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Kontraphobisches Kuscheltier

OneshotAllgemein / P12 / Gen
Antoine Verlay Florence Chassagne
06.10.2021
06.10.2021
1
980
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06.10.2021 980
 
Voilà meine erste Story hier :) Ich habe das in Einem runtergeschrieben und gleich darauf korrigiert, ich kann nicht versprechen, dass ich alle Fehler gefunden habe.

Ich bin ein wenig enttäuscht, dass es nur so wenig Fanfiction zu dieser Serie gibt, denn ich finde sie ziemlich amüsant. Vielleicht hatte ich aber gerade deswegen so viel Motivation hier etwas zu posten, also möglicherweise kommt auch noch mehr.

Ich hoffe mein kleiner One-shot gefällt euch. Bin nicht gerade stolz auf den Titel, also falls jemand Ideen hat…

VORSICHT: Es wird ein wenig geflucht, aber ich denke P12 ist dennoch angemessen. Bitte bescheid sagen, wenn jemand anderer Meinung ist!

Disclaimer: Charaktere und Inhalt gehören nicht mir.
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Einatmen. Ausatmen.

So hatte es die Therapeutin gesagt. Einatmen. Ausatmen. Immer weiter.

Ach so ein Scheiß! Da konnte man ihm noch so viele Anti-Agressions-Therapien aufzwingen, bei so einer Situation würde jeder die Kontrolle irgendwann verlieren. Wenn man ehrlich war, dachte Antoine, war er für seine Verhältnisse recht geduldig an die Sache rangegangen. Klar, er hatte noch keinen Finger für seine Kunstausbildung gekrümmt, aber er steckte in jeden einzelnen Fall genau so viel Energie und Herzblut rein, wie damals bei der Kriminalpolizei. Er gab nie irgendjemandem einen Grund an seinen Ermittler-Fähigkeiten zu zweifeln und das würde er auch nie. Da konnten sie ihm noch so viele verrückte Berater an die Seite stellen, die konstant seine Autorität untermauerten. Sein Ermittlertalent konnte ihm keiner wegnehmen. Seinen Job, wie sich herausstellte, schon. Antoine war es bewusst, dass er die Stelle beim OCBC nur bekommen hatte, weil Alex sein Freund war. Kein normaler Polizeileutnant würde jemanden einstellen, der nichts von seinen Fällen versteht. Da konnte er noch so ein guter Ermittler sein. Gerade deshalb hatte Capitaine Verlay seine Geduldskapazität eine Stufe höher geschraubt. Er brauchte diesen Job und wenn das bedeutete, dass er sich zu jedem Kunstwerk die Geschichte von irgendeinem Bücherwurm erzählen lassen musste, dann sei es so. Aber das ging echt zu weit. Kuscheltier, so ein Schwachsinn!

Eigentlich hätte es Antoine nicht wundern sollen, dass die Dame einen an der Klatsche hat. Schon als er Florence Chassagne das erste mal gesehen hatte, hätte ihm klar sein sollen, dass sie verrückt ist. Ich meine, erst unterhält sie sich mit ihm auf dem Dach des Kunstinstituts ganz normal und kaum dreht er sich um, fällt sie plötzlich wegen Höhenangst in Ohnmacht. Und wenn’s nur das wäre. Er hätte Alex sagen sollen, dass sie Probleme hat und nicht ins Feld gehört. Schließlich konnte sie nicht mal alleine die Treppe runterlaufen, nein, er musste sie führen. Mit Kugel im Bein. Okay, vielleicht war sie diejenige die den Ausgang überhaupt erst gefunden hatte, aber trotzdem. Antoine war sich sicher, dass er ohne sie besser dran gewesen wäre. Und das hat sich nur bestätigt, als er sie aus dem Treppenhaus abholen musste, weil sie angeblich „blockiert“ war. Der Capitaine war kein herzloser Mensch, wirklich nicht. Wenn er ehrlich war, machte er sich im ersten Moment sogar sorgen um sie, als sie ihn mit zitternder Stimme anrief. Schließlich hatte sie sich schonmal in Gefahr begeben und so blöd das auch von ihr war, das konnte Antoine verstehen. Er selbst wurde schon oft genug ermahnt, weil er ohne Verstärkung und ohne jemandem Bescheid zu geben einer Spur gefolgt war. Aber Florence war keine Polizistin, sie wusste sich nicht zu verteidigen. Das machte alles noch viel schlimmer, denn solange sie für das OCBC arbeitete, war sie Antoines Verantwortung. Im Feld hatte er sie zu beschützen.

Diese Verantwortung erstreckte sich aber ganz sicher nicht hin zu therapeutischen Hilfestellungen. Kontraphobisches Objekt, so ein Schwachsinn! Bloß weil sie Höhenangst hat, muss er immer in der Nähe sein, um ihre Hand zu halten? Nein danke. Außerdem kannte Antoine Höhenangst. Sein Jüngster scheute sich vor Brücken und Baumkronen, aber er bekam nicht jedesmal einen Nervenzusammenbruch, wenn er die Treppe runterging. So eine starke Angst gab es nicht. Zumindest nicht bei normalen Menschen.

Und trotzdem, als Alex ihm sagte, dass sie auf der Treppe feststeckte und sich nicht bewegen konnte, gab er nach. „Nimmst du das mal kurz.“ Seufzte er, als er Alex die junge Mörderin in die Hand schob. Nicht zu fassen, dass die Verrückte seinen Vorgesetzten so um den Finger wickeln konnte, dass er ihr sogar einen Krankenwagen rufen wollte. Anscheinend sah keiner außer Antoine selbst, wie lächerlich es war, dass sie in einem Moment „blockiert“ war und im nächsten plötzlich alles wieder gut war. Und doch krakselte er ihr zur Hilfe, denn das letzte was er wollte, war das irgendwer herausfindet, dass er ihr Lieblingskuscheltier sein sollte. Das war so peinlich.

Er erreichte die Stahltreppe und blickte auf ihren gebeugten Rücken. Beide Hände umklammerten das Geländer und ihr Kopf lehnte an ihren Armen, als würde sie schlafen. Und tatsächlich, sie bewegte sich nicht. Antoine musste genau hinsehen, um festzustellen, dass sie überhaupt noch atmete. Er nahm sich ein paar Sekunden, um sicher zu gehen, dass sie nicht schauspielerte, oder dass sie vielleicht jetzt schon aus ihrer Trance ausbrechen konnte. Aber nein, es war, als nehme sie nichts um sich herum wahr. Wahrlich ein bemitleidenswerter Anblick. Mit einem letzten hilfesuchenden Blick zum Himmel, streckte Antoine kopfschüttelnd den Arm aus und tippte ihr leicht auf die Schulter.

Sie zuckte zusammen und wie auf Knopfdruck war sie wieder da. „Sie haben sich aber Zeit gelassen.“ Maulte sie. „geben sie mir ihre Hand.“ Und ohne auf Antwort zu warten griff sie selbst danach und ließ sich von ihm hochziehen. Alex und die Gefangene betrachteten das alles unverständlich. „Was ist denn?“, fragte Alex. „Erklär ich dir nachher.“ Antwortete Verlay. Oder nie, dachte er sich insgeheim. Frustriert klopfte er sich den Staub von den Klamotten und lief an ihnen vorbei. Florence, zu seinem großen Unmut, folgte ihm wieder wie ein verlorenes Hündchen. Vielleicht, dachte er sich, sollte er sie beim nächsten Anfall einfach auf der Treppe lassen. Dann wäre er sie zumindest los.
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