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Chance des Lebens

von Feodora29
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Eunhyuk Kyuhyun OC (Own Character)
03.10.2021
21.10.2021
6
12.688
 
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14.10.2021 1.925
 
Mein Herz hämmerte bereits jetzt in meiner Brust, als ich in das SM Coex Artium trat. Dieses Gebäude war vor allem im unteren öffentlich zugänglichen Bereich beliebt. Es war ein Magnet für Fans und auch so gewünscht. Ich wusste noch nicht einmal richtig, an wen ich mich wenden musste. Unsicher blickte ich mich um und entschied mich schließlich, einen Mitarbeiter anzusprechen und meinen Namen zu nennen. Zunächst schien mich die ebenfalls junge Frau als Fan zu halten, holte aber schließlich doch eine Erkundigung ein. In der Zeit sah ich mich etwas um und sah viele Fans, welche Poster und Artikel der vielen Künstler von SM Entertainment bestaunten. Vielleicht sollte ich an einem der folgenden Tage auch noch hierher kommen. Voraussetzung, ich blamierte mich nicht so sehr, dass ich nie wieder einen Fuß hinein setzen wollte.

Ein männlicher Mitarbeiter sprach mich schließlich an und brachte mich weiter ins Innere des Gebäudes. Mit dem Fahrstuhl ging es nach oben und mein Herz begann wieder schneller zu schlagen. Ich hasste es, so nervös zu sein, dass war ich früher auch nicht so stark gewesen. Woher kam es jetzt auf einmal? Lag mir so viel daran, dass ich so nervös war, oder war es das Gegenteil? Die Angst, sich völlig zu blamieren und nie mehr vor Menschen singen zu wollen? Bloß weg mit diesen Gedanken.

Man gab mir zehn Minuten, um mich fertig zu machen, sprich: ich durfte mich in Ruhe einsingen und etwas dehnen. Dann trat ich ein einen Raum, wo ich fünf Menschen gegenüber saß und spätestens nach deren Vorstellung war ich mir sicher, dass mir eines der Gesichter nicht ganz unbekannt war. Es war der Chef von SM Entertainment persönlich. Jetzt war der Druck echt hoch, doch ich war froh, dass sie nicht viel Zeit verschwendeten, sondern mich baten, meine Performance zuerst zu zeigen. Ich hatte gehofft, zuerst singen zu können, aber schnell verstand ich den Sinn dahinter. Es galt zu beweisen, dass ich auch nach einer Performance noch immer gut singen konnte. Hatte ich etwas zu verlieren? Nein, also gab ich ihnen die Information über meine gewählten Lieder für meinen gesamten Auftritt. Ich sah, dass sie kurz aufhorchten, weil ich für beide Kategorien SM-Lieder gewählt hatte, einige schrieben eifrig mit. Auch noch während der Performance, doch das bemerkte ich nicht, konzentrierte ich mich lediglich darauf, keine Fehler zu machen und dennoch eine gute Ausstrahlung zu zeigen.

Ohne große Aussagen darüber, wie diese verlaufen war, baten sie mich, meine Ballade zu singen. Natürlich hatte ich auch hier nur einen Ausschnitt, wie beim Tanz auch. Erst als dies vorbei war, nahm meine Nervosität ab. Ein Ende war dennoch nicht in Sicht. Sie befragten mich schließlich nach meinem bisherigen Werdegang. Ich gab also meinen Lebenslauf kurz kund. „Sie sprechen also Deutsch und Koreanisch?“, folgte anschließend die Frage. „Ja, sowie Englisch und etwas Spanisch.“ „Was sind Ihre Hobbies?“ „Ich singe im Schulchor, betreibe Leichtathletik im Verein und spiele gerne Klavier. Viel mehr gibt das Berufsleben als Lehrer nicht her.“ Wieder wurde dies alles aufgeschrieben und sie gaben kein Zeichen, ob es positiv oder negativ ausfiel. „Wir danken für Ihr Kommen, auf Wiedersehen.“ Das war es, kurz und knapp und ich war wieder draußen. Sie sagten nur noch, dass sie mir ihre Entscheidung bis zum Ende meines Aufenthaltes hier mitteilen würden. Ganz ehrlich, ich wusste schon, wie sie ausfiel. Ich wusste nur nicht, ob ich mich freuen, oder doch etwas traurig sein sollte, dass mein Singen nicht ankam. Aber ich sollte mir das auch nicht so zu Herzen nehmen, ich tat dies aus Freude, nicht aus Interesse daran, Geld zu verdienen, das tat ich doch als Lehrerin bereits.

Auf jeden Fall fühlte ich mich danach befreit und beschloss, die Zeit in Seoul gut zu nutzen. Wenn ich schon beim letzten Mal die Chance verpasst hatte, Yesungs Café zu besuchen, dann sollte ich das jetzt nachholen. Ich fand den Ort schön, angenehm, um den Tag so ausklingen zu lassen.

Bei meinem letzten Aufenthalt hatte ich mich ohne Papiere nicht getraut, die Stadt zu erkunden, dies holte ich jetzt nach und so verging auch eine knappe Woche sehr schnell. Ein Anruf am Nachmittag zwei Tage vor Abreise machte mich dann doch noch einmal nervös. Es war tatsächlich das Entertainment und fragte, ob ich am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen könnte. Ich nahm dies ohne nachzudenken an, doch am Abend ging mir das nicht mehr aus den Kopf. Wenn es eine Absage wäre, wozu die Mühe machen, mich einzuladen?

Wieder stieg mein Puls an, als ich erneut in dem Raum am nächsten Tag dieselben fünf Leute vorfand. Dieses Mal boten sie mir einen Stuhl an, den ich dankend annahm, sah dann dennoch unsicher zwischen ihnen hin und her.

„Nun, es fehlt Ihnen an Übung, vor allem im Bereich Tanz“, kamen sie zum Punkt, nachdem die einfachen Floskeln erledigt waren. „Zudem sind Sie alles andere als jung, wenn es darum geht, Trainee zu werden. Künstler Ihres Alters sind dann schon lange im Geschäft und besitzen viel Erfahrung sowie eine treue Fangemeinschaft.“ Ich unterließ jegliche Reaktion, hatte ich doch gelernt, dass dies mir mehr offen halten würde. „Wir sehen in Ihnen dennoch gesangliches Talent, was sicher mit dem entsprechenden Training verbessert werden kann.“ Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren, als mir klar wurde, worauf sie hinaus wollten. „Die Frage an Sie ist, Frau Lim Nari, wären Sie denn daran interessiert?“ Ich schluckte. „Sie meinen, Idol werden zu wollen?“ Schwach wurde vereinzelt genickt. „Bisher ist das nur eine Möglichkeit, festlegen möchten wir uns noch nicht. Sie müssten zunächst ein Training durchlaufen und dann entscheiden wir.“ „Wie stellen Sie sich das vor? Ich habe einen festen Job als Lehrerin in Deutschland, ich kann nicht einfach so aufhören und darauf hoffen, dass Sie sich nach dem Training entscheiden, mich  zu nehmen. Das ist mir zu unsicher. Von welchen Zeitraum sprechen Sie überhaupt?“ Ich würde jetzt gar nichts entscheiden, aber fragen konnte ich ja. „Je nachdem, wie Ihre Fortschritte sind, ein Jahr.“ Meine Augen wurden größer, diese Reaktion sah man mir an, denn es kam eine Erklärung dazu. „Wir wissen, dass Ihr Lebensmittelpunkt im Moment in Deutschland liegt, sodass Sie das Training dort erhalten. Wir würden uns darum kümmern, dass Sie vor allem Gesangs- und Tanzstunden bekommen. Alles weitere Training entscheiden wir, sobald wir nach, sagen wir drei Monaten eine Rückmeldung der Trainer erhalten.“ Puh, das war aufregend und zu viel mit einmal.

Dies sollte gut überlegt sein, aber ich erhielt keinen Aufschub, mir das richtig zu durchdenken. Sie wollten jetzt eine Antwort und mir wurde klar, wie hart dieses Geschäft war. Meine Gedanken überschlugen sich, aber meine Antwort stand fest. Später erst begann ich zu zweifeln, aber machte mir Mut, indem ich zu mir sagte, es war noch lange nicht endgültig. Dies war noch kein Vertrag, nur ein Training, welches ich auch abbrechen könnte.

Neben dem eigentlichen Job so hart arbeiten zu müssen, war anstrengend, aber bisher machte es Spaß. Dafür unterließ ich jedoch die Leichtathletik für eine Weile, sowie den Chor immer mehr. Was sollte ich sagen, die Zeit verging wie im Flug. Mir kam es noch gar nicht so vor, als hätte ich schon eine Weile diese Stunden genommen, als ich erneut einen Flug bis Seoul bezahlt bekam. Sie mussten schon viel Hoffnung in mich setzen, wenn sie das alles in Kauf nahmen.

Winterferien waren in Berlin nur eine Woche lang, deshalb flog ich sofort am 4. Februar los, am Donnerstag würde es bereits zurückgehen. Mir blieben richtig gesehen nur Dienstag und Mittwoch. Am Mittwoch wäre das erneute Gutachten, für Dienstag standen direkt bei SM ein paar Stunden als Test in beiden Bereichen statt. Alles war mehr ein Hetzen, freie Zeit bekam ich nicht wirklich. Nicht einmal, als es am Mittwoch darum ging, eine neue Entscheidung zu treffen. Es war dieselbe Frage wie zuletzt und bisher nahm es mir zwar etwas meiner Freizeit, aber es machte Spaß, sowohl das Singen als auch das Tanzen. Also stimmte ich zu, dieses in Deutschland fortzusetzen. Hinzu kämen ein paar Ferngespräche, bei denen es um Verhaltensregeln und allgemeine Dinge im Showgeschäft ging. Darunter fiel auch das entsprechende Auftreten in Shows, das Verhalten in heiklen Situationen und die richtige Reaktion auf gewisse Fragen.

Bis April entwickelte ich immer mehr das Gefühl, dass eher der Beruf als Lehrerin das Hindernis war und nicht umgekehrt. Besonders nachdenklich machte mich dies, als es schließlich über Fernschaltung am 16. April hieß, ich wäre am Zug. Sie würden mir eine Chance geben wollen. Nach beinahe einem halben Jahr Training müsste ich dieses aber von nun an in Seoul fortsetzen. Sollte ich wirklich weiterhin diesem Weg folgen wollen, dann nur  in Seoul. Spätestens bis zum Ende dieses Jahres würden sie dann entscheiden, ob sie mich noch immer wollten, beziehungsweise, ob ich ihnen noch immer als profitabel erschien.

Doch so einfach war es nicht, ich war noch mindestens bis Anfang Juli als Lehrerin angestellt. Auf diesen Einwand von mir reagierten sie großzügig. Ich sollte dieses Schuljahr beenden und dann nach Seoul kommen. Bis dahin könnte man auf beiden Seiten alle Formalitäten dafür regeln. Ganz sicher war ich mir nicht, aber ein inneres Gefühl sagte mir, ich sollte es wagen. Einmal mutig sein und einen anderen Weg einschlagen. Entgegen meinen Eltern, die nicht besonders begeistert waren, aber ich führte schon eine Weile ein eigenes Leben und das nahm ich soeben in die Hand, indem ich der weiteren Trainee-Zeit in Seoul zusagte und schon wenige Tage später die Kündigung zum Ende des Schuljahres einreichte.

Die ersten Schritte waren getätigt, als nächstes folgten die Kündigung der Wohnung und das Beantragen der Papiere für Korea. Ich wollte meine Möbel nicht alle verkaufen, sodass ein Großteil dann bei meinen Eltern zwischengelagert würde. In Seoul selbst brauchte ich mich nicht um viel kümmern, dort sollte ich bei einer Mitarbeiterin einziehen, damit mir alles leichter fiel. Schließlich verdiente ich nun auch kein Geld mehr, im Gegenteil, ich machte ab dem Moment Schulden, an welchem mein Erspartes nicht mehr reichen würde. Doch hochgerechnet würde dies erst am Ende des Jahres geschehen. Bis dahin stand ich in keiner Schuld bei SM Entertainment.

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, für wen genau die Mitarbeiterin arbeitete. Dies erfuhr ich durch Zufall erst kurz zuvor, als ich mit ihr ein paar Mal telefoniert hatte, um lockerer zu werden. Sie war für eines der Sub-Label bei SM Entertainment angestellt, in diesem Fall für SJ Label, hieß also, sie arbeitete für Super Junior. So richtig freuen konnte ich mich nicht, wenn ich daran dachte, dadurch ihnen direkt begegnen zu können. Ich besaß noch die Telefonnummern einiger, aber hatte seit Oktober nicht mehr geschrieben. Es fühlte sich falsch an, waren wir in keiner Weise auch nur ansatzweise vertraut. Zwangsweise würde ich es nun werden müssen. Aber daran führte ja auch kein Weg vorbei, sollte ich wirklich Sängerin werden wollen.

Mit zwei Koffern ging es schließlich am Samstag nach der ersten Ferienwoche in Berlin Richtung Seoul los. Der Abschied fiel doch sehr emotional aus, war es für meine Eltern ungewiss, wie es mir ergehen würde, vor allem für meine Mutter. Doch freute sie sich auch, dass ich in ihr Heimatland reiste. Ich sollte bei Gelegenheit ihre Verwandtschaft mal besuchen. Würde ich machen, wenn man mir die Zeit gab, eher würde es noch am Geld scheitern. Zunächst war ich voller Vorfreude und etwas Ungewissheit. Dies war alles noch so merkwürdig, vor einem Jahr war ich nach Japan gereist, um Urlaub zu machen und nun saß ich im Flieger, um auf unbestimmte Zeit in Korea zu leben. Für einen Traum, den ich endlich verwirklichen könnte, doch für welchen Preis?
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