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Der Luchs

GeschichteAllgemein / P12 / Mix
01.10.2021
01.10.2021
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Ich hab meine LK-Klausur anderthalb Stunden zu früh abgegeben und sitze jetzt gelangweilt in der Schule rum, deswegen kommt jetzt endlich die Fortsetzung zu one chance! Juhu!
Viel Spaß und ganz liebe Grüße aus der Schule!

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Die Sonne prallte auf den erhitzten Boden und die Bäume in der Ferne verschwommen von der auf wabernden Wärme. Die Temperaturen waren unerträglich, weshalb Lou sich auf dem Dach der alten Halle, in der Markus seine Werkstatt hatte, mit Sonnenschirmen ein Quartier gebaut hatte. Während Markus sich also unten beim Reparieren von Leons Motorrad quälte, genoss sie in Höhen, die wenigstens Anzeichen von Windstößen zeigten, ein Hörbuch und verschlang schon ihr drittes Eis an dem Tag. Sie hatten mittlerweile seit einer Woche nicht mehr trainiert, weil jeder einzelne von ihnen schon nach einem Sprint umgekippt wäre.

Die Nachrichten gaben andauernd neue Höchsttemperaturen bekannt und die letzte Woche von den Sommerferien gab es nur noch hitzefrei, weshalb sich die ganze Schule jeden Tag am großen See einfand, um eine Abkühlung zu genießen. Auch die wilden Kerle faulenzten jeden Tag und hatten keine Motivation, sich in irgendeiner Weise anzustrengen. Seit Lous Einzug in die Mannschaft war fast ein Jahr vergangen und während sie sich mit allen gut verstand, war über das Jahr hinweg Markus zu ihrem besten Freund geworden. Nachdem er sich einmal beschwert hatte, dass er immer alleine in der Werkstatt rumsaß, hatte sie sich dazu aufgerafft, ihn an einem kalten, verregneten Herbsttag zu begleiten. Und auch wenn ihre Zehen danach fast abgefroren waren, hatte es großen Spaß gemacht und es war zu einer Tradition geworden, wodurch die beiden mittlerweile fast alles übereinander wussten und aneinander klebten. Als Maxi jedoch mal darüber meckerte, dass sich das alles mittlerweile mehr wie eine Dreierbeziehung anfühlte, schraubten sie die Häufigkeit ihrer Treffen runter. Und so besuchte Lou Markus nun einmal in der Woche nach der Schule an der Werkstatt.

Neben Markus waren Juli und Vanessa ihre engsten Freunde und auch die beiden hatte sie sehr lieb gewonnen, obwohl Juli ihr andauernd in den Ohren lag, weil er Amelie so sehr vermisste. Sie hatte die Mannschaft sowohl in den Herbst-, als auch Osterferien nochmal besucht. In den Weihnachtsferien hatte sie nicht kommen können, da sie ihre Großeltern besuchen musste. Darum war das junge Pärchen sich zu Ostern schluchzend um die Arme gefallen und hatte die komplette erste Woche alleine verbracht. Nur zum Training waren sie aufgekreuzt, bei dem Amelie sie wie wild anfeuerte. Dass es kein wichtiges Spiel oder ein Turnier war, störte sie dabei herzlich wenig. Als sie dann wieder abreisen musste, bekam sie von Leon ein Ehren-Maskottchen-Trikot geschenkt, das sie danach, wie Lou in einer SMS erfuhr, fast jeden Tag anzog. In nur zwei Tagen würde Amelie wieder kommen, diesmal durfte sie vier Wochen bleiben, und alle wilden Kerle, die sie mittlerweile sehr ins Herz geschlossen hatten, freuten sich darauf, sie wiederzusehen. Auch Lou war unheimlich aufgeregt und konnte es nicht erwarten, ihre beste Freundin wiederzuhaben.

„Hallo, Schatz!“, riss Maxi sie plötzlich aus ihren Gedanken heraus. Sie spürte, wie er ihre Beine, die auf einem alten Sofa lagen, hochnahm, sich dann auf dem freigewordenen Platz niederließ und ihre Beine auf seinen Schoß legte. „Mann, Maxi, du bist viel zu warm!“, beschwerte sie sich dann, worauf er lachte. „Ich liebe dich auch, Louchen.“, erwiderte er nur und stand wieder auf. Gleichzeitig zog er sie mit hoch und gab ihr dann einen Kuss. „Ich wollte dich hier eigentlich nur aufgabeln und mal alleine mit dir zum See fahren. Wir haben in letzter Zeit irgendwie nicht viel zu zweit gemacht.“, erklärte er dann sein plötzliches Auftauchen. „Gut, dass du das fragst. Um ehrlich zu sein hat mich das auch schon genervt. Wir müssten aber noch kurz bei mir zu Hause vorbei, ein Handtuch holen, ja?“, stimmte sie zu.

Und so stiegen die beiden eine Leiter, die sie an der Wand der Halle angebracht hatten, vom Dach runter. Prompt kam ihnen Joschka entgegen und fragte sofort, wo sie denn hinwollten. „Wir wollen zum See.“, sofort spürte Lou, dass er fragen wollte, ob er mitkommen könne. „Aber wir wollen mal alleine gehen.“, sagte sie sofort eindringlich, da sie wusste, dass Joschka auch allen anderen Bescheid geben würde und es das mit dem gemeinsamen Nachmittag zu zweit gewesen wäre. Erst als sie aus Hör- und Reichweite von Joschka waren, erzählte Maxi, dass Joschka ihn mit einem herzzerreißenden Blick flehend angeschaut hatte. Der See war mittlerweile die einzige Möglichkeit, Abkühlung zu bekommen und gleichzeitig Spaß zu haben, ohne sich anstrengen zu müssen. Und so wollte jeder immer mit, wenn ein Ausflug dahin geplant wurde.

Doch dieses Mal wollten sie alleine hin und so machten sie sich schnell auf den Weg zu Lou, um ihr Handtuch zu holen. Auch ein Jahr später lebte Lou noch bei ihrem Vater und seit dem großen Streit hatte sie nur noch mit ihrer Mutter geredet, wenn sie Sachen nachgeholt hatte. Sie war noch immer traurig darüber, sah es jedoch nicht ein, wieder mit ihr zu reden, wenn sie sich noch nicht entschuldigt hatte. Und so herrschte auch noch heute Eiszeit. Trotzdem war sie froh, jetzt bei ihrem Vater zu Ieben, auch wenn ihre kleinen Geschwister sehr nervig sein konnten. Sie hatte viel mehr Freiheiten, konnte ihm alles anvertrauen und er unterstützte sie immer bedingungslos – so wie Eltern es eigentlich tun sollten. Eigentlich war alles perfekt, auch in der Schule hatte sie sich perfekt eingefunden, aber irgendwie hatte Lou ein unbeschreibliches, mulmiges Gefühl, dass das alles demnächst zusammenbrechen würde. Erzählt hatte sie davon niemandem, zu sehr freuten sich alle auf die Ferien und diese Vorfreude wollte sie nicht bremsen.

Schnell waren sie vor dem Haus von Lous Familie angekommen und Maxi wartete im Flur, während Lou ihr Handtuch einsammelte und noch kurz Wechselsachen zusammensuchte. „Geht’s mal wieder zum See?“, fragte Lous Vater, Sascha, der plötzlich im Türrahmen stand und Maxi neugierig anblickte. „Mhm, aber diesmal nur wir beide, ein kleines Date also, endlich mal wieder.“, erklärte er. Das brachte Sascha zum Schmunzeln, wusste er ja, wie sehr die beiden noch immer ineinander vernarrt waren. „Na dann wünsche ich euch mal viel Spaß, ja?“, sagte er zum Abschluss und verschwand dann wieder in seinem Büro, um weiter an Technikkram zu werkeln. Schnell war Lou zurück und sie machten sich auf Maxis Motorrad auf den Weg zum See. Das war ihr zwar noch immer ein bisschen ungeheuer und das Kribbeln, das sie jedes Mal spürte, wenn Maxi beschleunigte, wurde sie einfach nicht los, jedoch kam man damit schnell voran und es war echt praktisch, dass Maxi sie jeden Morgen abholte und zur Schule fuhr. Bei der ersten Fahrt hatte sie sich beim Start jedoch so erschrocken, dass sie fast heruntergefallen wäre. Heute konnte sie lachen, wenn sie daran dachte, damals, vor circa zehn Monaten, hatte sie sich aber erst gar nicht mehr getraut, auf das Motorrad zu steigen. Nach einiger Zeit hatte sie diese Angst überwunden und fuhr jetzt jeden Tag mit.

Nach nur zehn Minuten waren sie am See angekommen und entluden schnell ihre Sachen. Dann suchten sie sich ein abgelegenes, ruhiges Fleckchen, an dem sie ihre Ruhe haben würden. Schnell hatten sie sich ausgezogen und Maxi schnappte sich seine Freundin und sprintete mit ihr über seiner Schulter ins Wasser. Beide tauchten unter und kamen kurz darauf wieder an die Wasseroberfläche. Lou schwamm ein wenig rum und er beobachtete sie jetzt dabei. Ihre Haare waren in dem Jahr bis zu ihrer Taille runtergewachsen und umrahmten ihr Gesicht und ihren ganzen Körper perfekt. Sie glitzerten goldschimmernd im Sonnenlicht und ihre grünen Augen erinnerten ihn an Edelsteine. Mit jedem Tag entdeckte er mehr, das er an ihr liebte, nicht nur vom Aussehen her, sondern auch an ihrem Charakter. Über die Zeit war sie zwar entspannter geworden, jedoch war ihre Quirligkeit nicht verloren gegangen und sie war so lebensfroh wie eh und je. Auch auf ihn hatte sie einen großen Einfluss, er war offener geworden und tat sich vor allem in ihrer Präsenz leichter, mit Fremden zu reden. Sie hatte ihn zu einem besseren Menschen gemacht und dafür war er ihr bis auf ewig dankbar.

„Alles okay?“, fragte Lou jetzt vorsichtig und er erwachte aus seiner Starre. „Ja, alles klar, ich war grade nur in Gedanken versunken.“ Und schon wurde aus ihrem besorgten Ausdruck ein Lächeln. Mit dieser Abkühlung im Rücken legten sie sich in den Schatten eines Baumes und ruhten sich dort aus. So langsam wurde es kühler und die Luft wurde ertragbarer, sodass Lou sich endlich wieder, ohne in Hitzewallungen auszubrechen, an Maxi kuscheln konnte. Gemeinsam genossen sie die letzten Sonnenstrahlen des Tages und auch wenn sie diese nicht sehen konnte, waren sie förmlich zu riechen. Es war so friedlich, dass sie ihr Glück nicht fassen konnte. Plötzlich hörte sie Maxi herumkramen und wartete geduldig ab, bis er fertig war. „Was hast du gesucht?“, fragte sie dann. Daraufhin legte er ihr etwas in die Hand, das sie nach längerer Zeit als eine Kette identifizieren konnte. Sie hatte einen Anhänger, auf dem eine Lilie eingraviert war, ihre Lieblingsblume. „Es ist wunderschön, Maxi.“, sagte sie erstaunt. So etwas hatte sie nicht erwartet, solche romantischen Gesten aus dem Nichts war sie von ihrer besseren Hälfte nicht gewohnt. „Behalt das für immer, ja? Das ist ein Zeichen dafür, dass wir für immer zusammen bleiben werden. Und dass uns niemals irgendwas trennen können wird.“ Als Antwort nickte sie nur und lehnte sich dann vor, um ihn zu küssen. „Ich liebe dich. Ich liebe, liebe, liebe dich!“, drückte sie dann ihre Gefühle aus, worauf Maxi leicht lachte und es mit einem „Ich liebe dich auch.“ erwiderte.

Zum Abendessen gab es einen Nudelsalat, den Lous Stiefmutter Carina ihnen noch mitgegeben hatte. Morgen war der letzte Schultag und auch Lou fieberte sechs Wochen Freiheit entgegen. Sie hoffte nur, dass sich endlich wieder etwas tun würde, am besten eine Herausforderung für die wilden Kerle. Es würde der erste richtige Sommer zusammen werden und sie war mehr als aufgeregt. Ihr erstes Schuljahr in Grünwald war gut verlaufen, alle Lehrer waren sehr kooperativ und sie konnte sogar ihre Klausuren auf einem Laptop, auf dem nur die Schreibapp verfügbar war, schreiben. Sie hoffte, dass auch ihr letztes Schuljahr so verlaufen würde und sie ihr Abi unter welchen Umständen auch immer schreiben konnte. Aber jetzt kam erst einmal der Sommer und den wollte sie sich durch Zukunftsgedanken nicht versauen lassen. Sie sollte im Hier und Jetzt leben und alles voll und ganz genießen. Das wusste und wollte sie auch umsetzen. „Worüber denkst du nach?“, unterbrach Maxi sie aus ihren Gedanken. Lou seufzte auf, „Ach, nur die Ferien und was danach kommt.“ „Ist das nicht ein bisschen früh?", entgegnete er amüsiert, worauf sie auch kichern musste. „Vielleicht."

Sie blieben noch bis nach zehn Uhr und unterhielten sich über alles, was ihnen in den Sinn kam. Als er sie dann zu Hause absetzte, war sie sich sicher, dass dies einer der Abende war, an den man sich für immer erinnern würde. Dieses Gefühl wurde sie einfach nicht los und sie konnte zwar noch nicht sagen wie, aber sie wusste, dass die nächsten Wochen besonders werden würden. Es lag etwas in der Luft, das sie nicht beschreiben konnte. Es war wie ein Knistern, so als stünde etwas Großes bevor. Es war wie die Ruhe vor dem Sturm …

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Also fertiggestellt habe ich das ganze erst heute (begonnen am Montag), aber ich schreibe auch noch Bio :(
Ich bin aber stolz, dass ich das jetzt endlich geschafft habe!
In nur 4 Tagen bin ich auf Abschlussfahrt in Italien mit dem Erdkunde-LK und voll aufgeregt. Ich mache dieses Jahr einfach Abi!
Ich freue mich echt, hoffe aber auch, dass ich trotzdem bald wieder updaten kann.
Ich hoffe, dass euch die Einleitung gefallen hat!
Liebe Grüße,
Nynke <3
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