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Mitten im Sturm

von Dreamer5
KurzgeschichteAllgemein / P6 / Gen
08.10.2021
08.10.2021
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Den rauen Wind auf der Haut fühlend, das Salz in der Luft schmeckend. Alles fühlte sich so wie Heimat an. Alles schien so greifbar und doch so weit entfernt.
Doch dann brach der Sturm ohne eine Ankündigung los. Die Wellen wurden aggressiver und spielten mit den Booten, als wären es Spielzeuge. Schreie waren aus der Ferne zu hören. Mal waren sie lauter und dann schien der Wind sie wieder verstecken zu wollen. Er heulte, so dass einem die Ohren schmerzten. Tränen brannten in den Augen der Menschen.

Doch auf einmal schien keiner mehr dort zu sein. Der Boden fing an zu beben, wie in Zeitlupe krachten Häuser ineinander, die Wellen folgten einem auf‘s Festland. Und mitten im nirgendwo stand ein kleines Mädchen mit ihrem Teddy an einer Klippe, die vor zwanzig Sekunden vorher noch nicht da war. Alles brach in sich zusammen, die Welt gab nach. Die Natur holte sich das zurück was einst ihr gehörte. Sie verschluckte die Laternen, Bänke und Essensstände am Strand. Die Schreie hörten nicht auf, das Mädchen an der Klippe konnte der Welle, die auf sie zueilte, nicht entkommen. Sie starrte wie hypnotisiert auf das Naturspektakel, das so noch nie auf der Insel aufgetreten war. Sie war gefangen in der Katastrophe.

Über das Tosen des Sturmes hinweg erklang die schrille Stimme einer Frau. Das Mädchen erkannte sie sofort. Ihr Blick wanderte über die Trümmer und fliegenden Teile. Ihre Augen suchten diese eine Person, die sie nicht verlieren wollte. Ihr Griff um den Teddy in ihrem Arm wurde fester. Durch den Regen war er vollgesogen mit Wasser und viel schwerer, dennoch konnte und wollte sie ihn nicht loslassen. Er war alles was ihr von dem alten Leben geblieben war. Das Haus war wie ein Dominostein umgefallen. Wieder hörte sie das Rufen, es klang verzweifelt und die Kleine schrie eine Antwort zurück. Der Wind heulte ein wenig leiser, so als wollte er dem Mädchen helfen. Eine Gestalt mit langen braunen Haaren erklomm die Klippe. Ihre Hände griffen nach ihrer Tochter und zogen sie an sich. Stumme Tränen liefen der älteren Frau über das Gesicht. Sie konnte sie nicht länger zurückhalten. Angst das Einzige zu verlieren, was ihr noch wichtig war.
Die Umarmung war so eng, dass die Kleine Schwierigkeiten bekam zu atmen. Durch Tippen auf den Arm ihrer Mutter wurde diese darauf aufmerksam gemacht. Keuchend sah das Mädchen ihre Mutter an. Sie war nicht allein. Sie war gefunden worden. Aber ihr Glück sollte nur kurz anhalten, als das Krachen unter ihnen lauter wurde. Ein stummer Schrei kam aus der Kehle der Mutter, die ihre Tochter am Arm packte. Sie stürzten in die Fluten, die sie in sich aufnahmen, als hätten sie dort schon immer hingehört.

Der Teddybär war zurückgeblieben. Er lag auf dem Boden, die rote Fliege um seinen Hals hatte sich gelöst und zappelte im Wind. Er schien nach jemanden zu rufen, doch er würde seine Besitzerin nie wieder sehen.




***********


Anmerkung:
Diese kleine Geschichte hatte ich vor Jahren einmal angefangen und nie beendet. Aber durch den Anstoß und die Mitarbeit einer Freundin hat sie nun wirklich ein Ende gefunden.
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