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Angel

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Erotik / P16 / MaleSlash
Gestaltwandler Vampire Werwölfe
10.10.2021
23.01.2022
13
19.348
15
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
14.01.2022 1.136
 
Eine ganze Weile herrschte eine angenehme Stille, in der sich Cassiel zusehends entspannte, während die Sonnenstrahlen, welche durch die riesigen bodentiefen Glasfenster schienen, seinen Körper wärmten.

Auch sein Herz hatte sich dazu entschlossen so allmählich zu seinem normalen Rhythmus zurückzukehren und das Zittern wurde ebenfalls leichter, bis es schließlich ganz aufhörte.

Nur die schmerzenden Kratzer, welche immer noch etwas brannten und der Gedanke an den komischen Arzt ließen ihn ab und zu leicht beben. Doch selbst das wurde mit den fortschreitenden Minuten immer seltener.

Gerade als er sich dazu entschlossen hatte, seinem seltsam starken inneren Drang nachzugeben und seine Flügel im Sonnenlicht auszubreiten, spürte er, wie sich jemand ganz nah neben ihm niederließ. Was ihn reflexartig dazu veranlasste seine Flügel wieder enger um sich zu legen.

Was sein Master jetzt wohl mit ihm tun würde? Schließlich war er alles andere als gehorsam gewesen! Doch nun war es eh schon zu spät ... gegen das wieder einsetzende Zittern konnte er allerdings nichts machen.

„Schschsch ... mein kleines Pet. Dir passiert nichts!... es ist alles gut. Du hast keine Schuld an dem, was geschehen ist.“

Aaran.

Sofort fiel die Anspannung bei diesem sanften leisen Ton seines Besitzers wieder ein wenig von ihm ab, ließ seine gefiederten Anhängsel jedoch wo sie waren. Irgendwie fühlte er sich so einfach sicherer.

Das Nächste, was er nur wenige Momente später spürte, war allerdings irgendwie ... seltsam.

Und warum hatte er plötzlich das Gefühl, gleich anzufangen zu schnurren wie eine Katze ... oder zumindest das Bedürfnis glücklich zu seufzen. Etwas berührte seine Flügel. Strich langsam vom Übergang von Rücken und Flügel über die Schulterfedern und brachte sie damit zum leicht zucken.

Ein ihm gänzlich unbekanntes Gefühl. Außerdem war es irgendwie feucht, aber nicht kalt und alles andere als unangenehm.

Nach einigen Minuten, in denen er einfach nur still gehalten und das Gefühl genossen hatte, siegte dann allerdings doch seine Neugier.

Was war das?... und vor allem, warum spürte er es so deutlich? Er hatte ja gewusst, dass sie empfindlich waren, doch gleich so?!

Langsam ließ er seine Flügel ein wenig sinken und lugte vorsichtig über den oberen Rand schräg nach hinten, nur um prompt in die funkelnden Augen seines Masters zu blicken.

Cassiel schluckte nervös und beobachtete den Vampir dabei, wie dieser sich zur Seite drehte, nachdem er den Blickkontakt unterbrochen hatte, anscheinend etwas irgendwo eintauchte, anschließend auswrang und sich wieder seinem Rücken widmete.

Es dauerte ein wenig, bis der junge Hybrid realisierte, dass sein Herr jetzt über die wunden zerkratzten Stellen fuhr. Cassiels Augen weiteten sich überrascht, als er begriff, was das bedeutete.

Der GEN1 saß mit hochgekrempelten Hemdärmeln tatsächlich bei ihm auf dem Fußboden und wusch ihn. Putzte seine Flügel.

Vielleicht klebten ein paar Tropfen Blut auf den weißen Federn. Denn er hatte schon vorher das Gefühl gehabt, dass einige der Kratzer tief waren. Oder der Vampir tat es einfach nur so und es war nirgendwo Blut. Aber warum sollte er überhaupt? Schließlich gab es andere Wege, das möglicherweise vorhandene Blut wegzuwaschen und die Kratzer zu versorgen. Dazu musste sich sein Master wohl kaum auf den Boden setzen!

Nun war der junge Engel wirklich verwirrter als ein Chamäleon in der Smarties Packung.

Zu viele verschiedene Emotionen und Gedanken, die sich in einer erstaunlichen Geschwindigkeit abwechselten. Eins war jedoch sicher, er wollte nicht, dass sein Master so schnell wieder damit aufhörte. Es war einfach viel zu angenehm.

Ein leises Glucksen riss ihn schließlich aus seiner Starre und holte ihn ins Hier und Jetzt zurück.

„Sag nur, mein kleiner Engel, es hat noch nie jemand deine Flügel geputzt?“, was den Blonden dazu veranlasste sich auf die Unterlippe zu beißen, wieder in das Gesicht seines Masters zu blicken und mit dem Kopf zu schütteln.

„Nei-nein Herr. Ich habe nie jemandem von ihnen erzählt ... und ...“, Cassiels Worte waren nur ein leises Geflüster.

Aaran schmunzelte und fuhr langsam mit dem feuchten Tuch erneut von Cassiels Rücken, über die Verbindung seiner Flügel mit diesem und dann über die weißen Federn.

„Gefällt es dir denn? Ich weiß, dass die Flügel der Engel keine intensive Pflege benötigen, um sauber zu bleiben, zumindest wenn sie nicht stark verschmutzt sind. Trotzdem sollen sie das Gefühl äußerst angenehm und beruhigend finden.“

Cassiel nickte leicht, schenkte dem Älteren ein schüchternes Lächeln und antwortete mit belegter Stimme, „... ja, Herr. Es-es fühlt sich toll an.“

Wie zur Unterstreichung seiner Worte falteten sich die Flügel des Engels nur wenige Sekunden später auf und breiteten sich entspannt und halb auf dem Boden liegend in beide Richtungen aus, während er seinen entblößten Körper wieder etwas mehr mit dem Bademantel bedeckte. Nun, da die Federn dies nicht mehr taten.

Cassiel verspürte irgendwie das Bedürfnis sich bei seinem Master zu bedanken und auf welche Weise wäre das wohl besser, als diesem so viel Vertrauen entgegenzubringen und ihm das eine zu gestatten, was er noch nie jemandem zuvor erlaubt hatte.

Zumindest nicht freiwillig.

Leise seufzend schloss er seine Augen und ließ seinen Kopf hängen, als der Vampir sein Tun wieder aufnahm. Vorsichtig nun auch mit dem feuchten Tuch über die Deckfedern und Armschwingen strich, zumindest soweit er sie aus seiner derzeitigen Position erreichen konnte und mit der bloßen Hand nicht korrekt liegende Federn richtete.

Keine Ahnung wie lange sie so da saßen, doch Cassiel genoss es in vollen Zügen.

Bis Aaran irgendwann die angenehme Stille zwischen ihnen durchbrach, ohne dabei mit seiner Beschäftigung aufzuhören, und mit ruhiger, ungewöhnlich leiser Stimme fragte, „... haben deine Eltern nie mit dir über das, was du bist, gesprochen?“

Der Jüngere schluckte und atmete einmal tief durch, bevor er mit ebenso ruhiger Stimme ehrlich antwortete, „... ich habe meinen Vater nie kennengelernt. Meine Mom hat mich alleine großgezogen, zumindest bis sie vor 3 Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Da war ich gerade mal fünfzehn und wusste auch noch nicht, was ich bin. Meine Flügel sind das erste Mal mit sechzehn erschienen, als ich mir eines Nachts ohne Erlaubnis einen Horrorfilm im Fernsehen angesehen habe, und mich fast zu tote ängstigte. Von da an habe ich dann immer nachts heimlich geübt und trainiert wie ich sie erscheinen und wieder verschwinden lassen kann, um zu vermeiden, dass sie plötzlich herauskommen.

Ein enger Freund meiner Mutter hat mich nach ihrem Tod bei sich aufgenommen, bis ich dann, kaum, dass ich achtzehn war, in meine eigene Wohnung gezogen bin. Aus Angst davor was mit mir passieren könnte, habe ich mich nie jemandem anvertraut.“

Cassiel lachte kurz leise humorlos auf, „... hat ja, wie man sieht, nicht ganz so geklappt, wie ich mir das gedacht habe. Wie diejenigen es allerdings rausgefunden haben, ist mir bis heute ein Rätsel. Und nun ja auch egal.“

Der junge Hybrid seufzte leise und keuchte einen Moment später erschrocken auf, als sich eine Hand plötzlich über seine linke Schulter auf seine rechte Wange legte, sein Gesicht nach hinten drehte und sich ohne Vorwarnung Lippen sanft auf die seinen legten.
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