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Der grausame Dämon der in mir wohnt

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
04.10.2021
04.10.2021
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935
 
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Ich sitze auf meinem Bett und höre wieder jenes Lied.

Wieder "I belive in miricals". Ich blickte auf meine Narbe. Das Andenken, das von meinem Suizidversuch aus der Klinik übrig geblieben ist. Ich seufzte. Es ist bereits 09:05 Uhr. Doch es ist mir egal. Scheiss egal. Alles ist egal. Mein Leben... Einfach alles. Ich ziehe mich an.


Ich sitze draußen im Garten und rauche mir eine. Es ist mittlerweile 09:26 Uhr. Die Vögel zwitschern. Ob jetzt schon ein Drogerie-Geschäft auf hat ? Irgendein Geschäft, das mir die Erlösung verkaufen kann ? Meine Augen füllen sich wieder mit Tränen.

Warum denke ich über soetwas nach ? Ich habe viele Freunde, eine Familie die mich über alles liebt. Und trotzdem quälten mich diese Gedanken. Warum ? Ist der Tod wirklich das Ende ? Oder doch ein neuer Anfang ? Ich weiss es nicht. Doch ich werde es bald wissen.


Ich drücke die Zigarette aus. Es ist jetzt 09:31 Uhr. Der Bus ist weg. Soll ich das wirklich tun ? Ich brauche Hilfe. Ich bin am überlegen ob ich die Nummer gegen Kummer anrufen soll. Diese Leute sind ja dafür da, das man ihnen seinen Kummer anvertraut.


Aber schon wieder, wegen Suizidgedanken dort anrufen ? Doch was bleibt mir anderes übrig. Ich weiss ganz genau, sobald ich in der Stadt bin, werde ich mir Klingen holen, und es erneut versuchen. Soll ich Mama anrufen ? Doch sie wird bestimmt sauer sein, das ich noch nicht in der Arbeit bin. Oder meinen Psychologen ? Aber der schickt mich wieder in die Klinik. Auch diese Leute sind dafür da um Menschen wie mir zu helfen. Aber ich will nicht wieder in die Klinik.

Es ist mittlerweile 09:35 Uhr. Ich mache mich auf den Weg zum Bus.


09:44 Uhr:


Ich stehe an der Haltestelle und überlege, ob ich meinen Psychologen anrufen soll. Doch ich traue mich nicht. Ich habe Angst, zuzugeben das ich wieder diese Gedanken habe.

Ich warte auf den Bus. Bald ist es so weit. Bald kommt die Erlösung. Was heißt die Erlösung ? Ich komme in die Hölle. Wo noch mehr Leid und Schmerz ist. Doch es ist mir egal.


10:30 Uhr


Ich sitze mit zitterndem Körper bei Backfackturie auf Toilette. Ich habe es wirklich getan. Wieder höre das Lied "I belive in miricals". Tränen rollten meine Wangen hinunter. Verzweifelt versuche ich mich zu beruhigen. Doch es gelingt mir nicht.


Es tut weh, zu wissen, das ich alle zurück lassen werde. Meine Eltern, meine Familie, meine Freunde und Kollegen die mir so wichtig sind.


Ich denke an Steffan, der immer einen bekloppten Spruch raushaut.

Doch es ist lustig mit ihm. An Sandy, Thomas und Ingo. Auch mit ihnen ist es lustig.


Doch es ist zu spät. Ich habe mich für diesen Weg entschieden. Langsam packe ich die Rasierklingen aus. Tränen rollen meine Wangen hinunter.


Ich setzte die Klinge an meinem Handgelenk an, schließe die Augen und atme tief durch. Wieder höre ich dieses Lied. Mein Abschiedslied.

Das Letzte das ich höre, bevor ich diese Welt verlasse.


Ich schneide mit der Klinge in mein Fleisch. Es tut weh und Blut läuft aus dem Schnitt. Ich höre wie neben mir eine Tür aufgeht. Doch es ist mir egal.


Wieder schneide ich mit der Klinge in mein Fleisch. Noch mehr Blut läuft aus dem Schnitt. Doch es ist mir egal.


Mein Herz rast und Tränen rollen meine Wangen hinunter. Es tut weh. Doch ich mache weiter, in der Hoffnung meine Pulsader zu treffen.


Beim letzten Mal habe ich Glück gehabt und habe daraus gelernt. Ich muss also noch tiefer schneiden. Doch es tut weh. Jeder gottverdammter Schnitt tut weh. Doch ich muss noch tiefer kommen. Beim letzten Mal habe ich gedacht, das ich tiefer nicht komme. Doch es war ein Irrtum.


Schmerz durchfährt meinen Körper.

Ich beisse die Zähne zusammen. Es tut weh. Sehr weh. Doch ich mache weiter. Der nächste Schritt geht noch tiefer.


Ich denke an Andreas. Was wird er sagen, wenn seine Freundin tot ist ?

Er wird am Boden zerstört sein. Genau wie meine Eltern. Doch es ist zu spät. Ich habe mich für diesen Weg entschieden und nun gibt es kein zurück.


10:55 Uhr


Ich sitze am Westerntor und warte auf den Bus. Es war alles nur meine Fantasie. Eine grausame Fantasie. Ich war grade in einem Laden und habe mir was gekauft. Es war nicht billig. Doch es ist egal. Ich habe was woran ich mich erfreuen kann. Und dafür lohnt es sich zu leben.

Dieser wunderschöne Charm wird mich für immer daran erinnern, das ich nicht versucht habe mein Leben, das ja doch sehr schön ist, zu beenden.


Mama und Papa werden bestimmt wieder schimpfen. Aber es ist egal. Besser ich hole mit etwas treues, als das ich mir was hole, was mein Leben für immer beendet. Zumal man ja nicht weiss, was danach kommt. Der Himmel ? Oder für die Sünder, doch die Hölle ? Ich glaube nicht an Gott oder so. Wie kann ich an was glauben was ich nicht sehe und nur aus Erzählungen kenne ? Aber ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Und ich weiss, das Selbstmord eine Sünde ist und man in die Hölle kommt.


Ich bin glücklich, das ich es nicht getan habe und werde mein Leben genießen. Zumindest so lange, bis ich wieder den nächsten Einbruch habe. Aber hoffendlich dauert es noch.


Jetzt erfreue ich mich erstmal, an dem Charm an meinem Armband. Der Charm, der mich davor bewahrt hat, mein Leben für immer zu beenden.


Er war nicht billig. Aber es ist besser, ich zahle viel Geld für ein Schmuckstück, als im Suizidwarn mit meinem Leben.
 
 
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