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Chance des Lebens

von Feodora29
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Eunhyuk Kyuhyun OC (Own Character)
03.10.2021
28.11.2021
17
39.101
 
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25.11.2021 1.738
 
Ich war wirklich froh, so glimpflich davon gekommen zu sein. Zunächst hatte ich echt befürchtet, ich würde nun für eine ganze Weile in der Versenkung verschwinden. Mein Glück war wohl, dass ich erst ein Comeback gehabt hatte. Glücklicherweise durfte ich meine Videos weiter aufnehmen, daran verdiente ich ja eh nicht und ansonsten gab man mir die Aussicht, für OST’s noch bis zum Ende des Jahres singen zu dürfen. Ein Comeback selbst würde ich wohl in diesem Jahr nicht mehr erhalten, aber sofern mir erlaubt war, nicht ganz der Öffentlichkeit und den Fans fernzubleiben, war ich zufrieden.

Die Lernvideos aufzuzeichnen, gestaltete sich im August etwas schwerer, weil Hyukjae kaum anwesend war und wenn ja, wollte ich ihn nicht stören. Super Junior-D&E würde Anfang September ein Comeback haben, sodass er mit Donghae zusammen oft unterwegs war. Ich war nur erleichtert, dass er auf mich nicht wütend war, oder mir länger meine selbstsüchtige Aktion übel nahm. Seine Freundschaft bedeutete mir viel und nachdem wir diese ja als solche bestätigt hatten, wäre es für mich schlimm gewesen, wenn ich jene damit zerstört hätte. So viele enge Freunde besaß ich dann nach einem Jahr hier noch immer nicht. Natürlich verstand ich mich mit den weiblichen Künstlern bei SM Entertainment auch, aber bestimmte Dinge konnte ich ihnen nicht anvertrauen, war es ja in gewisser Weise ein stetiges Geheimnis zwischen mir und den Mitgliedern von Super Junior. Selbst unter ihnen wussten manche mehr als andere, so auch Kyuhyun.

Er ließ mich dann meist rein und half mir bei meinen Videos, wenn er selbst die Zeit fand. Er gehörte zu den geschäftigsten unter Super Junior. Kein Wunder, dass er da auch mal mich ganz vergaß.

Einen Abend gegen Mitte August stand ich vor ihrer Wohnungstür und wurde völlig perplex von ihm angesehen, nachdem er die Tür geöffnet hatte. „Hallo“, begrüßte ich ihn, doch aufgrund seines überraschten Anblicks sah ich ihn zweifelnd an. „Alles in Ordnung?“ Beiläufig nickte er und trat zur Seite, um mich reinzulassen. „Jaja, ich hab dich nur vergessen, entschuldige.“ Ich trat ein, stockte aber augenblicklich, als ich fremde Schuhe sah und Stimmen hörte. Sofort wandte ich mich ihm zu. „Du hast Besuch? Ich kann auch wieder gehen“, meinte ich und deutete bereits zur Tür. „Nein“, sprach er hastig und schlug die Tür zu. Verwirrt blickte ich hoch in sein noch immer etwas überfordertes Gesicht. „Meine Schwester ist da“, erklärte er schließlich, was mich lächeln ließ. Ich wusste über seinen Kanal auf YouTube, dass er zwei entzückende Neffen hatte. „Ich will nicht stören, dann komme ich einen anderen Tag wieder“, bot ich mich an. Er zögerte. „Du hast dich aber vorbereitet und ich hatte dir zugesagt. Ich hab kein Problem damit, wenn du hier bist.“ „Das ist nett von dir“, begann ich und sah ihn warm an. „Aber ich möchte dir nicht die Zeit mit deiner Familie nehmen.“ Entschlossen schüttelte er auf einmal den Kopf. „Tust du nicht. Bleib, ich stell sie dir vor.“ Kyuhyun wirkte von einem Moment auf den anderen wieder völlig  normal und freudig. Also stimmte ich zu, Ablehnungen waren mir in dieser Wohnung eh für die nächste Zeit untersagt, Regel der zwei Herren an mich, nachdem sie sauer auf mich gewesen waren.

Kyuhyun stellte mir schließlich die Familie seiner Schwester vor, inklusive der Zwillinge. Zunächst beließ ich es bei einer Begrüßung und kümmerte mich dann lieber um meine Aufnahme. Diese ging dieses Mal ganz schnell von der Bühne und so konnte ich anschließend noch immer die Zwillinge sehen. Sie waren erst berechtigt schüchtern, mit zweieinhalb Jahren aber schon zügig unterwegs.

Am Ende verstand ich mich recht gut mit Kyuhyuns Schwester Ahra, die ja noch drei Jahre älter als Kyuhyun selbst war, demnach sechs Jahre älter als ich. Es war auch einmal angenehm, über Dinge zu sprechen, die jemand außerhalb des Geschäftes sah, so wie ich eigentlich selbst es gekannt hatte. Während wir sprachen, hatte ich gegen Ende Yejun auf dem Schoß und konnte ihn für mich gewinnen. Zumindest lachte er und es war ansteckend, wie Kinderlachen es immer war. Ein Gefühl des Friedens durchfuhr mich und gab mir Kraft zurück, die ich in letzter Zeit verloren hatte.

Sie gingen zuerst, waren sie ja schon länger hier gewesen und die Kinder mussten ins Bett. Nachdem Kyuhyun sie rausgebracht hatte, kehrte er an den Tisch neben der Küche zurück. Er lächelte zufrieden, wie es nur ein Onkel eben konnte. „Du hast dich echt gut mit ihnen verstanden. Noona sagte, sie mag dich“, gab er verschmitzt gegen Ende bekannt. „Das hat sie dir gesagt?“, fragte ich tatsächlich überrascht. „Ja, gerade eben noch.“ Es war schön, so etwas zu hören. „Du hast eine tolle Familie“, äußerte ich meine Gedanken. Er stützte einen Arm auf dem Tisch ab und legte den Kopf darauf, um mich leicht schräg ansehen zu können. „Die hast du sicher auch.“ Ich brach den Blick zu ihm. „Ich möchte nicht darüber sprechen“, murmelte ich. „Worüber möchtest du dann sprechen?“ Ohne den Kopf zu heben, richtete ich lediglich den Blick auf ihn und dachte nach. „Keine Ahnung. Vielleicht sollte ich gehen?“ Ruhig betrachtete er mich und ich ließ die Zeit verstreichen, wartend auf eine Reaktion darauf. „Wirst du irgendwann nach Deutschland zurückkehren?“ Forschend in sein Gesicht schauend versuchte ich herauszufinden, wie ich ihn zu verstehen hatte. Kyuhyun hatte seine Frage ohne Gefühlsausdruck gestellt, weshalb es mir schwer fiel, ihn einzuschätzen. „Auch das weiß ich nicht. Im Moment nicht, es gibt keinen Grund dafür.“ „Dir gefällt es hier? So wie es ist?“ Meine Antwort zur ersten Frage hatte ich sofort auf der Zunge, stockte aber aufgrund der zweiten Frage.

Es gefiel mir hier, aber wenn ich intensiver darüber nachdachte, gab es schon ein paar Dinge, die ich vermisste. Menschen und die Beziehungen zu ihnen, sie fehlten mir eindeutig. Trotz einem Jahr fiel es mir noch immer schwer, die Kontakte richtig eng werden zu lassen. Außerdem vermisste ich alltägliche Dinge, die man mit Freunden unternahm. Manche Regeln schränkten mein Leben ein, oder die Verhaltensweisen, die man als Künstler einzuhalten hatte. Dabei hatte ich schon Glück mit meinem reiferen Alter, mehr Freiheiten zu genießen.

„So ziemlich“, antwortete ich schließlich nach längerer Überlegung, was die Aussage natürlich noch mehr in Frage stellte. Doch Kyuhyun grinste daraufhin schwach, so, als hätte er das erwartet, oder diese Antwort provoziert. Er hob den Kopf, streckte sich einmal und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Dabei ließ er mich nie aus den Augen. „Kennst du inzwischen jemanden außerhalb unseres Entertainments?“ Nachdenklich legte ich den Kopf leicht schief. „Hm, spontan würde ich sagen, Mamamoo. Ich hatte ja noch nicht so viele Möglichkeiten.“ Verstehend nickte er. „Die meisten sind auch jünger“, folgerte er. „Richtig, das macht es nicht leichter. Mir bleibt also weiterhin nur das Entertainment.“ Kyuhyun schmunzelte wieder. „Du meinst wohl eher uns.“ Nun brachte er mich zum Lächeln. „Werde mal nicht übermütig. SM hat nicht nur Super Junior.“ Das wusste er genau, sein Grinsen zeigte dies deutlich. „Mal rein hypothetisch, du würdest zum Beispiel in einer Unterhaltungssendung sein und die Frage käme, mit wem du ausgehen würdest, oder sagen wir genauer, mit wem aus dem Entertainment verstehst du dich am besten. Was würdest du antworten?“ „Sind das nicht zwei verschiedene Dinge?“ Er gab darauf nur ein schwaches Schulterzucken von sich. Ich sollte selbst entscheiden, wie ich dies auslegte. „Mit wem ich mich gut verstehe, ja? Aufgrund dessen, was die Öffentlichkeit nun weiß, würde ich Hyukjae-oppa sagen. Vorher wohl Red Velvet, Taeyeon-unnie und Hyoyeon-unnie.“ „Hm, kluge Antwort und wen würdest du daten?“ Ich zog die Augenbrauen hoch. „Rein hypothetisch?“, fragte ich nach, aber er reagierte wieder nicht. „Also rein hypothetisch“, setzte ich konkret an, „ist das nicht zu einfach, zumal ich das ja bereits getan habe, nicht wahr? Also ist die Frage überflüssig, die Antwort kennen ja schon alle.“ „Und nachdem Hyung wegfällt?“ Langsam verstand ich und grinste verschmitzt, als ich mich vorlehnte. „Du willst wohl deinen Namen hören, was? Weil ich hier so viel herumhänge?“ „Vielleicht“, sagte er geheimnisvoll grinsend. „Vielleicht“, antwortete ich verzögert und sah zufrieden, wie ihn das für einen Moment aus dem Konzept warf. Doch schnell setzte er seine lächelnde Fassade wieder auf. „Vielleicht finde ich ja auch andere ältere Männer von SM Entertainment attraktiv“, fuhr ich fort und weckte sein Interesse, schließlich lehnte er sich nun ebenfalls vor und verkürzte somit den Abstand zwischen uns. „Es bleibt aber bei SUJU, schließlich kennst du die anderen nicht so sehr.“ Er hatte Recht, aber das musste ich ja nicht sofort sagen. Gelassen zuckte ich mit den Schultern und stand schließlich auf, um zum einen das Thema eher unbeantwortet zu beenden und um mich auf den Heimweg zu machen. Kyuhyun hakte zunächst nicht mehr nach, aber grübeln würde er vermutlich dennoch. Irgendwie hatte ich zumindest das Gefühl, dass es mich noch verfolgen würde.

Mich hatte es auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht, aber eher auf die Frage, ob es mir hier gefiel und ob ich vorhatte, irgendwann wieder nach Deutschland zu gehen. Der Punkt war doch viel eher, wo wollte ich leben? Im Moment war mein Lebensmittelpunkt hier, aber um diese Frage zu beantworten, musste ich weiter denken, in die Zukunft. Das war nicht einfach, änderte sich immer so viel und gerade dieses Geschäft war so wandelbar, wie die Welt gerade es eh war. Wie sollte ich mich festlegen, wenn ich nicht wusste, wo mein Platz war? Tatsache war ebenso, dass ich 27 Jahre Deutschland nicht vergessen konnte, meine Familie lebte dort und ich hatte Freunde zurückgelassen, sowie einen sicheren Job mit gesichertem Einkommen.

Wenn ich richtig in mich ging, dann wusste ich, dass es nur eine Sache gab, die mich überhaupt zweifeln ließen. Die Meinung meiner Eltern war noch dieselbe und auch wenn es mir egal sein könnte, so war es das nicht. Sie sollten meinetwegen eine andere haben, aber es wäre schön, wenn sie meine Entscheidung respektieren würden. Doch mein Vater tat dies nicht, meine Mutter wäre da eher noch rumzubekommen. Merkwürdig, hätte ich es doch eher umgekehrt erwartet. Ich konnte sie nicht dazu zwingen, mir ihre Zustimmung zu geben, also musste ich damit leben, dass unsere Beziehung etwas kühler geworden war. Leider ersetzte einem niemand die eigene Familie und hätte ich nicht zumindest ein paar wenige Freunde hier, ich würde verrückt werden und den Mut und die Kraft verlieren. Ich hätte schon nach dem Unfall aufgegeben, aber jede Hürde seit einem Jahr hatte ich gemeistert, mit Hilfe von anderen und ich hoffte, diesen Freundschaften gerecht zu werden.
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