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Die wahren Opfer der Reinblütigkeit

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
06.10.2021
22.10.2021
17
35.951
7
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14.10.2021 1.939
 
Teil 9 – Überforderung

„Accio Bücher mit Flüchen!“ war ein Versuch Hermines, irgendwie eine Filterung in ihre Vorhaben zu bekommen. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass die halbe Bibliothek aus Büchern dieser Art bestand. Sie hätte es vielleicht ahnen können, immerhin war dies das Anwesen ehemals sehr dunkler Zauberer. Heute war anscheinend nicht ihr Tag.
„Tolle Idee…“ meinte Draco trocken, als er sah, wie viele Bücher nun die Regale verließen und sich auf dem Boden um sie herum stapelten. „Vielleicht hättest du genauer werden sollen…wir können hier nicht mal mehr zur Tür raus!“ Er deutete in die Richtung und Hermine musste sich eingestehen, dass sie wirklich nicht genialste Methode gewählt hatte.
„Ist ja gut. Ich lass sie wieder verschwinden…“ Hermine schwenkte ihren Zauberstab erneut und ließ die Bücher wieder zurückwandern.
„Diese Flüche haben leider keine genaue Bezeichnung oder einen Oberbegriff. Wir könnten es mit Begriffen wie Empfängnis, Geburt, Nachkommen oder Ähnlichem versuchen. Vielleicht sollten wir erstmal eine Liste erstellen und diese dann nach und nach ausprobieren…“ schlug Sean vor und begann sofort damit, etwas aufzuschreiben.
„Ich komme gleich wieder, entschuldigt mich bitte…“ Draco, froh, dass der Weg zur Tür wieder frei war, verschwand aus dem Raum. Hermine sah ihm kurz verwirrt hinterher, überlegte, ob er wieder abhauen wollte, kam dann aber zu dem Schluss, dass er wohl nur kurz ins Badezimmer ging.
„Geht es ihm wieder besser? Ich war ganz besorgt, als du mir geschrieben hast, dass er krank war. Aber das hatte nichts mit dem Fluch zu tun, oder?“ fragte Sean nach, kaum dass Draco weg war.
„Nicht direkt, denke ich. Ihn hat das alles sehr aufgeregt. Und er neigt scheinbar dazu, krank zu werden, wenn ihm alles zu viel wird…so lange war alles gut und nun dieser Stress mit dieser ganzen Sache hier…ich denke, er konnte einfach nicht mehr…“ erzählte Hermine seufzend.
„Durchaus verständlich. So, ich denke, wir fangen nun wirklich an. Accio Bücher über Empfängnis!“ sagte Sean und schwenkte seinen Zauberstab. Diesmal kamen nur ungefähr ein Dutzend Bücher angeflogen.
„Mir scheint, ihr seid nicht die einzigen Malfoys, die einen Kinderwunsch gehegt haben…“ Sean reichte Hermine das erste Buch vom Stapel. „1001 magische Wege zu ihrem Wunschkind“ stand auf dem Umschlag. Als Hermine es öffnete, sah sie, dass es Narcissa Malfoy gehört hatte. Also hatten sie und Lucius wohl wirklich nach Draco die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Leider ohne Erfolg. Hermine vermutete, dass Dracos Eltern keine Ahnung von einem Fluch gehabt hatten. Damals war man noch nicht in die Klinik gegangen, wenn man Probleme beim Kindermachen hatte. Heutzutage war das halt etwas anderes.
Das nächste Buch, das Sean ihr reichte, war ein Rezeptebuch für Frauen, angeblich mit Tränken, die fruchtbarer machten. Auch dieses Buch hatte Narcissa gehört.
„Das hier ist schon mal interessant. Aber es scheint nicht alt genug zu sein.“ Sean gab Hermine das dritte Buch. „Magische Geburtenkontrolle“ klang wirklich äußerst spannend und passend, aber das Buch sah aus, als sei es höchstens 50 Jahre alt. Außerdem war es ganz und gar nicht schwarzmagisch. Es enthielt ziemlich einfache Zauber, die zum Beispiel eine Schwangerschaft verhindern oder begünstigten sollten.
„Nein, das hier sind scheinbar alles Bücher aus der neueren Zeit. Dracos Eltern scheinen ebenfalls recht verzweifelt gewesen zu sein.“ Mit einem Zauberstabschwenk verschwanden die Bücher wieder an ihren Plätzen, außer dem Ersten, das sich Hermine zur Seite gelegt hatte.

„Ich werde mal eben schauen, wo mein Mann bleibt…fühl dich einfach, wie zu Hause…“ beschloss Hermine, weil Draco immer noch nicht zurück war. So langsam machte sie sich doch Sorgen.
„Natürlich. Vielen Dank…“ Sean nickte ihr zu und Hermine machte sich auf den Weg nach draußen.
Im Studierzimmer war niemand, aber sie sah durch den Türspalt, dass im Gästebad Kerzen brannten. Sie gingen automatisch an, wenn jemand es betrat.
„Draco?“ Vorsichtig klopfte Hermine gegen die Tür. „Alles in Ordnung?“
„Ich komme gleich…“ hörte sich eindeutig verheult an.
„Weinst du?“ fragte sie geraderaus. Das Türschloss klickte und Hermine öffnete die Tür. Draco saß auf dem geschlossenen Deckel der Toilette und hatte ein völlig verweintes Gesicht.
„Was ist denn los?“ Sofort setzte Hermine sich auf seinen Schoß und nahm ihren Mann in den Arm.
„Mir ist das gerade alles zu viel, es tut mir leid…“ Draco sprach leise und kuschelte sich an ihre Wange. Liebevoll strich Hermine durch sein Haar.
„Das braucht dir nicht leid zu tun. Ich verstehe dich. Vielleicht ist es besser, wenn du dich ein bisschen hinlegst?“ schlug sie leise vor.
„Nein!“ Draco schüttelte den Kopf. „Das hier ist so wichtig. Ich muss dabei sein…“ sagte er bestimmt.
„Es bringt aber nichts, wenn du wieder krank wirst. Und wenn dir das gerade zu viel ist…du sollst dich doch ausruhen…“ Hermine seufzte besorgt.
„Es geht gleich wieder…“ versprach Draco. „Ich denke, ich werde kurz an die Luft gehen und dann komme ich zurück in die Bücherei…“
„Okay. Ich werde neuen Tee bestellen. Aber wenn es wirklich nicht geht, dann tu mir den Gefallen und geh dich ausruhen, okay? Sean und ich schaffen das auch alleine. Wir suchen ja erstmal nur…“ Hermine sah Draco ernst an.
„Ja, das werde ich…“ Er nickte.

„Draco kommt gleich wieder. Ihm war etwas unwohl und er ist kurz an der frischen Luft…“ entschuldigte Hermine ihren Mann, als sie in die Bibliothek zurückkehrte.
„Ach, das tut mir aber leid…“ Sean klang ganz geknickt.
„Es geht gleich sicherlich wieder. Möchtest du noch Tee? Oder lieber etwas anderes? Wir haben auch Bier da, oder Wein…“ bot Hermine ihrem Gast an.
„Ein Bier wäre wundervoll…“ Sean lächelte und blätterte in einem sehr alt aussehenden Buch.
„Sehr gerne…Minni!“ Hermine sah auf den Hauself, der augenblicklich erschienen war.
„Bring unserem Gast bitte ein Bier. Außerdem eine Flasche Elfenwein mit zwei Gläsern. Und richte bitte Abby und Welly aus, dass wir um Sieben dinieren werden. Mit den Kindern…wir sind also zu Fünft. Da wir einen Gast haben, sollte es etwas Besonderes geben. Die Wahl überlassen wir Euch…die Kinder bekommen Nudeln mit Soße und Salat…“ orderte sie.
„Sehr wohl Mylady…“ Minnie verbeugte sich tief und verschwand wieder. Hermine schmunzelte über die Aufmachung der noch recht jung aussehenden Hauselfe. Da sie ja immer bemüht war, es den Elfen so schön wie möglich zu machen, hatte sie erst vor einigen Jahren deren Quartiere komplett neugestaltet. Außerdem hatte Hermine stapelweise neue, bunte Geschirrtücher in der Muggelwelt besorgt, die den Elfen als Kleidung dienten. Und Minni trug eins von den rosafarbenen, die mit Kindermotiven bedruckt waren. Cassy hatte sie letztes Jahr ausgesucht und den Hauselfen schienen sie gut zu gefallen.

Draco kam eine halbe Stunde später wieder in die Bibliothek. Er war ziemlich bleich, aber wirkte gefasst. Dankbar nahm er das Glas Wein an, das Hermine ihm reichte.
„Und? Schon etwas gefunden?“ fragte er, nachdem er sich für seine Abwesenheit entschuldigt hatte.
„Leider nicht. Alles Sackgassen…aber wir geben die Hoffnung nicht auf…“ meinte Sean, der mit Hermine zusammen nun schon mehrere Stapel aufgerufen und durchsucht hatte.
Draco nahm eins der Bücher, die Hermine zur Seite gelegt hatte und sah verwundert auf den Titel.
„Wunschkind?“ fragte er.
„Von deinen Eltern…scheint, sie hätten dir wirklich gerne auch ein Geschwisterchen geschenkt…ich dachte, es kann nicht schaden, es einmal durchzulesen…“ Hermine zuckte mit den Schultern.
„Na ja, so lange der Fluch auf mir liegt, wird es nichts bringen…meinst du, sie wussten davon?“ Draco sah Hermine fragend an.
„Ich denke nicht. Sie haben sehr viele solcher Bücher gekauft…“ erklärte sie.
„Ich kann es mir auch nicht vorstellen. Vielleicht sind wir die ersten, die überhaupt darauf gestoßen sind. Man erwartet so was ja nicht, nur weil es mit der Familienplanung nicht so klappt, wie man will…“ vermutete Draco.
Sean ließ den nächsten Stapel aus den Regalen erscheinen und alle drei vertieften sich in die Suche. Ohne Erfolg. Als Harry gegen halb sieben mit den Kindern kam, hatten sie keinerlei Fortschritte gemacht. Draco war so frustriert, dass er das Buch, das er gerade durchgeblättert hatte in eine Ecke pfefferte, bevor er Harry begrüßte und Sean vorstellte.

„Draco, du siehst echt schlecht aus…“ war Harrys Meinung, als sie alle gemeinsam in den Salon gingen.
„Ist doch kein Wunder, stundenlang suchen wir und NICHTS!“ brummte Draco los, so dass Harry erschrocken zurückwich und Hermine einen ratlosen Blick entgegenwarf.
„Es ist ziemlich frustrierend, eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Aber momentan unsere einzige Chance, irgendwas herauszufinden…“ sagte sie leise und deutete Draco an, dass er schon mal ins Esszimmer gehen sollte.
„Magst du mit uns essen?“ bot sie Harry an, aber der schüttelte den Kopf.
„Danke, aber Ginny wartet zuhause mit dem Abendessen.“ lehnte er ab.
„Geht es ihr besser?“ fragte Hermine nach.
„Ja, sie ist nur sehr müde im Moment. Und ihr Rücken macht ihr zu schaffen…“ Harry seufzte leise.
„Das hatte ich auch bei beiden Schwangerschaften. Draco gibt gute Massagen. Waren die Kinder denn artig?“ war Hermines nächste Frage.
„Ja, alles super. Euer Sohn hat sogar in den Topf gepinkelt, bevor wir los sind. James war wohl ein gutes Vorbild.“ Jetzt grinste Harry.
„Echt? Hier verweigert er sich immer noch. Egal, was wir versuchen oder womit wir ihn locken, er mag einfach nicht…“ Hermine sah verwundert aus.
„Vielleicht wollte er mich beeindrucken. Allerdings hat er das zunichte gemacht, als er unterwegs ein großes Geschäft gemacht hat. Auch recht eindrucksvoll, aber mit anderer Wirkung…“ Harry lachte und Hermine musste ebenfalls kichern.
„Leo hat eine wirklich gute Verdauung. Das ist wohl das Einzige, das er nicht von seinem Vater geerbt hat…“ schmunzelte Hermine. „Bringst du James dann am Mittwoch vorbei, oder sollen wir ihn holen?“ fragte sie.
„Wir bringen ihn vorbei.“ Harry umarmte Hermine kurz. „Wir sehen uns dann. Und haltet die Ohren steif…wir haben auch alle Fühler ausgestreckt…irgendeine Lösung wird es schon geben.“ sagte Harry leise.
„Danke, wir wissen eure Hilfe wirklich zu schätzen…“ Hermine lächelte.

xxx

Die nächsten drei Tage verliefen genauso erfolglos, wie der Sonntag. Mittwochs kam Sean erneut vorbei und half Hermine bei der Suche, während Draco die Kinder hütete. Zumindest war das der Plan gewesen, doch schon nach einer Stunde fand Hermine ihren Mann völlig aufgelöst im Salon, der aussah wie ein Schlachtfeld. Scheinbar war es ihm auf einmal zu viel, drei Kinder zu versorgen. Äußerst besorgniserregend.
„Schatz? Was ist hier passiert?“  fragte sie nach. Die Kinder saßen auf dem Boden und spielten und Draco heulte auf dem Sofa. Ein Anblick, der Hermine wirklich erschütterte.
„Ich weiß es nicht, ich bin irgendwie gerade mit allem überfordert…“ gab Draco zu. Er seufzte und sah Hermine verzweifelt an.
„Du machst mir Sorgen, Draco, ernsthaft. Normalerweise macht es dir doch nichts aus, auf die Kinder zu achten…du kommst immer so gut klar…“ Hermine bekam einen bekümmerten Gesichtsausdruck.
„Ich bin so müde. Schon seit Tagen…alles ist zu viel und ich kann gerade einfach nicht mehr. Es tut mir leid, Hermine…“ Draco schüttelte traurig den Kopf.
„Du gehst jetzt hoch und legst dich erstmal hin. Ich werde Sean bescheid sagen, dass ich die Kinder hüte und nicht beim Suchen helfen kann. Morgen und übermorgen kümmern wir uns einfach mal nur um uns und das Packen für den Urlaub, und Samstag fahren wir ans Meer und genießen die Woche dort. Ich denke, es ist Zeit, eine Pause einzulegen. Das bringt so alles nichts…es gefällt mir nicht, wie es dir geht…und ich will einfach nicht, dass das ausartet…“ beschloss Hermine. Draco widersprach nicht, er nickte nur und stand auf, um den Raum zu verlassen, ohne ein weiteres Wort.
Es gefiel Hermine ganz und gar nicht, wie Draco sich verhielt. Das hier schien nun wirklich in einen Rückfall auszuarten und sie hatte noch keine Ahnung, wie sie das verhindern sollte.
Irgendwie war gerade alles zum Verrückt werden!
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