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When winter creates a witch

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Scarlet Witch / Wanda Maximoff Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
30.09.2021
14.10.2021
2
5.045
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14.10.2021 2.883
 
Das Spiel beginnt von Neuem. Irgendwann bin ich scheinbar doch eingeschlafen und werde nun unsanft geweckt. Ich habe fünf Minuten, um mich frisch zu machen. Dann laufe ich auch schon, von deutlich mehr Agenten als zuvor begleitet, auf die Tür zu, die mich zu dem lebendigen Albtraum führt. Ich wappne mich gegen die Angst, die in mir hochkriecht. Was, wenn ich heute wieder versage? Wenn das, was ich in seinem Kopf gesehen habe, ein billiger Trick war? Was soll sich auch schon geändert haben? An ihm nichts, wie ich feststelle, sobald die Tür hinter mir zufällt. Wie immer steht er da. Regungslos. Schaut einen Punkt neben meinem Kopf an, den er schon vor meiner Ankunft anvisiert hat.
Damit ebenso an Pietro vorbei, der zum ersten Mal vor mir in diesem Raum ist. Er zittert. Scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass er los sprintet.
»Kannst du ihn ablenken?«, es ist kaum mehr als ein Flüstern.
»Ich weiß es nicht«, gebe ich ehrlicherweise zu. Wie soll ich das auch schaffen, wenn ich keinen Deut schlauer bin als all die Wochen zuvor? Nachwievor weiß ich nicht, wie ich dieses nervige Summen in Energie verwandeln kann. Das Einzige, das wirklich anders gewesen ist, ist, dass ich noch nie so wütend gewesen bin wie in jenem Moment. Aber soll das wirklich der Schlüssel sein? Was bin ich? Der Hulk? Es muss eigentlich einen anderen Weg geben. Ich muss ihn nur finden.
Doch dafür habe ich keine Zeit. Versuche ich es halt mit der bereits bewährten Strategie. Denn nun, da er wieder im selben Raum ist, ist es ein leichtes, meine Adern vor Wut kochen zu lassen. Ich denke daran, was man uns angetan hat, was er uns bereits angetan hat, schiebe das gestrige Ereignis von mir. Denke an mich selbst; wie lange ich unnütz gewesen bin.
Und da spüre ich es wieder. Dieses Vibrieren. Es schwillt an, wärmt mich. Verlässt schließlich meinen Körper und sammelt sich um meine Finger, folgt jeder kleinen Bewegung. »Es kann losgehen«, raune ich.
Und tatsächlich. Sobald ich meine Hände anhebe, ruckt der Kopf der Maschine zu mir. Durchbohrt mich regelrecht, was mir eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Dabei macht er nicht einmal etwas anderes als nur zu Starren. Verdammt, warum hat er solch eine Wirkung auf mich?! Es soll endlich aufhören! »Das ist für Pietro«, flüstere ich.
Die Maschine neigt den Kopf, als hätte sie mich dennoch verstanden. Doch vielleicht wartet er auch einfach nur ab, was ich jetzt mit der Aura anstelle, die zu meinem Entsetzen bereits wieder abschwillt. Verflucht, ich darf mich nicht ablenken lassen! Ich möchte gar nicht wissen, wie dämlich es aussieht, als ich die Hände hebe und den Rest der Energie auf die Maschine richte. Aber es funktioniert. Er wird von dem Licht umhüllt, sogar angehoben.
Und dann ist da Pietro. Er stürmt vor, erwischt ihn mit hoffentlich voller Stärke am Kinn. Ich hoffe inständig, dass er nur meinetwegen nicht in der Lage ist, zu Boden zu gehen. Stattdessen ist es Pietro, der sich die Fingerknöchel reibt. Sie sind aufgesprungen. Als ob die Haut, die Knochen, auf die sie gestoßen sind, tatsächlich nicht menschlich sind.
Nein!
Ich bin nur für den Bruchteil einer Sekunde abgelenkt, doch die Aura fällt in sich zusammen. Vor Schrecken gelähmt, stehe ich nur da und glotze. Der Schlag hat der Maschine offenbar kaum etwas ausgemacht. Noch während sich seine normale Hand um den Hals meines Zwillings schlingt, schüttelt er den Kopf und scheint wieder unversehrt zu sein.
Verzweifelt versuche ich, wieder an die Quelle meiner Kraft zu gelangen, doch das, was sich um meine Finger ansammelt, ist ein schlechter Witz. Und wird ein immer schlechterer, je weiter er sich mir nähert.
Zum ersten Mal beachtet er mich, will mich loswerden und ich dachte, meine Angst könnte nicht größer werden. Wie naiv ich bin. Angst habe ich bisher um meinen Bruder gehabt. Die egoistische Angst um mich selbst, ist um ein vielfaches stärker.
Ich glaube, dafür existiert das Wort Panik.
Gerade, als ich mich daran erinnere, dass ich wenigstens den kläglichen Rest meiner Aura auf ihn schleudern sollte, ist er bei mir. Kurz wird mein Blickfeld vollständig von der Metallklaue ausgefüllt. Dann spüre ich sie auch schon an meinem Hals. Er drückt so fest zu, dass ich nur für einen Wimpernschlag Sternchen sehe bevor alles schwarz wird. Wie hält Pietro das aus? Er ist deutlich länger in diesen unbarmherzigen Fingern gefangen, wurde gerade durch den halben Raum geschleift. Atmet er überhaupt noch? Ich kann nichts hören außer meinen eigenen Puls, der unkontrolliert rast. Ein ohrenbetäubendes Rauschen erzeugt. Ich muss…
Was habe ich gerade gedacht?
Loslassen?
Ja, Loslassen klingt gut.
Einfach in der Dunkelheit versinken.
Das klingt schön.
Aber?
Verzögert registriere ich, dass es gar nicht schwarz ist. Nein, vor meinen Augenlidern leuchtet es. Gleißend rotes Licht. Es breitet sich rasend schnell in meinem Körper aus. Verdrängt das Rauschen meines Blutes, lässt das Gefühl, zu ersticken, verblassen. Vielleicht ist es nur das Gefühl, wenn man stirbt? In diesem Moment wird doch alles erträglicher oder nicht? Aber warum beugt sich mein Körper dann so auf, wenn ich doch aufgegeben habe?
Das habe ich doch, oder?
Nein. Nicht hier. Nicht so. Nicht, wenn ich damit auch Pietros Todesurteil unterschreibe.
Mit allem, was ich noch an Kraft mobilisiert bekomme, schleudere ich das Summen von mir. Hoffe inständig, dass ich das Monster damit von den Füßen reiße. Es ist das einzige, woran ich denken kann. Es ist unwichtig, dass ich wieder Luft bekomme, endlich atmen kann. Es ist unwichtig, ob ich diesen Ausbruch letztendlich auch überlebe. Hauptsache, ich kann diesen lebendig gewordenen Alptraum endlich loswerden.
Ich öffne meine Augen, zumindest versuche ich es, doch was ich sehe, ergibt zunächst keinen Sinn. Schnee wirbelt um mich herum. Nur ein einziger Farbkleks durchbricht dieses allumfassende weiß. Es ist rot. Die Quelle meiner Macht? Ich blinzle mehrmals, doch das Bild verändert sich nicht. Es wird nur schärfer.
Im nächsten Augenblick schreie ich frustriert auf. Zumindest glaube ich das. Denn nun werde ich von einem unerträglichen Fiepen gequält. Als ich meine Hände auf die Ohren presse, stelle ich fest, dass es aus mir heraus kommt. Oder ihm? Es ist jedenfalls in mir und ich kann nichts dagegen tun. Kann das Bild, das langsam mehr Konturen annimmt, nicht abschütteln. Der rote Fleck stellt sich als Frau heraus, deren Haare in einem atemberaubenden Herbstton strahlen. Noch hat sie mir den Rücken zugekehrt.
Doch dann dreht sie sich um. Sie ist jung. Wahrscheinlich kaum älter als ich. Ich höre ihr Lachen, als sie sich die widerspenstigen Locken hinters Ohr zu schieben versucht. Doch der Wind ist gnadenlos. Sie hat keine Chance, was ihr nicht wirklich etwas auszumachen scheint. Sie freut sich, dass ich – er – da ist. Mehr scheint sie nicht zu brauchen. Er auch nicht. Mir wird warm. Dieser Moment gehört nur den beiden.
Dieser jungen Frau und der Maschine.
Er hat sie geliebt.
Endlich löst sich die Szene auf. Doch nun werde ich von gleißend hellem Licht geblendet. Mein Kopf schmerzt, meine Augen tränen, ich erkenne kaum etwas. Schnappe aber nach Luft; obwohl ich würgen muss, kann ich nicht damit aufhören, immer gieriger zu werden. Nur, damit es mir wenige Sekunden später erneut den Atem verschlägt.
Pietro!
Was ist mit ihm? Blind taste ich nach ihm. Stoße auf einen weichen Körper, der vollkommen regungslos wirkt. Diese verdammten Tränen! Wütend wische ich sie weg.
Es ist tatsächlich mein Bruder.
Und er atmet nicht.
Dieser verdammte Scheißkerl. Hat er ihn…?
Wieso? Was haben wir ihm getan? Wie kann jemand, der angeblich lieben kann, zu so etwas in der Lage sein? Und warum haben meine verfluchten Kräfte nur in seinem Kopf rumgewühlt. Ich hatte ihn tot sehen wollen!
Ich versuche erneut, meine Aura zu mobilisieren, doch da ist gar nichts. Als hätte ich alles aufgebraucht, nur, um die lächerlichen Gedanken dieses Monstrums zu lesen. Immerhin kniet auch er auf allen vieren. Doch er wirkt nur völlig verstört. Nicht ansatzweise das, was er verdient hat! Er rauft sich die Haare, wirkt, als wäre er gewürgt worden. Hoffentlich hat er mich auch gespürt. Erfahren, wie Pietro sich jedes Mal gefühlt hat. Wie ich mich eben gefühlt habe.
Und dann vernehme ich den schönsten Laut, den ich jemals gehört habe. Mein Bruder schnappt nach Luft. Erleichterung flutet mich und würde mich vermutlich von den Beinen reißen, wäre ich nicht bereits am Boden.
Und dann sind diese verfluchten Agenten wieder da.

Sie haben mich in eine neue Zelle gebracht. Vier Glaswände, keinerlei Privatsphäre. Holzwürfel vor mir. Keine Trainingseinheit. Dreimal am Tag wird mir ein Tablett durch einen Schlitz geschoben. Als sei ich ansteckend… Offiziell heißt es, ich solle mich nun auf meine Kräfte konzentrieren. Dafür die Würfel.
Das ist Schwachsinn.
Es hat sie zuvor auch nicht gekümmert, dass Pietro und ich nichts verstanden haben. Mir fällt nur kein vernünftiger Grund ein, warum das nun nötig ist.
Sie haben erkannt, dass ich nicht nur Gegenstände bewegen kann. Also hat die Maschine gepetzt. Haben sie nun Angst vor mir?  Soll mir nur Recht sein. Wenn sie endlich verstehen, wie ich mich all die Zeit hier gefühlt habe. Vielleicht werden sie uns dann endlich anders behandeln? Wahrscheinlich ist das naives Kleinmädchendenken. Aber womöglich haben sie ein klein wenig mehr Respekt vor mir und somit auch Pietro. Immerhin bin ich, wenn ich diese verfluchte Aura endlich verstehe, in der Lage, mich für diese Behandlung zu rächen. Für all die Male, in denen ich dachte, ich würde diese neue Kraft in mir nicht aushalten. Als sie gedroht hat, mich von innen zu verbrennen, nur um im wichtigsten Moment stumm zu bleiben. Und für all die Male, in denen mein Herz gebrochen ist, wenn ich Pietros Schmerzenslaute vernommen habe.
Und letztendlich haben wir auch noch ein größeres Ziel…
Also tue ich Hydra den Gefallen. Ich konzentriere mich stundenlang auf die Würfel. Auf das Summen in mir, das am nächsten Tag wieder zu spüren ist. Versuche, es anschwellen zu lassen, es ausbrechen zu lassen und gleichzeitig die Kontrolle zu behalten.

Obwohl es mir endlich gelingt, die Würfel zu zerstören, bekomme ich mein altes Zimmer nicht zurück. Es ärgert mich, gerade in den Momenten, in denen meine Gedanken abdriften. Ich kann gar nicht verhindern, dass sie nun öfter zu der Maschine wandern. Ich verstehe es nicht, ich verstehe ihn nicht. Es ist, als hätte er eine gespaltene Persönlichkeit. Eine, die, ohne zu zögern, in der Lage ist, uns zu zerquetschen und eine, die lieben und lachen kann. Offensichtlich scheint die grausame die andere Seite zu verdrängen. Nein, eigentlich hat die Maschine längst gewonnen. Ich erkenne absolut nichts Menschliches mehr in ihm. Und das ist nur umso beängstigender. Will er aus uns so etwas machen wie er es ist? Gänsehaut breitet sich auf meinem gesamten Körper aus. Das darf ich nicht zulassen. Ich will endlich meine Kräfte verstehen, ihn in die Knie zwingen. Bewusst. Damit diese verfluchten Alpträume, in denen sich seine Metallklaue in den Vordergrund kämpft, sich um Pietros Hals schließt und so lange zudrückt, bis er nie wieder aufsteht, enden. Und jetzt, wo ich selbst noch immer Probleme mit dem Sprechen habe, weil sich mein Hals anfühlt, als sei da etwas mächtig verkehrt, meine ich im Traum sogar zu spüren, wie er dasselbe mit mir macht. Mir die Luft zum Atmen raubt, mich schweißgebadet aufschrecken lässt. Ich will sein verdammtes emotionsloses Gesicht bei unserer Ermordung nie wieder sehen!
Es dauert noch weitere vier Tage, bis sie mich endlich aus dem Glaskasten geholt haben. Mittlerweile habe ich die Würfel einige Male zerstört bekommen und bin der Meinung, dass der Zugang zu meinen Kräften einfacher geworden ist.
Doch nun, da ich endlich herausfinden kann, ob es für die Maschine reicht, bin ich mir plötzlich nicht mehr sicher. Wenn ich doch versage? Wenn er es erneut bis zu uns schafft? Wenn ich etwas finde, das mich daran zweifeln lässt, ob diese Maschine nicht doch etwas Menschliches hat? Gefühle sind etwas, das ich mir nicht leisten kann. Obwohl es ein leichtes ist, wütend zu werden, um die Aura heraufzubeschwören, muss es einfach einen anderen Weg geben und ich bin mir plötzlich gar nicht sicher, ob ich in den letzten Tagen wirklich dabei gewesen bin, herauszufinden, ob dem so ist.
Und dann bin ich plötzlich in den Raum.
Er steht da wie immer. Nein, etwas ist anders. Irgendetwas an ihm ist anders. Es fühlt sich noch kälter in seiner Gegenwart an als sonst. Er hebt wie immer nicht den Blick, um mich anzusehen. Aber er scheint auch irgendwie… gleichgültiger als je zuvor zu sein? Ist das überhaupt möglich?
Ich merke, wie sich mein Herzschlag beschleunigt. Irgendetwas an ihm macht mir noch mehr Angst als sonst. Ich hoffe, es liegt einfach daran, dass ich fast eine Woche nichts mit ihm zu tun haben musste. Dass ich mich irgendwie an ihn gewöhnt habe, und nun, wo ich weiß, wie angenehm die Tage ohne ihn sind, erschüttert es mich aufs Neue, ihm gegenüber zu treten.
Als die Tür ins Schloss fällt, ruckt sein Kopf doch in meine Richtung und mein Blut gefriert in den Adern. Da ist absolut nichts in seinem Gesicht. Keine Wiedererkennung. Als sei ich ihm vollkommen fremd. Man erkennt nicht einmal mehr die Lachfältchen um seine Augen.
Habe ich sie mir nur eingebildet?
Die Temperatur scheint rapide abzufallen, passend zu dem eiskalten Blau seiner Augen.
Und da fällt der Groschen. Heute ist es soweit. Wenn ich heute versage… wenn ich mich nicht wehren kann…
Das, was vor mir steht, will mich vernichten.
Endgültig.
Hydra hat offenbar keine Geduld mehr mit mir. Deshalb ist wohl auch Pietro noch immer nicht bei mir.
Unwillkürlich schlucke ich und kann nur im letzten Augenblick verhindern, dass ich meine Hand schützend um den Hals lege.
Ich starre zu der undurchsichtigen Scheibe. Bin mir sicher, dass dort ein ganzes Rudel an Wissenschaftlern steht, das jeden Schritt meines Versagens dokumentieren wird. Damit sie für den nächsten Kandidaten, der das Aufeinandertreffen mit dem merkwürdigen Stein überlebt, gewappnet sind.
Ich könnte heulen. Es ist nicht fair, dass sie mich los…
Mein Unterbewusstsein prescht mit einem lauten Summen durch meine Gedanken hindurch. Immerhin hat es eine Bewegung registriert, die meinen Augen völlig entgangen ist.
Die Maschine hat sich offenbar in Bewegung gesetzt. Trotz seiner schweren Stiefel habe ich ihn nicht einmal kommen hören. Er ist wie ein Geist.
Und dann ist mein Kopf erst Recht vollkommen leer durch die einsetzende Panik.
Es ist rein instinktiv, als ich die Hände hochreiße und die rote Aura auf ihn zuschießt. Ihn von den Beinen reißt. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie ich das gerade hinbekommen habe. Was vielleicht auch egal ist, denn es hat nicht sonderlich viel gebracht. Er steht bereits wieder auf und dann ist da doch eine Emotion.
Er ist genervt.
Und das raubt mir den letzten Fetzen an rationalem Menschenverstand.
Ich bin nicht mehr als ein dummes Spielzeug für ihn, das zwischen ihm und seinem … was auch immer Monster in ihrer Freizeit tun, steht. Monster AG ist da wahrscheinlich keine brauchbare Quelle.
Beinahe hätte ich gekichert. Wenn mein Körper zu irgendeiner Tätigkeit in der Lage wäre. Denn ich bin gelähmt vor Angst.
Was soll ich denn tun, wenn es nicht einmal etwas bringt, ihn quer durch den gesamten Raum zu schleudern?
Und dann ist er bei mir und mein Körper reagiert doch.
Auf die dümmste Art, die mir einfällt.
Ich kneife die Augen zu und hebe die Arme abwehrend vor mich. Als ob ihn das aufhalten würde. Bestimmt denkt er sich jetzt Ach so, sie mag das gar nicht? Na, dann sollte ich doch besser aufhören, ihr Angst zu machen.
Bitte, bitte, verdammte Kraft, mach endlich irgendwas!
Und dann schießt der Schmerz durch meinen Kopf. Würgt er mich bereits? Fühlt es sich deshalb an, als würde ich wanken? Fehlt meinem Hirn die nötige Luft?
In Zeitlupentempo zwinge ich meine Augen, sich zu öffnen.
Er steht mitten im Raum, die Arme neben sich hängend. Starrt mich einfach nur an. Oder die Funken, die um uns herum tanzen? Was ist passiert? Wo kommen sie her? Und wenn er noch gar nichts getan hat, woher kommt dann dieser verfluchte Druck in meinem Kopf, der zu einem Orkan anzuschwellen droht? Tränen schießen mir in die Augen, als ich die Hände an meinen Kopf halte. Nur unklar sehe ich, dass auch er sich bewegt. Kommt er wieder auf mich zu? Nein, es sind nur seine Arme. Er kopiert meine Geste.
Scheint ebenfalls Schmerzen zu haben, dabei sehe ich absolut gar nichts wie die letzten Male. Da ist nur eisige Kälte. Eine alles verschlingende Leere. Sie krallt sich an mir fest, möchte mich ertränken. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er gleich explodieren. Nur am Rande nehme ich wahr, dass mittlerweile Tränen meine Wangen regelrecht hinab strömen. Es hört einfach nicht auf.
Ich höre einen Schrei. War ich es? Keine Ahnung. Meine Beine geben unter mir nach. Es soll endlich aufhören, doch je drängender dieser Wunsch in mir schrillt, desto schlimmer wird mein – sein? – Schmerz.
Ich entkomme ihm nicht. Er nimmt Besitz von meinem ganzen Körper. Erneut schwillt etwas in mir an. Krachen ertönt.
Ich glaube, ich brenne.
Und dann ist es endlich vorbei.
Ich bilde mir ein, die Augen meines Bruders zu sehen, bevor mein Kopf auf dem Boden aufschlagen kann.
Ein schöner Anblick, bevor ich sterbe.
Auch, wenn sie so unglaublich besorgt wirken, dass ich ihn am liebsten beruhigen würde.
 
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