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Semor rappelt sich auf

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFantasy, Sci-Fi / P16 / Gen
OC (Own Character)
01.10.2021
01.10.2021
1
1.080
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Mittwochmorgen. Es ist ein schöner Tag in Heidelberg. Alle Kenner der Heidelberger Politik wissen, dass das daran liegt, dass sich Universität und Stadtverwaltung mal wieder gut verstehen und daher der Smog der AGC durch die Magier nach Norden vertrieben wird. Die Studenten sind verkatert – dank der gestrigen MathPhysTheo-Party – auf dem Weg zur Universität. In der Innenstadt machen sich die ersten Touristen-Gruppen auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten. Am Emmertsgrund sind die lokalen Gangs damit beschäftigt zu planen wie sie die anderen Gangs vernichten können, während sie gleichzeitig Angst vor der erwachten Natur im Wald in Richtung Königsstuhl haben. Ein ganz normaler Tag in Heidelberg.

Ein nerviges Piepen weckt Semor auf. Seine Hand fliegt genervt auf seinen Nachttisch und er schlägt mit der – im Halbschlaf nicht gezügelten – Kraft von Kunstmuskeln auf seinen Wecker. Das Krachen weckt ihn richtig auf, bevor er realisiert, dass ihn gar nicht der Wecker, sondern sein Kommlink geweckt hat. Er streicht sich die mal wieder viel zu lang gewordenen braunen Haare aus dem Gesicht und drückt auf Annehmen.

„Na Semor alter Alkoholiker“ tönt es mit einem dröhnenden Bass aus dem Kommlink. Sein alter Zwergenkumpel Twinker begrüßt ihn zwar schon seit Jahren so, aber nach den doch regelmäßig eskalierten Partys der letzten Wochen klingt es weniger ironisch gemeint als sonst.

„Hallo Twinker“ grummelt Semor in das Kommlink. Jeden anderen hätte er jetzt wohl weggedrückt, bis der Kater von dem billigen Gin von gestern verschwunden wäre, aber bei Twinker kann er sich das nicht leisten. Vielleicht hat er einen Job für ihn.

„Na, ausgeschlafen? Man hat ja gehört, dass du es in letzter Zeit ordentlich krachen lässt.“ kommt von Twinker mit triefender Ironie. Der Zwerg wusste genauso gut wie Semor selbst, dass er sich in letzter Zeit nur in seiner Wohnung im freien, also nicht von SK dominierten, Teil von Rohrbach zudröhnte.

„Was willst du?“ sagt Semor. Seine Kopfschmerzen fühlen sich so an, als würde ein Holzhammer ihm regelmäßig auf die Schläfen hauen.

„Eigentlich wollte ich dir nur mal wieder einen Job anbieten, aber ich glaube jetzt inzwischen, dass ich dir eher mal endlich in den Arsch treten sollte.“ sagt Twinker und Semor hört ein Klingeln an seiner Wohnungstür. „Und jetzt steh auf und mach mir die Tür auf!“

Semor quält sich nach oben und stolpert zur Tür. Es sind nur ein paar Meter, sein gutes großes Apartment hat er schließlich vor einigen Wochen aufgeben müssen, nachdem er die letzten Monate eigentlich nur besoffen verbracht hatte wegen… Nicht dran denken. Er macht die Tür auf und vor ihm steht Twinker. Eigentlich ein recht klassischer Zwerg, abgesehen von dem Halsband und einigen Sado-Maso (so hatte es ihm Twinker zumindest erklärt) Tattoos. Nach den ersten Erklärungen hatte Semor nicht wieder nachgefragt.

Im Gesicht des Zwerges kann Semor eine Mischung aus Besorgnis und Wut erkennen. Semor dreht sich gleich um bevor Twinker ihm wieder seine nervigen Worte ins Gesicht schleudern kann. „Wie stehst du noch zu einem Bier?“ frage Semor seinen alten Freund, während er in Richtung Kühlschrank läuft. Kurz hört er Schritte, bevor er einen Handschuh im Nacken und einen Stromstoß spürt. Darauf wird alles, begleitet von stechendem Schmerz, dunkel.

Platsch! Semor wird von einem Schwall Wasser in seinem Gesicht wach. „Na, ausgeschlafen?“ hört er Twinkers Stimme irgendwo über sich. Semor versucht über sich zu greifen, merkt aber, dass seine Muskeln ihm noch nicht wieder gehorchen. Professionelle Instinkte greifen so langsam bei ihm trotz der Nachwirkungen des Stromstoßes und des Katers. Er nimmt wahr, dass er nicht gefesselt ist und schlägt die Augen auf. Twinker steht neben ihm und schaut mit leichter Verachtung auf ihn herab.

„So, die letzten Monate hab ich ja ganz entspannt zugeschaut wie du dich ruiniert hast, Chummer.“ hört er von ihm. „Zuerst hab ich es ja verstanden, dann ja irgendwann versucht zu helfen, aber inzwischen hab ich so genug.“

„Lass mich in Ruhe, du weißt doch…“ brummt Semor.

„Ja, ich weiß du bist scheiße behandelt worden Chummer. Und, glaubst du, dass du der einzige bist, dem das in den Schatten passiert ist?“

„Nein, aber…“

„Dann hör mir jetzt mal endlich zu. Ich hab genug. Dein scheiß Dosenbier von den Drekheads der AGC hab ich weggekippt. Ja, du kannst entweder gleich Neues holen gehen, oder du hörst mir verdammt nochmal zu.“

Semor setzt sich langsam auf. Immer noch tut sein ganzer Körper weh.

„Du warst gut Semor. Das weißt du. Der Kampf gegen die SK-Leute damals, das hätte nicht jeder geschafft. Es gab einen Grund warum man dich und dein Team immer für die härteren Runs rangeholt hat.“ Twinker atmet kurz durch. „Aber die letzten Monate hast du dich total gehen lassen. Ja, ich verstehe, dass du die Sache nicht runtersteckst. Ändert nichts daran, dass du deinen Arsch hochkriegen musst, wenn du nicht bei den Squattern in Boxberg landen willst. Und glaub mir, da hol ich dich nicht raus.“

„Und was soll ich tun?“ fragt Semor seinen Freund. „Gibt doch eh niemanden mehr, der mich für einen Run holen würde.“

„Da irrst du dich.“ sagt der Zwerg mit einem Grinsen im Gesicht, während er unschuldig seinen Schockhandschuh anblickt.

Einige Stunden später. Semor sitzt in seinem VW Impuls und ist auf dem Weg nach Kirchheim. Sein Kater ist inzwischen weitestgehend verschwunden – hauptsächlich dank einiger geheimer Mittelchen von Twinker – aber er merkt immer noch, dass seine Reflexe gerade eine Katastrophe sind. Eine Schande wie weit ich es haben kommen lassen, denkt er und merkt wie die Lust auf die Jagd und den nächsten Run gerade wiedererwacht. Twinker hat ihm nur einige wenige Worte mitgebracht. Sie sollen irgendwo einsteigen, Semor ist hauptsächlich als Backup da, falls was schiefgeht und es ist wohl ein gutes Team schon vorhanden.

Semor tritt wenige Minuten später in das „Taylors Heaven“ in Kirchheim, eine klassische Kneipe in den Schatten. Twinker ist eigentlich immer dort, wenn er nicht… Naja, nicht über seine SM-Spielchen nachdenken. Semor nickt dem Wirt, einem alten Troll freundlich zu, der überrascht die Brauen hochzieht. Hier war Semor nicht mehr seit…

„Hey Chummer.“ kommt eine hohe weibliche Stimme von der anderen Seite des Raums

… seit Tira ihn betrogen hat. Drek, ausgerechnet sie hier. Ab liebsten will er schon wieder wegrennen und einfach nur das nächste schlechte AGC-Heineken Bier… Nein, zusammenreißen.

„sieht wohl so aus, als wärst du unser fehlender Mann. Der Schmitt sollte gleich da sein.“ fährt Tira fort.

Drek! Semors Beine setzen sich wie roboterhaft in Bewegung und er geht zum Tisch, an dem Tira mit einem schwer vercyberten Typen und einer rothaarigen Elfe sitzt.
 
 
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