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Shapeshifters

von Evola
GeschichteFantasy / P12 / Gen
10.10.2021
20.10.2021
6
5.763
 
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14.10.2021 1.115
 
Ich stürmte in mein Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu. Die leisen Beschwerden aus den benachbarten Zimmern ignorierte ich. Wütend warf ich mich auf mein Bett und schleuderte meine Schulbücher in eine Ecke. Konnte dieser Tag eigentlich noch schlimmer werden?
Ich hatte einen grauenvollen Tag gehabt, nicht nur der Vorfall in der Kampfstunde sondern auch die anderen Lehrer hatten mir Probleme bereitet. Ich hatte mich heute mit mehr als einem gestritten, und ich war mir sicher dass ich innerhalb der nächsten Tage zu einer Bestrafung abgeholt werden würde.
Möglicherweise auch noch heute. Während ich meinen Gedanken nachhing, schweifte mein Blick durch das Zimmer und blieb an dem kleinen, verschmierten Kalender hängen, den ich irgendwann mal auf dem Schulgelände gefunden hatte.
Gleich darauf vergrub ich stöhnend mein Gesicht in meinen Händen.
Ja, offensichtlich konnte der Tag noch schlimmer werden. Denn heute war nicht irgendein Tag, tatsächlich war heute mein 16 Geburtstag. 15 Jahre war ich nun also schon in dieser Anstalt gefangen. Großartig! Ich stand auf und ging zu meinem Spiegel.
Ein starres, ausdrucksloses Gesicht blickte mir aus dem fleckigen Glas entgegen. Erschöpft fuhr ich mir durch meine weißen Haare. Ich fand nicht dass ich wie 16 aussah. Der Ausdruck in meinen Augen war anders, ich hatte viel mehr gesehen, viel schlimmeres als normale 16 jährige. Und wie ich schon gesagt habe war ich insgesamt anders.
Das lag nicht nur an meinem seltsamen Aussehen, obwohl das schon für den ein oder anderen seltsamen Blick gesorgt hatte. Ja, ich hatte schneeweiße, lange Haare. Ich war so auf die Welt gekommen, und ich würde sie nie und nimmer färben lassen. Sie zeichneten mich aus.
Auch meine Augen hatten keine natürliche Farbe, sie waren schwarz.
Nicht so dunkel, das meine Pupille mit der Iris verschmolz, aber doch unheimlich dunkel. Mein Gesicht war kantig, nicht besonders mädchenhaft.
Aber ich hatte etwas anderes an mir, dass mich besonders machte. Ich konnte es nicht benennen, ich fühlte es einfach.
In dem Moment sprang die Tür auf.
Im Türrahmen stand Miss Stuart. Das mit der Bestrafung ging offentsichtlich schneller als gedacht.
Völlig überrascht starrte ich sie an, als sie, anstatt mich mitzuschleppen, eintrat und die Tür hinter sich schloss.
Missbilligend und ein wenig angewidert sah sie sich im Raum um. "Nicht besonders sauber hier, 45", begann sie auch schon herumzuzicken. Innerlich verdrehte ich die Augen, äußerlich blieb ich ruhig.
"Du solltest mehr an deiner Mimik arbeiten, ich kann deutlich erkennen dass du mehr als überrascht bist mich hier zu sehen", meckerte sie und schnalzte unzufrieden mit der Zunge.
Ohne dass ich überhaupt gefragt hatte, redete sie auch schon weiter. "Nun ich bin hier um dir etwas mitzuteilen. Du bist nun alt und gut genug um dich auf Mission zu schicken." Ich bin schon lange gut genug dachte ich, sprach es aber nicht aus. "Also?" Forderte ich sie genervt auf weiter zu sprechen. "Nun, du wirst als Spion auf eine Schule geschickt um..." weiter kam sie nicht, denn ich unterbrach sie, obwohl ich wusste das sie das hasste und ich eine heftige Bestrafung riskierte.
"Ich soll auf Mission geschickt werden? Warum das denn, und vor allem wieso ausgerechnet jetzt?
Es gibt Kinder die mit sechs Jahren ins Ausland geschickt werden und ganze Banken ausrauben, ich bin besser als alle hier, und du sagst mir ich sei erst jetzt gut genug?!" Ich explodierte fast.
Völlig unbeeindruckt von meinem Ausbruch redete Miss Stuart weiter, obwohl ich den Ärger in ihren Augen sehen konnte. "Es gibt den Verdacht, das auf dem Internat heimlich Kinder zu Kriegern ausgebildet werden, um uns zu stürzen. Wir sind noch nicht sicher, und ich möchte das du das für uns herausfindest."
Ich hatte mich wieder im Griff und antwortete grinsend: "Die sind ja total einfallslos, die machen die 'Blood Knights' ja einfach nach!", obwohl ich innerlich betete das ich Beweise für das Gegenteil finden wurde. Kinder sollten nicht kämpfen müssen. "Du nimmst den Auftrag also an?" Fragte die Direktorin scheinheilig.
"Als ob ich eine Wahl hätte", murmelte ich leise, aber doch so das sie es hören konnte. "Junge Frau, pass auf was du sagst",kam es prompt zurück. Provokant sah ich auf sie herab. Sie war einen Kopf kleiner als ich. "Ich sage was ich will!" Zischte ich.
"Du hast respektvoller mit deiner Vorgesetzten umzugehen. Vergiss nicht, wer ich bin, 45!", drohte sie. Wütend sah ich sie an, wagte es aber nicht zu wiedersprechen. Denn es war die ärgerliche Wahrheit, und der einzige Grund warum ich noch nicht abgehauen war. Sie war mein Vormund. Sie hatte die Rechte über mich. Sie saßam längeren Hebel. Offentsichtlich zufrieden, mich einschüchtern zu können, drückte sie mir eine Mappe in die Hand und rauschte aus der Tür. Nachdenklich setzte ich mich auf meine schäbige Bettdecke.
Ich schlug die Mappe auf. Es war eine Akte mit Informationen über diese Schule. Offenbar hieß sie Animale, und passend zu dem Namen, beschäftigte sie sich viel mit Tieren. Ich las, dass die Schule offenbar nur besonders tierliebe Schüler aufnehmen würde. Ich fragte mich, wie sie mich in der Schule hatten einschreiben können, wo ich doch kaum ein Tier gesehen hatte.
Außer vielleicht Eichhörnchen oder dem ein oder anderen Singvogel. Schulterzuckend wandte ich mich dem nächsten Absatz zu. War ja nicht mein Problem. Ich fand auch noch ein paar Fakten über mich.
Oder eher, die Person die ich spielen sollte. Ich sollte auf dem Internat den Namen Freya Sanders tragen. Bei dem Vornamen knirschte ich mit den Zähnen.
Miss Stuart wusste nicht, dass ich meinen Namen kannte. Ich war heimlich in ihr Büro eingebrochen und hatte die Akte mit meinem Namen nur zufällig in die Hand bekommen. Aber meinen richtigen Namen als meinen Decknamen auszuwählen fand ich respektlos. Mein Name sollte nicht benutzt werden. Schon gar nicht um mich als Spion in einer Schule einzuschleusen. Ich las weiter. Mister Tallis würde meinen Vater spielen, super...nicht.
Ich selbst würde den Charakter eines abweisenden Einzelgängers annehmen.
So konnte ich Freunde ablehnen, ohne aus der Rolle zu fallen. Zufrieden nickte ich. Das wurde einiges leichter machen.
Ich wurde in die 10 Klasse kommen. Den Rest sollte ich mir selbst ausdenken.
Der Stundenplan war offentsichtlich per E-Mail geschickt worden, denn er lag hinten in der Akte. Ich las ihn mir durch.
Eigentlich waren alles normale Fächer, bis auf den Reitunterricht, und die sogenannte K-Stunde. Was das war wusste ich nicht, aber wohl nicht die Klassenstunde, denn dieses komische neue Fach war mehrmals die Woche eingetragen. Warscheinlich irgendwas mit Tieren. Ich seufzte.
Morgen würde es losgehen. Na das konnte ja lustig werden!
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