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Bei Manassas in der ersten Reihe

von Sania
GeschichteHistorisch, Action / P18 / Gen
06.10.2021
06.10.2021
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Es donnerte und es gab überall Qualm und schreie. Er stand mit den anderen Soldaten in der Reihe. Er stand vorne als einer der ersten. Es krachte erneut. Eine Kanonenkugel sprang durch die Linie. Und sein Nebenmann verschwand in einer Fontäne aus Blut und Knochen. Er kannte den Mann nicht ein mal. Ein neuer Mann trat an die Stelle wo der andere vorher gestanden hatte. Die Schreie und das Geheul und wieder das Donnern und das Knallen der Kanonen und Gewehre. Alles klang unwahr und nicht wirklich. Aber dennoch für Erik so vertraut.
Die Einheit blauer Soldaten marschierte weiter auf sie zu. Sie hielt an und feuerten erneut. Rechts neben ihnen kam noch eine Kompanie blauer Soldaten den Hügel herauf marschiert. In Formation, geordnet und diszipliniert. Erik blinzelte durch den Rauch der ihn umgab. Er konnte die Gegner kaum sehen und schon gar nicht zählen. Es waren auch zu viele. Und seine Kameraden und er waren zu wenige. Die Blauen waren an ihrer Flanke auf dem Vormarsch. Sie warfen alles rasch nach vorne was sie gerade zur Verfügung hatten.
Die graue Kompanie neben ihnen wurde von mehreren Einschlägen getroffen. Die Kanonen der Blauen leisteten gute Arbeit unter den Grauröcken. Es hatten sich schon große Schneisen in den Kompanien gebildet. Langsam bewegte sich die Kompanie neben ihnen zurück. Es schien als wenn Gerneral Bee einknickte. Gleich würde die Disziplin brechen und eine heillose flucht würde beginnen. Erik blickte zu einem der Kommandanten auf der Anhöhe von Henry Hills.
Stonewall saß auf seinem Pferd. Unerschütterlich hielt er seine Stellung. Und seine Kompanie mit ihm.
Es krachte laut und Erik kam ins wanken. Sein rechtes Ohr piepte. Der Mann neben ihm war verschwunden. Und die anderen neben dem Mann auch und die dahinter auch. Erik konnte fast 5 Meter nach rechts sehen bis er erst den nächsten Graurock sah. Die Blauen rückten näher ran. Es donnerte und Erik brach auf ein Bein ein. Es bebte in seinem Herzen. Sein Sergeant vor ihm fiel in sich zusammen. Er war noch nicht tot, aber fast. Seine Brust war offen und es sprudelte rotes Blut aus ihm heraus. Die Gedärme quellen aus ihm hervor. Er röchelte. Erik kroch zu ihm hin. Als er ihn erreichte, waren die Augen des Sergeanten glasig und er krächzte nur noch etwas unverständliches zu Erik. Erik konnte nichts mehr für ihn tun. Er sah den stumpfen Säbel des alten Sergeanten. Er griff sich die Waffe und auch den Revolver des sterbenden Mannes. Er steckte beides in seinen Gürtel. Erik stand wieder auf und begab sich wieder ins Glied seiner Kompanie. Die Brigade von Stonewall stand immer noch unverändert.
Erik sah zu ihnen die Anhöhe hoch.
Die blauen unter Erik rückten näher heran. Es waren viele und es wurden immer mehr. Es konzentrierte sich ein Angriff auf die Flanke. Genau da wo Erik stand.
„Achtung!“ schrie ein anderer Sergeant. Die stimme war lauter als das Donnern der Kanonen mit ihren Kartätschen.
„Achtung ihr Schweine!“ schrie der Soldat wild. „Bereitmachen zum Zielen ihr Hunde! Los! Wer hat euch den gedrillt?“ der Soldat lief vor der frisch aufgeschlossenen Reihe Grauröcke entlang.
Er blickte alle an und beschimpfte jeden von ihnen.
Es kamen Handzeichen von Oberst Evans. Die Adjutanten liefen eifrig los. Signale wurden per Flagge gegeben. Und die Leutnants und Captains der einzelnen Kompanien instruierten ihre Sergeants und Korporals.
„Laden ihr Nutten!“ schrie der Sergeant laut vor ihm.
Erik stellte sein Gewehr auf dem Boden ab und ergriff seinen Ladestock. Er nahm etwas Pulver und kippte einen Schuss in den Gewehrlauf. Dann kramte er eine Kugel hervor und ließ sie in das Rohr fallen. Dann das Stück Papier und stampfen. Rein den Ladestock und fest stopfen.
„Hey, Ho! Los ihr Nutten! Wird’s bald? Los! Los! Los! Das macht meine Oma ja schneller als ihr und die hat nur ein Arm! Ran da!“ Die Grauen Mannschaftsgrade erhöhten ihr Tempo.
Die Männer der Blauen standen jetzt ein paar Meter von ihnen entfernt und die zweite Kompanie war auch schon nah heran marschiert.
Die Grauen waren mit ihrem Ladevorgang fertig.
„Anlegen!“ kam der Befehl von vorne.
Die zusammen geschossene Rebellen Kompanie hob ihre Waffen an.
„Achtung!“ schrie der Sergeant wütend. Er blickte seine Soldaten hinter ihm wild an. „Gleich geht’s los ihr Schweine!“
„Das Signal für „Feuer“ ertönte von ihrem Leutnant ganz rechts. Der Sergeant brüllte es ihm nach, so das es jeder von ihnen hören konnte.
„Feuer!“
Erik hob an, zielte kurz und feuerte seine Springfield ab.
Es donnerte und krachte und es kam wieder der beißende Qualm. Erik seine Augen tränten.
„Laden ihr Hunde!“ Schrie der Sergeant erneut.
„Los macht schnell!“ trieb er seine Mannschaften an.
Wieder kam ein knallen und donnern. Um Erik fielen erneut seine Kameraden wie die Fliegen. Erik achtete  nicht darauf er beschleunigte einfach nur seinen Ladevorgang. Er ließ den Ladestock weg und klopfte das Gewehr nur noch ein paarmal auf dem Boden und legte dann an.
„Anlegen!“ schrie der Sergeant wieder.
„Feuer!“ kam es kurz danach von ihm.
Erik zielte und drückte erneut ab. Er sah diesmal mehr blaue fallen als bei der ersten Salve.
„Laden ihr Schweine!“ schrie der Seergeant. „Los, ihr Hunde los!“
Wieder ließ Erik seine Waffe sinken. Wieder Pulver. Wieder die Kugel. Wieder das klopfen mit dem Gewehr auf dem Boden. Er war der erste in der Reihe der fertig war.
Er legte seine Springfield wieder an.
„Anlegen! Feuer!“ brüllte der Sergeant und es knallte diesmal doppelt.
Die blauen hatten auch geschossen. Der Sergeant drehte sich um seine eigene Achse und fiel ächzend um. Eine Kugel hatte ihn im Gesicht getroffen.
Erik senkte die Waffe und lud erneut. Pulver, Kugel, Klopfen, Anlegen. Es kamen keine Kommandos mehr. Um ihn herum wurde es lichter. Am Boden bewegte sich mehr als das was noch stehen konnte. Die verletzten stöhnten vor schmerzen. Dann kamen neue Männer von hinten. Und schlossen die reihen nur zögerlich. Aber sie kamen.
Stonwalls Brigade blieb dennoch stehen. Sie hielt stand. Sie sorgte mit ihrer Präsenz dafür das sich die fliehenden Grauen Truppen hinter ihnen sammeln konnten.
Und die Blauen kamen näher. Die zweite Kompanie war in Schussposition gekommen.
Ein Leutnant ritt schart an ihnen im Gallopp entlang.
„Bajonett! Bajionet!!“ rief der junge Mann, beim vorbei reiten. Er hatte keinen Hut mehr auf. Er trieb sein Pferd weiter an.
Erik ergriff seine Bajonett und pflanzte es auf. Er konnte zum Glück auch mit aufgepflanzten Bajonett noch schießen. Dass zielen war zwar schwerer aber es ging.
Der Leutnant ritt die front ab und kehrte um. Er sprang vom Pferd und stellte sich neben Erik. Er war jung und sah unerfahren aus. Er hatte seinen Säbel gezogen und in der anderen Hand hielt er einen Revolver. Er nickte Erik entschlossen zu. Erik beachtete den Vorgesetzten nicht und hatte sein Gewehr weiter im Anschlag und feuerte unaufhörlich. Wieder fiel ein blauer um. Und erneut Laden und dann Feuern. Immer wieder solange es noch ging. Es donnerte erneut. Wieder eine Salve der Blauen. Die Männer um Erik fielen. Auch der Leutnant neben ihm knickte kurz ein. Die blauen kamen näher.  Erik ging auf ein Knie und lud seelenruhig weiter. So wie er es in Preußen gelernt hatte. Er gab Pulver , Kugel und Papier in den Lauf und klopfte die Waffe stark auf den Boden. Der Leutnant war nicht tot. Nur gestreift worden. Sein Arm blutete etwas. Er sah Erik beim laden. Diese Eiseskälte. Diese ruhe erstaunte den Mann. Erik legte an. Es gab keine Kommandos mehr. Vermutlich war das Feuer eh freigeben worden. Er drückte ab und erneut fiel ein blauer in das Gras und krümmte sich vor schmerzen.
„Bajonett“ kam wieder der ruf. Von wo wusste Erik nicht. Der Leutnant blickte sich um. Die grauen standen fest zusammen. Der Mumm kam wieder.
Alles sah zu Stonewall.
Knallhart saß der im Kugelhagel auf seinem Pferd. Um ihn herum wurde er von zwei Kompanien befeuert. Wie alle Männer von Stonewalls Brigade. Keiner wich zurück. Die fliehenden Konföderierten nahmen sich ein Beispiel.
„Bajonett!“ kam der ruf nochmals.
„Ja man, komm gib das Eisen“ grummelte Erik leise auf deutsch.
Er blickte den Leutnant grinsend an.
„Heute ist ein Eisentag!“ sagte Erik grimmig zu dem Leutnant.
Der junge Leutnant blickte ratlos zurück. Er verstand Erik`s Sprache nicht. Sein Pferd war schon bei der ersten Salve geflohen. Er stand auf und sammelte seinen Säbel aus dem Gras.
„Gleich gehts los Soldaten“ brüllte der junge Leutnant, eher sich selbst Mut machend, als Autoritär klingend.
„Ja man, gib endlich Eisen!“ Knurrte Erik grimmig auf Deutsch.
Erik wollte Blut sehen. Dafür war er geboren worden. Das war seine Berufung. Er war ein Blutsäer.  Einer der noch die alten Götter der Germanen anbetete.
„Angriff!“ kam es von rechts. Der Befehl kam von Stonewalls Position selbst.
Die grauen Männer liefen los.Sie Brüllten laut. Sie hielten ihre Gewehre in den Händen und sie sprangen in die Reihen der Blauen.
Es donnerte. Eine Salve der Blauen, abgefeuert mitten als die grauen in sie hereingesprungen waren. Viel Graue fielen Tot ins Gras. Erik und der Leutnant nicht.
Der Aufprall war schwer und es krachte in Eriks Kiefer als er mit einem blauen zusammen prallte. Seine Springfield steckte in dem Blaurock. Das Bajonett guckte hinten wieder heraus. Erik drehte die Waffe, sie war zu fest im Körper des Feindes verhakt.
Er zog den Revolver des alten Sergeants und feuerte um sich. Ein Soldat vor ihm griff sich an den Bauch und krümmte sich, ein anderer viel einfach um. Ein anderer sackte zusammen. Dann waren die kugeln leer.
Der Leutnant war von ein Paar Blauröcken begraben. Erik zog den Säbel aus seinem Gürtel und schlug um sich. Hieb die Blauröcke von dem Leutnant und zog den Mann hoch. Erik marschierte weiter vor. Neben ihm stand nur noch der Leutnant. Alle anderen waren nicht mehr zu sehen. Er trieb seinen stumpfen Säbel unnachgiebig durch die Gedärme der Feinde. Es pfiffen um ihn herum die Gewehrkugeln vorbei. Sie schlugen in Körper dumpf ein oder verfehlten knapp ihre Ziele.
Stonewall stand immer noch Felsen fest auf seiner Position. Die Kompanie der blauen war aufgerieben worden.
Ein viertel der Soldaten die angegriffen hatten waren noch am stehen.
„Los Hunde! Formieren!“ brüllte jetzt Erik seine Kameraden wild an. Der Leutnant stellte sich neben ihn. Andere gesellten sich zu ihnen. Sie bildeten fast wieder eine reihe. Es kamen mehr Männer hinzu. Die Kompanie der blauen war aufgerieben.
„Flanke halten für Stonewall.! Schützt seine Brigade!“ brüllte Erik in starken Akzent.
„Houa, Houa, Houa!“ Brüllte er rhythmisch. Die anderen Grauen stimmten mit ein. Es klang über das ganze Feld.
Die Grauen bewegten sich auf die andere Kompanie der Feinde zu. Es stand etwa 5 zu 1 für die blauen. Einige Graue hatten noch ihre Gewehre bei sich.
Erik stecke den Säbel weg und beugte sich nach unten und ergriff wahllos eines der dort liegenden  Gewehre. Es war eines der blauen. Er sah nach, es war noch heile und geladen.
Er legte an.
„Feuer!“ brüllte er emotionslos und drückte ab. Ein blauer fiel. Die anderen Grauen taten es ihm gleich und feuerten der Reihe nach ihre Gewehre ab. Die Reihen der Feinde lichteten sich.
Dann kam die Antwort. Es donnerte und die Grauen wurden dezimiert.
Erik stand immer noch, hatte aber sein Gewehr fallen gelassen. die Hälfte seiner Kameraden standen noch bei ihm. Sie machten sich auf den Aufprall der anstürmenden Feinde bereit. Die blauen rannten jetzt auf sie zu. Auch die grauen kannten nur eine Richtung. Nach vorne.
Eine Kompanie der Stonewall Brigade bewegte sich jetzt langsam auf die Erik anstürmende blaue Kompanie zu.
„Bajonett angriff!“ Brüllte Erik laut.
Die Grauen rückten vor und fielen in einen Trab. Dann rannten sie los. Und wieder brüllten sie wild ihren Kampfesschrei.
Die Blauen blickten sich einander an. Sie konnten nicht glauben was sie sahen. Die Kompanien von Evans waren die ganze Zeit unter Beschuss gewesen. Stark dezimiert hielten sie dennoch stand. Kein Meter wurde Preis gegeben.
Stonewalls entsendete Kompanie erreichte den Rücken der verbliebenen blauen Kompanie.
Eriks Männer brüllten. Dann kam wieder der Aufprall. Es knallte und Erik brach durch Fleisch, Sehnen und Knochen. Er schlug einen Captain den Säbel samt Hand vom Arm ab. Dann rammte er seine Hiebwaffe einen anrennenden Blaurock in die Gedärme.
Er lies den Säbel fahren und  packte sich einen Hühnen haften Korporal und warf den Mann über seine Schulter auf den Boden. Erik wich nach rechts aus und ein Säbelhieb verfehlte ihn um Haaresbreite. Er schlug einen Haken und rammte den Angreifer mit seiner Schulter um. Der Gegner verlor seinen Säbel. Und Erik bekam die Waffe im fallen zu fassen. Er hieb auf den Kopf des am Boden liegenden Feindes ein. Das Blut spritzte ihm ins Gesicht. Erik grinste wild dabei.
„Komm gib Eisen!“ brüllte Erik laut lachend. Er beugte sich nach oben und blickte sich um. Es gab überall noch ein Kampfgetümmel. Seine Leute hielten sich gut. Es waren fast nur noch Veteranen über geblieben. Hartgesottene Leute die das kämpfen kannten. Die wussten wann man den Kopf einzog und wann man austeilte.
Die andere Kompanie traf auf den losen, unkontrollierten Haufen blauer Unions Soldaten. Aber der Aufruhr war schon zu tief in den Reihen der blauen. Die Arbeit war getan. Der Rest war nur noch ein aufräumen. Der Feind zog sich schnell zurück.
Erik hieb weiter um sich. Der Leutnant war wie durch ein wunder noch am leben und stand vor schmerzen gebeugt neben Erik.
„Komm gib Eisen.“ knurrte Erik wieder wild.
„ Wo seid ihr Hunde!“ Erik sprach deutsch. Die meisten Konföderierten verstanden den Preußen nicht. Die meisten deutschen waren auf Unionsseite. Erik war eine der wenigen ausnahmen. Er wusste nicht mal warum er bei den Grauen in Sold stand. Einer der Gründe war wohl das die Rebellen im Nachteil waren. Sie hatten weniger Waffen und Soldaten als die Armee der Union. Und Erik war eine ewiger Rebell. Was einer der Gründe war, warum er nicht mehr in Europa war. Sein drang nach krieg war zu groß. Und es hatte ihn nach Amerika getrieben. Glück und Kampfes Ruhm haben ihn gelockt. Und durch ein paar Umstände und Fügungen des Schicksals war er jetzt im Jahre 1861 hier in Manassas. Auf der Seite der Konföderierten und schlug den Angriff von General Heintzelmann zurück.
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