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Wiegt Liebe schwerer als Loyalität?

von Mesterin
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Lucius Malfoy Severus Snape
12.10.2021
22.10.2021
4
2.357
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14.10.2021 728
 
"Du solltest nicht hier sein." kam es heiser aus Severus Kehle, als er Lucius auf der anderen Seite des Gitters auf der untersten Stufe sitzen sah.
"Ich weiß." war dessen knappe Antwort. Es war ihm nicht direkt untersagt worden, doch jeder der Todesser wusste, dass man den Opfern Voldemorts nicht unbedingt seine Aufmerksamkeit schenken sollte, da man sonst drohte selbst in seinen Fokus zu rücken.
Er saß schon länger dort, hatte Severus unruhigen Schlaf beobachtet und den Moment, an dem er gehen sollte verpasst. Den Zeitpunkt, an dem Severus aufwachen und ihn entdecken würde, hatte er sich unangenehmer vorgestellt. Zudem war er sich nicht sicher gewesen, wie Severus auf ihn reagieren würde. Er war ver­schlossen und war in seinen schweren Lebensabschnitten schon immer am liebsten alleine gewesen. Doch wie es schien, hatte ihn die Folter der letzten Tage verändert. Er hatte beim Aufwachen nicht gewirkt, als würde er Lucius Dasein als unangenehm empfinden.
Langsam und schwerfällig setzte er sich auf, das Gesicht schmerzverzerrt, was nur erahnen ließ, welche Strapazen er auf sich nehmen hatte müssen. Lucius konnte nicht anders, als ihn dabei zu beobachten.
Wieder überkam ihn eine Welle des Mitleids und im Stummen überlegte er schon die ganze Zeit, wie er ihn aus dieser misslichen Lage befreien konnte. Letztendlich kam er aber immer wieder auf das selbe Ergebnis: was auch immer er versuchen würde, es würde auf ihn und seine Familie
zurückfallen und das hattenNarcissa und Draco nicht verdient. Er durfte sie da nicht mit rein ziehen.

Lucius hatte ein Stück Brot in der Tasche, das er Severus mitgebracht hatte, noch hielt er es versteckt, denn er wusste nicht so recht, wie er es ihm geben sollte. Der Aristokrat war nicht gerade für seine sozialen Fähigkeiten bekannt, weshalb es ihm schwer fiel, nette Gesten zu zeigen. Er beobachtete Severus noch einen Moment, ehe er ihm das Brot zögerlich durch das Gitter reichte „Ich hab... hier..." er sah in eine andere Richtung, doch das Brot wurde von der anderen Seite nicht angenommen.
"Tu das nicht, Lucius." war von Severus nur
zu hören. „Der Lord hat es dir verboten, du weißt, was passiert, wenn du es dennoch tust."
Und obwohl er recht damit hatte, traf es Lucius, abgewiesen zu werden. Er nickte knapp, sah ihn nicht mehr an. Es fiel ihm ohnehin schon schwer, Menschlichkeit zu zeigen; dass Severus ihn abblitzen ließ, machte es nicht besser. Er nickte ein weiteres Mal, ehe er sich erhob und einfach ging. Er musste die Zurückweisung erst einmal verdauen.

"Du bist jede Nacht bei ihm." hörte Lucius Narcissa aus der Dunkelheit heraus sagen, als er das Schlafgemach der beiden betrat.
Selbst in dem dunklen Zimmer, war ihr seidenes, hellblau schimmerndes Schlafkleid zu erkennen. Es hob sich deutlich von den ebenfalls seidenen, weißen Bettüberzügen ab. Lucius selbst war noch in seiner Arbeitsrobe. Schwarz und elegant, wie es im Ministerium üblich war.
Er öffnete den Mund und wurde sogleich von ihr unterbrochen: „In den letzten Monaten habe ich nicht mehr das Gefühl, dass du noch der Mann bist, den ich geheiratet habe. Du wendest dich immer mehr von mir ab."
Es waren Worte, die ihr schon so lange auf der Zunge lagen, doch der richtige Moment um sie auszusprechen, hatte bislang gefehlt. Doch nun war er da und Lucius hatte damit gerechnet, dass der Tag, an dem Narcissa ihr Herz ausschütten würde, irgendwann kommen würde. Er ließ sich auf seiner Seite des Bettes nieder und atmete tief ein und aus.
Er wusste von diesem Problem, auch ihm war es aufgefallen, dass sie sich auseinander gelebt hatten. Sie hatten die Monate zuvor oft gestritten und sich immer weniger miteinander befasst, größtenteils waren sie sich aus dem Weg gegangen. Zwar hatten beide immer wieder versucht, sich einander anzunähern, doch letztendlich war das immer gescheitert.
"Ich weiß." erwiderte Lucius schließlich, eigentlich hätte er das selbe über sie sagen können, doch er wollte nicht streiten, er hatte nicht die Kraft und den Nerv dafür.
"Ich werde ein paar Tage zu einer Freundin gehen um mir darüber klar zu werden, ob ich das mit uns noch möchte." fuhr sie fort, als sie merkte, dass von Lucius kein Versuch der Klärung stattfand.
Damit legte sie sich wieder zurück auf die Matratze und zog sich die Decke bis zum Kinn. "Gute Nacht, Lucius."
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