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Whumptober - Will Halstead Edition

von m-j98
SammlungDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
April Sexton Dr. Connor Rhodes Dr. Ethan Choi Dr. Natalie Mannig Dr. Will Halstead Maggie Lockwood
01.10.2021
31.10.2021
31
34.819
5
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01.10.2021 1.571
 
1. Appendicitis – Blinddarmentzündung

Ein schrilles Piepen riss Will aus seinem traumlosen Schlaf. Genervt stöhnte er und schlug, ohne auch nur die Augen zu öffnen, nach dem Wecker. Ein paar Minuten rührte Will sich nicht, bis der Wecker erneut klingelte. Diesmal stellte er ihn ganz aus und setzte sich in seinem Bett auf.
Die letzten Tage hatte der Arzt frei gehabt, konnte das jedoch nicht so sehr genießen, wie er es gern getan hätte. Es ging ihm nicht so gut, er hatte Bauchschmerzen und wenig Appetit. Will hoffte, dass es nach ein paar Tagen besser werden würde, aber nein. Er war gerade erst aufgewacht und ihm war jetzt schon übel. Trotzdem wollte Will sich nicht krankmelden, es fehlten so schon genug Ärzte im Med. Also raffte der junge Doktor sich auf und schlurfte ins Bad. Frühstück wollte Will lieber ausfallen lassen und auch den morgendlichen Kaffee ersetzte er durch Kräutertee, in der Hoffnung, dass es ihm später etwas besser ging.

Eine Stunde später trottete Will in den Pausenraum, wo sich glücklicherweise niemand befand und ließ sich auf einen der Stühle fallen. Er rieb sich mit einer Hand übers Gesicht und hielt dann kurz inne. Ist meine Temperatur erhöht? Na super, das fehlte mir jetzt auch noch …  Plötzlich öffnete sich die Tür und Natalie trat ein. „Hey, Will! Wie geht’s dir?”, fragte sie, als sie sich neben ihn setzte, Kaffeetasse in der Hand. „Gut, und dir?”, log Halstead und setzte sich sofort etwas gerader auf. Dr. Manning runzelte die Stirn. „Sicher? Du siehst etwas blass aus …”
„Ich bin rothaarig, ich seh‘ immer blass aus”, erwiderte Will trocken. Natalie schmunzelte. „Ja, schon, aber …“ Sie wollte Will nicht weiter damit bedrängen, da er scheinbar nicht darüber reden wollte, also wechselte sie das Thema. „Wie waren denn deine freien Tage?” Will, der den Themenwechsel sehr willkommen hieß, lachte. „Ich glaube, ich habe mehr geschlafen als alles andere! Das hatte ich aber auch echt mal nötig.” Will wollte nicht, dass Natalie sich Sorgen machte, daher erwähnte er erst gar nicht, dass er unter anderem so viel geschlafen hatte, weil er krank war, sondern erzählte lieber von anderen Dingen, die er auch gemacht hatte.
Nach einigen Minuten wurde Dr. Manning zu einem Patienten gerufen und so war Will wieder allein. Er seufzte. Die nächsten 24 Stunden werden hart …

Noch nicht einmal zwölf Stunden waren vergangen, doch Dr. Halstead hatte jetzt das Gefühl, er würde bereits 48 Stunden arbeiten. Die Schmerzen, welche die letzten Tage noch auszuhalten waren, waren mittlerweile so stark, als würde jemand Will bei jedem Schritt ein Messer in die rechte Seite rammen. Er hatte das Gefühl, dass das Fieber seit dem Morgen auch angestiegen war, sogar das Denken fiel mittlerweile schwer. Die leichte Übelkeit, die den Arzt schon den ganzen Tag begleitete, hatte sich vervielfacht, so dass Will nun über einer Toilette gebeugt war und sich das Toast, welches er sich mittags hineingezwungen hatte, wieder durch den Kopf gehen ließ. Als Dr. Halstead nach einigen Minuten sicher war, dass nichts mehr kommen würde, taumelte er aus der Kabine herüber zum Waschbecken. Der junge Mann wusch sich die Hände und das Gesicht, als er einen Blick in den Spiegel wagte. Was er sah, erschrak sogar ihn, er war wirklich sehr blass, kaltschweißig und sah generell einfach schrecklich aus. Ich kann so nicht arbeiten … ich sollte nach Hause gehen … Der Arzt stolperte aus dem Bad und machte sich auf den Weg zum Empfang, wo Maggie sich gerade aufhalten sollte. Einen Arm schützend um seine Körpermitte gelegt und eine Hand stützend an der Wand, schleppte Will sich an den Tresen. „Maggie … Ich muss nach Hause, mir geht es nicht gut”, presste Will zwischen den Lippen hervor. Die Krankenschwester sah von ihren Papieren auf, welche sie gerade durchsuchte und erschrak. „Will …? Was ist los, du siehst schrecklich aus!” Maggie ging um den Tresen herum und hakte den Arm ihres Kollegen bei ihr ein, um ihn zu stützen. „Du glühst ja förmlich!” Dr. Halstead versuchte sich loszureißen, seine schwächlichen Versuche waren jedoch vergebens.
Maggie geleitete Will gerade in einen der Behandlungsräume, als seine Augen nach oben rollten und seine Knie einfach nachgaben. Die Krankenschwester versuchte seinen Fall zu verlangsamen und packte ihn an seinem Kittel. „Verdammt!”

Connor, der gerade aus seiner Pause kam, sah wie Maggie Halstead am Arm hielt und mit ihm zu einem Untersuchungsraum ging. Verwundert machte er einige Schritte auf die beiden zu, als der Rotschopf plötzlich zusammenklappte. Geschockt blieb Rhodes eine Sekunde stehen.
„Verdammt!”
Maggies Schrei riss ihn wieder aus seiner Starre und er lief los. „Was ist passiert?”, fragte Connor, während er nach dem Puls seines Kollegen tastete. „Ich weiß nicht, er kam zu mir, weil er nach Hause gehen wollte, da es ihm nicht so gut ging. Er sah so schrecklich aus, also wollte ich ihn untersuchen und dann ist er einfach zusammengebrochen. Eben hat er sich den Bauch gehalten, als ob er weh täte”, berichtete die Krankenschwester. Connor hatte einen üblen Verdacht, erhöhte Temperatur, Bauchschmerzen und an Wills Kittel sah er Flecken, die verdächtig nach Erbrochenem aussahen. Rhodes zog das Oberteil seines Kollegen nach oben und begann den Bauch abzutasten. „Der Bauch ist aufgebläht und bretthart …“ Als Dr. Rhodes die rechte Seite wieder losließ, runzelte Will selbst im bewusstlosen Zustand die Stirn und stöhnte leise. April, die mittlerweile mit einer Trage gekommen war, half den anderen Will umzulagern, als Connor sagte: „Maggie, ruf im OP an, Will muss sofort da rein. April, bereite einen Ultraschall vor, während der OP bereit gemacht wird. Wir müssen sehen, was da drinnen vor sich geht. Ich glaube, sein Blinddarm steht kurz vorm Durchbruch!”

Will erwachte durch ein nerviges, monotones Piepen, von dem er dachte, es sei sein Wecker, doch irgendwas war anders. Mühsam schlug Dr. Halstead die Augen auf und fand sich, ganz zu seinem Erstaunen im Aufwachraum des Chicago Med wieder. „Was …?“ Will versuchte sich zu erinnern, was passiert war, aber sein Kopf fühlte sich an, als wäre er mit Watte gefüllt. Aufwachraum, Morphium … wurde ich operiert? Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, ging die Tür auf und Connor trat ein. „Du bist wach! Schön! Wir werden dich gleich auf Station bringen, da kannst du dich weiter ausruhen.“ Will wollte fragen, was hier gerade vor sich ging, aber seine Augenlider waren so schwer, dass sie einfach wieder zufielen.
Als Dr. Halstead das nächste Mal die Augen öffnete, fiel es ihm wesentlich leichter. Er sah sich um und stellte fest, dass er jetzt auf einem normalen Zimmer war und Natalie in einem Stuhl links von ihm saß. „Hey“, krächzte Will. Dr. Manning lächelte ihn an. „Hey … Wie geht’s dir? Und diesmal bitte die Wahrheit.“
„Besser … Aber … was ist passiert?“
„Du wurdest am Blinddarm operiert. Aber den Rest erklärt dir besser Connor. Ich hole ihn kurz, warte.“
Natalie verließ den Raum und einige Minuten später trat Connor ins Zimmer. „Hey. Natalie musste sich um einen Patienten kümmern, sie kommt aber bestimmt später nochmal wieder. Wie geht’s dir?“
„Alles ok … Aber bitte erklär‘ mir was passiert ist?“
Rhodes begann das Pflaster an Wills Bauch zu entfernen und sah sich die Wunde an. „Sieht gut aus …“, murmelte er mehr zu sich selbst als seinem Kollegen, beantwortete dann aber dessen Frage, „… ähm, du bist zu Maggie gegangen, um dich krankzumelden und nach Hause zu gehen – die wahrscheinlich beste Idee die du heute hattest, falls ich das anmerken darf – und du bist zusammengebrochen, bevor Maggie dich auch nur untersuchen konnte.“ Will schloss kurz die Augen und seufzte. „Mitten in der Notaufnahme?“ Connor wollte nicht glauben, was er da hörte. „Ja, mitten in der Notaufnahme, aber dein Ego sollte deine geringste Sorge sein! Du kannst froh sein, dass es in der Notaufnahme passiert ist und nicht auf der Straße oder noch schlimmer, allein bei dir zu Hause! Dein Blinddarm stand ganz kurz vorm Durchbruch, wenn ich dich nicht sofort operiert hätte, wärst du gestorben! Einerseits möchte ich dich dafür schlagen, dass du so krank zur Arbeit kommst, anstatt mal zum Arzt zu gehen, aber andererseits hätten wir wohl alle ein größeres Problem, wenn du allein zuhause gewesen wärst …“ Nachdem Connor seinem Ärger Luft gemacht hatte, atmete er einmal tief durch. Will schmunzelte. „Rhodes, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du machst dir Sorgen um mich.“ Connor funkelte seinen Kollegen böse an, auch, wenn keine wirkliche Bosheit darin lag. „Ich schwöre bei Gott, Halstead, eines Tages werde ich –“
„Weiß Jay Bescheid?“, unterbrach Will die Tirade des dunkelhaarigen Doktors plötzlich. So sehr er seinen Bruder auch lieb hatte, dieser machte sich immer viel zu viele Sorgen und man hätte Jay nicht wegen so etwas routinemäßigem wie einer Blinddarm-OP benachrichtigen müssen.
Selbstgefällig lächelte Connor Will an. „Oh, ja, er wurde leider auf der Arbeit aufgehalten, aber er sollte bald hier sein, um dir deine Standpauke zu erteilen.“ Halstead seufzte wieder. „Connor …“„Tja, selber Schuld würde ich sagen. Viel Glück dabei.“ Dr. Rhodes grinste, wurde dann aber wieder ernst. „Will, ehrlich, du musst ein bisschen auf dich achten … die OP ist zwar gut verlaufen, aber das alles hätten wir auch mit viel weniger Stress haben können, wenn du vorher zum Arzt gegangen wärst.“
„Ich weiß, tut mir leid … Ich schätze, das habe ich von meinem Vater. Ich werde in Zukunft besser auf meine Gesundheit achten, versprochen.“
Connor nickte und wandte sich zum Gehen.
„Rhodes …?“
Connor drehte sich wieder zu Will, welcher lächelte. „Danke, du weißt schon, für alles.“ Dr. Rhodes erwiderte das Lächeln. „Kein Problem.“

TBC: Broken
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