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Die wahren Opfer der Reinblütigkeit

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger OC (Own Character)
06.10.2021
22.11.2021
48
127.256
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13.10.2021 2.205
 
Teil 8 – Erinnerungen



Tatsächlich dauerte es ganze drei Tage, ehe Draco wieder auf den Beinen war. Hermine hatte sich während dieser Zeit aufopferungsvoll um ihre Kinder und ihren kranken Mann gekümmert und war wirklich erleichtert, als es ihm endlich besser ging.
„Ich habe mit dem Heiler gesprochen. Du sollst die Tränke noch zwei Tage weiter nehmen, möglichst viel ruhen und versuchen, regelmäßig zu essen…er macht sich ein wenig Sorgen wegen deines Gewichts…“ sagte Hermine am Samstagmorgen beim Frühstück, als Draco sich das erste Mal wieder aus dem Bett gewagt hatte.
„Ich bin halt immer schon dünn gewesen…“ war Dracos Kommentar dazu.
„Aber du hast in den letzten Tagen so gut wie nichts bei dir behalten. Wenn man eh schon sehr wenig wiegt, dann ist das schnell kritisch…“ Hermine zückte ihren Zauberstab und hielt ihn an Dracos Brust.
„Morbi Cognitio!“ war der einfache Diagnosezauber, den auch Heiler in der Regel als erstes benutzen. „59 Kilogramm…das ist echt zu wenig…das sind zweieinhalb Kilo weniger, als am Mittwoch…du hast wieder Untergewicht…“ Hermine schüttelte den Kopf und legte Draco eine weitere Scheibe Brot auf den Teller. Der seufzte resignierend. „Damals in Hogwarts habe ich nur 48 Kilogramm gewogen…“ merkte er an.
„Erschreckend wenig. Du sahst auch aus wie ein Gerippe…gruselig!“ Hermine schüttelte tadelnd den Kopf. „Jetzt sieh zu, dass du wieder zulegst…du brauchst die Kraft…“ Draco nickte und begann das Brot zu belegen.
„Außerdem wollte ich dich was fragen. Heiler Sebastianus erzählte, dass du auch schon als Kind dieses nervöse Fieber hattest. In der ersten Klasse…möchtest du erzählen, was da los war?“ fiel Hermine nun mit der Tür ins Haus. Sie hatte in den letzten Tagen immer wieder darüber nachgedacht. Einfach, weil Draco als Elfjähriger so gar nicht den Eindruck gemacht hatte, als würde ihn irgendwas belasten, außer vielleicht ein wenig Heimweh, was wohl jeder Erstklässler gehabt hatte. „Ich meine, wir müssen nicht darüber reden, was im Sommer vor der sechsten Klasse war, das haben wir ja alles schon besprochen. Aber was war damals los?“ Hermine sah Draco fragend an und der räusperte sich lautstark.
„Willst du das wirklich wissen?“ fragte er nach und Hermine nickte.
„Ich finde es wichtig. Auch wenn es lange her ist, es tut immer gut, über solche Dinge zu sprechen, das weißt du doch…“ Jetzt nickte Draco. Auch wenn er ungerne über diese Vorfälle nachdachte, er verstand genau, was Hermine meinte.
„Okay, aber dann nachher, wenn die Kinder beschäftigt sind…ich möchte nicht, dass sie das mitanhören müssen…“ war Dracos Forderung.
„Aber sicher…“ Hermine lächelte.

Nicht viel später hatte Hermine die Kinder mit Nonny nach oben geschickt, wo sie beschäftigt werden sollten. Dann sah sie Draco an und nickte. Er atmete tief durch.
„Ich wurde ziemlich schlimm geärgert. Von ein paar älteren Jungs aus meinem Haus. Also geärgert ist vielleicht das falsche Wort. Sie haben mich regelrecht zu Tode geängstigt. Crabbe und Goyle waren zwar meistens in meiner Nähe, aber sie konnten mir da auch nicht helfen, sie wurden eher auch zu Opfern. Ich bin auch nicht unschuldig an der Situation. In meinen ersten Wochen habe ich mich oft danebenbenommen. Die Jungs, es waren drei aus der Fünften, waren halt blöderweise gerade da, als ich mich echt dämlich verhalten habe und ich habe sie beschimpft. Dann haben sie den Spieß umgedreht und mir wirklich Angst eingejagt. Und das ging wochenlang so. Sobald ich ihnen über den Weg lief, haben sie mich gehänselt, mir dumme Namen gegeben und mich mit ihren Zauberstäben bedroht. Es wurde immer schlimmer. Und dann, kurz vor Weihnachten…oh Mann erzähl das bitte niemals irgendwem…also, ich hatte damals schon Probleme mit…du weißt schon was…und nachdem ich einmal in der Nacht von Professor Snape in den Krankenflügel gebracht worden war, weil ich so schlimme Schmerzen hatte, bekam ich alle zwei Tage diesen Trank für die Verdauung. Und der wirkte meistens nach dem Frühstück und das recht nachdrücklich…“ Draco machte eine Pause und sah Hermine etwas verlegen an.
„Keine Sorge, das bleibt unter uns...“ Hermine zwinkerte ihm zu.
„Jedenfalls musste ich ziemlich dringend wohin…bin also zu den Waschräumen an der großen Halle. Und da waren SIE. Sie haben mich festgehalten, mir ihre Zauberstäbe an die Kehle gehalten und damit gedroht, mich zu verfluchen. Ich war erst elf, ich hatte keine Chance, mich gegen drei große Jungen zu wehren…und dann haben sie mich ausgelacht, als ich mir nach ein paar Minuten in die Hose machte, vor lauter Angst und weil es wirklich nicht mehr zu halten gewesen war…und…dann haben sie mich einfach dort gelassen, als die Glocke für den Unterricht ging. In diesem Waschraum, mit…nun ja, du weißt schon…ich habe mich so furchtbar geschämt und wusste nicht, was ich machen sollte…Reinigungszauber kannte ich noch nicht…“ Draco schüttelte fassungslos den Kopf bei dieser Erinnerung. „Es war so grauenhaft!“
„Kann ich mir vorstellen…“ Hermine war wirklich geschockt von dieser Erzählung. Gerade der Junge, der andere immer geärgert hatte, war selber zum Opfer von Bullys geworden. Dennoch tat ihr der kleine Draco gerade wirklich leid.
„Ich wollte einfach nur noch nach Hause, bin in Tränen ausgebrochen…niemand kam…alle waren mittlerweile im Unterricht…erst nach der ersten Doppelstunde kam Professor Snape, weil wir ja eigentlich Zaubertränke gehabt hätten…und ich fehlte…und irgendwer ihm wohl sagte, dass ich aufs Klo gegangen war…“
Draco schluckte, alleine die Erinnerung löste furchtbare Gefühle aus.
„Jedenfalls hat Onkel Severus…also Professor Snape…“ Hermine sah ihn amüsiert an und Draco schnaubte leise. „Jedenfalls hat er mich mit einem Zauber gesäubert und sofort in den Krankenflügel gebracht, weil ich so geweint habe und mich nicht mehr beruhigen konnte…und da bekam ich dann kurz danach dieses hohe Fieber…musste immerzu erbrechen und so weiter…bin dann am nächsten Tag nach Hause geholt worden, weil ja eh beinahe Ferien waren…und sie halt dachten, ich sei einfach nur krank…“ Seufzend griff Draco nach seiner Teetasse und nahm einen tiefen Schluck.
„Ich habe niemandem die Wahrheit erzählt. Zwei Wochen war ich zuhause, todkrank und ich habe keinen Ton gesagt…aber dann hat Vincent Crabbe mit meinen Eltern geredet und danach habe ich auch alles erzählt. Um ein Haar hätte Vater doch noch durchgesetzt, dass ich nach Durmstrang komme…er war so unendlich wütend und wollte mich von der Schule nehmen…nun ja…jedenfalls hat er dafür gesorgt, dass es aufhört. Ich weiß nicht wie…als ich im neuen Jahr zurückkam, waren die Jungs nicht mehr da…habe sie nie wieder gesehen…“ Draco zuckte mit den Schultern und Hermine wollte auch lieber gar nicht wissen, wie genau Lucius Malfoy dieses Problem „gelöst“ hatte.
„Das ist wirklich schlimm…ich verstehe nur nicht, wie du dich nach diesen Ereignissen selber so böse verhalten konntest…“ sagte sie leise. „Du wusstest doch schließlich, wie schlimm das für das Opfer ist…“
„Keine Ahnung…ich denke, es war Frust…oder Wut oder was auch immer…ich war ja vorher auch nicht gerade ein braver Engel gewesen…oder?“ Draco zuckte mit den Schultern.
„Das stimmt wohl. Danke, dass du es mir erzählt hast. Ich denke, es ist wichtig. Nicht für unsere Probleme hier, aber für dich.“ Hermine stand auf und nahm Draco in den Arm. „Und du hast Professor Snape wirklich Onkel Severus genannt?“ Sie musste es einfach noch mal ansprechen, das war zu niedlich! Draco grinste.
„Ja, ich kannte ihn schon seit ich kaum laufen konnte. Er war ja ein Freund meiner Eltern. Aber in der Schule habe ich ihn natürlich nicht so genannt!“ Er küsste Hermine auf die Wange.
„Irgendwie süß, schade, dass dir das nie im Unterricht rausgerutscht ist. Das wäre wirklich witzig gewesen…so wie Neville mal ausversehen Oma zu Minerva gesagt hat…“ Hermine zwinkerte.
„Zum Glück nicht!“ Draco lachte, wurde dann aber ernst. „Schreiben wir dann jetzt endlich an Sean? Vielleicht kann er zeitnah kommen…“ wechselte er das Thema.
„Ja klar…machen wir sofort.“ Hermine nickte.

xxx

„Sean hat geantwortet. Wenn es uns passt, würde er heute noch kommen…“ berichtete Draco am nächsten Morgen beim Frühstück. Er reichte das Pergament an Hermine weiter und die nickte.
„Perfekt, ich sende sofort eine Eule. Am besten schicken wir die Kinder mit Nonny auf den Spielplatz. Eigentlich finde ich das nicht so schön, aber ich denke, wir sollten beide mit ihm reden. Oder ich frage Ginny noch mal.“ überlegte Hermine. Sie wollte ihre Kinder einfach von dieser Sache fernhalten.
„Bist du denn wieder fit genug? Nicht, dass du noch einen Rückfall erleidest…“ wandte sie sich nun ernst an Draco.
„Klar. Mir geht’s wieder blendend…“ Draco nickte als Bestätigung seiner Aussage. „Ich habe auch meine Tränke schon genommen…“ fügte er noch hinzu.
„Brav…“ Hermine kicherte.
Aus dem Salon, wo die Kinder waren, erklang ein lautes Klirren. Draco stand sofort auf, um nach dem Rechten zu sehen.
„Daddy! Er hat es umgeworfen!“ Cassy deutete auf ihren kleinen Bruder und die Scherben von etwas, das aussah, wie eine von Narcissas geliebten Vasen. Draco schüttelte den Kopf.
„Was habe ich euch gesagt? Im Salon wird nicht getobt! Ihr habt DA eure Spielecke!“ schimpfte er und deutete auf den Spielteppich am Fenster. „Leo, wieso hast du die Vase überhaupt angefasst?“ fragte er nun den kleinen Schuldigen, der ihn mit großen Kulleraugen ansah. Anstatt einer Antwort, schob sich die Unterlippe des Jungen vor. Draco tätschelte ihm den Kopf und nahm ihn auf den Arm. Diesem Kind konnte man einfach nicht böse sein!
„Du brauchst jetzt nicht schmollen, Leo…und überhaupt…hast du in die Hose gemacht? Das riecht wirklich nicht nett…“ Draco rümpfte die Nase.
„Stinker!“ kicherte Leo, was Draco nun auch zum Lachen brachte.
„Okay, Daddy macht jetzt die Vase ganz und dann gehen wir hoch und machen dich sauber…Cassy, du spielst hier weiter, aber ruhig und ordentlich…Mummy kommt sicherlich gleich…“ ordnete Draco nun an. Cassy nickte brav und widmete sich ihrem Puppenwagen. Mit dem Zauberstab reparierte Draco die Vase und stellte sie wieder auf ihren Platz. Dann brachte er Leo nach oben.

„Leo hat schon wieder einen Riesenhaufen in der Hose gehabt. Ich glaube, er wird niemals sauber. Wir schicken ihn wahrscheinlich noch in Windeln nach Hogwarts…“ beschwerte sich Draco, als er nach einer Weile mit Leo wieder nach unten kam. Er stellte den Jungen in der Spielecke ab und setzte sich dann zu Hermine auf eins der Sofas.
„Ach was, das wird schon. Deinen Fotoalben nach bist du auch erst mit drei auf den Topf gegangen…er hat also noch ein halbes Jahr…“ Hermine kicherte. „Er schlägt halt voll nach seinem Vater…“ Sie kitzelte Draco am Bauch und der kicherte albern.
„Ich hab mit Sean gerade im Kamin gesprochen. Er kommt so gegen zwei. Habe ihn auch gleich zum Abendessen eingeladen. Denke mal, wir werden sicher länger beschäftigt sein. Harry holt die Kinder um zwölf ab. Ginny fühlt sich heute nicht so gut, aber er wird mit ihnen einen kleinen Ausflug machen und bringt sie zum Abendessen zurück…habe dafür versprochen, dass wir am Mittwochnachmittag James nehmen, wenn sie den Untersuchungstermin im Krankenhaus haben…“ berichtete Hermine von ihren Beschäftigungen.
„Sehr schön. Dann ist ja alles geregelt…“ Draco grinste und sah dann auf seine Armbanduhr. „Es ist erst zehn, ich denke, ich gehe mit den Kindern noch ein Stündchen raus, damit sie gleich nicht so aufgedreht sind. Leo hat schon wieder eine von Mums wertvollen Vasen zerdeppert, weil er hier getobt hat…“ meinte er mit einem leisen Seufzen und stand dann auf.
„Kinder haben halt viel Energie…ich werde in der Bibliothek schon mal ein bisschen was vorbereiten und dir tut die frische Luft sicher gut. Tob dich auch gut aus…“ Hermine gab Draco einen leichten Klaps auf den Po und der sah sie gespielt böse an.

Pünktlich um zwei kam Sean im Manor an. Hermine und Draco waren beide sehr aufgeregt, hatten aber schon Tee und Gebäck geordert und alles an Unterlagen, was sie bisher zusammengetragen hatten, auf dem großen Tisch ausgebreitet. Die erste Stunde verbrachten sie damit Tee zu trinken und Sean alles über den Fluch zu erzählen, was sie bisher wussten.
„Das hört sich wahrlich nicht gut an. Besonders die Tatsache, dass der Fluch trotz den Bruchs der Reinblütigkeit noch an euren Sohn weitergegeben wurde, deutet auf etwas wirklich Mächtiges hin. Immerhin scheint ein Teil bereits gebannt zu sein. Eure Tochter wurde gesund geboren, sicherlich, weil Hermine kein Reinblut ist. Und ich denke, sollte Leo später einmal ebenfalls keine reinblütige Frau heiraten, sollte auch der andere Teil des Fluches gelöst sein. Er wird es vielleicht an seine Kinder nicht mehr weitervererben, das denke ich zumindest. Aber das hilft euch ja in der jetzigen Situation auch nicht weiter…“ sagte Sean, bevor er den großen Stapel Bücher zu sich zauberte, den er mitgebracht hatte. „Das sind alle Bücher, die ich bei mir habe und die alte Flüche behandeln. Ich habe einige Seiten markiert, die vielleicht in Frage kämen. Allerdings gibt es so viele Möglichkeiten, dass wir eher bei euch suchen sollten. Ich gehe nämlich auch davon aus, dass dein Vorfahre den Fluch aus einem der Bücher hier in der Bibliothek hat. Und das bedeutet, wir müssen suchen.“ Sean sah Hermine und Draco etwas bedrückt an. Alle wussten, dass dies unglaublich viel Zeit in Anspruch nehmen würde.
„Dann würde ich sagen, wir fangen sofort an…“ beschloss Hermine. Ihnen blieb ja keine andere Möglichkeit.
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