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Auf der Suche

von Komet68
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Mix
02.10.2021
24.01.2022
26
50.313
4
Alle Kapitel
43 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.01.2022 2.252
 
Moin Moin ihr Lieben,
dieses Wochenende ist nur Kevin dran, ehe ihm Antonia in zehn Tagen mit ihrer Sicht der Dinge folgt. Viel Spaß beim Lesen!
LG Komet :-)

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Kapitel 25

Freitag, 14.Januar 2022


Kevin

Auch wenn ich es mir fest vorgenommen hatte, ergab sich die ganze Woche keine Gelegenheit, in Ruhe mit Antonia darüber zu reden, wie es mit uns weitergeht. Dass das hier mehr als eine Auszeit oder Beziehungspause darstellt, ist uns beiden – unausgesprochen – klar. Leider war einer von uns beiden in den letzten Tagen immer im Stress, so dass es nie passte. Als Toni am Sonntagabend mit Bella zurückkam von ihrem Wochenendausflug bei einer Freundin, der sich letztendlich als Besuch bei ihrem Kollegen Markus und dessen Familie herausstellte, wirkte sie auffällig relaxed, was mich gleichermaßen wunderte und erfreute. Wenn sie positiv gelaunt ist, wird es mir vermutlich leichter fallen, ihr von Florian zu erzählen, der zwar nicht der Grund aber wohl doch der Anlass für unsere Trennung ist, zumindest aus meiner Sicht. Bis zu ihrer Ankunft am Sonntag war ich noch unsicher, ob es besser gewesen wäre, nicht zuhause zu sein, wenn sie in der Wohnung auftaucht. Meine größte Sorge war, dass sie mich mehr oder weniger deutlich auffordert, mir eine andere Bleibe für die Nacht zu suchen. Aber Toni meinte, dass ich solange auf dem Sofa schlafen kann, wie ich will. Bella haben wir die Ausquartierung aus dem Schlafzimmer damit erklärt, dass der Papa so laut schnarcht. Auch sonst war die Lage relativ entspannt. Ein Außenstehender musste schon ganz genau hinschauen, um zu bemerken, dass er keine glückliche Familie vor sich hat, als Bella mir von dem 'schönen' Schneemann berichtete, während Toni sich ums Abendessen kümmerte. Es war alles fast wie immer. Uns beiden war anzumerken, dass keiner die lockere Stimmung durch eine Aussprache ruinieren wollte.

Aber nicht nur mit meiner Noch-Freundin konnte ich mich nicht austauschen, auch Florian habe ich seit unserer 'gemeinsamen' Nacht, die wir Weihnachten brav in getrennten Betten verbracht haben, nicht mehr gesehen. Lediglich ein paar mehr oder weniger ausführliche Telefonate blieben uns vergönnt. Da es seinem Opa am letzten Freitag doch noch nicht so gut ging, dass man ihn guten Gewissens aus dem Krankenhaus entlassen konnte, ist Flo eine Woche länger bei seiner Oma geblieben. Ob wir uns am Wochenende treffen können, ist leider ungewiss, aber ich hoffe erst einmal auf das Beste, denn ich vermisse ihn schon sehr, vor allem, weil ich noch immer unsicher bin, ob wir trotz mehr oder weniger eindeutiger Andeutungen beim Telefonieren nun richtig zusammen sind oder nicht. Wenn man den anderen nicht sieht, kann man doch nicht immer genau sagen, wie der Gegenüber so drauf ist. Gespräche von Angesicht zu Angesicht waren aufgrund einer sehr schwachen Internetverbindung unmöglich.

Umso mehr freue ich mich, heute wenigstens an einer Front für klare Verhältnisse zu sorgen. Bei einem gemeinsamen Frühstück wollen Toni und ich sich darüber unterhalten, wie es mit uns beiden beziehungsweise wohl eher mit jedem von uns allein weitergeht. Ich hoffe sehr, dass wir uns vor allem auf eine gute Variante im Umgang mit Bella einigen können, damit sie so wenig wie möglich unter unserer Trennung leidet.

Während Toni die Kurze in die Kita bringt, decke ich den Tisch und koche den Kaffee. Nachdem ich damit fertig bin, checke ich immer wieder nervös mein Handy, ob darauf neue Nachrichten eingegangen sind. Als es klingelt, zucke ich zusammen.

„Boah, wenn uns jetzt jemand dazwischenfunkt“, schimpfe ich vor mich hin, als ich zur Tür eile.

„Sorry, ich hatte meinen Schlüssel vergessen.“

Erleichtert nehme ich zur Kenntnis, dass es nur meine vergessliche Freundin oder besser gesagt zukünftige Ex-Freundin ist.

„Kein Problem. Ich hatte nur befürchtet, dass uns jetzt, da wir es endlich schaffen, uns an einen Tisch zu setzen, was in die Quere kommt.“

„Ja, das wäre blöd“, kommentiert Antonia, begleitet von einem aufmunternden Lächeln.

Als wir uns dann in der Küche gegenübersitzen, konzentriert sich erst einmal jeder auf sein Frühstück. Auch wenn dies eine völlig alltägliche Situation ist, spüre ich, wie die Nervosität in mir aufsteigt.

„Soll ich anfangen?“, bietet Toni an, was ich erleichtert bejahe.

„Ich würde gern sagen, dass wir um unsere Beziehung kämpfen sollten, aber ich möchte nicht um Liebe kämpfen müssen … irgendwie passt das für mich nicht zusammen, Liebe und Kampf. Verstehst du, was ich meine?“

„Auf jeden Fall!“, stimme ich ihr eifrig nickend zu. „Ich hatte wirklich immer gehofft, dass wir es hinbekommen. Ich hab's mir so sehr gewünscht, gerade weil es bei uns nicht die große Liebe auf den ersten Blick war.“

„Ich auch“, übernimmt Antonia wieder nach einer kurzen Pause. „Ich mag dich noch immer und du wirst immer ein wichtiger Teil meines Lebens bleiben, aber es reicht nicht für 'immer und ewig'. Und nur für Bella zusammen zu bleiben, wäre falsch.“

„Ich weiß … Ich war in etwa in dem gleichen Alter, als sich meine Eltern getrennt haben. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern – zum Glück verdrängt der Mensch negatives aus seinem Gedächtnis – aber ich weiß noch genau, dass ich jedes Mal dann, wenn Mama geweint hat, dachte ich sei schuld. Cindy und ich haben sich dann immer große Mühe gegeben, Mama zum Lachen zu bringen. Erst später wurde mir klar, dass sie erst nach der Trennung wieder auflebte. Ich denke, für ein Kind ist es tausend Mal besser, wenn die Eltern sich trennen und dabei glücklich sind, als wenn sie weiter zusammenleben und sich streiten. Das macht am Ende nur alle Beteiligten unglücklich, finde ich …“

Während ich spreche, beobachte ich Toni. Sie hört mir aufmerksam zu. Spontan durchfährt mich die Idee, dass wir so ein Gespräch vielleicht deutlich eher hätten führen sollen, nein müssen. Diese simple Erkenntnis lässt mich stocken.

„Irgendwie schade, dass wir uns nicht schon längst so unterhalten haben“, spricht Antonia leise das aus, was ich gerade gedacht habe.

Hastig wischt sie die Tränen in ihren Augen mit dem Ärmel ihres Pullovers weg. In diesem hochgradig sentimentalen Moment würde ich sie am liebsten in den Arm nehmen. Der Signalton meines Handys, der den Eingang einer Kurznachricht anzeigt, verhindert letzteres.

„Von Florian?“

Ertappt starre ich sie an. Wie ein Fisch auf dem Trockenen öffne ich den Mund, schließe ihn aber wieder, weil mir vor lauter Schreck keine passende Antwort einfällt.

„Woher weißt du das?“, frage ich, als ich meine Sprache wiedergefunden habe.

„Wissen tue ich nix, eigentlich habe ich nur geraten. Offenbar habe ich zufällig den Nagel auf den Kopf getroffen“, reagiert sie sichtlich amüsiert. „Cindy hat da was angedeutet, also sie hat nicht direkt seinen Namen erwähnt, obwohl ich sie schon ein bisschen bedrängt habe. Sie meinte nur, jemand aus deiner Vergangenheit wäre wieder aufgetaucht. Ich bin davon ausgegangen, dass es nicht Marko ist. Mir fiel dann ein, dass mir irgendjemand damals an deinem 19.Geburtstag, als ich dich überrascht habe, davon erzählt hat, dass es zu der Zeit einen Mann namens Florian in deinem Leben gab. Aber damals wurde nichts aus euch …“

Ich kann nicht verhindern, dass ich rot anlaufe.

„Nun lies schon, was er dir geschrieben hat.“

„Ich kann auch später …“

„Mach wie du willst. Früher oder später müssen wir beide damit klarkommen, dass der andere wieder jemand neues hat.“

Der letzte Satz lässt mich aufhorchen. Dass Toni sich neu verlieben könnte, hatte ich bisher nicht auf dem Schirm. Ob mich der Gedanke eifersüchtig werden lässt, kann ich so spontan nicht sagen. Ich hoffe sehr, dass ich ihr dann das Glück gönnen kann.

Als Antonia beginnt, den Tisch abzuräumen, lese ich schnell, was mir Florian geschrieben hat.

'Mein Opa wird heute aus dem Krankenhaus entlassen, ich hole ihn nachher ab. Je nachdem wie gut es ihm dann geht, wenn er wieder bei meiner Oma zuhause ist, entscheide ich, ob ich heute noch zurückfahre. Ich freue mich auf dich!'

'Ich mich auch. Melde dich, wenn du was Genaueres weißt. Ich vermisse dich! Kevin', tippe ich ein, dann drücke ich auf 'senden'.

„So verliebt hast du mich schon lange nicht mehr angesehen“, merkt Antonia an, was mich erneut erröten lässt.

„Sorry, aber …“

„Kevin, du musst dich nicht entschuldigen, weil du für jemand anderes mehr empfindest als für mich. So ist das Leben. Trefft ihr euch heute?“

„Weiß ich noch nicht.“

„Ach so.“

Ich bin noch unsicher, wie echt Tonis Gelassenheit ist, wenn es um einen potentiellen neuen Partner an meiner Seite geht. Allerdings bringt es wenig, mir jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich überlege mir, es einfach so zu nehmen, wie es sich gerade ergibt.

„Kevin, solange sich der oder die Neue in deinem Leben mit Kindern im Allgemeinen und Arabella im Speziellen versteht, kannst du lieben, wen du willst. Das gilt übrigens auch für mich. Ich könnte niemals mit jemandem zusammen sein, der unsere Prinzessin nicht mag.“

„Das sowieso. Stichwort 'Bella' – wie machen wir das? Wie oft kann ich sie sehen? Noch habe ich ja keine neue Wohnung, aber wenn ich eine gefunden habe, würde ich schon gern viel Zeit mit der Kurzen verbringen“, lenke ich unser Gespräch auf unsere Tochter.

„Willst du auch noch einen Kaffee?“, übergeht Antonia einfach meine Frage.

„Ähm …“, stutze ich irritiert.

„Keine Angst Kevin, ich habe deine Frage verstanden“, reagiert sie nun doch etwas gereizter, als sie aktuell erscheinen möchte. „Ich würde mir noch eine Tasse aufbrühen und will nur wissen, ob du auch noch eine möchtest.“

„Ach so … ähm nee danke!“

Toni kommt mit ihrer dampfenden Kaffeetasse zum Tisch zurück und nimmt erneut mir gegenüber Platz.

„Also … ich habe mich mal schlau gemacht. Ich würde nicht wollen, dass Bella alle vierzehn Tage am Wochenende bei dir ist …“

„Ist das dein Ernst?“, unterbreche ich sie aufgebracht.

„Lass mich doch erst mal ausreden. Ja, das ist mein Ernst, aber nicht, weil ich sie dir vorenthalten will. Im Gegenteil – ich möchte, dass jeder von uns gleich viel Zeit mit Arabella verbringt. Cindy hat mich auf die Idee des Wechselmodells gebracht. Dabei ist das Kind abwechselnd eine bestimmte Zeit beim Vater und dann genauso lange bei der Mutter.“

„Ach so“, lasse ich meiner Erleichterung freien Lauf. „Also immer eine Woche bei dir und dann eine Woche bei mir?“

„Genau. Ich hab zwar noch keine Ahnung, wie wir das Bella erklären, aber vielleicht kann uns ihre Lieblingstante Cindy dabei einen Tipp geben. Ich möchte halt, dass unsere Prinzessin nicht das Gefühl bekommt, dass sie entscheiden muss, wen sie lieber hat oder bei wem sie lieber sein will.“

„Das sehe ich genauso. Ich hatte nur noch nie von diesem … Wechselmodell? gehört“, kommentiere ich. „Bitte nicht missverstehen … ich weiß, dass kein Elternteil Ansprüche auf ein Kind hat, aber ich gebe zu, ich hatte befürchtet, dass ich mich in irgendeiner Form anstrengen muss, möglichst viel Zeit mit Bella zu haben. In vielen Köpfen herrscht noch immer die Meinung, dass ein Kind zur Mutter gehört, also mehr als zum Vater.“

Antonia sieht mich mit bösem Blick an.

„So wenig kennst du mich?“

Die Enttäuschung in ihrer Stimme ist nicht zu überhören.

„Sorry, ich … du hast ja Recht. Entschuldige! Ich müsste eigentlich wissen, dass du das Wohl unserer Prinzessin immer an oberste Stelle gesetzt hast und das wird auch so bleiben.“

„So wie du auch“, gibt sich Antonia sofort besänftigt. „Was macht eigentlich deine Wohnungssuche?“

„Leider nicht viel. Aber ich werde das Ganze nächste Woche forcieren, damit ich schnell eine Dreiraumwohnung in der Nähe finde.“

„Ich drück dir die Daumen … Ja, Neumann … nee, das klappt leider nicht … Bella ist heute Mittagskind … Für Sonntag muss ich mit Kevin reden, ob er die Kurze nimmt … Sorry, aber diesmal kann ich nicht kurzfristig einspringen.“

„Deine Chefin?“, erkundige ich mich, nachdem Toni das Telefonat beendet hat.

„Ja. Könntest du am Sonntag?“

„Na klar.“

„Bist du sicher? Falls du nicht kannst … also wegen Florian … ich kann auch absagen.“

„So ein Quatsch!“, erwidere ich kopfschüttelnd. „Bella ist wichtiger als ein Date mit Flo. Wenn er für meine Tochter kein Verständnis haben sollte, ist er nicht der Richtige für mich.“

Während ich spreche, entdecke ich auf meinem Mobiltelefon eine ungelesene Nachricht von dem Mann meiner Träume, die vor etwa zwanzig Minuten eingegangen ist:

'In einer Stunde bei mir? Ich beeile mich'

„Wann seht ihr euch?“

Antonia lächelt mich freundlich an. Anscheinend kann sie in mir lesen wie in einem offenen Buch. Noch bin ich nicht sicher, ob das gut oder schlecht für mich ist.

„In gut einer halben Stunde. In der Innenstadt.“

„Na dann … hurtig, hurtig. Wir sind ja fertig für heute.“

„Meinst du?“, vergewissere ich mich.

Antonia verdreht demonstrativ die Augen, dann nickt sie. Auch wenn ich ihr diese Lockerheit nicht vollständig abkaufe, nehme ich sie dankbar an.

„Danke!“

Hastig schlüpfe ich in Jacke und Schuhe, dann verlasse ich die Wohnung. Auf dem Weg in die City steigt meine Nervosität mit jeder Minute, die mich dem Wiedersehen mit Florian näherbringt. Obwohl wir uns in der Vergangenheit schon einige Male so nah waren, wie man einem anderen Menschen nur sein kann, bin ich aufgeregt wie ein pubertierender Teenager. Als ich vor seiner Haustür stehe, atme ich mehrfach tief durch, ehe ich auf die Klingel drücke. Immer zwei Stufen auf einmal zu nehmen, verkneife ich mir, damit ich nicht völlig außer Atem bin, wenn ich im dritten Stock ankomme.

„Habt ihr endlich geredet?“, will er als erstes wissen, nachdem ich die Wohnung betreten habe.

„Ja, wir …“

„Details kannst du mir später erzählen“, würgt Florian mich mit resoluter Stimme ab.

Dann zieht er mich zu sich heran, hält aber abrupt inne, bevor sich unsere Lippen treffen.

„Wildpark oder Streichelzoo?“

„Lass es uns herausfinden …“
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