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Chance des Lebens

von Feodora29
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Eunhyuk Kyuhyun OC (Own Character)
03.10.2021
25.11.2021
16
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17.10.2021 2.136
 
Zeit zum Einleben bekam ich nicht und das war der erste Hinweis darauf, wie hart dieses Geschäft war. Gab ich soeben meine Freiheit auf? Knapp eine Woche nach meiner Ankunft und dem Einführen überall, ohne Künstlern über den Weg zu laufen, gab es die erste Aufgabe an mich, bei der ich beweisen musste, wie sehr ich es wollte. Dies war eine Belastungsprobe, die alles von mir abverlangen würde. Vor allem psychisch, ging es doch darum, in einem Monat, also genau in vier Wochen, bei dem SM Town Konzert in Tokyo einen Auftritt zu bekommen, als Rookie, wie ich nun angesehen wurde. Zunächst nahm ich noch etwas Kleines an, aber als ich bei der Einführung erstmals Irene von Red Velvet antraf, schwante mir übles.

„Also, Irene-ssi wird Ihnen kurz vorführen, was Sie anstreben sollten. Bis zum Ende werden Sie üben, erst dann entscheiden wir, ob nicht Irene-ssi weiterhin diesen Part übernehmen wird.“ Die Erklärung war verständlich, bis zu dem Punkt, wo ich hörte, um welchen Auftritt es ging. „Super Junior’s Lo Siento. Sie sind vorgesehen, statt Irene-ssi diesen Part zu übernehmen, weil Sie durch die Sprachkenntnisse hervorragend passen könnten.“ Ich war zunächst sprachlos. Von allen Künstlern, sollte es eine der ältesten und erfolgreichsten Gruppen von SM sein?

Anstatt dies als unmöglich anzusehen, stellte ich mich der Herausforderung und begann an diesem Tag einmal mit Irene dies zu üben, sowie dem Choreographen dafür. Zunächst war ich sehr verklemmt, wurde aber lockerer, nachdem Irene auf mich zukam. Nach einer Woche schaute sie mal wieder vorbei, in der Zeit hatte ich mit dem Trainer geübt, sowie auch ganz allein. Singen stand im Moment noch etwas im Hintergrund, das sollte nächste Woche geschehen. Der zweite Besuch von Irene tat gut, munterte sie mich auf und gab ein paar Tipps. Ihre Bandkollegin Seulgi schaute auch kurz herein. Da ich nur drei Monate jünger als Irene war, schlug sie mir das Du vor und bat mich, sie bei ihren echten Namen Bae Joohyun zu nennen.

Drei Wochen gingen vorbei, das Tanzen funktionierte echt gut inzwischen, waren Irenes Teile nicht zu schwer, aber wie würde es dann sein, wenn ich vor tausenden Menschen dies tun sollte? Eine kleine Kostprobe kam, als eine Woche vor Konzert eine Probe mit den Mitgliedern von Super Junior anstand. Das erste Mal, dass ich sie persönlich wieder sah, also so richtig. Bisher war es nur von weiten gewesen, sie waren schließlich beschäftigt. Joohyun war dieses Mal nicht da, ich musste also anscheinend sofort mit dem SUJU-Mitgliedern diesen Tanz hinbekommen, oder ich schoss mich nah zum Aus.

Nervös war ich doch, auch wenn mich zumindest diejenigen sehr freundlich aufnahmen, denen ich vor nun einem Jahr begegnet war. Mit Ausnahme von Heechul, waren sie vollzählig, ich traf also erstmals Ryeowook, Donghae und Kyuhyun. Nach einem Probelauf allein für Super Junior, sollte ich in der zweiten Runde schon mitmachen. Dies geschah auch eher in Schritten, da dieser Song eine Interaktion mit den Künstlern verlangte. Das hatte ich bisher nur mit dem Trainer geübt, nun war es anders. Doch dank der Lockerheit, die vor allem von Eunhyuk und Shindong kam, verlief es richtig gut. Meiner Meinung nach, auch wenn ich immer wieder an etwas scheiterte. Einmal an der Choreografie, dann am Ausdruck und dann war es einfach nicht der passende Moment.

Am Ende war ich mit mir unzufrieden, das versuchte ich aber gut zu verbergen. Scheiterte an demjenigen, der mir vor einem Jahr schon angesehen hatte, wie unglücklich ich gewesen war. „Lim Nari, das war für den Anfang wirklich gut. Du übst erst seit drei Wochen und hast ja nicht die Erfahrung, wie wir.“ Eunhyuk lächelte aufmunternd, Donghae neben ihm stimmte zu. „Genau.“ „Mich würde mal Ihre Stimme zu dem Song interessieren. Gab es schon eine Aufnahme?“, fragte Yesung. Schwach Kopf schüttelnd war dies meine Antwort, ehe sich Shindong an Eunhyuk wandte. „Wieso tust du so, als wärst du mit ihr vertraut? Ihr kennt euch auch nicht länger.“ Auch den anderen war also aufgefallen, dass Eunhyuk bei mir bereits das Du nahm, hatte er ja recht schnell vor einem Jahr getan. Verlegen sah er durch die Runde. „Ehm, keine Ahnung, ich war damals noch in Gedanken bei unseren Fans, vielleicht deshalb? Soll ich das zurück nehmen?“, stellte er seine letzte Frage an mich. Prinzipiell hatte ich nichts dagegen. „Nein, ist in Ordnung, aber wenn es darum schon einmal geht, dann bitte lieber Lilly, das ist mein bevorzugter Name.“ „Okay.“ Für Eunhyuk war das geklärt und der Rest sprach noch etwas miteinander, nur Kyuhyun verließ als erster die Runde.

Das erwähnte erste Singen mit Aufnahme erfolgte am nächsten Tag und da es mein erstes war, dauerte es etwas länger, aber am Ende war der Produzent zufrieden. Am Mittwoch, also nur drei Tage vor dem geplanten Konzert in Tokyo sollte die Entscheidung fallen. Entweder ich kam mit nach Tokyo und somit an den wohl größten Auftritt meines bisherigen Lebens, oder ich müsste dies Irene überlassen. Jene war bei der Prüfung nicht anwesend, dafür aber wieder die acht Künstler von Super Junior. Der zum Teil enge Kontakt während des Tanzens mit ihnen störte mich nicht, da war es von Vorteil, in Deutschland aufgewachsen zu sein, meine Meinung.

Bisher war ich immer aufgeregt gewesen, aber dieses Mal war dies schon nicht mehr so schlimm. Vielleicht, weil ich schon seit vier Wochen nichts anderes tat? Dadurch schaffte ich es, den Song in einem Anlauf zu schaffen und meiner Meinung ohne Fehler. Kritisch wurde alles beobachtet, vor allem wohl ich, aber ich ließ es über mich ergehen. Im Gegensatz zu ihnen hatte ich nicht viel zu verlieren. „In Ordnung“, kam die erste Rückmeldung, nachdem alle die Blicke ausgetauscht hatten. Sie standen auf und machten sich daran, den Raum zu verlassen. „Packen Sie Ihre Koffer, Lim Nari. Wir sehen Sie in Tokyo.“ Ich bedankte mich mit einer tiefen Verbeugung, doch erst als sie aus dem Raum waren, schaffte ich es, meinem breiten Lächeln Platz zu machen. Glück und Erleichterung durchströmten mich. „Glückwunsch“, sagte Eunhyuk als erster und klopfte mir sachte auf die Schulter. „Danke.“ „Ich bin schon gespannt, was das Publikum dazu sagen wird. Vom Entertainment kam doch noch keine Aussage zum neuen Trainee, oder?“, fragte Shindong. „Bisher nicht“, antwortete Leeteuk.

Während des Verlassens des Raumes gratulierten mir die meisten und verabschiedeten sich. Am Freitag würden wir hinfliegen, am Samstag wäre vormittags die Probe und am Abend das erste Konzert. Wirklich glauben konnte ich das noch nicht.

Auch nicht beim Flug nach Japan, in welchen ich mit meiner Mitbewohnerin in der normalen Klasse saß, während die älteren Künstler die erste Klasse genießen konnten. Mich störte es keineswegs, bis Japan war es ja nicht weit.

Dort traf ich am nächsten Tag erstmals auch alle Künstler nacheinander bei den Proben. Angefangen bei den Jüngsten NCT, deren Masse ich mir dennoch nicht merken konnte, über Red Velvet, die ich inzwischen kannte, dann EXO aus sechs Leuten, f(x) ohne Victoria, Taemin, Girls‘ Generation Taeyeon und Hyoyeon, sowie Super Junior ohne Heechul, TVXQ, BoA und Kangta. Mit Ausnahme von Irene, waren altersmäßig Taeyeon und Hyoyeon mir näher. Auf jeden Fall waren sie sehr freundlich zu mir. Die Generalprobe lief soweit gut, wobei es mir immer noch schwer fiel, mit spitzen Absatzschuhen zu tanzen. Kurz nach dem Beginn des Trainings hatte ich auf Schuhe mit Keilabsatz umsteigen müssen, damit ich mich schon etwas daran gewöhnte, später war daraus ein breiter und höherer Absatz geworden. Zum Auftritt selbst sollte ich aber einen spitzen Absatz tragen, nur zum Glück nicht beinahe 10 Zentimeter. Da kam mir meine Größe zugute, denn bei 10 Zentimeter zusätzlichen Absatz hätte ich sonst den einen oder anderen Tanzpartner von mir überragt. Ich kam also mit fünf Zentimeter davon.

Erstmals wurde ich richtig gestylt, eingekleidet und dann war es Abend. Der Moment des Auftrittes rückte näher. Ich erfuhr lediglich, dass mein voller Name aufblenden würde, mit dem Hinweis, Rookie zu sein. Nur wenige Minuten vor dem Auftritt packte mich die Nervosität so sehr, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Mir fiel schon das Atmen schwer, nachdem mir klar wurde, wie viele Menschen dies sehen würden. Mit Atemübungen versuchte ich, mich selbst zu beruhigen, aber meine Beine waren dennoch wackelig.

„Alles in Ordnung, Lim Nari? Du siehst etwas blass aus“, trat Eunhyuk heran. „Ja“, sprach ich leise, schüttelte aber den Kopf gleichzeitig, was Eunhyuk ein Schmunzeln entlockte. „Nervös zu sein ist ganz normal. Sieh es mal so, du wirst so oder so den Menschen in Erinnerung bleiben.“ Verwirrt über die Aussage, blickte ich ihn direkt beinahe auf Augenhöhe an. „Ach ja?“ Ein Teil der Anwesenden hörte zu, zumindest Donghae und Siwon. „Wenn du alles perfekt machst, wird man sich fragen, wer du bist und mit Lob überhäufen.“ „Und wenn ich es vermassele?“ „Dann wird man ebenso über dich sprechen und es werden mindestens genauso viele Videos darüber existieren.“ „Wenn nicht sogar mehr“, schob Donghae an. Mein Herzschlag ging wieder nach oben, als mir das klar wurde. Nicht nur tausende Blicke würden auf mir liegen, sondern auch hunderte Kameras von Fans. „Nicht besonders hilfreich“, kommentierte plötzlich Kyuhyun recht trocken. Erstmals hörte ich ihn direkt sprechen, wenn es um mich ging. Bisher hatte ich ihn recht ruhig empfunden, ganz im Gegensatz dazu, wie er in Shows wirkte. „Ihr macht es ihr nicht leichter“, fuhr er fort und sah Donghae und Eunhyuk an. „Ich wollte sie nur aufmuntern“, verteidigte sich Eunhyuk. „Ich glaube nicht, dass das geholfen hat. Vielleicht solltest du etwas Idiotisches machen, damit die Massen auf dich sehen, Hyung“, stichelte am Ende der Jüngste von Super Junior und lächelte erstmals verschmitzt. Es entlockte mir ein schwaches Grinsen, weil die Vorstellung interessant war. „20 Sekunden noch“, kam die Aussage und das Gespräch brach ab, weil die Stylisten letzte Maßnahmen trafen.

Da mein Einsatz später käme, war ich noch zusätzlich unter Druck. Verpatzte ich entgegen den ganzen Übungen jetzt meinen Auftritt, wäre alles hinüber. Vor Nervosität war ich tatsächlich etwas wackelig, als ich auf die Bühne ging, aber nachdem ich mit Singen begann, funktionierte der Rest beinahe von allein. Mir kamen die Worte in den Kopf, die Kyuhyun mir beim Herausgehen noch zugeschoben hatte. „Suchen Sie sich einen Punkt in der Ferne.“ Dies tat ich und es half, die Menschen auszublenden, ohne den Ausdruck zu vergessen. Die Interaktionen mit den Männern halfen mir dabei, kurz Aufmunterung zu erhalten und am Ende kam der Applaus. Auch wenn ich wusste, dass jener mehrheitlich Super Junior galt, war das Gefühl überwältigend.

„Sehr gut gemacht“, lobte mich als erstes Shindong direkt nach dem Auftritt, musste aber wie der Rest weiter, um ganz am Ende zum gemeinsamen Auftritt zu gehen. Dort nahm ich nicht teil, sah also alles von hinter der Bühne. Ich selbst war auf mich stolz, egal wie später das die entsprechenden Leute beurteilen würden. Es war noch immer möglich, dass die nächsten zwei Tage Irene dies übernahm

Eine Rückmeldung kam an jenem Tag nicht, erst am nächsten Morgen, als beim großen gemeinschaftlichen Frühstück klar wurde, wie die Fans über Nacht reagiert hatten. Ich aß abseits bei den Mitarbeitern, dennoch kamen kurz Joohyun und Wendy vorbei und gratulierten mir. „Danke.“ „Ihre Stimme würde ich mal in einer Ballade hören wollen“, wünschte sich Wendy am Ende, bevor sie an deren eigenen Tisch gingen. Fest stand schnell, ich sollte die beiden anderen Auftritte auch noch so ausführen. Im Internet kursierten schon Videos mit den Titeln oder Kommentaren, wer der unbekannte Rookie von SM wäre, zu dem nirgends Informationen auftauchten. Den Fans fiel auch auf, dass ich zwar schon älter sein musste, wurde aber dennoch als sehr hübsch betitelt. Auf diese Weise hatte ich dies bisher nicht betrachtet. War dies ein weiterer Grund, weshalb das Entertainment von mir Profit erhoffte?

Nach diesen drei Tagen wurde ich nachdenklich. War es das, was ich wollte und mir vorstellte? Könnte ich dies? Wusste ich denn jetzt schon, was dieses Leben alles beinhalten würde? Nein, definitiv nicht. Einen Einblick wollte mir SM geben, denn nach der Rückkehr wurde besprochen, wie ihre Pläne für mich aussahen. Sofern ich mich weiterhin so entwickeln würde, käme ein Debüt im November in Frage. Jedoch müsste ich bis dahin noch einige Tänze lernen, vor allem von den Künstlern aus dem eigenen Label, damit ich dies auch vorweisen könnte. Viel Arbeit, aber noch mehr beschäftigte die Initiatoren, wie sie mich als Solistin vermarkten wollten. Nur als Sängerin oder Idol? Sie tendierten zum Idol, wie ich es so heraushörte, hieß also nicht nur Singen, sondern in Shows auftreten, schauspielern und ähnliches. Damit sie einschätzen könnten, wie sehr ich mit Terminen dieser Art und der vielen Zeit dafür klar kommen würde, sollte ich ein Mitläufer werden. Immer im Backstage-Bereich bleiben, wenn es der Künstler war; hinter der Kamera alles verfolgen, wie Manager und quasi sämtliche Termine so wahrnehmen, als wäre ich ein Manager. Dabei sollte ich das Verhalten vom Künstler bei Shows beobachten und davon lernen.
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