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Konsequenzen

von nono2312
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Anthony "Tony" DiNozzo Leroy "Jethro" Gibbs Timothy "Tim" McGee Ziva David
01.10.2021
26.11.2021
24
38.576
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
16.11.2021 1.719
 
Ziva:



Ich sah ihn einfach nur daliegen.
Seinen leblosen Körper.
Verzweiflung herrschte über meinen Körper und liess mich nicht mehr klar denken.
Das ganze Blut.
Mir wurde schlecht. Ich senkte meinen Kopf und atmete tief ein und aus. Schloss meine Augen, um aus diesem schrecklichen Alptraum aufzuwachen.
Doch nichts passierte.
Es war kein Traum.
Es war die pure Realität, die mir nach den Aussagen der Sanitäter meinen Tony nehmen würde.
Bitte nicht meinen Tony.
Das hatte er ganz bestimmt niemals verdient.
Eine Träne löste sich aus meinem Auge und floss gleichgültig an meiner Wange herunter, die vor Anspannung wild pochte.
Maddie war noch immer in meinen Armen und ginge es nach mir, würde ich sie niemals loslassen. Ich konnte mir nur ansatzweise vorstellen, was das kleine Mädchen in den letzten Tagen hatte durchmachen müssen. Sie sollte nicht allein sein.
Wir mussten sie so schnell wie möglich zu ihrer Mutter bringen.
Mein Blick glitt wieder rüber zu Tony, den ich einfach im aktuellen Zustand nicht verdrängen konnte.
«Laden auf 250 Joule!», ertönte die Stimme von einem der Sanitäter. «Alle weg!»
Kurz darauf stiess Tonys Oberkörper in die Luft.
«Nichts! 1 Milligramm Adrenalin und laden auf 300 Joule!»
Maddie schluchzte laut auf und bohrte ihre Nägel tiefer in meinen Nacken. Sie riss mich aus meiner Starre heraus und ich entschied, sie hier rauszubringen. Sie musste nicht miterleben, wie Tony hier lag und die Sanitäter um sein Leben kämpften. Sie hatte bereits genug durchgemacht.
«Bitte, Tony.», wisperte ich noch leise in Richtung meines guten Teamkollegens und verliess dann mit Maddison auf meinem Arm sein Schlafzimmer.
Als wir im Wohnzimmer standen, vielen mir sofort die Fotos auf seiner Kommode auf, die er schön aufgestellt hatte. Sie alle zeigten Mitglieder unseres Teams, keine sonstigen Bilder, was mich leicht verwunderte. Weshalb stand kein Bild von Ryan oder Maddison dort, wenn sie ihm doch so wichtig waren? Weshalb hatte er sie verschwiegen? Sonst war Tony so gesprächig, wenn es um sein Privatleben ging. Wobei… Er erzählte meist nur von Dates und Filmen, die er gesehen hatte. Wieso viel mir erst jetzt auf, wie wenig ich von Tony wirklich wusste? Wie viele Geheimnisse hatte er noch vor mir?
Ein Bild stach mir besonders ins Auge und liess mich schmunzeln. Es erinnerte mich an einen besonderen Tag, als ich Tony noch keine vier Monate kannte und er mich schon da zur Weissglut getrieben hatte.



***

«My Lady?»
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht drehte er sich zu mir ums. Seine braunen Haare waren ganz strubbelig, was ihn umso charmanter aussehen liess. Er zwinkerte mir zu und streckte mir seine Hand entgegen.
Ich stiess ein freches Lachen aus, als ich seine Hand wegschlug. «Danke, nein.»
«Du musst nicht die Tapfere spielen, Zivaaaaa. Am Schluss landest du noch im Wasser.»
Ich warf ihm einen bösen Blick zu und hob meinen Zeigefinger drohend in die Luft.
Schliesslich machte er Platz und gab mir mit einer Handgeste den Vorrang, sodass ich an das Ufer des kleinen Baches marschierte und meinen rechten Fuss vorsichtig auf den ersten Stein stellte, der über die Wasseroberfläche herausragte.
Ich spürte, wie mein Fuss rutschte, liess mich aber nicht davon beirren und setzte zum nächsten Schritt an.
Doch dazu kam es nie.
Meine Arme fuchtelten wild in der Luft, um mein Gleichgewicht zu halten, doch es war ausweglos. Hinter mir hörte ich, wie Tony sich vor Lachen nicht mehr halten konnte und mit seiner Hand laut auf den Oberschenkel schlug.
Zwei Sekunden später klatschte mein Körper, allen voran mein Hintern, in das eiskalte Wasser und liess mich wütend fluchen.
Das einzig Positive war, dass der Bach nicht tief war. Dennoch spürte ich die Kälte, die meinen Körper überzog und wünschte mir, ich könnte nach Hause, um mich umzuziehen.
«Wow, selbst ist die Frau, was Zivaaaaaa?», lachte Tony und kam langsam auf mich zu.
Ich stützte meine Hände gegen den Boden, als mich auch schon ein weisser Blitz hochblicken liess. Finster blickte ich zu Tony, der es gerade tatsächlich gewagt hatte, ein Foto von mir zu machen.
«Das wirst du bereuen.», drohte ich ihm, während ich meine Hände gegen den Boden des Baches stemmte und mich langsam aufrichtete.
«Vermutlich, aber das war es mir wert.»

***



Es war irgendwie süss von ihm, dass er das Bild hier in seiner Wohnung aufgestellt hatte, um sich immer an den lustigen Moment zu erinnern. Dennoch würde ich mit ihm schimpfen müssen, sobald er wieder auf den Beinen war.
Sofern er jemals wieder auf den Beinen sein würde, schoss es mir durch den Kopf.

«Wird er es schaffen?», wimmerte Maddison, als ich mich langsam auf das gemütliche Sofa niederliess und sie auf meinen Schoss setzte. Sie umklammerte mich noch immer fest und machte nicht den Eindruck, mich jemals wieder loslassen zu wollen.
Einen Moment zögerte ich, doch ich entschied mich, zu lügen.
«Natürlich. Tony ist stark.»
Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn und streichelte behutsam durch ihr blondes, welliges Haar.
«Alles wird wieder gut.», flüsterte ich sanft und in diesem Moment kamen schon die Sanitäter hektisch aus dem Schlafzimmer gestürmt.
Mit ihren Händen umklammerten sie die Fahrtrage, auf der Tony lag. Sein Hemd war aufgerissen und hing an den Seiten blutig herunter, ebenso wie seine rechte Hand. Blutverschmiert hing sie neben seinen so leblosen Körper.
Ich drückte Maddison fest an mich, um zu verhindern, dass sie ihn so sah.
Mein Blick wich zu Tonys Gesicht herüber, ich starrte in zwei grüne, verängstigte Augen, die meinen Blick gefühlvoll erwiderten.
Er machte seinen Mund auf und krächzte kaum hörbar den Namen des kleinen Mädchens. Und noch bevor ich realisierte, hatte er seine Augen wieder geschlossen und wurde von den Sanitätern aus der Wohnung verfrachtet, um ihn schnellstmöglich ins Krankenhaus zu fahren.

Plötzlich erschien Gibbs vor mir und starrte mich entsetzt an. Seine Hände bis hoch zu seinen Ellbogen waren blutverschmiert, was mich gequält aufstöhnen liess.
«Hallo Maddison, ich bin Gibbs.», sagte er ruhig und trat auf uns zu. «Wir fahren jetzt ins Krankenhaus, dort wartet deine Mutter auf dich, in Ordnung?»
Für einen kurzen Moment drehte das Mädchen ihren Kopf zu Gibbs und schaute ihn einfach nur an. Dann nickte sie zaghaft und wurde erneut von einem Heulkrampf überfallen.
Gibbs drehte sich um zu Tonys offener Wohnungstür und starrte in den leeren Gang hinaus, in dem sein Agent vor wenigen Sekunden herausgeschoben wurde.
Blutend.
Schwer verletzt.






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«Gibbs Gibbs Gibbs!», ertönte eine quiekende Stimme hinter mir, die mich sogleich umdrehen liess.
Eine Frau mit schwarzen Haaren, die zu zwei Rattenschwänzen zusammengebunden waren stürmte auf mich zu. Sie war komplett schwarz bekleidet, wie sie es fast immer war. Um ihren Hals war ein Ledernietenhalsband eng geschnürt, das laut klimperte, gleich wie ihre Ketten an ihrer Hose.
«Gibbs!», stiess sie erneut empört aus, als sie endlich bei mir ankam. Sofort legte ich meine Arme um sie und drückte sie fest an mich. Mein Herz klopfte schmerzhaft, als ich gedanklich wieder zu Tony glitt, der noch immer im OP lag.
«Abby.», entgegnete ich und gab ihr einen zaghaften Kuss auf die Stirn.
Eine Träne lief an ihrer Wange herunter, die ich mit meinem Daumen sanft wegwischte.
«Wie geht es ihm? Wie geht es meinem Tiger?», fragte sie ungeduldig mit bebender Stimme. In ihrem Gesicht spiegelte sich ihre Angst um ihren geliebten Tiger wider, so wie sie ihn immer gern nannte. Ich erkannte, wie sehr ihre Hände zitterten, die sie sofort zusammenpresste und verzweifelt gegen ihren Bauch drückte.
«Er wird noch operiert.», erwiderte ich so leise, dass sie mich vermutlich nur schwer verstanden hatte. Dennoch sah ich ihr an, wie sie noch blasser wurde. Sie schüttelte ihren Kopf. An ihren Handgelenken trug sie mehrere Ketten, die klirrten, als sie ihre Arme in die Hüfte stemmte.
«Wie konnte das passieren? Was ist denn nur passiert? Wieso hat er uns nichts gesagt, Gibbs? Wieso hat er das getan? Wieso hat er uns das alles verheimlicht? Wusstest du etwas davon? Hat er sich dir anvertraut? Hast du mir das etwa verh…?»
«Abbs.», unterbrach ich ihren aufbrausenden Redefluss, wohl eher ihre Fragen. Sie war völlig durch den Wind, was ich ihr nicht verübeln konnte.
Tony hatte es uns allen verheimlicht. Hatte niemandem von seiner schrecklich schmerzhaften Vergangenheit erzählt. Aber jetzt musste er es.
Mit grossen, zornigen Augen starrte unsere Forensikern mich an. «Was hat er nur durchmachen müssen, Gibbsman? Wieso hat er nie was gesagt?», brachte sie stockend unter Tränen heraus, die ich ihr einzeln wegwischte. Es tat mir weh, sie so zu sehen. Sie hatte nicht nur Angst um Tony, sie war auch mehr als verletzt, dass sie das von ihm nicht gewusst hatte. Dass er es ihr nicht anvertraut hatte.
Aber damit konnte ich mich jetzt nicht befassen.
Leicht zögerlich reagierte ich auf ihre Frage, die mich ebenfalls zum Nachdenken gebracht hatten.
«Wir werden es erfahren, Abbs.», murmelte ich schliesslich, woraufhin sie nur ein kurzes Nicken zustande brachte.
Mich jedoch beschäftigte noch viel mehr. Wer hatte Tony so zugerichtet? Wer hat Maddison entführt und Ryan Williams ermordet?

Plötzlich wurde die Tür vom Wartezimmer weit aufgeschlagen und ein Arzt kam auf uns zu. Innerlich hoffte ich, dass es der Arzt war, den Tony operiert hatte. Der Arzt, der ihm sagen würde, dass Tony lebte und über den Berg war. Ich schaute den eingetretenen Arzt hoffnungsvoll an, der sich jedoch nach zwei Schritten nach links drehte und sich zu einer alten Dame setzte, die tränenverschmiert aufblickte.
Enttäuscht blickte ich auf den Gang und wünschte mir, dass endlich jemand kommen würde, der mir meine Ängste nehmen wird.
Wie lange konnte es denn noch dauern?
Es waren nun schon sechs Stunden, seit Tony aus dem Wohnzimmer seines Apartments gerollt wurde.
«Er wird es schaffen, oder?»
Leicht verunsichert durch ihre Frage schaute ich in ihre glasigen Augen.
Erinnerungen schossen vor mir auf. Vor mir erschien wieder der blutende Tony, den ich in seinem Schlafzimmer am Boden angetroffen hatte. Schwer verwundet.
Gott, es war so viel Blut.
Er musste es einfach schaffen. Wir alle würden das hier nicht überleben, wenn Tony jetzt hier sterben würde.
«Du kennst ihn doch. Er ist stark.»

Ich fischte mein Handy heraus, um Ziva anzurufen, die mit McGee zusammen am Tatort waren, in Tonys Apartment. Doch bevor ich überhaupt die Kurzwahltaste drücken konnte, marschierten zwei gutgebaute Männer in Anzügen herein und bauten sich vor mir auf.
«Wer zum Teufel sind Sie?», forderte ich sie sofort mit meiner grimmigen Stimme auf, sich auszuweisen.
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