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Tempus Fatum

von Sira-la
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Het
Blaise Zabini Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Severus Snape
05.10.2021
05.12.2021
13
22.915
21
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25.11.2021 1.767
 
Kapitel 11: Ein Tag im Schnee
Der Weihnachtsmorgen kam und Draco wurde von einer Welle von Heimweh überrollt. Es war Jahre her, dass er diesen Tag mit seinen Eltern verbracht hatte. Wenn der Ball nicht gewesen wäre, hätte er gar nicht erst darüber nachgedacht, über die Weihnachtstage in Hogwarts zu bleiben. Aber seine Eltern hätten ihm niemals abgekauft, dass er kein Interesse an dem Ball hatte, also würde Draco sie erst in ein paar Tagen wiedersehen.
Gedankenverloren packte er seine Geschenke aus und stellte erstaunt fest, dass sich der Stapel vor seinem Bett von seiner Erinnerung unterschied. Kurz darauf schalt er sich einen Narren. Natürlich bekam er diesmal andere Geschenke, das letzte Mal war er ja schließlich nicht mit den Gryffindors befreundet und auch Blaise war mehr Klassenkamerad als echter Freund gewesen.
Draco grinste, als er das Geschenk von Hermine auspackte. Es war ein Buch, was wenig überraschte. ‚Die größten Entdeckungen und Erfindungen – Ein Überblick quer durch alle Zeiten‘ stand in großen dunkelblauen Buchstaben auf dem Einband. Neugierig schlug Draco es auf und stellte schnell fest, dass es sich um ein Muggelbuch handeln musste. Keines der Bilder bewegte sich. Er blätterte zurück auf die erste Seite und bemerkte erst jetzt die Widmung, die Hermine hineingeschrieben hatte: ‚Damit das Reinblut sieht, dass auch Muggel Intelligenz besitzen. Viel Spaß beim Lesen und Staunen.
Draco war sich sicher, dass er den haben würde, und er war wirklich neugierig, was die Muggel noch so alles erfunden hatten. Vielleicht würde er in diesem Buch sogar erfahren, warum sie solche Atombomben gebaut hatten und wie dieses Internet funktionierte. Zu seiner Erleichterung stellte er fest, dass diese Erinnerung nicht mehr so weh tat wie noch vor einem Monat.
Den Vormittag verbrachte er zusammen mit Blaise und den Greengrass-Schwestern im Gemeinschaftsraum. Sie spielten Karten und Draco genoss es, dass Astoria im Laufe der Runden immer näher zu ihm rutschte. Schließlich konnte er einen Arm um ihre Schultern legen. Natürlich verlor er das Spiel haushoch, weil sie jetzt in seine Karten schauen konnte, aber das kümmerte ihn nicht.
Es war viel zu lange her, dass er sie so gehalten und sie sich an ihn gekuschelt hatte. Dass er sie geküsst hatte. Aber für einen Kuss war es jetzt wohl noch zu früh. Draco lächelte. Vielleicht heute Abend. Am letzten Weihnachtsfest, an das Draco sich erinnern konnte, hatte Astoria ihm erzählt, sich damals gewünscht zu haben, mit ihm auf den Trimagischen Weihnachtsball zu gehen. Und dass sie, obwohl sie erst in der zweiten Klasse gewesen war, von ihrem ersten Kuss unter einem der glitzernden Mistelzweige geträumt hatte.
Draco zog Astoria näher an sich. Er würde ihren Traum wahr werden lassen. Und dann dafür sorgen, dass sie nicht starb, bevor sie überhaupt die Volljährigkeit erreicht hatte. Er musste noch einmal mit Severus reden. Vielleicht könnten sie in den Ferien auch noch nach Gringotts gehen und diesen Horkrux aus dem Verlies der Lestranges holen.

Nach dem Mittagessen gingen sie zu viert nach draußen. Die Schneedecke war beinahe unberührt. Astoria sah sich mit strahlenden Augen um. Draco erinnerte sich, dass sie sich eine Winterhochzeit gewünscht hatte. Auch das war ein Wunsch, den er gedachte, ihr zu erfüllen.
„Hey Draco. Blaise.“ Harry und Hermine traten zu ihnen.
„Harry.“ Draco nickte ihm zu. „Hermine. Danke für das Buch.“
Sie grinste ihn an. „Danke ebenfalls“, meinte sie.
Draco grinste. Er hatte ihr gemeinsam mit Blaise ein Paket mit ziemlich teuren Pflegeprodukten zusammengestellt. ‚Damit du dich auf dem Ball noch hübscher machen kannst, als du bist‘, hatten sie auf die Karte geschrieben. Astoria und Daphne hatten ebenfalls solche Pakete erhalten. Zwar hatte es keine der drei nötig, aber Draco hatte sich daran erinnert, wie lang die Slytherin-Mädchen letztes Mal gebraucht hatten.
Astoria sah fragend zwischen ihnen hin und her. „Ihr vertragt euch?“, wollte sie erstaunt wissen. „Das sind doch Gryffindors.“
Draco nickte. „Astoria, Daphne, das sind Harry und Hermine. Harry, Hermine, das sind Astoria und Daphne.“ Er zuckte mit den Schultern. „Snape hat uns doch Anfang November Nachsitzen aufgebrummt. Wenn man jeden Samstag gemeinsam verbringen muss, verträgt man sich halt irgendwann.“ Das war zwar nicht ganz das, was passiert war, aber was sollte er sonst sagen? Er grinste. „Dafür, dass die beiden Gryffindors sind, sind sie ganz in Ordnung.“
Harry rollte mit den Augen. „Für Slytherins seid ihr auch akzeptabel.“
Bevor noch jemand etwas sagen konnte, knallte plötzlich ein Schneeball gegen Blaises Brust. „Was zur?“
Harry drehte sich um. „Ron“, knurrte er.
Auch Draco konnte jetzt drei Rotschöpfe sehen: das Wiesel und die Chaos-Zwillinge. „Entschuldigt uns bitte, meine Damen. Aber …“
„Das schreit nach Rache“, beendete Blaise den Satz für ihn.
„Auf jeden Fall“, stimmte Harry zu.
Hermine sah die Greengrass-Schwestern an. „Wollt ihr da mitmachen? Oder suchen wir uns lieber einen Platz zum Zusehen?“
„Ich mach mit“, sagte Astoria zur allgemeinen Überraschung. Draco hatte zwar gewusst, dass sie den Winter liebte, aber bei einer Schneeballschlacht hatte er sie noch nie gesehen. Daphne dagegen folgte Hermine ein Stück zur Seite.

Sie lachten viel an diesem Nachmittag. Astoria war keine gute Werferin und so bekamen Harry, Blaise und Draco vermutlich mehr Bälle von ihr ab als ihre Gegner. Aber keiner von ihnen ließ sich davon stören.
Auch die Weasley-Zwillinge lachten viel und oft und achteten darauf, nicht auf das Mädchen zu zielen, was Draco ihnen hoch anrechnete.
Ron dagegen zielte hauptsächlich auf Harry. Jeder Wurf wurde von einem Fluch begleitet. „Verräter“ war dabei noch das Harmloseste.
Draco hätte ihn am liebsten stumm gehext, aber er hatte doch etwas Angst davor, was die Zwillinge mit ihm anstellen würden, wenn er ihren Bruder verfluchte. Zu gut erinnerte er sich an Umbridge und dieses verdammte Feuerwerk, das einfach nicht hatte aufhören wollen.
Dann überraschten die Zwillinge Draco aber damit, dass sie selbst ihre Zauberstäbe auf Ron richteten.
„Jetzt reicht es aber wirklich.“
„Du hast dir selbst zuzuschreiben, dass Harry nicht mehr mit dir befreundet sein will. Silencio.
Incarcerus. Kühl dich ein bisschen ab.“
Die Zwillinge steckten ihre Stäbe wieder weg und kamen zu ihnen herüber. Den jetzt gefesselten Ron, der stumm vor sich hin brüllte, ließen sie einfach im Schnee liegen.
Harry warf ihm einen kurzen Blick zu, dann wandte er sich ab. „Danke.“
„Ihr seht ja wirklich genau gleich aus. Wer von euch ist wer?“, wollte Astoria wissen. Ihre Mütze war verrutscht und ihr Haar zerzaust, aber ihre Augen strahlten immer noch.
„Fred“, sagte der rechte Zwilling.
„George“, sagte der andere.
„Freut mich, euch kennenzulernen. Ich heiße Astoria.“ Sie knickste leicht und Draco grinste, als er die perplexen Gesichter der Zwillinge sah.
„Das hat Spaß gemacht“, meinte er.
„Oh ja, das hat es“, stimmte Blaise zu. „Wollen wir noch ne Runde?“
Fred und George wirkten noch verwirrter.
Harry grinste sie an. „Die sind in Ordnung. Obwohl sie Slytherins sind.“
Fred musterte erst ihn, dann Draco und Blaise. „Wenn du das sagst, Harry.“
George dagegen bedachte sie mit einem misstrauischen Blick. „Wenn das ein Trick ist …“
Draco hob die Hände. „Hermine hat mich schon gewarnt“, beteuerte er. Er schaute kurz zu ihr. Sie schien sich mit Daphne zu unterhalten.
George folgte seinem Blick. „Gryffindors und Slytherins …“
Fred zuckte mit den Schultern. „Wenn sie uns nicht verfluchen.“
Blaise feixte. „Wir machen euch auch ohne Zauber fertig. Schließlich sind wir in der Überzahl.“
„Sicher?“ Harry zog seine Augenbrauen hoch. „Wie wäre es mit einer Runde Gryffindor gegen Slytherin?“
„Verräter“, sagte Blaise, aber sein Tonfall machte deutlich, dass er scherzte.
Harry lachte. „Du hast jetzt doch nur Angst, dass wir euch besiegen, Blaise.“
„Träum weiter“, sagte Draco.
Natürlich verloren sie. Astoria bemühte sich zwar wirklich, aber sie konnte einfach nicht gut zielen. Außerdem rief Daphne sie mitten im Spiel weg, damit sie sich für den Abend fertig machen konnten. Auch Hermine ging zu diesem Zeitpunkt zurück ins Schloss und so stand es plötzlich zwei gegen drei. Draco und Blaise hatten keine Chance gegen die Gryffindors, aber es machte ihnen allen dennoch unglaublich viel Spaß, wie am Ende sogar die Zwillinge zugaben.
„Jetzt brauch ich aber ne heiße Dusche, bevor der Ball am Abend losgeht“, meinte Harry.
Blaise stimmte zu. „Wenn die Mädchen sich drei Stunden nehmen, um sich vorzubereiten, sollten wir schauen, dass wir uns auch ein bisschen herausputzen.“

***

Der Gemeinschaftsraum war brechend voll, als sie ihn „perfekt geschniegelt und gestriegelt“, wie Blaise sagte, betraten. Zum Glück entdeckten sie Astoria und Daphne recht schnell. Die beiden standen in der Nische neben den Bücherregalen.
„Ihr seht umwerfend aus“, sagte Draco.
„Umwerfend“, wiederholte Blaise.
Astoria und Daphne lächelten geschmeichelt. Mit ihren dunkelgrünen Kleidern aus fließendem Stoff und den dazu passenden Festumhängen sahen sie beinahe aus wie Zwillinge. Ihre Haare hatten sie zu kunstvollen Frisuren hochgesteckt.
„Ihr seht auch schick aus“, sagte Daphne.
Draco strich über seinen Samtumhang. Es war eine Weile her, dass er eine festliche Robe getragen hatte, und er fühlte sich nicht wirklich wohl darin. In den letzten Jahren hatte er gelernt, dass es von Vorteil war, sich frei bewegen zu können, und der schwere Stoff schränkte ihn doch etwas ein. Draco rief sich in Erinnerung, dass er hier in einer anderen Zeit war. Er war in Sicherheit. Niemand würde ihn hier angreifen. Zumindest fast niemand, Ron würde er es nach den Geschehnissen am Nachmittag durchaus zutrauen.
Draco reichte Astoria seinen Arm und sie hakte sich bei ihm unter. Gemeinsam mit Blaise und Daphne verließen sie den Gemeinschaftsraum. Heute würde Slytherin nicht gemeinsam in die Große Halle gehen, also konnten sie einfach los. Obwohl vor allem die jüngeren Schüler so gut wie alle nach Hause gefahren waren, waren die Korridore ziemlich voll und in der Eingangshalle stapelten sich die Schüler beinahe. Die Türen zur Großen Halle waren wohl noch geschlossen.
„Champions zu mir“, schallte die Stimme von Professor McGonagall über den Lärm hinweg.
„Wir sehen uns dann später“, meinte Blaise und führte Daphne durch die Menge.
Astoria lächelte, als sie ihnen nachsah. „Daphne hat sich gefreut, dass er sie gefragt hat.“ Sie sah Draco an und lächelte noch breiter. „Und ich habe mich sehr gefreut, dass du mich gefragt hast.“
Er erwiderte ihr Lächeln. „Wieso hätte ich eine andere fragen sollen, wenn du dich doch im Schloss befindest?“
Sie senkte verlegen den Blick. „Ich dachte nicht, dass du mich bemerkt hast.“
Draco berührte sie sanft am Kinn und brachte sie so dazu, ihm in die Augen zu sehen. „Ich habe dich immer bemerkt“, sagte er leise.
Der laute Knall, als die Türen zur Halle aufgestoßen wurden, unterbrach den romantischen Moment. Astoria wandte sich hastig ab und zupfte an ihrem Rock. Sanft griff Draco nach ihrer Hand und lächelte, als sie ihn ansah. „Ich freue mich auf unseren ersten Tanz“, sagte er.
Sie lächelte. „Ich auch.“
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