeirat verwirrt nachrief: “Aber waren Sie nicht deswegen schon am Freitag in der Pathologie gewesen?” Der Chef sah Sonja fragend an, aber sie zuckte nur mit den Schultern.

Misstrauisch sah Hansi seinen Partner von der Seite an: “Du siehst so anders aus. Is was passiert am Wochenende?” Auf diese Frage hatte Hubsi schon gewartet und er beschloss seinem Freund die Wahrheit zu sagen. “Wenn du des ausplauderst, dann muss i di erschießn”, warnte er ihn, “i war bei der Anja.” “Warst du eben net, sonst hättest ja die Eisenstange gholt” widersprach ihm Staller, der nicht begriffen hatte, was Hubsi ihm mitteilen wollte. “Doch, i war in der Pathologie, aber i hab mit der Anja gsprochn und …" Grinsend unterbrach ihn Hansi: “Du und die Anja wieder?” Hubsi nickte: “Aber des is no net spruchreif, Hansi!” Als sie in der Pathologie angekommen waren, grinste Hansi Anja an und an Hubsis Blick sah sie, dass der Polizeiobermeister Bescheid wusste. “I hab dem Hansi gsagt, dass mir uns wieder gut verstehen”, erklärte er, “aber i hab scho wieder die Eisenstange vergessen.” Anja grinste ihn an und neckte ihn: “In deim Alter kann man sich halt nimmer alles so gut merken.” “Die Frau Doktor hat des Ding wahrscheinlich verlegt, sonst hätt i des am Freitag rumliegen gsehn”, erwiderte Hubsi. “Bei mir liegt nix rum, da is immer alles an seinem Platz”, behauptete sie und sah ihn provozierend an. Hansi stöhnte auf: “I hab dacht, ihr vertragt euch wieder!” Lächelnd zog Hubsi Anja an sich und küsste sie auf den Mund: “Mach mer doch auch.” Hansi rollte mit den Augen und nahm sich die Eisenstange. “Servus Anja, du kannst den Hubsi nach Feierabend gern haben!” Hubsi drückte noch einmal Anjas Hand und verließ dann mit Hansi die Pathologie.

Mit Eisenstange kamen sie auf dem Revier an und der Polizeirat beorderte sie gleich in sein Büro: “Hubert, Staller!” Sie setzen sich wie zwei Schuljungen vor den Schreibtisch und wartete die Fragen des Chefs ab. “Haben Sie schon einen Tatverdächtigen bei dem Raubüberfall?”, wollte er wissen. “Ja”, antwortete Hubsi, “einer der Angestellten hat kein Alibi.” “Dann verhören Sie den Mann! Waren Fingerabdrücke auf der Eisenstange?”, bohrte Girwidz nach. Hansi nickte und erklärte dann: “Den Harry Ortmann ham wir scho einbestellt. Der muss gleich kommen.” “Was sitzen Sie dann hier noch rum?”, brüllte der Chef und wies ihnen den Weg zur Tür. Als Hubsi an Sonja vorbei kam, streckte sie ihm einen Zettel hin, den er sofort in seiner Hemdtasche verschwinden ließ. Da kam auch schon der Tatverdächtige durch die Tür und Hubert und Staller befragten ihn in Verhörraum. Überrascht erkannte er, dass die Beamten ihn verdächtigten seine Chefin mit der Eisenstange niedergeschlagen und die Kasse leer geräumt zu haben. Er leugnete die Tat vehement, doch als Hubsi ihm die Eisenstange zeigte und ihm die Fingerabdrücke abnehmen wollte, brach er zusammen und gestand die Tat. Zufrieden berichtete Staller das Ergebnis des Verhörs dem Girwidz und setzte sich dann an seinen Schreibtisch, um das Protokoll zu schreiben.  

Hubsi hatte die Zeit genutzt unauffällig den Zettel zu lesen, den ihm Sonja gegeben hatte. Drei Namen standen darauf: Alexander Münster, Alexander Cherez und Alexander Jansen. Er suchte ihm Computer nach den drei Männern, doch keiner davon war vorbestraft. Schnell klickte er die Seite weg, als Staller ins Zimmer kam. “Kannst du des Protokoll schreiben Hans? Ich hab no was zu erledigen”, bat er seinen Kollegen und noch bevor dieser verneinen konnte, war er aus der Tür getreten. Er gab Sonja einen Wink und sie folgte ihm nach draußen. “Im Polizeicomputer hab i nichts über die Männer gefunden. Du kennst dich doch aus mit dem Internet. Kann man da net mehr über die drei erfahren?”, wollter er wissen. “Das geht schon”, meinte Sonja, “was willst du denn von den Männern?” “I brauch nur einen Alexander, aber i woaß net, welcher der richtige is”, erklärte Hubsi und sah Sonja durchdringend an. “Also gut”, seufzte Sonja, “aber erst sagst du mir, wozu du diesen Alexander finden willst!” “Des is net für mi”, druckste Hubsi herum, “des is für die Anja.” Sonja sah ihn überrascht an: “Ok. Ich sag dir dann Bescheid.” Die Polizistin ging wieder an die Zentrale und Hubsi kehrte zu Hansis Überraschung zurück in ihr Büro. Hansi schrieb gemeinsam mit seinem Partner das Protokoll und als die Münchner Kollegen den Täter abgeholt hatten, machte er Feierabend. “I heft des no ab”, behauptete Hubsi und verabschiedete seinen Partner. Da auch der Girwidz schon gegangen war und Riedl krank zu Hause lag, waren nur noch Sonja und Hubsi auf dem Revier und die Polizistin berichtete ihrem Kollegen, was sie rausgefunden hatte: “Also, der Alexander Cherez ist ein kolumbianischer Geschäftsmann, der laut Barkeeper kein Deutsch spricht. Alexander Jansen war mit seiner Frau da und Alexander Münster ist der Bruder des Hotelmanagers, der zu Besuch in der Stadt gewesen war”, zählte sie auf. “Danke Sonja, du hast uns sehr weitergeholfen”, sagte Hubsi dankbar und verschwand in die Dunkelheit. Sonja zog eine Augenbraue hoch und wiederholte: “Uns?”

Hubsi ging jedoch nicht nach Hause, sondern er fuhr direkt nach München ins Hotel am Stachus. Wenn dieser Alexander der Bruder des Hotelmanagers war, dann konnte er vielleicht vor Ort etwas über ihn herausfinden. Als er jedoch aus der Bahn stieg, fiel ihm auf, dass er noch immer die Uniform trug. Unschlüssig stand er auf dem Stachus, doch dann ging er entschlossen auf das Hotel zu und fragte an der Rezeption in seinem dienstlichen Tonfall nach dem Hotelmanager. Ein Herr in seinem Alter kam die Treppe herunter und fragte ihn höflich: “Guten Tag, ich bin Matthias Münster, der Hotelmanager. Wie kann ich Ihnen helfen?” Hubsi stellte sich vor und fragte den Mann direkt: “I bin wegen ihrem Bruder Alexander hier. Er hat sie doch vor etwa zwei Monaten besucht.” Der Manager sah ihn verwundert an und nickte: “Ja, mein Bruder lebt in Paris, aber wir besuchen uns regelmäßig. Ist was passiert?” “Tut mir leid, aber des kann i nur mit ihrem Bruder besprechen. Wie kann i ihn kontaktieren?”, fragte Hubsi nach. Der Hotelmanager gab ihm eine Adresse in Paris und eine Handynummer. “Zu Weihnachten kommt er wieder nach München”, erklärte er dazu. Hubsi bedankte sich und verließ das Hotel. Das war ja überraschend gut gelaufen, dachte er und war jetzt doch froh, die Uniform angelassen zu haben. Er hoffte nur, dass sich der Hotelmanager nicht nach einem Polizeiobermeister Hubert erkundigte, denn eigentlich hatte er in München ja keinerlei Befugnisse und außerdem lag gegen Alexander Münster auch gar nichts vor.

Spät am Abend kam er wieder in Wolfratshausen an. Er lief direkt zu Anja nach Hause, die schon ungeduldig auf ihn wartete. “Hubsi, schee dass du kommst”, strahlte sie ihn an und ließ ihn ein. Hubsi setzte sich an den Küchentisch und sah ihr zu, wie sie in er Küche werkelte. “I mach mir einen Salat, denn im Moment hab i net so viel Hunger”, erklärte sie und mischte eine Salatsoße zusammen, “willst au was essen?” Hubsi nickte. “Hast au no was andres?”, fragte er vorsichtig. Anja lachte und wuschelte ihm durchs Haar. “I kenn doch meinen Hubsi! I hab mir scho dacht’, dass du heit no vorbei kommst, wenn au net in Uniform. I war no schnell beim Metzger und hab dir an Leberkäs kauft.” Hungrig biss Hubsi in die Leberkässemmel und sah Anja dankbar an: “Du bist die Beste, Anja!” Nach dem Essen sprachen sie wieder über ihre Zukunft und das Kind. Hubsi sah ihr tief in die Augen und sagte dann direkt: “I will, dass du wieder bei mir einziehst, damit i mi um dich kümmern kann während deiner Schwangerschaft und i will au, dass du nimmer im Klinikum arbeitest.” Anja sah ihn entrüstet an: “I kann gut für mi alloi sorgen und i kann au no guat arbeiten gehen! Du kannst net oifach über mi bestimmen!”, regte sie sich auf. “Des will i au net, aber i mecht, dass es unserm Kind gut geht und i glaub net, dass Leichn der richtige Umgang für des Kind sind!”, blieb er bei seiner Meinung. Die beiden stritten den ganzen Abend darüber, was das Beste für Anja und das Kind wäre und schließlich schlug Hubsi wütend die Tür hinter sich zu und rannte nach Hause. “I zieg des Kind lieber alloi auf, als dass i mir dauernd etwas von dir vorschreibn lass”, brüllte sie ihm nach. Doch dann sank sie schluchzend auf das Sofa. Sie wusste, dass er sich nur Sorgen um sie machte und dass sie ihn unfair behandelt hatte. Aber sie wollte sich nicht vorschreiben lassen, wie sie ihr Leben zu führen hatte! Es waren die gleichen Streitereien gewesen, die ihre Ehe vergiftet hatten und plötzlich war sie sich nicht mehr sicher, ob sie noch wollte, dass Hubsi der Vater ihres Kindes war. Ihre Hormone spielten verrückt und sie dachte an ihren One-Night-Stand. Kurz überlegte sie, ob sie sich in dem Hotel nach ihm erkundigen sollte, doch dann entschied sie sich dagegen. Ein Mann, der sie wahnsinnig machte, reichte ihr im Moment völlig.
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