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Elemantary Chroniken - Buch 1, Scarlet

GeschichteFantasy / P16 / Mix
Engel & Dämonen
06.10.2021
26.10.2021
55
41.338
 
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14.10.2021 1.271
 
Gähnend sah er aus der Glasscheibe des Flughafens der Dämmerung entgegen. Ethan hatte ihn aus dem Bett gerissen und daraufhin hierhergebracht. Warum sagte er nicht oder wich mit anderen Fragen aus.
„Hier dein Ticket.“ Ethan drückte ihm das Ticket in die Hand und gab ihm die Umhängetasche zurück. Dann verschwand er wortlos in der Menge.
Er las sich das Ticket durch. Nach einem Blick auf die Anzeigetafel ging er in Richtung seines Terminals. Noch eine viertel Stunde bis zum Einchecken, also setzte er sich auf einen der Warteplätze.
Jemand spuckte ihn an und riss ihm die Kopfhörer weg. „Hey Opa, räum mal das Feld das ist mein Platz.“ Ein Junge mit strohblonden Haaren baute sich vor ihm auf. Hinter ihm pfiffen seine Kumpels zum Konzert.
Menschen, die respektloseste Rasse die es gab. Er schämte sich dafür, zu ihnen zu gehören. Menschen denken immer, sie wären unsterblich, allmächtig und könnten alles bestimmen. Dabei waren sie die schwächste Rasse, gezeichnet durch ihre Dummheit. Der Junge konnte froh sein, dass er so geduldig war, sonst wäre er schon lange durch die Scheibe geflogen. Nachdem der Junge merkte, dass er sich nicht provozieren ließ, ging er weg als wäre nichts gewesen. Endlich kam auch eine Flugzeugbegleiterin, welche das Einchecken einleitete. Ethan hatte ihn einem Platz in der zweiten Klasse neben der Tragfläche besorgt, neben ihm saß keiner. Vor ihm schrien Kinder, hinter ihm schimpfte eine Frau ihren sie auslachenden Sitznachbarn. Dafür, dass es sich um einen noch sehr frühen Flug handelte, waren es doch schon sehr viele Personen. Entsprechend herrschte auch eine ziemliche Lautstärke. Acht Stunden würde der Flug dauern, ohne Zwischenhalt. Warum tat Ethan ihm das nur an? Das einzige schöne an dem Flug war das sie dem Sonnenaufgang entgegenflogen, aber das war auch nur von kurzer Dauer. Die violetten Wolken zogen an ihnen vorbei.
„Verzeihung, darf ich Ihnen etwas bringen? Vielleicht etwas zu trinken?“
Er sah die Flugbegleiterin nicht an. „Schalldämpfende Kopfhören oder Ohrenschoner. Sonst nein.“ Die acht Stunden würden sich hinziehen, das wusste er jetzt schon. Er hatte zwar Heimweh, aber so hatte er sich den Heimweg nicht vorgestellt. Es gab niemanden, mit dem er sich unterhalten konnte. Als sie eine Weile in der Luft waren, sah er das erste Mal auf den Sitz neben sich und erstarrte. Neben ihm saß der komische Zeitreisende, noch immer mit Brille und Federumhang bekleidet.
„Was machst du hier? Wie bist du hier hergekommen?“, fragte Percy verunsichert, Flugzeuge waren aus Sicherheitsgründen nur für Menschen gedacht.
„Wie ich immer an Orten komme, ich setze mich hin.“, kam die leise Antwort.
„Sire“, eine Stewardess lehnte sich in ihre Reihe. „Kann ich Ihnen etwas bringen, den Anderen sind Ihre Selbstgespräche unheimlich.“
„Aber“, er zeige auf den Zeitreisenden, „sehen Sie ihn denn nicht?“
„Sire, dort ist niemand.“
Er wurde bleich. „Nein, alles gut“, antwortete er leise. „Ich bin wohl etwas erschöpft.“
Die Stewardess nickte und ging weg.
„Ok“, er riss den Kopf herum, „warum konnte sie dich nicht sehen?“
Als Antwort bekam er ein Kichern. Der Zeitreisende nahm den Umhang in die Hand und nahm die Brille ab.
Sein Mund wurde trocken. Er sah komplett anders aus als erwartet.
Aus dem Zeitreisenden war ein junger Mann mit stechend violetten Augen und sehr hellem Erscheinungsbild geworden. Vermutlich ein Albino. Erst nachdem er es schaffte, seinen Blick abzuwenden, bemerkte Percy dass der Umhang aus blauen Federn bestand. Auf einmal waren die violetten Augen rot umrandet, ein Zeichen, dass er ein mächtiger Unsterblicher war. „Genieße den Frieden solange du kannst, Sterblicher, das Töten wird hier bald gang und gebe in dieser Welt.“, ermahnte er und ging wortlos zum Notausgang, öffnete ihn aber nicht sondern breitete mit den Armen hinter sich seinen Federumhang aus.
Außer ihm schien tatsächlich niemand den Zeitreisenden zu bemerken, sein Erscheinen müsste jede Menge Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Ein starker Ruck ging durch das Flugzeug, es wurde dunkel obwohl draußen die Sonne schien. Leute fingen an zu schreien, Kinder weinten oder es wurde gebetet. Irgendwoher kamen Schmerzensschreie, welche sich in Gurgeln verloren. Das Licht im Flugzeug sprang wieder an, was nur noch zu mehr Geschrei führte.
Er beugte sich vor, um in den Gang zu sehen. Viele der Passagiere waren bereits tot oder kämpften mit dem Leben, von anderen langen die Knochen auf dem Gang verstreut. Kinder versteckten sich weinend unter den Sitzen. Er sah auch zum Notausgang, der Zeitreisende mit dem Umhang stand da, als ob nichts wäre.
„Na, kennst du uns noch?“ Eine der Statuen lehnte an dem Sitz und leckte sich das Blut von den Fingern. „Wir hatten dir doch gesagt, dass du nicht sicher bist.“
„Wie seid ihr hier reingekommen?“
„Unwichtig. Noch irgendwelche letzten Worte?“
Er stand auf und bot seinen Hals dar.
Die Statue lächelte. „Kluges Kerlchen.“ Sekunden später fehlte der Statue ein Kopf.
Stirnrunzelnd wischte er sein Messer an einem Sitz ab. Die Kollegen waren auch an Bord, ihr Lachen war nicht zu überhören. Noch einmal flackerte das Licht, dann löste sich der Boden unter ihm auf, trieb ihn zum Heck des Flugzeugs. Sein Instinkt riet ihn dazu, sich festzuhalten. Binnen Sekunden riss die Decke auf, ein starker Luftstrom zog durch die Kabine und riss Personen heraus. Nachdem der erste Schock weg war, fiel es Percival auf: Der Mann war weg. War er herausgezogen worden? Nein, er war ein Zeitreisender, er wird wieder gereist sein.
Nachdem er den Gedanken beendete, verschwand auch die Wand neben ihm und der Wind zog ihn heraus. Im freien Fall ruderte er zitternd mit den Händen, mit dem Wissen, dass es noch bis zu sieben Minuten dauern konnte bis er erfror. Kaum war er unter den Wolken, packte ihn jemand und bremste den Fall ab. Etwas kitzelte auf seiner Haut, auch war an den sich immer ändernden Griff zu erkennen dass sein Retter keine Ahnung hatte, wie eine Person zu halten war. Besorgt darüber wieder abzustürzen und gleichzeitig neugierig sah er hoch zu seinem Retter. Zugleich entfuhr ihm ein überraschtes „Oh“, es war die letzte Person mit der er gerechnet hatte. „Saemel, was für eine Überraschung.“ Er zögerte. „Würdest du noch ein wenig sinken, mir ist kalt.“
Von Saemel kam ein verwirrtes Blinzeln, bevor er die Flügel einklappte und damit in den Sturzflug ging. Auf Höhe der Hochhäuser fing er sich wieder ab.
Bei dem Ruck und den ohnehin unsicheren Griff bekam er kurz Angst, doch diese war unbegründet. Der Griff war doch fest genug. Nach einer Weile Stille versuchte er ein Gespräch aufzubauen. „Wieso bist du überhaupt mir hinterher geflogen?“ Keine Antwort. Was hatte er auch anderes erwartet. Trotzdem fuhr er fort: „Ich meine, es schien fast so, als wusstet du dass das Flugzeug seine Wände verliert.“
Saemel sah auf ihn hinunter, gähnte, bevor er den Blick abwandte und sich einen Platz auf einem Strommast zum Landen suchte. Als sie landeten, fuhr er fort: „Danke.“, er zögerte. „Ich weiß dass es dir viel Überwindung gekostet hat mich anzufassen.“
Saemel stellte die Ohren auf und zog einen Mundwinkel kurz hoch. Seine Art zu lächeln.
„Ich würde alles geben für so eine Gabe. Ihr Dämonen habt es echt gut.“
Ein Ruck ging durch Saemels Körper, dann schosse er im Sturzflug auf den Boden zu. Mit ordentlichem Schwung warf er Percival schließlich in einen naheliegenden See.
Schnell schwamm er an das naheliegende Ufer, wo Saemel ihn mit verschränkten Armen empfing. Percival watete durch das Wasser, bis es ihm nur noch zu den Knien reichte, dann streifte er sich das nasse Shirt ab und wrang es aus. „Wo ist meine Tasche?“
Saemel hielt die Tasche in die Luft.
„So und was machen wir jetzt?“
Er hing die Tasche an einen Ast und zog sich auch das Shirt aus. „Du gehst baden.“
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