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Die Magie der Wahrheit

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character)
02.10.2021
03.12.2021
10
13.922
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07.10.2021 1.342
 
PoV Lirain



„Ähm… Und du bist dir wirklich sicher, dass ich die Richtige für diesen Job bin?“ Zweifelnd blickte Lirain das Mädchen vor sich an, die schief grinste und noch einmal bekräftigend nickte. „Auf jeden Fall. Ich würde niemand anders wollen, der mir ein paar Trainingseinheiten lehrt.“, sagte Timpani, während Lirain sich eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn pustete und dann leise seufzte. Vielleicht hätte sie doch im Bett bleiben sollen und dieses merkwürdige Gefühl zum Teufel jagen sollen, dann müsste sie sich am frühen Morgen nicht damit rumschlagen, Timpani zu erklären, dass sie nicht gerade eine gute Wahl dafür war, jemandem das Kämpfen beizubringen…


Die weißhaarige Magierin war heute aus einem ihr unbekannten Grund sehr früh wach geworden. Irgendetwas hatte sie aus ihrem tiefen Schlummer gerissen, war herangewachsen zu einer immer stärker werdenden Unruhe, bis sie es einfach nicht noch länger im Bett ausgehalten hatte. Sie musste einfach aufstehen, sich bewegen, aus diesen ihr so eng vorkommenden vier Wänden raus. Deshalb war die Magierin regelrecht aus dem Bett gesprungen, hatte noch einen letzten, sanften Blick auf Dimenzio geworfen, der nur kurz die Stirn gerunzelt hatte und dann weiter seelenruhig geschlafen hatte, bevor sie aus dem Zimmer gegangen war.


Zunächst war Lirain nur ziellos durch die schwarzen Gänge der Burg gegangen, bis sie schließlich im Trainingssaal gelandet war. Schulterzuckend hatte sie ihre Haare zu einem hohen Zopf gebunden, hatte sich einen der silbernen Kampfstäbe geschnappt, die in einer Halterung an der Wand hingen und hatte begonnen, ein wenig zu trainieren. Schließlich war das auch eine der besten Methoden, mit denen sie ihren Kopf frei bekam… Und das hatte auch gut geklappt, bis sie plötzlich Gesellschaft bekommen hatte.


Und zwar von Timpani und Blumiere, der jedoch noch immer dem Titel Graf Bleck folgte. Seiner Meinung nach, wäre es so, als würde er seine Taten, die er als Graf Bleck begangen hatte, einfach fortwischen wollen, wenn er plötzlich wieder nur auf den Namen Blumiere hören würde. Es wäre so, als hätte es Graf Bleck nie gegeben und das wollte dieser nicht. Er wollte seine Taten wieder gut machen und nicht diese einfach zusammen mit ‚Graf Bleck‘ in eine Kiste stecken und für immer wegsperren.


Lirain schüttelte den Kopf, besann sich wieder auf das Hier und Jetzt und vor allem auf die Bitte von Timpani. Nämlich, ihr ein paar Kampftechniken zu zeigen und sie generell im Kampf ein wenig zu lehren. „Ich… weiß ehrlich gesagt nicht… Ich meine, ich sehe mich nicht unbedingt als eine Art Lehrerin.“, meinte die Weißhaarige noch immer zweifelnd und bekam beinahe schon ein schlechtes Gewissen, als sie das Enttäuschte Gesicht von Timpani sah. Sie seufzte.


„Okay. Ich kann echt nichts versprechen… Aber… Vielleicht kann ich dir ein paar Handgriffe oder so zeigen. Nur auf die Magie sollten wir am besten verzichten. Es sei denn, du hast in den letzten Monaten irgendwie irgendeine Art von Magie entwickelt, von der ich nichts weiß.“ Timpani schüttelte lachend den Kopf, ihre platinblonden, lockigen Haare, die beinahe so weiß schimmerten, wie Lirains eigenen Haare, flogen dabei wild umher. „Nein. Ich bin immer noch genau das selbe gewöhnliche Mädchen.“ „Du meinst wohl viel eher atemberaubend und unglaublich.“, erwiderte Graf Bleck mit einem sanften Lächeln, woraufhin Timpani lächelte, ein sanfter Rotschimmer war auf ihren Wangen zu sehen.


Lirain verkniff sich gerade so einen kleinen, spöttischen Kommentar und ging zu den Kampfstäben, suchte nach einem geeigneten Stab für sich selbst und für Timpani. Den Silberstab stellte sie zurück, stattdessen schnappte sie sich zwei sehr leichte Holzstäbe, die bei einem Treffer auf den Körper nicht ganz so sehr wehtaten wie die, die Dimenzio und sie normalerweise nutzten. Damit ging sie zurück zu Graf Bleck und dem ehemaligen Schmetterlings-Pixl und drückte dieser einen der Stäbe in die Hand.


„Mit einer Waffe umgehen zu können, schadet nie, ganz egal, ob man Magie beherrscht oder nicht. Also würde ich sagen, wir fangen damit an.“, meinte Lirain und nickte mit dem Kopf in die Mitte des Trainingsraumes. Timpani folgte ihr, sie stellten sich gegenüber auf und direkt unter ihnen erschien ein leuchtendes, quadratisches Feld, das einen sanften, lavendelfarbenen Schein absonderte.


„Ich zeige dir ein paar Techniken, mit denen du mir entweder den Stab aus der Hand schlagen kannst oder mich kampfunfähig machen könntest. Und dann… schauen wir mal, ob du es schaffst, mich von diesem Feld zu drängen.“ Lirain grinste leicht und bemerkte den aufgeregten, neugierigen Schimmer in den blauen Augen von Timpani.


Es war wirklich lange her, dass jemand sich so sehr für den kämpferischen Aspekt ihres Trainings interessierte. Ein wenig erinnerte es sie an sich selbst, als sie jünger gewesen war und gerade Dimenzio kennengelernt hatte…
Lirains Lächeln wurde noch ein wenig tiefer, bevor sie diese Erinnerungen erst einmal beiseite schob und sich konzentrierte. Schließlich wollte sie sich vor Timpani nicht komplett zum Narren machen.


Zunächst erklärte sie ihr einige Techniken und Handhabungen, mit denen sie am besten mit dem Stab umgehen würde können und nachdem sie das Gefühl hatte, dass die Platinblonde alles recht gut verinnerlicht hatte, stellte sie sich angriffsbereit vor ihr hin, den Stab mit einem leichten Grinsen fest in der Hand. „Na dann los. Greif mich an.“, forderte sie sie auf. Timpani sah sie etwas zögernd an, woraufhin Lirain leise lachte. „Greif mich ruhig an. Du brauchst keine Angst haben, mir irgendwie wehzutun. Na los.“ Sie schwang den Stab kurz hin und her und sah sie ermutigend an. Timpani nickte und preschte schließlich auf sie los, der Stab raste auf sie nieder. Lirain hob ihren eigenen, fing den Schlag ab, kurz vibrierte das Holz in ihrer Hand, woraufhin die Magierin kurz beeindruckt eine Augenbraue hob. Der Schlag war wirklich nicht schlecht… Mit genug Training konnte Timpani wirklich verdammt gut werden.


Lirain trat kurz einen Schritt zurück, bevor sie diesmal einen Angriff startete, den Stab schwungvoll und mit Kraft gegen den erhobenen Holzstab von Timpani krachen ließ, die diesem Schlag nicht wirklich standhalten konnte und überrascht nach hinten stolperte. Bevor sie sich fangen konnte, fiel sie zu Boden, der Stab flog ihr ebenfalls aus den Händen und rollte neben sie. Nur eine Sekunde später sah der ehemalige Schmetterlings-Pixl auf die Spitze von Lirains Stab.


Schmollend sah die Platinblonde zur Seite, woraufhin Lirain leise lachte und ihr aufhalf. „Hey, kein Grund so ein Gesicht zu ziehen. Für den Anfang war das wirklich nicht schlecht. Außerdem hast du wirklich viel Kraft in deinen Schlägen, das können wir gut ausbauen. Das einzige, woran wir arbeiten müssten, ist deine Konzentration und dein Gleichgewicht. Der Rest wird sich dann schon ergeben.“ Timpani sah zu der weißhaarigen Magierin, die ihr aufmunternd zulächelte, woraufhin sich auch auf dem Gesicht ihres Gegenübers ein kleines Lächeln breitmachte. „Danke, Lirain.“ „Immer wieder gerne.“


Zufrieden ging Timpani zu Graf Bleck, dessen Augen vor Stolz nur so glühten und nickte Lirain kurz dankend zu, die daraufhin nur noch breiter grinste. Kurze Zeit später war die junge Magierin wieder alleine, doch das sollte nicht lange so bleiben.


Keuchend und vollkommen abgehetzt stürzte Dimenzio in den Raum, die silbernen Haare standen kreuz und quer von seinem Kopf ab, einige Strähnen leuchteten etwas feucht im Schein der weißen Fackeln und ein gehetzter, ängstlicher Ausdruck war überdeutlich in seinen verschiedenfarbigen Augen zu sehen.


Lirain, die eben noch einen Zauber wirken wollte, erschrak, der Zauber verpuffte mit einem lauten Knall, doch sie schenkte dem keinerlei weitere Beachtung. Stattdessen ertönte ein hauchzarter Glockenton und in der nächsten Sekunde stand sie direkt neben Dimenzio. „Dimzo! Hey, hey, was ist los? Was ist passiert?“ Besorgt und mit langsam immer mehr ansteigendem Herzschlag nahm sie das Gesicht ihres Partners in ihre Hände, sah ihm forschend in die Augen, aus denen dieses gehetzte, ängstliche langsam verschwand und einer unglaublichen Erleichterung platz machte.


Bevor sie noch einmal fragen konnte, was geschehen war, wurde die Weißhaarige in eine beinahe schon knochenbrecherische Umarmung gezogen, sodass sie leise ächzte. Sie spürte Dimenzios leichtes Zittern, während er sie noch enger an sich presste. Schweigend erwiderte sie die Umarmung, strich ihm immer wieder sanft über das wirre Haar. Wartete, bis er bereit war, ihr zu sagen, was genau ihn so schrecklich aufgewühlt hatte…
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