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Und dann ist nichts mehr, wie es war

von Mujuchu
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert
12.10.2021
17.10.2021
4
6.490
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12.10.2021 1.824
 
“Des is scho a Mordstrumm”, sagte Staller, als er den Schraubenzieher im Rücken des Tankstellenbesitzer sah. “Des hat sie früher au immer gsagt”, grinste Hubsi und sah seine Ex-Frau provozierend an. Anja verdrehte die Augen, doch in Gedanken sah sie den nackten Hubsi vor sich und spürte ein Verlangen nach seinem Körper, wie schon seit Jahren nicht mehr. Während Staller mit dem Angestellten in das Büro ging, stellte sich Anja dicht vor ihren Ex-Mann und flüsterte ihm lasziv ins Ohr: “Im Alter schrumpft so a Mordstrumm schnell amol zu nem Stummel z’samm, oder?” Wie zufällig strich sie über seine Hose und packte dann ihre Koffer zusammen, als ob nichts gewesen wäre. Überrumpelt sah er ihr nach und hoffte, dass man in der tiefsitzenden Hose seine Erregung nicht sehen konnte. Als er sich wieder im Griff hatte, rief er Staller zu. “I fahr mit der Anja zruck, du kannst so lang den Angestellten vernehmen!” Noch bevor Hansi etwas erwidern konnte, war er zur Anja ins Auto gestiegen. Sie sah ihn lächelnd an und fuhr in ein abgelegenes Waldstück. Kaum waren sie hinter den Bäumen verschwunden, machte sie sich an seiner Hose zu schaffen. “So, Franz, jetz kommt der Moment der Wahrheit”, murmelte sie und riss ihm die Uniform herunter. Sie zog sich das Oberteil über den Kopf und presste ihre Brüste an seinen Oberkörper. Dann küsste sie ihn voller Leidenschaft und sie liebten sich auf dem Waldboden.

”Franz”, stieß sie endlich atemlos hervor, “au wenn mir net zusammenleben können, warum ham wir mit dem Sex aufgheert? Des war unglaublich! Bei keim andren Mann habe i je des gfühlt, wie bei dir.” Hubsi betrachtet stumm ihren nackten Körper und streichelte über ihre Wangen. Mit traurigen Augen sah er sie an und meinte dann: “Des war a einmalige Sach, Anja. I bin net so a Mann, der nur des Eine will. Ich will di ganz, oder gar net. I will di in meinen Armen halten und lieben und net nur Befriedigung. I liab di, aber des war des letzte Mal, dass i di angfasst hab.” Hubsi stand auf und zog sich an. “I lauf zur nächsten Bushaltestelle. Mach’s guat!”, flüsterte er und rannte davon. Anja blieb allein im Wald zurück. Auch sie begann sich anzuziehen und schämte sich vor ihm.

In den nächsten Tagen und Wochen gingen sich Hubsi und Anja aus dem Weg. Trafen sie an einem Tatort zusammen, beschäftigte sich Hubsi weit entfernt von ihr und in die Pathologie schickte er, wenn möglich, seinen Partner oder stand am anderen Ende des Raumes, wenn Anja ihnen ihre Ergebnisse mitteilte. Doch eines Tages, als er noch einmal in die Pathologie zurücklief, da er ein Beweismittel dort vergessen hatte, sah er wie Anja an ihrem Schreibtisch saß und weinte. Mit verschränkten Armen stellte er sich neben sie und seine blauen Augen waren auf sie gerichtet. “Was’n los?”, fragte er schließlich und Anja erschrak. Sie hatte ihn gar nicht kommen hören und wischte sich schnell die Tränen von den Augen. Doch als er ihren Stuhl zu sich umdrehte, fing sie wieder an zu weinen und die Tränen flossen ihr in Strömen über die Wangen. “Anja”, rief er erschüttert. Er ging vor ihr in die Hocke und legte seine Hand an ihre Wange, “was is’n passiert?” Unter Tränen schluchzte sie: “I hab dacht, du fasst mi nimmer an.” Verlegen nahm Hubsi die Hand herunter und meinte etwas kleinlaut: “Des hab i doch net so gemeint. Aber nur Sex mit dir, des will i net.” “Was willst du dann?”, wollte sie jetzt wissen und ihre Tränen versiegten. Hubsi legte seinen Daumen unter ihr Kinn und sah direkt in ihre schönen Augen: “I will di, aber net nur fürs Bett. I will, dass du wieder zu mir zurückkommst, als meine Frau und net als mei Betthaserl.” Seine Augen sahen sie so liebevoll an, dass sie wieder zu weinen begann. “Des kann i nimmer”, schluchzte sie und fasste sich an den Bauch, “oh Gott, Franz! I hätt nie dacht, dass i amol in die Situation komm. I dacht immer, des passiert nur so welche Flittchen, aber doch net mir!” Hubsi verstand nicht, was sie ihm mitteilen wollte und sah sie fragend an. Anja zog aus ihrer Jackentasche ein zerknittertes Schwarz-weiß-Bild hervor und gab es ihm. Oben links stand Licht und daneben 9. Woche. Plötzlich wusste er, was er in den Händen hielt. “Du bist schwanger?”, fragte er, “von mir?” Doch zu seinem Entsetzen schüttelte sie den Kopf: “Des weiß i net. I hat drei Tag vor unserm ...  du weißt scho ...da hat i an One-Night-Stand. I hab mi so einsam gfühlt und er hat mir das Gefühl gegeben, wieder jung und schee zu sein und außerdem hatte i a paar Glaserl zuviel und danach hab i mi übergebn. Deshalb hat wahrscheinlich au die Pille versagt.” “Warum hast di denn net geschützt”, fragte er sie entsetzt. “I weiß au net”, erwiderte sie. Hubsi rückte etwas von ihr ab, denn die Gefühle, die er in den letzten Minuten erlebt hatte, waren zuviel für den sonst spröden Polizisten. “Es tut mir leid, Anja, aber des muss i erst amol verkraften”, meinte er und verließ die Pathologie.

Zu Hause legte sich Hubsi aufs Bett und sortierte seine Gedanken. Was, wenn sich Anja bei dem fremden Mann mit irgendeiner Krankheit angesteckt hätteund er sich dann bei ihr? Und das Kind? Kurz hatte er gedacht, dass er doch noch Vater werden würde und ein nie gekanntes Glücksgefühl war in ihm aufgestiegen. Doch jetzt fühlte er sich wieder leer. In der Nacht schlief er unruhig und sein Herz schmerzte. Er warf sich im Bett hin und her und dachte über die Situation nach, in die ihn Anja gebracht hatte. Anja. Seine Königin. Und plötzlich erkannte er die Wahrheit: Es war egal, ob es sein Kind war oder nicht. Er liebte diese Frau und wollte für sie da sein. Es würde zumindest ihr Kind sein und in seiner Vorstellung sah er eine kleine Anja auf sich zu springen und wusste, dass er dieses Kind lieben konnte. Mit diesem Gedanken schlief er ein und machte sich am Samstagmorgen auf den Weg zu Anjas Wohnung. Zaghaft klingelte er und obwohl es schon fast Mittag war, öffnete ihm Anja im Nachthemd die Tür. Ihre Augen waren verquollen und sie hatte tiefe Augenringe. “Hubsi”, rief sie überrascht, “i hätt net dacht, dass du noch amol mit mir sprichst.” Ihre Augen sahen ihn voller Schmerz an und er konnte nicht anders, als sie in seine Arme nehmen und sanft zu küssen. “I liab di Anja und i kann au des Kind lieben. Wenn’s vielleicht au net mei Kind is, dann is es doch sicher deins und damit liebenswert”, raunte er ihr zu, “lass mi für euch da sein.” Anja sah ihn fassungslos an, doch dann warf sie sich in seine Arme und ließ ihren Tränen freien Lauf.

Zärtlich drückte er sie an sich und strich ihr beruhigend über das Haar. “Ssh”, beruhigte er sie, “mir schaffen des scho.” Er streichelte ihr über den Rücken und nach einer Weile löste sie sich von ihm. Verlegen sah sie ihn an. “Du bist a feiner Kerl, Franz. Die ganze Gschicht mit dem One-Night-Stand, des tut mir so Leid. I woaß fast gar nix von ihm. Er hat gsagt, dass er Alexander hoaßt, aber sonst nix. Vielleicht stimmt net amol des.” Hubsi schluckte, denn er wollte sich Anja nicht in den Armen eines anderen vorstellen. Dennoch wusste er, dass sie darüber sprechen mussten, wie es nun weiter gehen sollte. “I bin Polizist. Vielleicht kann i was rausfinden, wenn du des mogst. Wo hast den getroffn?”, fragte er sie leise. Anja setze sich auf das Sofa und zog Hubsi mit sich. Dann begann sie zu erzählen: “I war auf einer Fortbildung in München und hab mi abends so allein gfühlt und bin noch amol runter an die Bar. Des mach i sonst net, aber an dem Tag war so viel schief glaufn. Da saß er dann und hat mir an Weißwein spendiert. Er war sehr charmant und als er mich küsst hat, hab ich’s oifach geschehen lassen. Nach dem dritten Weißwein bin i dann mit auf sein Zimmer und dann …” Anja senkte ihren Blick und wurde rot. “Am nächsten Morgen war mir ganz schlecht und i hab mi erst amol übergebn. Er war sehr liab zu mir und wollt mei Nummer, aber i bin nur raus aus dem Zimmer und hab ihn nimmer gsehn.” Hubsi sah es ihr an, wie sehr sie sich schämte. Deshalb sprang er über seinen Schatten und setzte sich neben sie. Sofort lehnte sie sich an ihn und er legte seinen Arm um ihre Schultern. Mit großen Augen schaute sie ihn an und er beugte sich zu ihr und küsste sie sanft. Er drückte sie noch enger an sich und seine freie Hand streichelte über ihre Wange. “Wenn du willst, kann i rausfinden, ob an Alexander in dem Hotel abstiegn is”, bot er ihr mit gemischten Gefühlen an.  

Anja überlegte und antwortete dann: “Mach des, aber mir kontaktieren den erst, wenn es sicher is, dass er der Vater is. Du könntest ja an Vaterschaftstest machen.” Überfordert stand Hubsi auf. Vor ein paar Wochen hatte er noch ein geregeltes Leben geführt. Er sah Anja regelmäßig dienstlich, und auch wenn er sich oftmals danach sehnte sie zu küssen und zu berühren, genoss er auch ihre gemeinsamen Frotzeleien. Doch dann war es aus heiterem Himmel zum Sex gekommen und jetzt steckte er in dieser verzwickten Lage. Er hatte gewusst, dass Anja auch andere Männer traf, aber da sie seit der Sache mit dem Ranzinger ihre Liebschaften nicht mehr offen vor ihm auslebte, hatte er diesen Bereich ihres Lebens aus seinen Gedanken verbannt. Im Verdrängen seiner Gefühle war er schon immer gut gewesen. Doch die Geschichte mit ihrem One-Night-Stand ließ ihn nicht kalt. Er wollte wissen, was für ein Mann das war, der Anja dazu gebracht hatte, mit ihm freiwillig aufs Zimmer zu gehen. Anja beobachtete ihn, wie er im Zimmer herumtigerte. Sie wusste, dass er erst seine Gedanken und Gefühle ordnen musste und war dankbar, dass er überhaupt zu ihr hielt. Sie legte ihre Hand auf ihren Bauch und wünschte sich so sehr, dass es Hubsis Kind war, das sie in sich trug. In diesem Moment schaute er zu ihr hinüber und sah diese Geste und das selige Lächeln auf ihren Lippen. Man sah ihr an, wie sehr sie dieses Kind schon liebte und in diesem Augenblick schaute sie so wunderschön aus, dass Hubsi sich wieder neben sie setzte und seine Hand auf ihre legte. “I liab di und i will wieder an Teil von deinem Leben sein. Wenn du willst, mach i den Vaterschaftstest, aber egal, was der sagt, wird das nichts daran ändern, dass mir Eltern werden”, versprach er ihr. Verklärt sah sie in seine tiefblauen Augen und in diesem Moment wusste sie, dass alles gut werden würde.
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