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Wie ein flüstern im Wind

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
10.10.2021
14.10.2021
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14.10.2021 1.258
 
Hallo ihr Lieben. Vielen Dank das sich so viele von euch Zeit genommen haben, um meine Geschichte zu lesen. Ich würde mich sehr über ein Review von euch freuen. Viel Spaß beim Lesen!

Trotz der gestrigen Kälte schafft es heute die Sonne den Samstag in einen goldenen Oktobertag zu verwandeln. Durch die Fußgängerpassage schlenderten die Passanten und trugen ihre Shoppingausbeute wie einen Schatz in ihren Tüten umher. Nur vereinzelt verirren sich Fußgänger in das kleine Café in dem arbeite, um mein Studium zu finanzieren und verschaffen mir so Zeit zum nachdenken. Zu einem ein Segen, aber heute ein Fluch. Ständig schwirrt mir dieser Typ von gestern durch meinen Kopf. Ein Typ den ich noch nie zuvor gesehen habe, schafft es mich so aus der Fassung zu bringen. Verärgert über diese Tatsache knalle ich den gelben Lappen in das Waschbecken. Mit einem lauten Platsch landet dieser im Spülbecken und Schaum spritzt umher.
,,Verdammter Mist,“ fluche ich leise und hoffe inständig, dass meine Chefin meinen verbalen Ausrutscher nicht mitbekommen hat. Gespannt lausche ich in den hinteren Teil des Cafés. Doch außer das reißen von Karton und dem verschieben von Kisten ist nichts zu hören. Erleichtert atme ich aus und stelle die angefangene Milchpackung zurück in den Kühlschrank. Meine Chefin, Claudia oder Claudi wie sie alle nennen, ist eine äußerte entspannte Frau und legt eine Gelassenheit an den Tag, um die ich sie beneide. Jedoch kann sie aus auf dem Tod nicht ab, wenn einer ihrer Angestellten im Gastraum flucht. Besagte Dame kommt nun mit einer ihrer selbstgebackenen Torten und stellt sie grinsend in die Vitrine. Fasst schon tanzend bewegt sich die rothaarige Frau durch den Gastraum und schaut ob auch ja alles zu ihrer Zufriedenheit läuft. Mit dem kleinen Café hat sich Claudia vor 10 Jahren einen Lebenstraum erfüllt und sehr viele Liebe in das kleine Café gesteckt. Gerade das bunt zusammen gewürfelte Inventar, dass sie von Ebay und Flohmärkten hat, verleiht dem Café seinen ganz eigenen Flair. Nachdenklich wische ich mir meine Hände an einem Geschirrtuch ab und streiche meine schwarze Schürze glatt. Ob er noch an der Feuerstelle gesessen hat oder ist er kurz nach mir aufgebrochen? Was er nun von mir denken mag, nachdem ich diesen absolut dämlichen Abgang gewählt habe?
,,Ach Lotte. Wer spuckt denn durch deinen Kopf und lässt dich so nachdenklich aussehen?,“ fragt mich meine Chefin und schaut mich nachdenklich an.
,,Niemand. Es ist alles gut,“ betone ich und hoffe, dass ich nicht erröte. Nachdenklich legt sie ihre Stirn in Falten und setzt schon zu einer neuen Frage an. Doch sie wird durch das öffnen der Tür unterbrochen. Die kleine Glocke, die sie über der Tür angebracht hat läutet leise und eine Gruppe älterer Damen setzt sich an einen Tisch am Fenster. Claudia schnappt sich ein paar Speisekarten und verdeutlicht mit ihrem Blick, dass das Gespräch noch lange nicht beendet ist. Grinsend schüttle ich den Kopf und fange an Milch für die Getränke zu erwärmen. Die Gruppe kommt jeden Samstag und hält hier ihren wöchentlichen Kaffeeklatsch. Die Damen verbindet eine Freundschaft, die über ein halbes Jahrhundert alt ist und alle Höhen und Tiefen mitgemacht hat, die das Leben mit sich führt. Schon einige Minuten später duftet es herrlich nach gemahlenen Kaffee und vermischt sich mit dem süßlichen Geruch des Kuchens, der durch die Luft schwebt. Vorsichtig erhasche ich einen Blick auf die Uhr, die über der Tür zur Toilette angebracht ist. Nur noch zwei Stunden und dann könnte ich entspannt zu Lily fahren. Immerhin hatte sie zum Mädchenabend eingeladen und ihren Freund kurzer Hand zu seinen Kumpels abgeschoben. Gedanklich stelle ich mir vor wie sie reagieren wird, wenn sie die Geschichte von gestern erfährt. Wie ich sie kenne, wird sie ausflippen vor Freude und mich nötigen den Kerl durch die Weiten des Internets zu jagen. Dabei würde sie gedankliche eine kitschige Liebesgeschichte spinnen und ich würde vor Peinlichkeiten im Boden versinken. Angespannt knete ich meine Finger, um mich davon abzuhalten Leopold Schlag wie einen Teenager sein Idol zu googlen. Doch das innere Bedürfnisses nach Erkenntnis und dem Verlangen nach Wissen, wie der Typ denn nun wirklich aussieht scheint wie ein Funke überzuspringen. Fast schon mechanisch ziehe ich mein Handy aus meiner Hosentasche und tippe seinen Namen und die Uni in das Suchfeld des Onlinesuchdienst ein. In meinem Bauch entwickelt sich ein nervöses Ziehen, dass verstärkt wird als ich auf seinen Namen tippe. Langsam baut sich die Website seines Fachbereiches auf und kurze Zeit später erscheint sein Lebenslauf mit einem Bild von ihm. Verflixt. Er sah einfach nur gut aus. Schnell lasse ich den Lebenslauf links liegen und starre fast schon hypnotisiert auf das Foto. Sein Gesicht ist glatt rasiert und seine Lippen sind zu einem freundlichen Lächeln verzogen. Das kurzgeschnittene braune Haar liegt ordentlich frisiert auf seinem Kopf und lässt ihn erfrischend jung aussehen. Kurz scrolle ich zu seinem Lebenslauf, um dann festzustellen das er erst ende 20 sein kann. Meine Augen wandern wieder zu seinem Foto und der Nerdbrille, die ihm so gut steht ohne das er dabei aussieht wie Streber der einen belehren will. Zu meiner Verwunderung trägt er ein weißes Hemd und der erste Knopf ist geöffnet.
,,Leopold also. Ich wusste doch, dass dir jemand durch den Kopf spuckt. Dein Freund?,“ fragt mich Claudia und reißt mich so aus meiner Starre. Erschrocken zucke ich zusammen und sperre den Bildschirm. Mein Herz, es geriet ein wenig außer Takt, beruhigt sich langsam und ich blicke in das Gesicht meiner Chefin. Ihr Lippen sind zu einem siegessicheren Grinsen verzogen und die feinen Grübchen treten zum Vorschein.
,,Nein“, ich schüttle meinen Kopf.
,,Es ist nur ein Typ, der gestern auf einer Studentenparty war und den wir alle für einen Kommilitonen gehalten haben. Es stellte sich dann heraus das er einer der Dozenten ist und ich wollte nur wissen, was er studiert hat und wie er Dozent geworden ist, also in seinem Alter,“ schiebe ich nach und hoffe inständig mich nicht, um Kopf und Kragen geredet zu haben. Irritiert beobachte ich meine Claudi. Routiniert zaubert sie mir einen Karamelcappuccino und drückt mir die Tasse in die Hand. Vorsichtig nehme ich die Tasse in die Hände und lasse mir den süßlichen Geruch in die Nase steigen.
,,Weist du Lotte, ich war auch einmal in dem selben Alter wie du und wenn wir damals das Internet gehabt hätten, hätte ich nicht wissen wollen wie man es in jungen Jahren schafft Dozent zu werden“, sagt sie und geht in Richtung ihres Büros, um den Bürokram zu machen. Bevor sie jedoch ins Büro geht, dreht sie sich noch einmal zu mir um und streicht sich eine Locke hinter das Ohr.
,,Dein Geheimnis ist bei mir sicher. Ich habe damals auch für einen Typen geschwärmt. Gut er war mein Mathelehrer und kein Dozent, aber ich kann mir ungefähr vorstellen was in dir vorgeht,“ erzählt sie und einen sehnsüchtigen Blick auf. Ich blicke ihr nach und drehe mich dann wieder in den Gastraum. War es denn eine Schwärmerei? Eigentlich nicht. Ich schrieb nun nicht seinen Namen und meinen auf den Rand meiner Blätter und malte ein Herz darum. Bedacht nehme ich einen Schluck aus meiner Tasse und wische mir unauffällig den Milchschaum von der Oberlippe. Noch immer sitzt die Gruppe älterer Damen an ihrem Stammtisch und in der Fußgängerzone schoben sich die Massen von einem Geschäft zum nächsten. Doch keiner, außer Claudia, bekam etwas von dem Kopfkarussell mit. Es dreht sich unaufhörlich weiter und mit jeder Drehung wirbelt es eine neue Frage auf, die den Verlauf des Abends weiter spinnt, wenn ich geblieben wäre und wie eine kleines Mädchen abgehauen wäre.
 
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