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Zwickmühle

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Het
Cato Clove
09.10.2021
05.12.2021
10
25.157
2
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Dieses Kapitel
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25.11.2021 2.618
 
kapitel acht: familie



„Zieh die Kapuze etwas tiefer, sie dürfen dich nicht erkennen“, fuhr Cato sie an, kurz bevor sie die Friedenswächter vor dem Tor erreichten. Es dämmerte bereits und Clove bezweifelte, dass die Wächter sie unter dem hässlichen Fetzen Stoff vermuten würden, den Cato ihr für diesen Anlass geborgt hatte. Die Friedenswächter nickten ihm zu, schienen ihn zu erkennen, und machten sich nicht einmal die Mühe das vergilbte Dokument näher zu betrachten, das er ihnen bereitwillig hinhielt. Auch für sie schien sich niemand zu interessieren. Offenbar war es nicht das erste Mal, dass er ein Mädchen mit aus dem Trainingszentrum schmuggelte, nahm sie bitter an.

„Wie hast du es geschafft eine Dauergenehmigung zu fälschen?“, wisperte Clove neugierig, sobald sie sich außer Hörweite auf dem kleinen Trampelpfad befanden. Es war nahezu unmöglich eine dauerhafte Ausgangsgenehmigung zu erhalten. Sie hatte damals vergebens ihren Vater angefleht sich darum zu bemühen, weil sie ständig Heimweh bekam und die trainingsfreien Wochenenden zuhause verbringen wollte. „Habe ich nicht“, entgegnete Cato kühl und erweckte dabei nicht den Anschein, dass er diese Thematik näher ausführen wollte.

Ihre kurzen Beine bemühten sich mit seinem schnellen Schritt mitzuhalten. Mit jedem zweiten Schritt landeten ihre teuren Lederstiefel in einer der zahlreichen Pfützen, die sich über den feuchten Boden erstreckten. Es regnete noch immer, wenn auch nur so wenig, dass sie sich unter der Kapuze des dunklen Pullovers ausreichend geschützt fühlte.
„Die krieg ich doch nie wieder sauber“, murmelte Clove verärgert, den Blick auf ihre kurzen Stiefel gerichtet. „Wie tragisch“, meinte Cato, den es nicht im geringsten zu interessieren schien ob seine Kleidung unter den Wetterverhältnissen litt oder nicht.

Dass er sie auf diesem kleinen Ausflug begleitete war überhaupt nicht geplant gewesen, doch sein Argument, dass sie ohne ihn weder hinaus noch wieder hinein kommen würde, hatte sie durchaus überzeugt. Und obwohl er vorhin noch so hilfsbereit gewesen war, hatte sie mittlerweile das Gefühl, dass er geradezu vor ihr davonlief. „Warte doch mal“, meckerte Clove, die sich übergangen fühlte, seit sie ihm das Ziel ihrer kleinen Reise verraten hatte. Cato beobachtete sie amüsiert dabei wie sie versuchte zu ihm aufzuholen und blieb schließlich stehen. „Besser so?“

„Wirklich schade, dass der Chauffeur heute seinen freien Tag hat, nicht?“, ergänzte er bissig und Clove schüttelte ungläubig den Kopf. Sie hatte ihre Hände in die Hüften gestemmt und betrachtete ihn wütend. „Wieso bist du so?“, fragte sie aufgebracht und Cato musterte sie mit ehrlicher Verwunderung. „So was?“ Seine Braue hatte sich gehoben und wenn er sie so von oben herab betrachtete, fühlte sie sich noch viel kleiner als ohnehin schon.

„So verflucht launisch. In einem Moment möchtest du mir helfen und im nächsten machst du dich schon wieder über mich lustig? Du bist wirklich unerträglich!“, rief sie aus. Seine Mundwinkel zuckten amüsiert und wenn sie nicht auf seine Unterstützung angewiesen wäre, hätte sie wahrscheinlich das Weite gesucht und wäre wieder umgekehrt.
„Was wäre ich denn für ein Gentleman, wenn ich einer Dame in Not nicht meine Hilfe angeboten hätte? Mal davon abgesehen kannst du mir nicht erzählen, dass du dich sonst nicht wirklich herumkutschieren lässt.“

„Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, wie ich aufgewachsen bin, falls du darauf gewartet hast. Und stell dir vor: Geld ist nicht alles im Leben“, erklärte sie ernst. Sie war es satt, sich ständig zu rechtfertigen, für all die Dinge, die sie sofort für ein normales Leben eingetauscht hätte. „Das sagt sich leicht, wenn man mehr als genug hat“, meinte Cato und dann sagten sie eine ganze Weile überhaupt nichts mehr zueinander, bis sie irgendwann den Stadtrand erreichten.

Sie zog die Kapuze noch etwas tiefer über ihre Stirn und war zum ersten Mal tatsächlich froh, dass sie Cato an ihrer Seite hatte, denn in diesem Viertel wäre sie nur ungern allein unterwegs gewesen. Der Regen prasselte auf die provisorischen Dächer der heruntergekommenen Häuser hinunter. Alte Frauen in zerlumpten Kleidern saßen auf der Veranda und sahen den Jungen auf der Straße dabei zu, wie sie eine Blechdose herum kickten. An jeder Straßenecke, die sie kreuzten, hatten sich Jugendliche gesammelt, die ihnen verstohlene Blicke zuwarfen.

„Muss geradezu dystopisch für dich sein“, sagte Cato, und bog in die Straße ein, die sie ihm vorhin genannt hatte, unwissend, wie es dort tatsächlich aussah. Sie hatte es sich nicht annähernd so schrecklich vorgestellt. Bei ihrem letzten Besuch vor einigen Jahren war die Armut dort noch nicht so ausgeprägt gewesen. Es war erschreckend zu sehen wie groß die Kluft zwischen Reich und Arm in ihrem Distrikt tatsächlich war.

Auf den Treppen vor dem Haus mit der Nummer Zehn hockte ein kleiner Junge mit dunklem Haar, der sie kritisch beäugte. Das Haus sah nicht ganz so heruntergekommen aus wie die anderen Häuser der Straße und Clove bemerkte, dass es sogar einen Briefkasten gab, auf dem fein säuberlich der Nachname der dort lebenden Familie angebracht war.
Ein altes Holzschild neben der Eingangstür verwies darauf, dass es sich um das Haus eines Rechtsanwalts handelte.„Deine Familie beschäftigt hier ihren Anwalt?“, entkam es Cato ungläubig, doch sie antwortete ihm nicht.

„Hey, sag mal, wohnst du hier?“, wandte sie sich stattdessen an den kleinen Jungen, der seinen verängstigten Blick ausschließlich auf Cato gerichtet hatte und heftig nickte. Clove sah zu ihrem Begleiter hinüber, der in seiner dunklen Kleidung vermutlich einen bedrohlichen Eindruck vermitteln musste. Sie hätte wahrscheinlich selbst die Straßenseite gewechselt, wenn sie ihm bei Nacht dort begegnet wäre. „Er tut dir nichts“, versicherte sie ihm gerade, als die Haustür aufgerissen wurde und eine Frau mit wirren blonden Locken auf die Veranda trat. Sie trug einen dunklen Morgenmantel und blickte recht finster drein. Konnte es sein..?

„Augustus, geh ins Haus“, zischte sie ihrem Sohn zu, der ihrer Anweisung nur widerwillig folgte, und schließlich in ihrem Schatten verschwand. Die Frau beäugte die beiden misstrauisch. Ihr Blick blieb schließlich auf Cato hängen und ihre Züge schienen sich minimal zu entspannen, als sie ihn erkannte. „Du hast sie gerade verpasst“, sagte sie zu ihm und deutete auf die dunkle Straße hinter ihnen, „vor einer halben Stunde ist sie gegangen.“ Clove begriff nicht, von wem sie sprach und woher die beiden sich überhaupt kannten, doch bevor sie etwas sagen konnte, hatte Cato lächelnd den Kopf geschüttelt. „Ich bin nicht gekommen, um sie abzuholen“, erklärte er.

Clove interessierte sich nicht für seine geheimen Freundinnen, die er zu später Stunde an fremden Häusern einsammelte, und es kümmerte sie auch nicht, dass er seine Dauergenehmigung für verbotene Schäferstündchen zu nutzen schien. Sie war nicht gekommen um über sein kompliziertes Liebesleben zu diskutieren. Nein, sicher nicht.
„Ehrlich gesagt ist er meinetwegen hier. Ich muss dringend mit Ihnen sprechen“, brachte Clove hervor. Sie zog die Kapuze aus ihrem Gesicht, in der Hoffnung, dass sich ihr Anliegen damit von selbst erklären würde.

„Ach ja? Und was kann ich für dich tun, mein Kind?“, fragte die Frau verblüfft, die ihre Arme fest um den Morgenmantel geschlungen hatte. Sie erkannte sie nicht. Natürlich nicht, dachte Clove bitter, immerhin war ihre letzte Begegnung Jahre her und sie hatte seitdem kein einziges Mal etwas von sich hören lassen. Ein Donnergrollen ließ sie aufschrecken und die Frau rieb sich über die schlanken Arme. „Wieso kommt ihr nicht erstmal herein? Ich habe gerade Tee aufgesetzt“, schlug sie vor und bevor Clove es sich anders überlegen konnte hatte Cato bereits die Schwelle zur Haustür erreicht.

Das Haus war klein und übersichtlich, aber überraschend gemütlich eingerichtet. In dem kleinen Kamin brannte ein Feuer und der Kessel auf dem Herd gab bereits ein quietschendes Geräusch von sich, als die blonde Frau hinüber in die angrenzende Küche eilte. „Setzt euch“, rief sie ihnen über die Schulter zu und Clove war verwundert über das Vertrauen, das sie ihnen entgegen brachte, als sie sich wie selbstverständlich auf dem Polstersofa neben Cato niederließ. „Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du sie kennst?“, wisperte sie ihm zu, doch Cato zuckte bloß mit den Schultern. „Du hast mich nicht gefragt.“

„Entschuldigt bitte das Chaos“, murmelte die Frau und schob mit dem Fuß das Spielzeug ihres Sohnes unter das Sofa, während sie das Tablett mit den drei Tassen auf dem kleinen Holztisch abstellte. Sie seufzte, als sie sich in die Polster des Sessels fallen ließ. Cato verhielt sich so, als sei das alles für ihn absolut gewöhnlich, und nahm einen Zuckerwürfel aus der Porzellanschale um seinen Tee zu süßen. „Also, was kann ich für dich tun?“, wandte sich die Frau nun wieder an sie und musterte sie aus neugierigen hellblauen Augen.

Clove räusperte sich, noch immer überwältigt von der Situation, in der sie sich befand. „Das ist.. irgendwie vertraulich“, erklärte sie langsam, mit einem eindeutigen Seitenblick auf ihren unfreiwilligen Begleiter, der sich bereits häuslich eingerichtet hatte. Ein vergnügtes Schmunzeln umspielte die Lippen ihrer Gastgeberin. „Geheimnisse halten die Liebe spannend, nicht wahr?“, meinte sie zwinkernd und Clove konnte nicht verhindern augenblicklich zu erröten. Cato neben ihr räusperte sich peinlich berührt. „Ich werde mal.. nach Augustus sehen“, murmelte er und marschierte geradewegs in das angrenzende Zimmer, in dem Augustus sich mit seiner Modelleisenbahn beschäftigte.

„Wir sind kein Paar“, platzte es sofort aus ihr heraus. Die Frau nickte wissend, mittlerweile hatten sich ihre Gesichtszüge angespannt und sie musterte sie wie einen Feind, der sich in ihr Haus geschlichen hatte. „Weißt du, ich hätte dich gleich erkennen müssen“, sagte sie und nahm einen Schluck Pfefferminztee aus ihrer Tasse, „du hast die Augen deines Vaters.“ Sie musste schwer schlucken, unfähig, etwas zu erwidern. „Was führt dich hierher zu mir, Clove? Wissen deine Eltern von deinem Besuch?“, ergänzte sie leise und Clove schüttelte eilig den Kopf. „Nein, und sie dürfen auch nichts davon erfahren.“

Nun horchte sie interessiert auf. „Ich brauche deine Hilfe“, sagte Clove entschlossen, verzichtete darauf Mathilde zu siezen, wenn sie diese Höflichkeit ohnehin weder zu schätzen noch zu erwidern schien.
„Ich wüsste nicht, wobei ich dir behilflich sein könnte“, erwiderte Mathilde spitz und fuhr sich mit den Fingerspitzen durch die dichten Locken. „Ich brauche juristischen Beistand“, erklärte Clove schließlich. Mathilde hob überrascht den Blick von der Tasse Tee in ihrem Schoß. „Was ist mit Doktor O’Malley?“, fragte sie sofort.

Clove schüttelte den Kopf. „Ich wäre nicht hier, wenn ich jemand anderen fragen könnte. Bitte. Geld spielt keine Rolle!“
Mathilde schnaubte verärgert auf. „Mein Gott, bist du ihr ähnlich. Wenn ich mich für euer Geld interessieren würde hätte ich mich nicht für dieses Leben hier entschieden!“, rief sie verärgert aus. „Ich bitte dich“, wiederholte Clove verzweifelt, den Tränen nahe. Mathilde seufzte ergeben und fuhr sich langsam über die Schläfen. „Erzähl mir alles. Dann werde ich sehen, ob ich dir helfen kann.“


Der Weg zurück durch das Dorf kam ihr deutlich länger vor als vorhin, obwohl es mittlerweile zumindest aufgehört hatte zu regnen und die meisten Leute sich bereits in ihre Häuser zurückgezogen hatten. Cato war eine Weile schweigend neben ihr hergelaufen und hatte willkürlich nach herumliegenden Steinen auf dem Boden getreten. Sie hatte ihn nicht gefragt woher er Mathilde kannte und sie wollte auch nichts über das Mädchen wissen, das sie verpasst hatten. Sie war nicht auf den Kopf gefallen, so gut wie er sich in dieser Gegend auskannte, musste er selbst dort aufgewachsen sein.

„Und, konnte deine Tante dir helfen?“, fragte er, kurz bevor sie das Trainingszentrum erreicht hatten. Erschrocken sah sie auf und begegnete seinem amüsierten Blick. Selbst in der Dunkelheit konnte sie das verräterische Funkeln seiner eisblauen Augen erkennen. „Woher wusstest du, dass sie meine Tante ist?“, entgegnete sie überrascht. Cato zuckte lässig mit den Schultern und richtete seinen Blick in die Ferne. „Ihr seid euch ähnlich.“ Und das waren sie überhaupt nicht! Mathilde war Cloves Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, auch die Familienähnlichkeit zu Rumer war nicht zu übersehen, aber Clove tanzte mit ihrem dunklen Haar völlig aus der Reihe.

„Das kannst du unmöglich ernst meinen!“, widersprach Clove sofort, aber Cato schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Ich meine, nein, äußerlich seid ihr euch nicht ähnlich. Aber ich kenne Mathilde schon lange und ihr habt dieselbe verbissene, unerträgliche Art“, erklärte er grinsend. Clove wollte ihn schlagen. Ja, das wollte sie! Wie konnte gerade er es wagen sie als unerträglich zu bezeichnen? „Also, konnte sie dir helfen?“

„Meine Antwort im Austausch für deine?“

„Was?“

„Ich beantworte dir deine Frage, wenn du mir auch eine beantwortest“, schlug sie vor. Cato musterte sie eindringlich und gerade als sie dachte, dass es ihn vermutlich überhaupt nicht so brennend interessierte, nickte er schließlich.
„Sie sieht sich meinen Fall genauer an und wird sich dann bei mir melden. Also, ich weiß nicht ob sie mir helfen kann, aber das ist schonmal mehr Unterstützung als ich mir erhofft hatte“, erklärte Clove. Cato nickte verständnisvoll.
„Also, was möchtest du wissen?“

Es gab so viele Dinge, die sie ihn fragen wollte. Sie wüsste gern wie er an die Dauergenehmigung gelangt war, woher er Mathilde kannte und ihr schwirrten zusätzlich noch etwa einhundert brandheiße Gerüchte im Kopf herum, die sie gern bestätigt oder widerlegt gehabt hätte. Sie entschied sich allerdings für eine simple Frage, die sich in ihr Gedächtnis gebrannt hatte, obwohl sie sich eigentlich nicht dafür interessieren wollte. „Von wem hat Mathilde gesprochen, als sie sagte, du hättest sie gerade verpasst?“, fragte sie also.

Die Frage überraschte ihn offensichtlich. Er hatte vermutlich damit gerechnet, dass sie ihn nach der Genehmigung oder Mathilde fragen würde. Eine Weile lief er schweigend neben ihr her und sie rechnete schon nicht mehr damit überhaupt eine Antwort zu bekommen, als er sich schließlich räusperte. „Sie hat von meiner Schwester gesprochen“, erklärte er leise. „Du hast eine Schwester?“, entkam es ihr überrascht, obwohl sie natürlich überhaupt nichts über seine Familie hatte wissen können. Trotzdem war er ihr nicht wie jemandes Bruder vorgekommen. Nie.

„Hm, jetzt reizt du den Handel aber aus“, erwiderte Cato, der ihre Frage genau genommen bereits beantwortet hatte.
„Ich habe dich einfach nicht für einen fürsorglichen Bruder gehalten, das ist alles“, meinte sie schulterzuckend und zog die Kapuze des Pullovers wieder tief in ihr Gesicht, als sie sich den Friedenswächtern näherten. Diesmal winkten sie sie einfach durch, noch bevor Cato das nötige Dokument aus seiner Hosentasche kramen konnte.

„Warum? Weil ich so ein böses Arschloch bin?“, fragte er, als sie den Eingangsbereich des Trainingszentrums erreicht hatten. Die meisten Schüler befanden sich bereits in ihren Betten, es konnte sie also niemand zusammen sehen.
„Zum Beispiel?“, entgegnete sie achselzuckend und Cato schnaubte wütend auf.
„Ich weiß nicht ob du unter kurzfristigem Gedächtnisschwund leidest, aber ich habe gerade ziemlich viel riskiert um dich aus dem Trainingszentrum zu bringen. Und das ganz ohne eine Gegenleistung zu erwarten!“

Gegenleistung. Ein Wort mit einem bitteren Nachgeschmack. Es erinnerte sie an Geister der Vergangenheit, an Zeiten, in denen jede Freundlichkeit ihren Preis gehabt hatte. „Oh, bitte. Du hoffst doch darauf, dass ich gleich meine Brieftasche zücke und ein paar Scheine für deine Dienste springen lasse, oder nicht?“, zischte sie aufgebracht. Und nein, so schlecht dachte sie eigentlich nicht von ihm, es war die Unsicherheit, die da aus ihr sprach. Das wusste sie, und trotzdem konnte sie die Welle des Zorns nicht aufhalten, die sie überkam. „Dafür, dass Geld nicht alles im Leben ist sprichst du aber ziemlich oft davon!“, entgegnete er und musste die Stimme senken um sie nicht in der Öffentlichkeit anzubrüllen. „Du bist so-“

Clove wusste nicht mehr, wer den ersten Schritt gemacht hatte. Sie wusste nur, dass sie sich nicht gewehrt hatte, als seine weichen Lippen plötzlich auf ihren gelegen hatten. Und anstatt sich von ihm zu lösen, hatte sie sich in den Kuss hinein gelehnt, sich wie eine Ertrinkende an ihn geklammert. Erst als sich ihr Verstand wieder eingeschaltet hatte und die Vernunft Überhand gewann, hatte sie ihn mit geröteten Wangen weggestoßen und war schnellen Schrittes in die entgegengesetzte Richtung verschwunden. Cato, der sich atemlos gegen die steinerne Wand gelehnt hatte, bemerkte das grüne Augenpaar überhaupt nicht, das ihn vom oberen Treppenabsatz aus beobachtete.
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