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Unter dem Radar: Die Frau mit den Eisblauen Augen

von Julkaa03
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Familie / P18 / Gen
Hanna Becker Jule Polanski Klaus Wiebel Martin Fuchs Paul Richter Stephan Sindera
04.10.2021
30.09.2022
247
271.046
17
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Dieses Kapitel
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23.09.2022 1.088
 
„Wieso sollte man dich so was fragen?“, ich warf André einen kurzen Blick zu während ich mich bückte und unter das Auto vom Onkel Klaus sah. „Frag ich mich auch immer. Aber lass uns nun los gehen, hier scheint dein Hund nicht zu sein.“, schlug der Oberkommissar vor und wies die Straße hinunter. „Balu.“, erwiderte ich knapp und stiefelte los. „Ich nehme einfach mal an das das der Name von deinem Hund ist.“, lachte der hochgewachsenen Mann und kam mir hinterher.
„Er ist ein Rotweiler. Und total verschmust. Meine Eltern und ich haben Balu damals aus dem Tierheim geholt.“, weihte ich André ein und steckte meine Hände in meine Hosentaschen. „Ein Rotweiler?“, mein Begleiter bleib abrupt stehen und sah mich mit großen Augen an. „Ja, aber wie gesagt er ist verschmust. Und liebt es wenn man ihm am Bauch krault. Oder hinter dem linken Ohr. Wenn er müde ist aber nicht einschlafen kann, kraule ich ihn hinter dem rechten Ihr und dann dauert es keine drei Minuten und er schläft. Und schnarcht dabei.“, ich geriet richtig ins Schwärmen. „Im Grunde ist er wie du. Sieht aus als könnte er Steine zerbeißen würde aber nicht mal einer Fliege was zu leide tun.“, fügte ich schnell hinzu als ich den skeptischen Blick von André bemerkte.
„Ich hoffe einfach mal das du recht hast.“, murmelt setzte sich der Oberkommissar wieder in Bewegung, auch wenn er nun vorsichtiger schien.

Ich wusste nicht wie lange wir schon unterwegs waren, aber Balu blieb weiterhin verschwunden als wir am meinem Elternhaus ankamen. „Vielleicht ist er wieder rein gelaufen und schläft jetzt oben in deinem Zimmer?“, versuchte André mich aufzumuntern als ich mit hängenden Schultern den Kiesweg wieder entlang stampfte. Sofort legte ich einen Zahn zu und wollte durch die Terrassentür in das Haus eilen. Aber etwas in meinem Augenwinkel zog meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich.
Mitten im Garten, beleuchtet von einem Kreis Kerzen, stand ein Pfahl. Was mir aber den Boden unter den Füßen weg zog war das was auf dem Pfahl war. Nämlich etwas großes, dunkles und blutverschmiertes.
„B...Ba..Balu?“, wie ferngesteuert schlich ich auf den Pfahl zu und konnte meinen Blick nicht von der Spitze reißen. „Nicht Mila.“, André stellte sich mir in den Weg und riss mich so aus meiner Trance. Wortlos starrte ich ihn mit leeren Augen an während mein Kopf unter Hochdruck versuchte das gerade gesehene zu verarbeiten. „KOLLEGEN!“, brüllte André und versuchte durch winken das die Beamten, die noch immer in unserem Wohnzimmer gesellig beisammen saßen, auf uns aufmerksam zu machen.
Er schien Glück zu haben, denn ich hörte wie sich die Terrassentür öffnete, die Musik lauter wurde und nach und nach die anderen auf die Terrasse traten. „Matthäus? Hast du Mila einen Antrag gemacht?“, scherzte die angetrunkene Jule, die wohl die Kerzen auf dem Rasen entdeckt hatte. Stumm ging der angesprochene einen Schritt zur Seite und gab so wieder den Blick auf den Pfahl frei.
Entsetztes Keuchen war zu hören. Und zwei Schrittpaare die auf uns zueilten. „Ich hab die Wache an der Strippe. Brauchen wir auch einen RTW für...“, zwar lies Hannah den Satz unvollständig im Raum stehen, aber ich wusste das sie mich meinte. „Ich glaube schon. Kannst du nach Oli fragen. Oder Julia?“, bat mein Vater nach einem besorgten Blick in meine Richtung.
Ich wusste selber nicht wie ich mich fühlte. Es war als würde ich durch meine Augen fernsehen. Weder konnte ich mich bewegen noch sprechen. Aber ich bekam alles mit. Ich sah wie André sich wieder so hinstellte das ich den Pfahl nicht mehr sehen konnte. Wie meine Eltern sich vor mich stellten und auf mich ein redeten. Wie die anderen Beamten sich die Szene vor uns genauer Ansahen und wohl erste Mutmaßungen anstellten. Ich hörte sogar wie sich jemand erbrach, aber es war zu dunkel um was zu sehen.

„Schatz? Mila?“, Paul schob sich zwischen meine Eltern und mich und sah mir in die Augen. Bevor er aber noch etwas weiteres sagen konnte, tauchte Oliver neben ihm auf. „Gibt es bei euch Polizisten keine ruhige Zeit?“, versuchte er die Szene aufzulockern aber auch er schaffte es nicht das sich meine Schockstarre löste. „Alles klar, wir nehmen Mila mit. Paul kann mitkommen wenn er will.“, entschied der Notarzt und gab jemanden hinter mir mit einem Kopfnicken ein Zeichen. Zwei Hände legten sich auf meine Schultern und dirigierten mich so dass ich kurz darauf auf einer Bahre lag.

Entgegen meiner Vermutung das ich deswegen völlig ausrasten würde, blieb ich ruhig und war sogar erleichtert das ich von dem Pfahl weg kam. „Paul fahr mit. Wir regeln alles von hier. Ich bin mir sicher das du derjenige bist, der von uns allem am ehesten zu ihr durchkommst.“, rief Papa uns hinterher und klang als würde er gerne selber mitkommen. „Keine Sorge Fuchs. Ich passe gut auf sie auf.“, erwiderte mein Freund und behielt mich fest im Blick.

Der Weg in die Klinik verging wie im Flug und nachdem meine Vitalwerte gecheckt wurden, wurde ich auch schon in ein kleines Krankenhauszimmer geschoben. „Du hast diesmal eine Mittbewohnerin. Silvia ist gerade im CT.“, informierte mich der Notarzt als er mein Bett an das Fenster schob und die Bremsen befestigte.
„Das ist doch nett. Auch wenn es nur für eine Nacht ist.“, fügte Paul hinzu und machst es sich auf dem Stuhl neben meinem Bett bequem. „Das ist es. Aber nun ruh dich aus.“, Oliver lächelte mich kurz an und flüsterte dann meinem Freund etwas in das Ohr. Daraufhin verzog Paul kurz sein Gesicht und nickte dann mit zusammengepressten Lippen.

Sobald die Stille ein das Zimmer kehrte begann mein Gehirn die letzten Stunden zu verarbeiten.
Ich sah mich mit Hannah und Jule auf dem Sofa sitzen und lachen. Wie ich mit Robin am Esstisch stand und mit ihm über die letzen Donuts stritt. Wie ich mit André Balu suchte und dann den Pfahl inmitten unseres Gartens entdeckte.
Aber wieder drehte ich nicht durch, ich atmete ein paar mal tief durch und sah dann zu Paul der mich noch immer keine Sekunde aus den Augen ließ. Seine Stirn lag in tiefen Falten und in seinen Augen glitzerten Tränen.
„Was ist denn los?“, wollte ich flüsternd von ihm wissen und hielt ihm meine Hand hin. „Fragst du das gerade wirklich?“, überrascht riss Paul seine Augen auf und ich ließ meine Hand wieder sinken.  „Wieso sollte ich nicht? Du bist mein Freund und ich will nicht das es dir schlecht geht.“, erklärte ich ihm und versuchte mich aufzusetzen, nur tat mir, unerklärlicherweise, jeder Knochen im Körper weh.
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