Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

new Horizons

von JaneS
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Chris Fehn Corey Taylor Craig Jones Joey Jordison OC (Own Character) Sid Wilson
04.10.2021
22.10.2021
51
247.152
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
14.10.2021 4.733
 
Lillys Entscheidungen


Kaum waren die Kinder weg und es kehrte Ruhe ein konnte man dabei zusehen, wie Lilly die Augen zu fielen und sie sich schläfrig ins Schlafzimmer schleppte, die Medikamente knockten die Kleine ganz heftig aus dem Leben. „Seit Wochen sehe ich dabei zu, wie sie immer müder wird und immer öfter auf der Arbeit fehlt. Ich dachte noch sie brütet vielleicht eine Grippe aus oder so, dann kam mir der Gedanke an eine erneute Schwangerschaft. Ben hat das vehement abgelehnt und ich sah das ein, noch ein Kind wäre eine zu große Belastung. Nun muss ich sie so sehen und weiß, was los ist. Ich mach mir schreckliche Sorgen, sie ist unsere einzige Tochter und das alles so hart im Moment. Zusätzlich dazu, meine ich.“, murmelte Lissy da und deutete auf die Akte, die auf dem Tisch lag und ein Mahnmal für Lilly darstellte. „Die beiden haben sich noch ein Kind gewünscht, irgendwann, wenn die Knirpse hier alle mal älter sind. Tja, was machen wir jetzt?“, fragte Chris dafür und herzte Amy, die ganz verweint war und sich da an ihm festkrallte. „Wen meinst du mit ‚die beiden‘? Ben und Lilly oder Colbey und Lilly?“, fragte sie nasal und strich sich selbst liebevoll über ihren hübschen kleinen Babybauch, wo Chris die Hand ebenso hinlegte und seufzte. „Colbey und Lilly, meinte ich. Ben hat genug davon Windeln zu wechseln und Flaschen zu säubern, das hat er klar zum Ausdruck gebracht, wie Lissy gerade schon sagte. Wäre das nicht jetzt so zerbrochen, dann spätestens zu dem Zeitpunkt, wo Lilly mit diesem Kinderwunsch auf Ben zugekommen wäre. Ich sagte es ihr ja auch schon, fünf Kinder reichen doch.“, erklärte er und sah dabei zu Craig und Melissa, die beide nickten und Verständnis für Bens Position aufbrachten. „Jetzt muss sie sich damit abfinden, fertig aus. Sie hat bald keine Gebärmutter mehr und Colbey kann keine Kinder zeugen, das wird dieses Mal nicht nach ihrem Willen laufen. Sie soll gesund werden, nicht noch hundert Kinder werfen wie so eine Katze.“, murrte Amelia und darüber hob Craig die Augenbrauen, Chris ebenso, dieses Bild in seinem Kopf aber verwirrte ihn noch viel mehr als Amelias Schroffheit. „Was meinst du denn damit, dass das mal nicht nach ihrem Willen laufen wird?“, fragte Craig rein und darüber seufzte Amy wieder nur schwer. „Als sie mir sagte, was da mit Diego und Ben und diesen beiden Frauen in Mexiko gelaufen ist, hat sie vor lauter Nervosität noch viel mehr geplappert. Wie immer, wenn sie sich raus reden will, entweder sie holt keine Luft mehr zwischen den Zeilen oder sie verstummt komplett.“, sagte Amelia und verstummte dann selbst, sah zu ihm auf und seufzte wieder. „Und was hat sie da geplappert?“, fragte Lissy nun nach, ebenso alarmiert wie Chris und Craig es nun waren. „Dass sie die Pille damals in Napier absichtlich nicht genommen hat, um ein Baby zu bekommen. Sie kam nicht während des Fluges durcheinander, sie waren schon ein paar Tage in diesem Land, als sie sich dazu entschloss. Und nach den Zwillingen sagte sie Ben, sie hätte eine Spritze bekommen von ihrem Arzt, sie wäre für drei Monate geschützt. So ist Jake dann passiert, sie hat Ben belogen. Die Mädchen waren tatsächlich geplant, passierten aber auch eher nebenher, nachdem Ben aus Mexiko zurück war und bevor der Scheiß mit Mallory passierte. Sie hat versucht ihn zu lenken und ankommen zu lassen. Ein geregeltes Leben leben, Familie, Ruhe und Frieden. Ben wollte das nie, das wissen wir alle. Sie nimmt doch die Pille, wie konnte das da denn passieren? Sie muss ja oft Magen-Darm haben, damit die Pille so oft versagt.“, brummte Amelia da und verstummte dann wieder, weil Lissy sich die Hand auf den Mund legte. „So wie du auch, Misses ich krieg keine Kinder mehr?“, fragte Chris rein und schmunzelte, weil Amy den Kopf schüttelte. „Nein, ich nehme keine Pille. Wir verhüten anders, da krieg ich mit, ob da was passiert oder nicht. Wir waren einfach nur schlampig, dreimal schon.“, frotzelte sie und grinste nun doch, auch unter den Tränen der Angst. „Ich bin sprachlos. Was hat sie da getan?“, fragte Melissa aber rein und schlug diese Akte auf, in der ein Ultraschallbild dieses verlorenen Kindes lag. „Sie hat ihn an sich gebunden, wollte mit ihm alt werden, das sagte sie zu mir und kicherte ganz nervös darüber. Ben hat das alles einfach hingenommen. Ich glaub nicht, dass sie das absichtlich gemacht hat oder so, das ist halt ihre Vorstellung von verliebt, verlobt, verheiratet. Ich kann Benny verstehen, sechs Kinder, das würde ich auch nicht mitmachen.“, brummte Amelia wieder rein und schüttelte den Kopf, darüber grunzte Craig aber auf. „Nun, Spätzchen, Diego ist auch kurz davor fünffacher Vater zu werden. Wenn man das Kind mal mitzählt, welches er mit dieser Frau in Mexiko verlor.“, murrte der Kerl und darüber nickte Amelia wieder ernst. „Ja, das stimmt. Aber ich hab nicht fünf Kinder im Alter zwischen Drei und Fünf um mich herum, Craig. Angelina ist 17, sie kann mal auf die Kleinen aufpassen. Dieses zweite Kind von Romy wäre heute Neun, oder Zehn, so genau weiß ich es nicht. Die Altersunterschiede erleichtern uns den Tag mit den Kindern. Wenn Lilly jetzt noch ein Baby bekommen hätte, dann hätten sie sechs Kinder, wovon keines in die Schule gehen kann. Das Ben zu einem weiteren Kind Nein gesagt hat ist für mich vollkommen verständlich.“, erklärte Amelia mit Fingerzeig zum Garten, wo Angelina gerade ihre Übungen machte und Valeria ihr nach hopste. „Egal, Leute, das ist doch alles egal geworden. Ben liebt seine Kinder über alles und ist glücklich, wenn sie bei ihm sind. Ob er das gewollt hat und ob es ungeplant oder geplant war ist alles egal. Es kam, wie es eben kommen musste und sie haben sich beide so liebevoll um ihre Kinder gekümmert, wie nur liebende Eltern das machen. Hätte Ben dieses Kind nicht gewollt, Amelia, wäre das schon viel eher zum Streitpunkt zwischen ihm und Liana geworden. Er hat sie geheiratet und er hat diese Kinder mit ihr bekommen, das war ihr Weg. Und nun gabelt sich der Weg und es ist eben so.“, warf Chris ein und sah im Augenwinkel, wie Lissy zu Craig linste und das Gesicht verzog. „Was? Was denkt ihr?“, wollte er deshalb wissen und ließ sich diese Mappe da über den Tisch schieben, sodass er das Bildchen sehen konnte. „Wie sie gerade sagte wünscht sie sich noch ein Baby, Chris. Mit Colbey, der ja eh nicht kann. Das ist schon hart, oder? Und zu allem Überfluss muss sie sich die Gebärmutter entfernen lassen, was alle Wünsche und Pläne diesbezüglich komplett vernichtet. Sie wird nie wieder ein Baby bekommen können, Chris. Und Ben…“, begann Melissa, brach jedoch zögernd ab. „Hat nun alle Möglichkeiten, sich sein Leben frei zu gestalten. Partys, Arbeit, Reisen, vielleicht irgendwann eine neue Ehe und ein oder zwei Kinder mit dieser Frau?“, führte Craig weiter aus und schüttelte darüber den Kopf, ehe der Kerl seinen Arm um Melissa legte. „Und das ist okay, sie hat diesen Weg gewählt und weiß, das Colbey keine Kinder zeugen kann. Sie hat Ben freigegeben und muss damit klar kommen, das er sein Leben nun frei von ihren Entscheidungen leben wird. Wir sind doch in der Nähe, Lissy. Sollte es der Fall sein, das Ben doch irgendwann noch einmal Vater wird, dann ist das eben so und Lilly muss das hinnehmen. Wenn es stimmt, dass sie ihn so manipuliert hat aus dem Wunsch nach Nähe und Geborgenheit, dann war das Ben gegenüber nicht fair. Er blieb und liebte sie, liebte seine Familie und wird sie immer sein Leben lang lieben. Lassen wir ihm diese freie Entscheidung, sich die Zukunft selbst zu gestalten, ohne so gelenkt zu werden. Lissy, sieh mich mal an. Wie bindet eine Frau einen Mann am Besten für immer in ihr Leben ein, hm? Sie haben uns fünf wundervolle Enkel geschenkt und wir beide lieben Ben wie einen Sohn, wir beide dachten, es sei genau das, was Chris und Elá da hatten. Es hat keiner von uns kommen sehen, was   daraus wird. Lillys Lebenspläne scheinen sich nicht mit Bens Lebensplänen vereinbaren zu lassen, aber wir alle wissen, wer sich immer ein Zuhause, eine Familie, Kinder und eine ihn liebende Frau gewünscht hat. Es ist schwer, aber gut so.“, sagte Craig dazu und traf den Nagel auf den Kopf, Chris nickte nur und stupste Amelia an die Nasenspitze, die da den Kopf schüttelte und die Augen verdrehte. „Wenn es nach Benny gegangen wäre, dann hätten sie die Welt bereist. Hätten Abenteuer erlebt, wären frei gewesen. Die Kinder hätten noch ein paar Jahre warten können. Sie hat ihm die Flügel gestutzt und ihn eingesperrt, ich hab ihr das neulich alles auch an den Kopf geknallt, Sie hat diesen Arschtritt mehr als verdient, Leute. Ob bewusst oder unbewusst, sie hat an Benny nur herumgezerrt. Vor Mexiko, nach Mexiko. Und ich weiß, ihr werdet jetzt meckern, aber Ben sollte jetzt mal so richtig die Sau rauslassen. Sie hat ihn zu Mallory geschickt, weil sie mit einer Frau… naja, ihr wisst schon. Und dann bezeichnet sie ihn als Fremdgänger, das will mir nicht in den Kopf. Ich hab ihr das Video gezeigt, wie man Ben zwang, diese Dinge in Mexiko zu tun, sie saß nur da und hat nichts dazu gesagt, weil sie es wusste.“, murrte Amelia und stand auf, Craig brummte darüber und Lissy riss verwirrt die Augen auf. „Was? Was redest du da?“, fragte Melissa nach, es blieb aber stumm, da Amelia den Fernseher anmachte und dieses erste Video startete, wo Ben an eine Backsteinmauer gezerrt wurde und man auf ihn und Camilla einschlug. Großer Gott, bei jedem Schlag zuckte Chris nur heftig und konnte doch nicht wegsehen, weil Ben das ohne zu murren über sich ergehen ließ. „Das ist Fernanda. Diese Frau hat Ben zu Tode gequält und ihn gebrochen. Colbey hat sie getötet, aber das werdet ihr noch sehen. Ich erkläre euch diese Videos, so gut ich kann. Und dann seht ihr, wie eingesperrt Ben in Wirklichkeit all die Zeit über war.“, brummte Amelia da vorn und zuckte ebenso, als ein surrender
Schlag Camillas nackte Brust traf und das Mädchen nur schrie und weinte vor Schmerz. „Großer Gott.“, brummte Craig darüber und ja, Ben hatte ihm viel davon anvertraut, es zu sehen war aber etwas ganz anderes.

Die Videos wechselten hin und wieder, andere Räume, ein immer schlimmer geprügelter Ben und eine immer traurigere Camilla waren da zu sehen, gefoltert über Stunden und geprügelt wie ein räudiger Hund. Fast vier Stunden quälten sie Ben mit diesem Wasser, Amy hatte gütigerweise ein wenig vorgespult, um das Martyrium abzukürzen. Sie erklärte diese Gesichter. Diegos Vater, der dort an diesem Bett gestanden hatte, diese Fernanda, die sich da an Ben verging und Himmel, das Video wechselte und man sah Camilla in diesem Bett liegen, bewusstlos und vom eigenen Vater geknebelt, ehe der Mann ihr mit einer Peitsche zwischen die Beine schlug, um sie zu wecken. Dabei zuckten sie alle zusammen, Lissy keuchte. Sie sahen, wie sie Camilla missbrauchten, wie sie so schändlich vom eigenen Vater mit den Fingern zwischen ihren Beinen aufgerissen wurde und wie sie jauchzte und schrie vor Schmerz, sich durch die Vergewaltigung dieses anderen Mannes erbrach, nicht mehr konnte. Dann sah man dieses große alte Bad, von dem Ben oft sprach. Sie hörten, wie Ben mit Camilla sprach, wie er von Lilly und den Kindern voller Liebe im Herzen erzählte und versuchte Camilla zu motivieren. Die Tür ging auf, die ganze Mannschaft kam da rein und Amy stoppte das Video hier nun. „Das ist José. Da ist Fernanda, da steht Raúl, Sanchéz und hier steht Colbey.“, erklärte sie und deutete auf diese vermummten Gestalten, dann lief das Video und Chris erschrak fürchterlich, weil Colbey auf das Handzeichen eines anderen Soldaten einfach abfeuerte, Himmel, war das brutal. „Ben hat das gesehen. Seht ihr sein Gesicht? Wie erschrocken er war? Danach hat er sich abgeschottet und aufgegeben, danach war es ihm egal, ob er stirbt oder lebt. Ah, das Hotel. Die berühmte Badewanne des Grauens.“, murmelte Amelia da vorn und Craig beugte sich nun vor. Das alles zu sehen, wie sie Ben erniedrigten und brachen, wie sie mit seinen Sinnen und seinem Verstand spielten und ganz bewusst die Hebel ansetzten, um ihn in die Knie zu zwingen, das war nicht in Worte zu fassen. Camilla flehte ihn da an, sie wolle am Leben bleiben und er solle sie bitte berühren. Besser er als einer der anderen, das jagte Chris einen schrecklichen Schauer über den Rücken. Und Ben zögerte davor, suchte einen Weg da raus und fand ihn nicht. „Ich erspare euch das, ja? Aber bitte, das nächste Zimmer. Ihr Aufenthaltsraum. Das ist Catalana. Wie sie heißt weiß ich nicht mehr, beide konnten sie dank Ben fliehen, die Schwangere hat es nur nicht weit geschafft. Sie starb an den Folgen der Geburt und den Wunden inmitten der Wüste. Sie haben gewusst, das Ben jedes Wort versteht und haben für ihn gelogen. Seht ihr, wie Ben weint? Wie er zusammenbricht und sich kaum noch fangen kann?“, fragte Amelia, während das Video da weiterlief und ja, sie sahen diese Tränen. Sie sahen, wie Ben sein Leben aufgab. Und dann huschte das Video in die Nacht hinein, Ben wurde aus diesem Bett gerissen und geknebelt, das Video wechselte und sie sahen zu, wie man Ben missbrauchte. Chris sah dabei zum Tisch, das war sein Kind und er wollte das nicht sehen, es reichte, dass er es hören musste. Als das Video dann abbrach schniefte Amelia da vorn, Melissa war ganz blass geworden und Craig hatte die Hand über dem Mund liegen, mit Tränen in den Augen sah der Kerl ihn an. „Danach wurden sie in einen Transporter geworfen und in die Wüste gekarrt, wo man Ben diesen Lumpen zerriss und satte 17 Mal auf ihn einschlug. Er redet in jedem Video davon, zurück zu Lilly zu wollen. Wie sehr er sie liebt. Und sie sieht ihn in seinem Schmerz und zieht Colbey an sich ran. Wie ich schon zu ihr sagte, nichts gegen Colbey, der Kerl ist genauso missbraucht und gefoltert worden, er hat nur Liebe und Wärme gesucht. Aber sie hätte das nicht tun dürfen. Ben war eifersüchtig auf Colbey, trotzdem ließ er das zu, nur um Lilly glücklich zu sehen. Erzählt mir nicht, das Ben sonderlich glücklich in dieser Ehe war, ich glaub das nicht mehr. Sie hat ihn ebenso wie diese Menschen nur von A nach B gezerrt und gewusst, dass das Dreieck ihn verletzt, sie tat es trotzdem. Er ließ das alles einfach zu und das, um die Familie glücklich zu sehen. Weil er in Colbey einen Freund gefunden hat, der ihm bei der Scheiße da half. Lilly sah diese Videos und hat bis jetzt kein Wort darüber verloren. Liana bezeichnet ihn als Fremdgänger und ging selbst mit Colbey fremd, was hat sie für ein Recht dazu, die Klappe so aufzureißen? Sie ist eure Tochter, ihr liebt sie, ich weiß. Sorry, ich sehe sie mittlerweile mit anderen Augen.“, murrte Amelia da, legte die Fernbedienung hin und verschwand in den Garten, derweil Melissa anfing zu weinen und Craig ihn noch immer einfach nur stumm geschlagen ansah. „Er hat das alles ertragen, aus Liebe zu ihr. Sie hat ihm geholfen, ihn geliebt und ihm Hoffnung auf einen neuen Tag geschenkt, hat ihm die Kinder geschenkt. Ben war nicht ihre Bestimmung, er weiß das. Ihr habt diesen Brief gelesen, ihr habt gesehen, wie er sie heute Mittag umarmte und ihr so liebevoll ins Ohr murmelte. Ben liebt Liana, von Herzen.“, murmelte er und drückte die Augen zu, diese Gewalt hatte ihn geschockt und er wurde das Bild irgendwie gerade nicht los. „Die haben ihn getötet, Chris.“, murrte Craig und darüber nickte er, der Junge, der damals in den Dodge stieg und die Welt erkunden wollte war lange schon tot, er wusste das doch. „Und sie hat dazu beigetragen.“, murrte Craig weiter, nun öffnete er die Augen und sah, das auch Craig die Tränen übergelaufen waren. „Nein, sie hat ihm Hoffnung gegeben. Liebe, Wärme. Eine mögliche Zukunft in dieser Finsternis. Ohne Liana hätte Ben einfach aufgegeben. Er sagte mal in der Therapie, dass er einfach nur frech hätte werden müssen. Eine falsche Bewegung inmitten dieser Reihen, es hätte geknallt und er wäre zu Boden gegangen wie diese Frau vorhin. Er hat gekämpft, so hart und so schwer, um hierher zurück zu kommen. Sie haben Jake bekommen und er war trotz seiner Wunden bei ihr während der Geburt. Sie haben die Zwillinge bekommen, Lilly hat ihm alle Liebe geschenkt, die sie in ihrem Herzen trägt. Ben sagte mir, dass er die letzten Jahre an Lianas Seite sehr genossen hat und sie schrecklich vermisst. Ihr müsst mir glauben, Lilly hat ihn von Herzen geliebt und tut es immer noch, diese Liebe … ist nur anders geworden.“, antwortete er und seufzte, all diese Dinge zu sehen taten seinem eigenen Vaterherz schrecklich weh. „Ich werde trotzdem mit ihr darüber sprechen, was sie da getan hat, Chris. Die Pille auszulassen, ihn anzulügen, sie hätte diese Spritze bekommen… das ist nicht in Ordnung. Ob Ben das weiß oder nicht sei außen vorgelassen. Liana muss einsehen, dass sie viele Fehler gemacht hat und nicht Ben an diesem Bruch Schuld trägt. Gott, was haben diese Menschen ihm da nur angetan?“, fragte Craig und schüttelte sich, Chris hingegen sah wieder zum Tisch und nickte nur. „Ich sage euch nicht, wie ihr mit euren Kindern umzugehen habt. Ich sage euch nur, dass sie sich lieben und einander brauchen. Jetzt ist es so, wie es sein sollte. Ben hat seine Freiheit gefunden und in Jules die richtige Frau dafür. Lilly hat Colbey gefunden und sie lieben sich. Ich wusste von diesen Dingen, Ben hat in seiner Therapie viel davon erzählt. Es zu sehen… Craig, die haben meinen Sohn getötet. Der Junge, der in seinen Dodge stieg und mit Lilly einfach nur frei sein wollte, sie haben ihn getötet. Aber Ben hat das überstanden, für Lilly. Haltet euch das immer im Hinterkopf, ihr beiden, ja?“, bat er und stand auf, er musste sich bewegen, sonst würde er wahnsinnig werden!

Im Schatten seiner Terrasse sitzend und am Laptop nach einer gescheiten Soundanlage für Ben suchend versuchte Chris, nicht mehr darüber nachzugrübeln, was Amelia da für einen Ball angestoßen hatte. Sie alle waren Menschen und machten Fehler, Liana hatte eben andere Wünsche in ihrem Leben gehegt als Ben und ihn dazu so ein bisschen gedrängt, die beiden mussten damit klarkommen und sonst niemand. „Papa-en-ley muy concentrado.” (Schwiegerpapa ganz konzentriert.), brummte da plötzlich jemand neben ihm und deshalb sah Chris über den Rand seiner Brille auf, da saß Diego und rauchte eine Kippe ganz gemütlich. „Junge, wo habt ihr alle gelernt so zu schleichen, hm?“, fragte er und grinste, weil Diego ebenso grinste und ihn anzwinkerte. „Na, wie läuft es hier? Schläft sie?“, fragte der junge Mann und sah zum Haus auf, Chris folgte dem Blick und brummte nur. „Naaah, was ist das für ein Gebrumme?“, wollte Diego da schneidig wissen und sah ihn wieder an, Chris hingegen zog sich die Brille aus, strich sich durch das Gesicht und seufzte sehr schwer. „Sie ist krank, Diego. Sehr krank. Und ihre Eltern wissen das nun, kennen den Grund, warum das alles so zerbrechen musste hier. Amelia hat von ihrer Unterhaltung mit Lilly so ein wenig erzählt und uns zu Tode geängstigt, ich weiß nicht, heute …. hach, heute ist kein guter Tag.“, brummte er und ließ sich eine Kippe geben, weil Diego sich zu ihm hin lehnte. „Que?“, fragte der Kerl und tja, naja, er würde es ja doch erfahren. „Sie hat uns diese Videos gezeigt. Das Bad hat sie übersprungen, alles andere war…. und sie spricht sehr abfällig über Lilly, auch bei ihren Eltern. Offenbar hat Liana ein paar Entscheidungen während der Beziehung zu Ben getroffen, die Amelia sauer aufstoßen und ich weiß auch nicht, was ich sagen soll. Kannst du mit deiner Frau sprechen?“, bat er und sah, wie Diego eine Augenbraue empor zucken ließ. „Welche Entscheidungen hat sie da denn getroffen?“, fragte der Latino und blinzelte ihn an, weshalb Chris den Laptop ein wenig wegschob und wieder nur seufzte. „Sie hat Amelia erzählt, im Übereifer wohlgemerkt, dass sie nicht auf dem Flug mit der Pille durcheinander kam, sondern eine der Tabletten ein paar Tage später mit Absicht ausließ. Als es Ben so schlecht ging wegen Amy, da hat Lilly ihm erzählt, sie hätte diese Dreimonatsspritze bekommen, so ist Jake entstanden. Sie hat diese Spritze nie im Leben bekommen. Bevor sie diese Krankheit bei Lilly entdeckten… sie hat Krebs und das fiel nur auf, weil sie ein Baby verlor. Sie war im dritten Monat schwanger und hat das Kind noch in der Praxis verloren, deshalb hat sie Ben ausgesperrt. Sie hat es selbst bis zu dem Zeitpunkt nicht gewusst. Und Amy hat ihre Eltern gefragt, wie das passieren konnte, wo Lilly doch die Pille nimmt und Ben sich vehement gegen ein weiteres Kind sperrt? Das hat da einen großen Stein ins Rollen gebracht, den ich nicht mehr stoppen kann. Colbey wollte ein Baby mit ihr, in ein paar Jahren, wenn die Kinder größer sind. Lilly wusste von diesem Kinderwunsch, Colbey kann aber keine Kinder zeugen. Also, was hat sie da gemacht?“, fragte er nun selbst und sah, wie Diego zu seiner Kippe sah und nickte, ganz cool blieb und ebenso geräuschvoll den Rauch ausatmete. „Ich habe mich vorhin sehr lange mit Jules unterhalten, Chris. Und sie hat mir exakt das Gleiche gesagt. Sie fragte mich, ob ich mir sicher bin, das Liana während dieses Flugs nach Napier durcheinander kam oder ob sie das nicht doch getan hat, um mit Ben anzukommen und eine Familie zu gründen, ihn an sich zu binden aus Angst vor Amelia.“, brummte Diego ihm entgegen und darüber hob Chris nun die Augenbrauen, Ben wusste es also? „Jules sagte, das Ben frei sein wollte. Länder bereisen, Abenteuer erleben, Dinge neu entdecken, lernen. Er wollte das mit Lilly zusammen tun, er wollte fliegen, so nannte sie das. Und sie sagte, das Lilly ihm keine Flügel geschenkt hat, sondern die Federn daran mit Absicht stutzte, um ihn am Boden zu halten. Ben war 20, als er mit Liana verschwand. Jules war 20, als sie auf Weltreise ging. Sie hat ihm die Kinder also angehängt, um ihn zu halten. Wow.“, meinte der Latino und ja, es sah ganz danach aus, nicht? „Ben ist jetzt frei, Diego. Jetzt kann er reisen, mit Jules zusammen, die die Welt gesehen hat und sich auskennt. Er kann Abenteuer erleben, fliegen lernen, wenn er das will. Dieser Bruch war notwendig, jetzt beginnt sein zweites Leben.“, antwortete er und zog an der Zigarette von Diego, diese Videos schreckten ihn innerlich ganz auf. „Kann er nicht. Es tut mir leid. Das Kartell will das Geld zurück und hat wohl einige Agenten der DEA angefixt, die nach einem Köder in der Stadt suchen, der Informationen haben könnte. Sie haben Jules im Visier, ihre Akte wurde vernichtet und als exekutiert gekennzeichnet, sie ist ein Geist und wahrscheinlich tot noch bevor sie Mexiko sagen kann, wenn sie Bens Haus verlässt. Die haben eine Million für sie gefordert, ich hab das Geld übergeben wollen. Als Dank für das Geld haben sie mir die Theke komplett zu Kleinholz verarbeitet, zwei meiner Mädchen eingebuchtet und Tiffany geschlagen. 50 Millionen ist der neue Preis für Jules’ Leben. Gebe ich ihnen das Geld, wollen sie 100, gebe ich dann nach fragen sie, woher das Geld kommt, du verstehst? Der Club wurde dicht gemacht, für volle sechs Monate. Sie beobachten meine Mädchen und suchen Jules. Und wenn sie Jules in die Hände kriegen sind wir die Nächsten, die bluten. Jules ist nur ein Spielball, um an Information zu kommen, deshalb ist sie ja überhaupt erst bei Ben untergebracht. Hätte ich sie hier untergebracht, Dios, das Chaos wäre perfekt gewesen.“, seufzte Diego da und wie bitte? „Hat man sie deshalb so zugerichtet, um an Informationen zu kommen?“, fragte er und war erschrocken, Diego nickte nur. „Ich hab Ben und ihr Ausgangssperre erteilt, sozusagen. Die Stadt ist zu heiß für sie, für sie beide. Ben kann sich raus reden, seine Akte ist sauber und ihm kann nichts nachgewiesen werden, aber bei ihr sieht das anders aus. Meine Jungs beobachten die Agenten der DEA und bei der geringsten Auffälligkeit wissen wir, was wir zu tun haben. Bis dahin ist Funkstille angesagt, was Dates in Restaurants oder Strandbesuche angeht.“, erklärte Diego gefasst und sah ihn wieder an, na das waren ja wunderbare Nachrichten. „Ich sagte ja, heute ist kein guter Tag.“, murrte er und zog gleich nochmal an der Zigarette, kam Ben denn niemals mehr von diesen Dingen los? „Chris, ich hab mit Jules über viele Dinge gesprochen. Über ihre Vergangenheit, diese langen Monate voller Qual und ihr Leben danach. Auch über ihre Verbindung zu Ben haben wir gesprochen. Die beiden haben total verknallt ineinander die Nacht zum Tag gemacht, deshalb war Ben so spät erst hier, dieser Glückspilz. Jules hat die Kinder gesehen, die Kinder haben sie sofort umgerannt und ich sah, wie Ben sie ansah und sagte, dass er sie nicht mehr gehen lassen wird. Sie weiß Dinge, die er ihr unmöglich in der kurzen Zeit alle hätte erzählen können. Über mich, Cobe, Lilly, dich, seine Mutter, die Kinder. Sie spricht sehr offen von sich und sagte zu mir, dass sie nun zusammen seien, vollkommen und ganz. Sie habe den Riss in seinem Kern geschlossen und den Bund geknüpft. Als ich ihr sagte, dass Lilly Ben praktisch geohrfeigt hat an dem Tag ihres komischen Blutbad-Dates, da sah Jules mich an und fragte, ob sie mich ohrfeigen müsse, um die Schrecken meines Vaters abzulegen. Ich sagte, Lilly hat Ben damit geweckt. Jules meinte nein, sie hat ihn geohrfeigt, um ihren Willen durchzusetzen. Ben war vor, während und nach Mexiko zu jeder Zeit hellwach. Und ich muss dir sagen, dieser Satz hat mich ebenso zum Nachdenken gebracht, denn sie hat recht. Ben ist hellwach in der Birne.“, brummte der Latino und sah wieder zum Haus, Chris hingegen nickte und tja, was sollte er dazu noch sagen? „Jules hat mit 18 ein Kind verloren, ein Mädchen. Eine Totgeburt, mitten in der Nacht in ihrem Bad. Ihr Partner lief davon, wegen einer anderen Frau. Das hat mich zu Tode geängstigt und ich bin echt hart im Nehmen. Diese Frau ist nicht normal, genau wie Ben. Ben ist anders. Das wissen wir alle. Sie war im fünften Monat, als es geschah. Ben weiß das, er weiß so vieles, über was er nicht spricht.“, murmelte Diego leise und wieder schloss Chris nur schmerzerfüllt die Augen, konnte das denn wahr sein? „Liana wollte Kinder, ein Heim, Job, ankommen. Colbey wollte immer Kinder, ein Heim, einen Job und ankommen. Ben wollte sein Leben nie so früh schon so ernst werden lassen, das sagt er doch immer. Diese Trennung war das einzig Richtige, was hätte geschehen können, Chris. Lilly hätte Ben sonst nicht nur von sich, sondern ihm auch die Luft zum atmen weg gedrückt. Ben wäre eingegangen hier, er war eh schon so verfickt müde und kämpfte mit ihr herum. Ich werde diese Beziehung zu Jules schützen und ich werde mich ausführlich mit meiner Reina darüber unterhalten müssen, was hier die ganze Zeit eigentlich tatsächlich für ein Film lief. Gleichzeitig sollte jetzt niemand von uns die Beziehung zwischen Colbey und Liana auf den Prüfstand stellen, die beiden gehören zusammen und wie du schon sagtest, Ben ist frei. Belassen wir alles so, wie es ist und lernen damit zu leben. Rede du mit ihren Eltern, Ben führt Cobe da durch und alles andere ist cool so, wie es ist. Die Scheiße mit dem Kartell krieg ich ohne Ben in den Griff. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich meine Leute zugreifen lasse.“, erklärte Diego und das reichte Chris nun, er stand auf, seufzte und sah durch den Garten. „Geh. Geh zu Amy, tröste sie. Sie ist wütend auf Lilly und zeitgleich zu Tode erschrocken wegen dieser Diagnose. Ich rede mit Craig und Liss, sie sind ja drinnen bei Aroha. Und dann setz ich mich in den Chevy und werde Ben besuchen gehen. Ich muss ihn sehen, das
war alles zu viel heute. Hier, such ihm eine Soundanlage aus, du hast da mehr Ahnung als ich, entschuldige mich, Junge.“ bat er und ließ Diego einfach sitzen, was zur Hölle brach da für ein riesiges Loch unter Lilly auf und wie sollte er das bloß flicken?
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast