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Jungs heulen nicht

von Agnar
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Andi Bill Georg Gustav OC (Own Character) Tom
06.10.2021
28.11.2022
94
261.096
4
Alle Kapitel
155 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.11.2022 2.941
 
Es ist Content-Donnerstag, Jungs und Mädels. Heute gibt es ein kurzes Kapitel, aber dafür hat eure Kommentierlaune auch etwas nachgelassen. Solltet ihr also Wünsche zu Kapiteln oder Handlungssträngen haben, die euch besonders fesseln würden, lasst es mich gerne wissen.
Und an alle, die zu schüchtern sind: Ihr könnt mir auch ohne einen Kommentar dazulassen, ein Sternchen geben, das würde mich sehr freuen;)
Anyway.
Und wenn ihr schon mal dabei seid, lasst bei Whiterabbit ein bisschen Liebe da. Vielleicht findet sie dadurch wieder  ein bisschen Inspiration und ich würde zu gerne wissen, wie es bei "Follow the White Rabbit" denn weitergeht...

Oh und noch eine Anmerkung: Ich bin kein Tattoo-Profi, Leute. Informiert euch bei den Leuten, die sich auskennen, falls ihr eins haben wollt. Das hier ist eine Fanfiktion, die einzige saubere Recherche, die ich hier betreibe, ist die zu Interviews und Konzertdaten, die 13 Jahre zurückliegen.

**********************
„Krass, sieht voll cool aus.“, meint Sven, als ich an demselben Abend bei Ben aufkreuze und meinen Unterarm ins spärliche Abendlicht halte.
Irgendwann müssen wir ja unsere Sachen für das Wacken-Festival ins Auto packen.

Ben pfeift anerkennend.
„Richtig geil geworden. Steht dir voll gut.“
Lächelnd wuchte ich mein zwei-Mann-Zelt in den Kofferraum.
„Wie bist du denn auf die Idee gekommen?“, will Ben wissen und schleift seine Tasche rüber. „Du hast noch nie groß von Tattoos geredet, das kommt ziemlich spontan.“
„War es auch.“
„Seit wann hast du es geplant?“

Ich knirsche verlegen mit den Zähnen.
„Naja. Um ehrlich zu sein, hab ich es erst vorgestern in Betracht gezogen, als ich mit Bill und Tom im Tattoostudio war.“
„Hä, wie kann das denn? Erzähl mal!“

Also erzähle ich.
Von Toms neuem Auto, wie wir zum Studio gefahren sind, wie Bills neues Tattoo aussieht, wie ich die Broschüre gesehen habe und das Gitarrenmotiv mir direkt in Auge gestochen ist.
„…ich hab dann noch ne Ewigkeit hin und her überlegt, weil ich es ja kostenlos bekommen konnte, sonst hätte ich es gar nicht gemacht… aber dann hat Bill noch zehnmal drüber geschwärmt, wie gut es aussehen würde… Naja. Er hatte recht, wie man sieht. Ich habs am nächsten Morgen direkt gemacht.“

„DU HAST WAS?!“

„Tu nicht so, als hätte ich dir das Tattoo nicht gerade gezeigt. Du hast mich schon gehört.“
„Du kannst doch nicht einfach nur ein Tattoo machen lassen, weil Bill es gut findet!“
„Hey! Ich fand es doch auch toll!“
„Hättest du es denn machen lassen, wenn Bill dir nicht zugeredet hätte?“

Betreten schweige ich.

„Na, Kleiner? Hättest du echt am gleichen Abend noch angerufen, wenn dein Lover dir nicht klargemacht hätte, wie geil er es finden würde?“

Abstreiten kann ich es nicht so wirklich.

„Nein.“, nuschle ich.

„Und jetzt finde mal den Fehler. Was würdest du mir sagen, wenn ich mir wegen Helena was stechen lassen würde?“

„Ähhhh…“
Unterstützen würde ich es ja nicht, um ehrlich zu sein…

„Siehste?“
„Aber…“
„Du wirst für den Rest deines Lebens was auf der Haut haben, hauptsächlich wegen Bill.“
„Na und?“, frage ich trotzig.

„Nichts na-und. Stell dir mal vor, ihr trennt euch…“

„Ich hab nicht vor, mich von Bill zu trennen!“

„Du kannst nie wissen, wie lange so ne Beziehung dauert.“

Maaaann, es ist echt anstrengend, wie erwachsen und vernünftig Mark inzwischen geworden ist.

„Aber es sieht gut aus! Ich finde es mega!“
„Und es wird dich immer daran erinnern, dass du mit Bill in diesem Tattoostudio warst.“
„Das ist doch ne gute Erinnerung!“
„Solange ihr zusammen seid, ja!“
„Mark…“

„JUNGS! Kommt mal runter!“, donnert Sven dazwischen. „Jetzt ist es eh passiert. Und Torri muss selber wissen, was er macht, Mark.“
„Was für nen Blödsinn haben wir mit achtzehn gemacht, hm?“
„Notfalls kann man das auch entfernen lassen.“
„Nur, dass das höllisch wehtut.“
„Das ist dann wohl Torris Problem.“
„Darf ich mir etwa keine Sorgen machen?“
„Mark, du hörst dich wie mein Vater an…“

Er rollt mit den Augen.
„Schön, dann sag ich halt nichts. Freunde sagen sich nunmal die Wahrheit, hab ich mal gehört.“
„Jetzt weiß ich aber, was du davon hältst.“
„Davon, dass du dich ein bisschen zu krass nach Bill richtest? Ja. Und jetzt gib mir mal die Heringe rüber, bevor ich die nächste Moralpredigt starte.“



Zwei Stunden später ist das Geplänkel vergessen und das Auto gepackt.
Wir holen uns Pommes und machen es uns im Sonnenuntergang auf dem Hügel, wo ich Bill schon mehrmals mitgenommen habe, bequem und beschäftigen uns mit der Vorfreude auf die Wacken-Tage.
Helena wird dieses Mal nicht dabei sein, da sie sich keinen Urlaub nehmen konnte.

Es wird also ein reiner Männerausflug.

Sven hat es ein bisschen bedauert, da er Selina doch ein bisschen süß fand, nachdem er sich zuerst nicht bei ihr gemeldet hat.
Aber jetzt…

„Du musst einfach nur Helena nach ihrer Nummer fragen und sie anschreiben. Sie freut sich bestimmt.“
„Dann denkt sie aber, ich wäre…“
„Seit wann juckt dich das denn? Sie hat dir doch ziemlich eindeutig zu verstehen gegeben, dass sie dich mag, oder?“
„Schon, aber…“
„Nichts aber.“, sagt Mark und wählt die Nummer seiner Freundin.
„Ich drücke jetzt hier auf Grün, dann gehst du ran und fragt: „Hey Helena, kannst du mir die Nummer von deiner Cousine geben? Ich würde sie gerne auf ein Eis einladen.“ Und dann läuft das Ganze, kapiert?“

Sven seufzt, aber Mark lässt ihm keine Zeit, drückt ihm nur den tutenden Hörer in die Hand, worauf Sven sich zum Telefonieren hinter einen Baum zurückzieht.


„Denkst du, das mit den Beiden wird was?“
„Keine Ahnung, Helena meinte auf jeden Fall, dass Selina mehr als einmal nach ihm gefragt hätte. Ich spiel ja nur ungerne den Kuppler, aber Svens Singlegejammer geht mir langsam auf den Sack. Und wer´s nicht versucht…“

Er unterbricht, starrt auf meine Hosentasche, wo das Handy gedämpft klingelt.
„Sieht ganz so aus, als wäre dein Lover wieder am Start.“

„Der müsste gerade im Abreisestress sein, das ist wahrscheinlich bloß Alli oder so…“

Ich täusche mich.

Es ist Bill.
Oder laut meinem Hand eher Bügelbrett.

Ich stehe auf, suche mir eine ruhige Stelle, nehme im Laufen ab.

„Und, schon am Flughafen?“
„Noch nicht ganz.“, sagt Bill. „Sag hallo, Tom. Wir fahren gerade dorthin, bei den Mietwägen haben wir zur Abwechslung mal nen Eigenen bekommen. Ich halte es gerade nicht aus, mit irgendjemand aus dem Team zusammenzusitzen.“
„Was ist denn jetzt los?“
„Wir hätten ein Feature mit Kenneth machen können! Das wäre der Knaller gewesen und in allen Musikmagazinen gestanden! Aber nein, unsere Produzenten KÖNNEN SICH NICHT VORSTELLEN, DASS UNSERE ZIELGRUPPEN KOMPATIBEL SIND!“, äfft er die Stimme von – ich vermute mal Pat – nach.
Solche Sätze klingen ziemlich nach seiner Handschrift. „

Willst du mal von vorne erzählen?“
„Sowas erwartest du von Bill?“, ertönt Toms Stimme. „Keine Chance.“
„Ach sei leise. Wir sind zum Studio, haben unsere Ideen vorgelegt, sie ihre… so weit, so unspektakulär, ich sag mal, die Entwürfe von Pat und Dave sind nett gesagt zum Sterben langweilig und ne Kopie von unseren alten Sachen… Sie haben natürlich GAR keinen Bock auf unsere Ideen, aber das kriegen wir noch… und dann ist Dave rausgerutscht, dass das Management von Kay One angerufen hat.“
Er schnaubt wie jemand, der sich zusammenreißen muss, nicht gleich nochmal auszurasten.

„Und?“, frage ich und knete meine Handballen.

„Sie haben ein Feature vorgeschlagen. Es hätte sogar schon Songvorschläge gegeben. Und die Produzenten, die daran gearbeitet haben, sind erste Sahne.“
Das Ende des Satzes faucht er beinahe.
„Wir waren schon begeistert, dann hat Dave aber direkt gemeint, sie hätten partout abgelehnt. Wäre alles zu unsicher. Und solange sie in den Urheberrechten drin stehen, können wir nichts machen, wozu sie kein Okay geben. Das ist so SCHEIßE. So schlecht hätten wir nicht mal mit den letzten Sachen von Kay One zusammengepasst.“

„Ohmann…“

„Kenneth wollte sogar nochmal mit mir drüber reden, aber mich an ihn weiterleiten wollten sie auch nicht. Wenn ich mit ihm nochmal reden will, muss ich bis zur nächsten Preisverleihung oder so nen Quatsch warten.“
„Er nimmt es dir sicher nicht übel.“

„Aber ich Dave. Der ist immer an vorderster Front wenn es drum geht, abzuschmettern, was wir vorschlagen. Hauptsache, nichts Neues ausprobieren. Ich hab jetzt schon keinen Bock mehr auf die Produktionsphase.“
„Ihr habt dieses Mal wenigstens genug Zeit, um selber was zu skripten. Nicht so wie beim letzten Mal.“
„Stimmt auch.“, meldet Tom sich aus dem Hintergrund. „Außerdem fanden sie die Idee, an der du mitgearbeitet hast, gar nicht so schlecht, Torri.“
„Echt?“
„Ja. Zoom ist der Arbeitstitel, oder?“
„Kann sein.“
„Naja, ist ja auch egal. Auf jeden Fall werden sie noch ein paar Mal drüber arbeiten, aber vielleicht können wir daraus was Brauchbares für das Album schreiben. Das Problem ist bloß…“
Toms Stimme wird etwas besser hörbar, vermutlich hält Bill den Hörer in seine Richtung.
„Du musst echt wissen, was du da tust, Torri. Wenn du deine Zeit in Texte reinsteckst, die du nicht für TakeSixx einsetzten kannst und dann an uns rüberschiebst… Wir können dich nicht in die Urheberrechte schreiben, deswegen werden dann unsere Produzenten an deiner Arbeit ne Stange abverdienen. Klar, wir würden dir was überweisen, als Entschädigung, falls eine von deinen Ideen auf ner Platte landen sollte…“

„Auch wenn am Ende bloß noch drei Zeilen von meinem Mist übrig sind? Mach dich doch nicht zum Affen, Tom.“
„Klappe zu, du bekommst was dafür, ob du willst oder nicht. Aber du musst wissen, was du da machst. Das ist Lebens- und Arbeitszeit von dir, die dann plötzlich in unserer Produktion steckt.“
„Komm runter, so wichtig ist das doch nicht.“
„Sagst du, Torri. Sagst du.“
„Ja nee, ist klar. Aber freut mich auf jeden Fall, dass die Idee gut ankam.“

„Mich auch.“, fügt Bill hinzu.
„Wie wars heute bei euch?“
„Papa ist überzeugt, dass ich nie nen richtigen Job bekommen werde, jetzt wo mein Arm bedruckt ist.“

Eindeutige Geräusche verraten mir, dass Tom sich gerade schlapp lacht.
„Ich hab euch gewarnt.“
„Und er hasst mich dafür, dass Alli jetzt auf dumme Gedanken kommt. Sie will jetzt auch ein Tattoo haben.“
„Ein Glück, dass die Kleine minderjährig ist. Sonst hätten wir ein Problem.“
„Gutes Stichwort. Papa hat das Hundertpro-Verbot ausgesprochen und sie ist stocksauer deswegen. Bald fängt sie auch noch damit an, die Tage bis zu ihrem Achtzehnten zu zählen.“
„Klingt doch ganz normal.“
„Sie ist doch erst vierzehn!“
„Wird sie demnächst nicht fünfzehn?“
„Doch, im September, aber das ist doch scheiße, wenn sie ihre Jugend damit verbringt, darauf zu warten, dass sie Achtzehn wird!“
„Krieg dich mal wieder ein, Torri. Du klingst, als wärst du ihr Opa, nicht ihr Bruder.“
„Aber…“
„Und darf ich dich mal dran erinnern, dass du achtzehn sein auch nicht abwarten konntest? Zufällig auch wegen eurem Vater?“

Toll, darauf kann ich schlecht kontern.
„Jaa, schon…“
„Na also. Außerdem beruhigt sie sich schon wieder. Und wer weiß, vielleicht will sie das Tattoo morgen gar nicht mehr.“
„Da wäre ich mir nicht so sicher.“
„Wenn sie ihre Wünsche so häufig wechselt, wie ihre Verehrer, dann sehe ich da gar kein Problem.“
„Papa ist trotzdem stinkig auf mich. Außerdem meckert er rum, dass er endlich mal meinen Freund kennenlernen will.“

Das ist eine Übertreibung.
Er achtet akribisch darauf, es nicht über höfliches Nachfragen hinausgehen zu lassen, aber es nervt mich tierisch.
Die Ausreden, das Herumgelüge.
Aber auf Beichten habe ich auch keine Lust.
Ich glaube zwar nicht, dass er an die Decke gehen wird, aber ich habe auch keine Böcke, herauszufinden, was er von meiner Beziehung hält.
Es ist ja schon kompliziert genug.

„Willst du es ihm denn sagen?“
„Gar nicht.“
„Dann sag es ihm nicht.“, schlussfolgert Bill schlicht. „Er kann dich nicht zwingen, besteh einfach drauf, dass du nicht willst. Oder erfinde was Neues.“
„Kein Bock.“
„Ich glaube, du hast euren Festivalurlaub dringend nötig, oder?“
„Und wie. Wir sind jetzt fertig mit Packen, morgen früh geht’s los zum Gelände.“
„Wacken, richtig?“
„Richtig. Hat zwar gestern schon angefangen, aber am ersten Tag ist doch eh noch nicht wirklich was los. Wir machen es ganz entspannt.“
„Sonst noch Auftritte diesen Sommer geplant?“
„Soweit nur Proben. Aber wer weiß, was kommt…“




Unsere vier Wacken-Tage gehen für meinen Geschmack ein bisschen zu schnell vorbei.
Und somit auch der Sommerurlaub, dann fängt der Alltag wieder an.
Die Gitarre auf meinem Unterarm ist abgeheilt, Papa tut mir den Gefallen, die Fresse zu halten, was meinen halbwegs erfundenen Freund angeht, Alli unterzieht sich einem konstanten Hautkrebsrisiko, indem sie sich mit fettem Edding tagtäglich auf die Haut malt, was Papa mit echter Tinte niemals erlauben würde.

Als sie es zum ersten Mal gemacht hat, war es noch lustig, weil er bei dem Anblick der schlecht gezeichneten Rose auf ihrem Ausschnitt beinahe einen Tobsuchtanfall bekommen hat.
Dachte allen Ernstes, seine süße kleine Alina wäre mit blanken Brüsten unter der Nadel eines Tätowierers gelegen, der nicht davor zurückschreckt, Minderjährige ohne Muttizettel zu bearbeiten.
Weil Alli das ja auch sowas von machen würde.
Aber Mister Überbesorgt glaubt ja auch alles.
Seither ist unser alter Herr noch zweimal an Allis Anblick zusammengezuckt, dann hat er sich daran gewöhnt.




Ich bin gerade dabei, meine Sachen für die Arbeit in den Rucksack zu stopfen, dann fängt mein Handy an zu klingeln.
Um diese Herrgottsfrühe ruft eigentlich nur Bill an, schließlich ist bei ihm drüben in den Staaten gerade Abend.

Entsprechend überrascht bin ich, stattdessen Toms Nummer zu sehen.

„Hey, was gibt´s?“
„Großartige Neuigkeiten.“
„Ist das so?“
„Jep. Ziemlich gute und ziemlich miese.“
„Sag mir zuerst die schlechte Nachricht.“
„Lukas hat angerufen… eine von diesen Hirnamputierten, die sich in die Nachbarswohnungen von uns in Hamburg eingemietet haben, haben versucht, die Kameras auszuschalten und die Tür zu entriegeln.“
„WAS?!“
„Alles gut, sie haben es nicht geschafft. Das Sicherheitspersonal hat sie doch noch erwischt. Aber das war ja auch nicht der erste Versuch.“

Leider hat er Recht.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige Hardcorestalker sich in die Loftwohnungen unter und neben den Zwillingen eingemietet haben und die ein oder anderen Male versucht haben, sich an den Überwachungskameras vorbeizuschleichen…

„Aber dieses Mal…“
„Sind sie erwischt worden. Und das Vorstrafenregister… gar nicht gut, Torri. Richtig gruselige Leute sind das.“
„Also…“
„Wir gehen nicht nochmal dorthin.“
„Wie?“
„Das haben wir eh schon viel zu lange vor uns hergeschoben. Wir suchen uns irgendwo außerhalb von Hamburg ein Haus und lassen uns ne Sichtschutzwand drum machen. Machen andere TV-Leute ja auch so.“
„Habt ihr schon was?“
„Wir lassen Lukas gerade die Vorauswahl treffen, dann nehmen wir einfach das Passendste.“
„Aber so ein Umbau kann doch ewig dauern.“
„Mit der richtigen Firma ein paar Monate. Bis dann wohnen wir halt in nem Hotel. Machen wir eh die ganze Zeit, oder?“
„Okay, ja. Aber sonst alles okay bei euch?“
„Alles gut. Ein paar Monate noch und wir haben endlich was, wo wir unsere Ruhe haben.“

Ich lasse langsam die Luft raus.
„Klingt gut…“

„Willst du denn nicht wissen, was die gute Nachricht ist?“
„Nein. Äh. Quatsch! Warte! Doch! Sag!“

Tom lacht leise.
„Hast du noch Urlaubstage?“
„Ja?“
„Hast du zwischen dem letzten August und dem fünften September was vor?“
„Äh… Nein?“

„Jetzt hast du was vor.“

„Rede deutsch mit mir, Tom…“
„Ich hab mit David geredet… besser gesagt ich hab ihm klargemacht, wo der Hase lang läuft. Und inzwischen haben wir ihn eh schon ein bisschen weichgeklopft. Zumal er eh weiß, dass wir es sowieso machen… ob es ihm in den Kram passt, oder nicht.“
„WAS?!“
„Na dass du zu uns nach LA kommst, wenn wir dort sind. Wir werden nur einmal neunzehn, da musst du doch dabei sein.“
„Ich?“
„Ja, du. Und bevor du fragst, wir hatten Andi die ersten zwei Jahre hin und wieder auf Tour zu Besuch und er hat schnell gemerkt, dass es nichts für ihn ist. Außerdem ist er da sowieso verplant. Und Bill liegt mir wegen dir schon die ganze Zeit im Ohr. Wird also höchste Zeit, dass du uns besuchen kommst.“
„Wow…“
„Also. Kommst du?“
„Ich…“
„Wir besorgen dir ein Ticket, läuft alles über unser privates Budget. Mach dir also keine Sorgen.“
„Ich war noch nie dort…“
„Dann wird’s doch Zeit, oder?“

Ich sehe Tom förmlich grinsen.
"Fuck. Ja. Auf jeden Fall.“
„Das wollte ich hören. Du kannst bis zum fünften bleiben, ob du davor gehst, kannst du dir aussuchen. Aber danach geht’s wieder weiter.“
„Damit kann ich arbeiten.“
„Und wenn es dir neben Mike zu langweilig wird, kannst du dich ja sonst irgendwo umschauen, während wir unsere Termine haben… Abends können wir es uns dann bequem machen…“

Toms Redeschwall bricht.
„Achja und noch was.“
„Was?“
„Wehe, du redest mit Bill drüber. Das wird ne Überraschung.“

Ach jetzt wird´s Tag.

Ach daher Toms akribische Planung.
Und das würde auch erklären, warum er mir das alles erzählt und nicht Bill.
„Du willst ein Geheimnis vor deinem Zwilling haben?“
„Ach, er merkt schon, wenn ich was im Schilde führe, aber wenn's drauf ankommt, kann ich noch dickköpfiger sein als er. Er bekommt von mir nichts raus.“

„Er wird dich bis auf die Knochen bearbeiten.“
„Wenn's ganz ernst wird, sag ich die Wahrheit. Dass es ne Überraschung wird und er gefälligst abzuwarten hat.“

Darin ist Bill ganz schlecht.
Aber Geschenke liebt er eben auch.

„Ich werde nicht mit einer Schleife um den Hals ankommen, damit das klar steht.“
„Dann such dir ein anderes Geschenk, das man in ne Schleife einwickeln kann.“
„Ich finde was. Hast du irgendwelche Geburtstagswünsche, Tom?“
„Eigentlich schenken wir uns untereinander nie was.“

„Wir?“
„Bandintern.“

Bei diesem Wort muss ich sofort lächeln.
Ich kann mir kaum eine bessere Integration in Bills Welt wünschen, oder?

„Dann... mach´s mal gut, Tom. Ich muss bloß…“
„Arbeiten? Dann mal los. Wir sehen uns in drei Wochen.“

„Tom?“
„Hmja?“
„Danke. Einfach nur Danke.“
„Kein Ding. Und jetzt hau rein, ja?“
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