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Die Magie der Wahrheit

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character)
02.10.2021
21.10.2021
4
5.320
1
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14.10.2021 1.540
 
PoV Dimenzio



Nur langsam wich dieses grauenhafte Gefühl, dass ihn den ganzen Weg über nach seinem Alptraum beherrscht hatte, aus seinem Körper. Ließ stattdessen Platz für die grenzenlose Erleichterung und Liebe für Lirain, während Dimenzio diese enger an sich drückte. Ihre Wärme spürte, ihre zarte Hand, die ihm sanft durch seine Haare strich. Das Zittern in seinem Körper ließ langsam nach, wurde immer weniger, bis er schließlich noch einmal tief durchatmete und sich von seiner Schneeflocke löste, wenn auch äußerst widerwillig.


Diese sah ihn aus besorgten, grau-grünen Augen an, ein sanfter, lavendelfarbener Schimmer schien in ihnen zu leuchten. Dimenzio wusste, dass dieser von ihrer Magie herrührte, die seit den damaligen Ereignissen mit dem Dunklen Herzen endgültig in ihr erwacht waren. „Möchtest du mir sagen, was los ist?“, fragte Lirain sanft und strich ihm vorsichtig über die Wange, wischte mit dem Daumen ein paar Tränen weg, die dem Gaukler, ohne das er es bewusst bemerkt hatte, hinab gelaufen waren. Er presste die Lippen zusammen, zögerte kurz. Eigentlich wollte er nicht mehr auch nur eine Sekunde an diesen Alptraum denken. Doch alles herunterspielen und behaupten, das „nichts wäre“ konnte er vergessen, dass sah er der Weißhaarigen direkt an.


Er fuhr sich durch die Haare bevor er schließlich kellertief seufzte und dann nur sagte: „Ich… hatte einen ziemlich schlimmen Alptraum.“ Lirain sah ihn noch immer wachsam und abwartend an. „Es… er handelte über die Leere… und das Dunkle Herz. Ich…“ Wieder seufzte Dimenzio und ließ sich schwer zu Boden gleiten, fixierte mit den Augen einen unbestimmten Punkt vor ihm. „Ich möchte nicht unbedingt darüber reden.“ Er spürte deutlich den prüfenden Blick von Lirain auf sich, schaffte es jedoch nicht, ihr in die Augen zu blicken. Nicht jetzt. Nicht, wo ihn die Bilder seines Alptraums ein weiteres Mal bedrängten. Schließlich hörte er ein schweres Seufzen und kurz darauf wurde er noch einmal von der Weißhaarigen in eine Umarmung gezogen. Sanft strich sie ihm über den Rücken. „Es ist okay. Aber du weißt hoffentlich, dass du jederzeit mit mir reden kannst, oder? Und wenn es mitten in der Nacht ist. Kann zwar sein, dass ich dich, wenn du mich Nachts aus meinem wohlverdienten Schlaf reißt, die ersten Sekunden umbringen will, aber ich wäre dennoch für dich da.“ Der Gaukler lächelte leicht, das erste Lächeln an diesem eher miesen Morgen. „Danke, Schneeflocke.“ „Jederzeit und immer wieder, Dimzo.“


Eine Weile herrschte schweigen, jeder von ihnen hing seinen Gedanken nach, bis Lirain erneut leise seufzte. „Schätze, das Training kann ich für heute wohl vergessen, hm?“ Dimenzio sah fragend auf. „Warum dass denn?“ Die Weißhaarige grinste leicht. „Naja, so hinüber wie du bist, wirst du dich kaum als Trainingspartner eignen. Und alleine trainieren geht auch nicht, weil ich dich so sicher nicht alleine lasse.“ Dimenzio blies beleidigt seine Backen auf. „Ich und hinüber? Schneechen, ich glaube deine eigene Magie steigt dir ein wenig zu sehr zu Kopf, kann das sein? Dein Urteilsvermögen ist nämlich scheinbar wirklich stark in Mitleidenschaft gezogen.“


Lirain lachte nur, ein heller Glockenklang ertönte und in der nächsten Sekunde stand sie mittig vom Trainingssaal. „Meine Magie steigt mir zu Kopf, ja? Bist du dir da sicher?“ Der Gaukler schüttelte leise lachend den Kopf, er ahnte, was seine Schneeflocke mit diesem albernen Getue vorhatte. Und zu seiner Schande musste er zugeben, dass es funktionierte.
Lirain wusste einfach, dass er diesem neckischen Tonfall nicht widerstehen konnte und auch, dass er ungern allein an seiner Magie und seinem Training arbeitete.


Vor allem, da seine Schneeflocke ihn mehr und besser kannte als jeder andere in jeder Dimension. Da machten die knappen zwei Jahre, die sie voneinander getrennt waren, keinen Abbruch.


Lirain hob eine Augenbraue, während in ihrer Handfläche ein Feuerball erschien, in ihren Haaren stoben kleine Funken umher, während ihre Augen einen sanften orangenen Schimmer annahmen. „Willst du weiter so dumm rumstehen, oder greifst du auch mal an?“ Dimenzio verdrehte die Augen, ein leises ‚zing‘ ertönte und im nächsten Moment stand er direkt hinter der Weißhaarigen.


Diese drehte sich blitzschnell um und ließ den Feuerball los, der jedoch an einer sanft leuchtenden Glaswand abprallte, die nun zerbrach und in funkelnden Scherben voller Runen und Symbole zu Boden regnete. Der Gaukler grinste und ließ einen magischen Stern in seiner Handfläche erscheinen, der zunächst recht klein wirkte, sodass Lirain verwirrt eine Augenbraue hob. „Soll ich jetzt erzittern vor Angst vor diesem süßen, kleinen, popeligen Ster- Shit!“
Fluchend sprang die Weißhaarige zur Seite, jedoch streife der magische Stern, der nun auf einmal deutlich größer war, ihren Arm und hinterließ eine brennende, schmerzende Spur auf ihrer Haut.


Dimenzio grinste und ließ einen erneuten Stern in seiner Handfläche erscheinen, ließ ihn spielerisch um seine Hand schweben. „Wie war das mit kleiner, popeliger Stern?“ Lirain streckte ihm die Zunge raus und im nächsten Moment wurde er von einem heftigen Windstoß getroffen, der ihn beinahe umwarf. Aber eben nur beinahe, denn gegen diese Magie war der Gaukler sehr gut gewappnet. Er grinste herausfordernd.


Wirklich süß, das seine Schneeflocke dachte, dass sie mit ein bisschen Wind gegen ihn ankam. Ein hauchzartes ‚zing‘ ertönte und schon war er direkt hinter Lirain, schnappte sich ihre Hände und verschränkte sie hinter ihrem Rücken. „Und was machst du jetzt?“, wisperte er, während er sanfte Magiewellen aussendete, die das Dimensionsspringen für Lirain für eine gewisse Zeit blockierte. So konnte er ihr nicht einfach so entwischen… Mal schauen, was sie sich nun einfallen ließ.


Lirain zappelte heftig in Dimenzios Griff, doch dieser blieb eisern, ließ sie nicht los und unterbrach auch nicht die Magiewellen, die Lirains Dimensionsmagie weiterhin blockierten. Schließlich hörte er einen frustrierten Laut von der Weißhaarigen, was den Gaukler nur grinsen ließ. Doch dieses Grinsen verging ihm langsam, als er den feurigen Blick sah, den Lirain ihm über die Schulter zuwarf. „Netter Trick, muss ich dir lassen, Dimzo. Aber du weißt schon, dass ich noch andere nette Magien auf meiner Seite habe, abgesehen von der des Dimensionsspringens, ja?“


Plötzlich spürte er, wie ein Handgelenk in seinen Händen kalt wurde und unglaublich dünn und glatt… Nebel umfasste seine beiden Hände und Dimenzio fluchte leise auf, ließ Lirains Hände los und sprang zurück. Dieser silberne Nebel wirkte zwar recht harmlos, doch das war er nicht. Das wusste der Gauklermagier aus eigener Erfahrung. Und das spürte er auch jetzt, denn seine Hände fühlten sich eiskalt an, seine Finger ließen sich nur schwer bewegen.


Lirain grinste ihn an, während sie ihren knöchernen Arm hob, ihn mit einem Finger zu sich winkte. „Na? Traust du dich jetzt nicht mehr in meine Nähe? Angst vor einem kleinen Nebelknochen?“ Dimenzio lachte schnaubend. „Als ob ich Angst vor ein bisschen Nebel hätte. Zeit, dir zarten Schneeflocke ein bisschen Respekt beizubringen.“ Die Augen des Gauklers blitzten auf, während er in seinem Inneren etwas spürte. Leicht, kaum mehr als ein leiser Hauch. Dunkle Magie…


Kurz verschob sich das Bild von Lirain, die nur hell auflachte, statt der Weißhaarigen sah er eine schwarzhaarige Schattenknochen mit dem Gesicht und dem Körper von Lirain, das Lachen wandelte sich zu einem grausamen Grinsen. Dimenzios Blick wurde dunkel, während er blitzschnell handelte, nicht eine Sekunde zögerte.


Er hob die Arme, seine Handflächen glühten in einem Mix aus Violett, Gelb und Schwarz und im nächsten Moment wurde Lirain von einem recht engen Glaskasten umschlossen, anders als die anderen war. Deutlich dunkler und beinahe schwarz war und kaum durchscheinend… Starke, magische Wellen wurden von dem Glas ausgesandt, sodass die Weißhaarige heftig von diesen getroffen und gegen die gegenüberliegende Scheibe geschleudert wurde. Diese vibrierte von dem Aufschlag, blieb aber ansonsten ganz. Sperrte Lirain weiterhin ein... Dimenzio währenddessen ließ die Hände ein Stück sinken, weitere dunkle, schwarze Magie wallte in ihm auf, als er zwei seiner Finger zusammenbrachte und… schnippte.


Ein gewaltiges Krachen ertönte, als die Explosionen in dem Glaskasten zündeten, vermischten sich mit dem Klang von berstendem Glas, als ein heftiger Ruck durch Dimenzios Körper fuhr.
Sein benebelter Geist klärte sich, als er bleich und voller Entsetzen nach vorne starrte, wo der Glaskastenzauber langsam zerstob und den Blick vollends auf ein loderndes Feuer freigab. In den Flammen, in denen sich winzige, silberne Funken zu mischen schienen, konnte man gerade so die Gestalt von Lirain wahrnehmen, die nun aus diesen heraustrat und Dimenzio aus großen, orange schimmernden Augen anblickte, während der kleine Feuerball, der ein wenig die Form einer Katze hatte, funkensprühend in ihrem Brustkorb eintauchte und verschwand.


„Bei Mortimi und Opapi, was war DAS? Das… also… das war echt unglaublich. Ich meine, ich wusste, dass du verdammt stark und mächtig bist, aber das…“ Lirain lachte ungläubig auf, sie wirkte noch ein wenig zerstreut, während Dimenzios ganzer Körper zitterte, er konnte sich nur schwer auf den Beinen halten. Ja. Seine Schneeflocke hatte recht. Was. War. Das. GEWESEN? Das war so überhaupt nicht vorgesehen. Er hatte vorgehabt, ein paar seiner Illusionen zu erschaffen, die Lirain ein wenig bedrängen sollten und nicht… nicht sie in einem solch mächtigen Glaskasten zu sperren, diese Magiewee auszusenden und dann auch noch solch eine Explosion zu erzeugen! Das…


Kreidebleich gab Dimenzios Körper schließlich nach, seine Beine sackten unter ihm zusammen. Wieder blitzte in seinem Kopf das Bild der leblosen Lirain auf. Kreidebleich… Starr… Trübe, kalte Augen… Eiskalte Haut an der seinen… Zittrig atmete Dimenzio ein und aus, er hob den Kopf und sah Lirain voller Schuld an. „Schneeflocke… Es… es tut mir so unendlich leid!“
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