Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die neue Tafelrunde

von limette02
Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Action / P16 / Het
Barty Crouch Jr. Draco Malfoy Kingsley Shacklebolt Merlin OC (Own Character)
04.10.2021
26.06.2022
37
141.339
9
Alle Kapitel
65 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
04.10.2021 3.393
 
Der sterbende Pfau

Flirrendes Licht fällt durch die schmalen, bunten Glasfenster ins Innere des Thronsaals der Festung Camelot. Das mächtige Schloss thront über einer Ebene mit sanften Hügeln und großen Felsbrocken. Obwohl die Sonne schon seit Tagen das Land beständig bescheint, vermag sie nicht, das Innere der steinernen Burg zu wärmen.
„Mein König!“ Der Zauberer Merlin betritt den Thronsaal. Er stützt sich auf einen langen, runenverzierten Stab. Seine seidenen Gewänder streichen wispernd hinter ihm über den steinernen Boden.
„Merlin!“ König Artus, groß und stattlich, erhebt sich von seinem prächtigen Thron und empfängt den Zauberer mit einer freundlichen Geste und voller Stimme. „Mein Freund. Bitte. Tretet ein!“
„Meine Königin!“ Merlin verbeugt sich vor Königin Guinevere, die schweigend und aufrecht auf ihrem Thron sitzt und seinen Gruß mit einem sanften Nicken entgegennimmt. Sonnenlicht fällt weich auf ihr Gesicht, spielt mit ihren dunklen Haaren und macht sie noch schöner. Später werden Sagenschreiber und Dichter über sie singen, sie sei die schönste Frau Britanniens gewesen. „Eure Gemahlin ist bezaubernd wie immer.“
„Ihr sprecht wahre Worte, Merlin. Nun: Was führt euch zu uns?“
„Ihr habt das Land geeint, Artus. Ihr seid ein guter, weiser König. Unter euch erblüht Britannien zu ungeahntem Ruhm. Und an der Tafelrunde vereint ihr die wichtigsten und größten Ritter der Zeit, zum Schutz des Landes.“
„Es tut gut, euer Lob zu hören. Aber ich weiß, dass mehr hinter euren Worten stecken muss. Ihr seht besorgt aus!“
„Mein König, darf ich frei sprechen?“
„Ich bitte euch. Was liegt euch auf dem Herzen?“
„Mein König… meine Königin… ihr werdet nicht auf ewig dieses Land regieren.“
Artus sieht zu seiner Gemahlin im Sonnenlicht hinauf. Sie ist es, die antwortete, mit leiser, glockenheller Stimme. „So hat es der Herr bestimmt. Niemand, außer ihm, wird ewig auf dieser Welt weilen.“
„Das ist wahr, Herrin. Aber es werden Zeiten kommen, in denen Britannien wieder gespalten ist und einer gerechten und klugen Führung bedarf.“
„Vor uns gab es viele gute Herrscher. Nach uns werden ebenso gute Herrscher kommen“, antwortet Artus gefasst.
„Ich habe in die Sterne gesehen. Es werden Zeiten kommen, dunklere, als wir sie jemals erfahren mussten. Viele gute Menschen werden ihr Leben lassen, es wird furchtbare Schlachten gebe, die Welt wird gespalten sein.“
„Wie schrecklich.“ Die Königin erhebt sich und tritt zu ihrem Mann, um seine Hand zu nehmen.
„Aber was können wir tun?“, fragt der König.
„Erlaubt mir, eure Majestäten, einen Zauber zu sprechen. Er wird es möglich machen, auch in Zukunft auf euren weisen und gerechten Rat zurückzugreifen. Irgendwann wird er nötig sein.“


Im Licht der aufgehenden Sonne sah das kriegsgeplagte Schloss aus wie ein verbranntes Gerippe. Immer noch schwelten Brände und Rauch schwebte in den goldenen Morgenhimmel. Asche regnete auf das verlassene Quidditch-Feld, die Gewächshäuser, den Verbotenen Wald und Hagrids sorgfältig angelegten, jetzt zerwühlten Kürbisfelder. Der Kraken war verschreckt in den See hinabgetaucht und die Peitschende Weide der Zerstörungswut der Todesser zum Opfer gefallen. Feuer und Tod lagen bleiern schwer über dem ruhigen Maimorgen.
In der Großen Halle war es still geworden. Die meisten Kämpfenden waren erschöpft, euphorisiert und trauernd zu ihren Familien zurückgekehrt oder hatten sich in den Schlafsälen, die McGonagall allen geöffnet hatte, schlafen gelegt. Nur noch die Toten lagen in der Großen Halle unter der magischen Decke, die langsam ihre goldene Farbe verlor und zu einem azurblauen Himmel wurde.
Kingsley Shacklebolt schloss behutsam die Tür zur Großen Halle und wischte sich über die Stirn. Die Müdigkeit saß ihm schwer wie Blei in den Gliedern. Aber noch konnte er sich nicht schlafen legen. Wenigstens das Ministerium musste er noch besuchen, mit dem Premierminister der Muggle sprechen, neue Mitglieder für seine Regierung finden…
Er hatte nun die Verantwortung. Die Verantwortung für eine vom Krieg geplagte Gesellschaft, die es aufzurichten galt, Verantwortung dafür, die gespaltene Welt wieder zu vereinen, sie zu stabilisieren, neu auszurichten.
Der Krieg war vorbei, aber er fühlte kaum Erleichterung.
Langsam schritt er die schuttbeladenen Treppen nach oben. Viele der Gemälde waren leer. Ihre Besitzer waren geflohen und noch nicht wieder zurückgekehrt. An den Leinwänden klebte zentimeterdick Asche, Dreck und vereinzelt Blut.
Wie hatte aus diesem Ort, einst auch seine Heimat für sieben Jahre und für so viele andere, ein Ort von Mord, Panik und Krieg werden können? Sie würden das alles aufarbeiten müssen. Nie wieder durfte so etwas passieren.
Er nahm den ersten Kamin, den er finden konnte, und flohte sich ins Ministeriumfoyer.
Sofort empfing ihn Lärm, aufgeregtes Gewusel, Schreie, Musik. Es schien, als hätten sich alle Ministeriumsmitarbeiter hier im Foyer versammelt, um zu feiern. Sogar kleine Kinder konnte er zwischen den vielen Hexen und Zauberern erspähen.
Es sei ihnen gegönnt, dachte er, auch wenn er nicht verstehen konnte, wie man jetzt feiern konnte, nachdem doch erst vor ein paar Stunden so viele Unschuldige ihr Leben lassen mussten.
Als die ersten ihn erkannten, ging ein Raunen durch die versammelte Gesellschaft, und gleich darauf strömten alle auf ihn zu. Er schüttelte Hände, Menschen klopften ihm auf die Schulter, einige umarmten ihn, applaudierten, andere riefen ihm Unverständliches zu. Er brauchte Minuten, um sich durch den Strom von Menschen zu kämpfen und kam schließlich vor dem Brunnen der magischen Geschwister zu Stehen. Jemand hatte ihn umdekoriert, sodass alle fünf Figuren zum ersten Mal gleichwertig präsentiert wurden. Einem Impuls folgenden griff er in die Tasche seines Umhangs und fand eine Galleone, die er in das klare Wasser warf.
„Nie wieder“, murmelte er, mit Blick auf die Figuren.
Hinter ihm klickte es leise: Offenbar war auch der Tagesprophet nicht weit. Um den würde er sich später kümmern.
Im Aufzug, den er allein betrat, hatte jemand Wunderkerzen gezündet, die bunt und prasselnd vor sich hin brannten. Er stellte sich so weit weg von den sprühenden Funken wie möglich und fuhr nach unten in sein neues Büro.
Der Erste Stock war verwüstet und noch niemand hatte sich die Mühe gemacht, aufzuräumen. Schreibtische waren umgeworfen, Akten zerrissen und einige Memos lagen zerknickt und müde mit den Flügelchen flatternd auf dem Boden. Auch hier hatte eine Schlacht getobt, kleiner und weit weniger verlustreich als die in Hogwarts, aber kaum weniger wichtig: Die Schlacht um das Ministerium und um sein neues Büro.
Eine Hexe in einem grauen, zerfetzten Wollkleid stand im Ministerbüro und war dabei, die Fenster zu reparieren. Beim Klang der aufgleitenden Aufzugstüren drehte sie sich um. „Kingsley“, sagte sie, „da bist du ja endlich. Oder soll ich dich ab sofort mit Minister ansprechen?“
„Bitte nicht. Sind wir allein?“
„Ja. Die anderen sind feiern. Oder zuhause.“
Er nahm sich den einzigen Stuhl, der noch stand, und ließ sich erschöpft darauf fallen. Zum ersten Mal seit Stunden konnte er sitzen. „Wie…?“, fragte er und deutete auf das Chaos.
Die Hexe setzte sich ebenfalls, auf einen umgestürzten Mülleimer, und strich sich die Haare aus dem Gesicht. Normalerweise hatten ihre kurzen Locken einen schönen, dunkelroten Strich, jetzt hing so viel Staub und Asche darin, dass sie beinahe grau wirkten. Auch auf ihrer sommersprossigen Haut klebte Dreck. Agnes Calvin war auf Hogwarts in seinem Jahrgang gewesen, allerdings in Ravenclaw. Aber sie war mit ihm gemeinsam Schülersprecherin gewesen, seitdem waren sie Freunde. Agnes war eine exzellente Schülerin und mittlerweile eine der beste Aurorinnen, die er je kennengelernt hatte, überaus klug, blitzgescheit und eine hervorragende Duellantin. Es war allgemein bekannt, dass man sich mit ihr besser nicht anlegte. Sie war eine der wenigen verdeckten Widerstandsmitglieder gewesen, die auch nach Voldemorts Übernahme im Ministerium hatte arbeiten können – vielleicht weil niemand es gewagt hatte, ihr ihre Entlassung mitzuteilen. Darum hatte er ihr, kaum dass er vom Beginn der Schlacht in Hogwarts erfahren hatte, einen Patronus zugeschickt. Keiner hätte er es eher zugetraut das Ministerium zu befreien als ihr und offensichtlich war ihr das gelungen.
„Ich habe Thicknesse vom Imperius befreit, als Yaxley nach Hogwarts appariert ist, und die wenigen Todesser unschädlich gemacht, die noch hier waren.“ Agnes schob mit ihrem schmutzigen Stiefel Schutt hin und her. Sie sah so erschöpft aus, wie er sich fühlte. „Das Ministerium war zu diesem Zeitpunkt schon beinahe leer. Als klar war, dass die Schlacht begonnen hat, sind viele geflohen oder euch zur Hilfe geeilt. Ich habe mich hier verschanzt und auf eine Nachricht gewartet. Zum Glück war es die richtige.“
Seine Mundwinkel zuckten. „Du hast alleine das Ministerium eingenommen?“
„Ich war ja schon drin. Es war nicht sonderlich schwer.“
„Gute Arbeit“, sagte er anerkennend.
„Danke.“
Er sah sich in seinem Büro um. Noch hing an der Wand ein übergroßes Poster mit Harrys Fahndungsbild. Die Akten, die zerrissen zu seinen Füßen lagen, waren wohl überwiegend Notizen zu mugglestämmigen Magiern, rassistische Gesetzesentwürfe und Pläne zur Übernahme der Muggleregierung. So viel galt es aufzuräumen, aufzuarbeiten, besser zu machen. Er rieb sich über das Gesicht, dann sah er Agnes an: „Ich habe eine Bitte an dich. Übernimmst du die Leitung der Abteilung für magische Strafverfolgung in meinem neuen Kabinett? Wir müssen das Ministerium vollkommen neu aufstellen, viele Mitarbeiter entlassen, die für… ihn gearbeitet haben, und dafür brauche ich fähige und kompetente Menschen in der Leitung dieses Ministeriums. Die Strafverfolgung war nie wichtiger als jetzt, wo wir mit den Todessern umgehen müssen und viele neue Auroren anlernen werden. Ich möchte, dass jemand Fähiges an der Spitze dieser Abteilung steht, jemand, dem ich absolut vertrauen kann.“
Sie musterte ihn mit ihren hellen, honigfarbenen Augen, dann nickte sie. „Es wäre mir eine Ehre.“
„Gut. Danke.“ Er seufzte erleichtert. Eine Sache weniger, um die er sich zu sorgen brauchte. „Ich werde jetzt mit dem Premierminister der Muggle sprechen. Und einen Abstecher in den Palast sollte ich vielleicht auch machen. Glaubst du, du kannst heute Mittag wieder hier sein? Es gibt viel zu tun.“
„Natürlich.“
Kingsley erhob sich und ging zu einem der Gemälde. „Professor Friedrichs, würden Sie dem Premierminister bitte mitteilen, dass ich in fünf Minuten bei ihm ankommen werde? Danke.“
Der Zauberer im Gemälde nickte und verschwand. Während Kingsley versuchte, seinen Umhang einigermaßen von Staub und Asche zu befreien und ein Feuer im Kamin anzündete, sah er zu Agnes hinüber, die immer noch auf dem Mülleimer saß und mit trübem Blick das zerstörte Büro begutachten.
„Ich werde Broakmoor vom Premierminister abziehen, jetzt, wo der nicht mehr in Gefahr ist. Es ist deine Abteilung und ich will dir nicht in deine Personalentscheidungen reinreden, aber er wäre ein guter Leiter für das Aurorenbüro, oder?“
Agnes schürzte die Lippen. Stephen Broakmoor und sie hatten eine ganz merkwürdige Beziehung zueinander, die niemand, wahrscheinlich nicht einmal die beiden, verstand. Manchmal ignorierten sie sich wochenlang, nur um dann wie aus dem Nichts wie ein perfekt eingespieltes Team miteinander zu arbeiten oder sich über jede Kleinigkeit in die Haare zu kriegen – und hin und wieder kam es vor, dass sie sich so heftig stritten, dass die anderen Auroren scharenweise aus dem Büro flohen, um nicht in ihre Duelle mit einbezogen zu werden. Es gab Gerüchte, dass sie ihm vor vielen Jahre einen Fluch auf den Hals gejagt hatte, den er bis heute nicht losgeworden war, andere behauptete, dass die beiden allen nur etwas vormachten und eigentlich seit Jahrzehnten glücklich miteinander verheiratet waren, wieder andere waren felsenfest davon überzeugt, sie wären einst einen Blutpakt oder einen unbrechbaren Eid miteinander eingegangen, den sie nun nicht mehr lösen konnten.
„Ich denke darüber nach“, sagte Agnes schließlich. „Vielleicht wirkt er auf die vielen neuen, jungen Aurorenschüler, die wir haben werden, zu abschreckend.“
Kingsley grinste, während er das Kaminsims absuchte. „Das könnte allerdings stimmen. Wo ist das Flohpulver?“
„Hier.“ Sie zog einen kleinen Beutel aus der Tasche ihres Kleides und reichte ihn an Kingsley weiter. „Ich hab es an mich genommen, bevor es die Todesser zur Flucht nutzen.“
Kingsley ließ etwas von dem Pulver in seine Hand rieseln und trat vor den Kamin. „Nach Downing Street, Nummer 10“, rief er laut und trat in die smaragdgrünen Flammen.

Der Premierminister nahm die Neuigkeit vom Ende des magischen Krieges gefasst auf, auch wenn er nicht gerade glücklich über die Tatsache wirkte, dass ständig Zauberer in seinem Büro ein- und ausgingen. Aber er bedankte sich bei Kingsley, gratulierte ihm – reflexartig – zu seinem neuen Amt und zeigte sich damit einverstanden, dass man Broakmoor abziehen würde. Dann murmelte er etwas davon, dass er nicht wusste, wie er den Rest der Amtszeit überstehen sollte, und Kingsley entschied, dass es wohl nun an der Zeit war zu gehen.
Er apparierte in eine abgelegene Ecke eines Londoner Parks, in der Nähe des Buckingham Palace, dem Palast der britischen Königsfamilie. Hier hatte er nicht so leicht Zugang, der Palast war fast ebenso gut geschützt wie Hogwarts zu Dumbledores Zeiten, und dazu kamen die vielen nicht-magischen Bediensteten, Bodyguards und Soldaten, die vor dem Palast standen. Also schickte er einen Patronus, setzte sich auf eine Bank und wartete.
Ein paar Minuten später, in denen er darum kämpfte, nicht einzuschlafen, kam eine junge, zierliche Frau mit Sonnenbrille und dünnem, dunkelblauem Mantel über den Kiesweg mit eiligen, federnden Schritten in Lackschuhen auf ihn zu. Er erhob sich eilig.
„Königliche Hoheit“, sagte er und neigte den Kopf.
„Mr. Shacklebolt“, erwiderte sie freundlich und sah sich dabei aufmerksam um. Niemand war zu sehen, aber sie musste es gewohnt sein, überall von Paparazzi oder neugierige Fans verfolgt zu werden. Immerhin war diese zierliche Frau mit der ungewöhnlich makellosen Haut und den pechschwarzen Haaren die Kronprinzessin und künftige Königin von England.
„Ich habe die Freude Ihnen mitzuteilen, dass Er, dessen Name nicht genannt werden darf, heute Nacht von Harry Potter besiegt wurde. Er ist tot und der Krieg beendet.“
„Das ist wunderbar.“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sie zeigte ihre perfekten, weißen Zähne, wurde dann aber schnell und gekonnt wieder ernst. „Gab es viele Tote?“, fragte sie leise und setzte sich auf die Bank. Die Beine, die in Feinstrumpfhosen steckten, stellte sie parallel, wie sie es sonst auch bei öffentlichen Auftritten tat. Es sah sehr ungemütlich aus.
„Einige, ja.“
Sie nickte mit teilnahmsvollem Gesichtsausdruck. Es war seltsam, ihre Augen hinter der Sonnenbrille nicht sehen zu können, als würde etwas entscheidendes von ihrer Mimik fehlen. Er hatte noch nicht viel mit der Kronprinzessin zu tun gehabt, aber jedes Mal, wenn er mit ihr sprach, fragte er sich, wie viel von dem was sie tat und sagte ernst gemeint und wie viel nur einstudiert war, und wie gut die junge Frau ihre Mimik kontrollieren und nutzen konnte. Immerhin hatte man ihr so etwas ein Leben lang beigebracht.
„Wo ist es passiert?“, fragte sie.
„Hogwarts. Die Schule ist zerstört.“
„Aber man kann sie wieder aufbauen?“
„Davon gehe ich aus.“
Ihr Blick ging in die Ferne. „Ich war so lange nicht mehr dort.“
„Jetzt können Sie gefahrlos wieder kommen. Ich bin mir sicher, die Menschen freuen sich, wenn Sie die Trauerfeiern besuchen.“
„Ich weiß nicht… Ich habe mich doch während des Krieges immer nur versteckt und zurückgehalten.“
„Weil Sie sich nicht in Gefahr bringen durften. Als Kronprinzessin.“
„Kronprinzessin der Muggle.“
„Kronprinzessin von England. Dazu gehören auch wir.  Und Sie werden die erste Hexe auf dem Thron seit Generationen sein. Unterschätzen Sie ihre Bedeutung für die magische Welt nicht.“
„Danke, Mr. Shacklebolt.“ Sie erhob sich eilig, als sich durch den Park ein paar Jogger näherten. „Ich muss zurück.“
Kingsley erhob sich ebenfalls und neigte erneut den Kopf. „Natürlich, Ma´am. Danke für Ihre Zeit. Und bitte… auch wenn der Krieg vorbei ist und Sie-wissen-schon-wer besiegt – noch gibt es keine vollständige Entwarnung. Stand jetzt konnten einigen Todesser fliehen.“
„Ich passe auf mich auf. Und ab sofort würde es mich freuen, wieder regelmäßig zu erfahren, was in der Zaubererwelt vor sich geht.“
„Selbstverständlich, Ma´am.“
Er sah ihr hinterher, wie sie mit flatterndem Mantel durch den Park verschwand. Sie war eine freundliche junge Frau mit perfekten Manieren, aber manchmal konnte sie, immer versteckt in höflichen Bitten, sehr fordernd sein – als wäre sie es gewohnt, über kurz oder lang alles zu bekommen, was sie wollte. Eine Prinzessin wie sie im Buch stand.

„Pack deine Sachen!“ Das war das einzige, was sein Vater ihm zugeraunzt hatte, als sie verdreckt, erschöpft und verwundet zurück nach Malfoys Manor gekommen waren. Draco hatte nicht gewagt zu protestieren, obwohl er eigentlich nur unter die Dusche und in sein Bett wollte.
In sein Zimmer fiel Sonnenlicht. Eine dünne Staubschicht lag auf den Möbeln. Seine Eltern hatten doch einen Hauselfen, der alle Zimmer putzte – auch die, die nicht bewohnt waren. Aber, so überlegte Draco, während er wahllos Kleider in seine Tasche packte und dann wieder ausräumte, vielleicht war der Elf auch dem unberechenbaren Zorn des Dunklen Lords oder der Mordlust eines Todessers zum Opfer gefallen.
Unten konnte er seine Eltern streiten hören. Ihre Stimmen hallten durch das leere Haus.
„Wo willst du denn hin?“, rief seine Mutter gerade verzweifelt. Draco konnten sich nicht erinnern, dass er sie jemals so gehört hatte – normalerweise hatte sie sich immer unter Kontrolle.
„Du willst hierbleiben? Damit ich zurück nach Askaban komme? Und der Junge womöglich auch?“
Draco durchfuhr ein kalter Schreck. Darüber hatte er nie nachgedacht, aber es erschien wie eine Option… Man könnte ihn nach Askaban schicken. Sein schwarzes Hemd, das er gerade in den Fingern hielt, rutschte ihm aus den Fingern. Er ließ es achtlos liegen und ging auf Zehenspitzen hinaus in den Flur, um besser zuhören zu können.
„Die schicken kein Kind nach Askaban“, erwiderte seine Mutter jetzt. Ihre Stimme war leise und klang zittrig.
„Draco ist kein Kind mehr“, raunzte Lucius.
Doch, dachte Draco, ich bin ein Kind, ich will ein Kind sein. Ich will mich unter meinem Bett verstecken und nie wieder rauskommen.
Seine Hände schmerzten. Das Dämonenfeuer hatte Brandblasen hinterlassen, einige waren aufgeplatzt. Mit der Erinnerung an das Feuer kamen die Erinnerungen an Crabbe. Dummer, alter Crabbe, der ihm hinterhergedackelt war, der über seine schlechten Witze viel zu laut gelacht und ihm Schokolade geschenkt hatte – das runde Gesicht schmelzend im Feuer wie Kerzenwachs. Er schluckte hilflos gegen die Tränen an und versuchte sich auf die durch das leere Haus hallenden Stimmen zu konzentrieren.
„Kingsley ist ein guter und gerechter Mann. Er wird Gnade walten lassen, da bin ich sicher…“
„Gnade?“ Lucius schnaubte. „Doch nicht bei uns.“
„Du willst fliehen? All das hier verlassen?“
„Ich geh nicht zurück nach Askaban. Und mein Sohn auch nicht.“
„Wenn wir jetzt gehen, dann ist das wie ein Schuldeingeständnis. Dann werden die Auroren uns jagen.“ Seine Mutter klang jetzt wieder ruhiger, besonnener und ihre Stimme nahm den leicht hochnäsigen Ausdruck an, der Draco so wohlvertraut war. „Und wo willst du hin?“
„Egal. Weg. Da werden sie uns schon nicht finden. Diesen Black haben sie auch nie gefunden.“
„Ohne Geld?“ Jetzt klang sie schnippisch. „In jeder magischen Gemeinschaft wird man uns finden, egal, wie weit wir kommen. Und ich gehe lieber nach Askaban, als zwischen Mugglen zu leben.“
„Wir werden uns etwas neues aufbauen“, drängte Lucius, aber er klang schon nicht mehr so überzeugt. Draco verspürte wieder diese Regung, die ihn seit einem Jahr immer wieder überkam, wenn er mit seinem Vater zu tun hatte. Eine Mischung aus Mitleid und Abneigung für diese jämmerliche Gestalt, die er geworden war. Würde er nach Askaban auch so werden? „Du warst nie dort, ich kann nicht zurück nach Askaban.“
„Wir werden nicht nach Askaban kommen.“
„Was macht dich da so sicher?“, fragte Lucius, jetzt wieder wütend.
„Ich habe den Dunklen… ihn belogen. Harry Potter war am Leben, als ich seinen Tod überprüfen sollte.“
Ihre Worte waren wie ein Paukenschlag. Stille legte sich über das Haus, nur einer der Albinopfauen, der irgendwie ins Haus gekommen war, krächzte einmal laut.
„Du hast ihn belogen?“, fragte Lucius schließlich schwach.
„Ja. Potter wird das bestätigen können.“
„Das wird er nicht tun.“
„Doch. Wird er. Potter ist anders als wir… Er ist… gütig.“ Sie sagte das, als wäre es etwas Abstoßendes – und trotzdem durchströmte Draco tiefe Erleichterung. Seine Mutter hatte Recht, Potter würde nicht lügen, wenn Narcissa ihre Lüge vor dem Zauberergamot anbringen würde. Er würde nicht lügen, wenn man ihn fragte, wer das Dämonenfeuer entzündet hatte. Er hatte ihn einmal gerettet – er würde es wieder tun.
Auch wenn sich Draco fragte, warum er das verdient hatte.
Lucius schwieg lange, dann schnaubte er. „Also gut, wir bleiben.“
Draco hörte seine schweren Schritte, dann wieder gefährliche Ruhe, in die nur der Pfau zu krächzen wagte.
„Aber nicht diese verdammten Pfauen“, brüllte Lucius wie aus dem Nichts, dann war ein tödliches Sirren zu hören, ein grünliches Licht flackerte über die Wände des Herrenhauses und der Pfau verstummte.

___

Hallo!
Ich freue mich, dass ihr hier reingefunden habt.
Eine kleine Triggerwarnung vorab: In dieser Geschichte wird auch sexualisierte Gewalt thematisiert. Das entsprechende Kapitel ist markiert, aber auch danach werden diese Geschehnisse wieder aufgegriffen.
GLG
limette
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast